Stadtführung in Vilnius
Ich heisse Teresa Golovenkova und liebe unheimlich meine Stadt Vilnius. Mein Traum ist es, die Touristen mit meiner Heimatstadt und Umgebung zu verzaubern.
Seit 2006 arbeite ich als lizenzierte Stadtführerin. Vilnius ist eine ganz besondere Stadt, die jedoch jeden Besucher mit alter Architektur verzaubern wird. In keiner anderen Region Litauens wie in Vilnius und in seiner Region ist eine reiche Vielfalt von Nationen zu finden: hier wohnen Litauer, Polen, Russen, Belorussen, Ukrainer, Juden, Roma, Karaiten und Tataren.
Alle Nationen haben auf diesem sehr buntem Land ihre bedeutenden Spuren hinterlassen.
Indem wir durch die alte Stadt spazieren gehen, lernen wir die Geschichte Vilnius kennen. Sehen Sie die schönsten Sehenswürdigkeiten Litauens!Wie ist am besten diese Stadt kennen zu lernen? Zu Fuss, aber nicht nur!!! Es besteht die Möglichkeit Fahrräder auszuleihen und die Stadt zu erradeln oder auch unsere Troleybusse zu benutzen...
Ihre Wünsche werden wir gemeinsam erfüllen.
Vilnius ist eine sehr interessante Stadt. Besonders die historische Altstadt bietet architektonische Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten, bis in die Gegenwart. Bei einer Führung erfahren sie einiges aus der Vergangenheit und der Gegenwart, verknüpft mit Legenden und Geschichten. Nach erfolgreichem Fremdenführerkursus und erhaltener Lizenz kann Ich Ihnen einen Rundgang durch die Altstadt von Vilnius anbieten. Ein Standardrundgang dauert 2,5-3 Stunden. Natürlich passe ich gern den Zeitraum und die Route Ihren Wünschen an. Es gibt in der näheren Umgebung von Vilnius weitere sehenswerte Orte, zu denen ich Sie auch gern begleite.
Vilnius - alle wichtigen Ziele in Vilnius!
Vilnius ist Litauens Hauptstadt und eines der interessantesten Ziele jeder Baltikum Reise! Vilnius (litauisch), Wilne (jiddisch), Wilna (deutsch), Wilno (polnisch), Wilnja, (weißrussisch), Wilnjus (russisch) — ist aber keine reine litauische Stadt. Vilnius ist eine internationale Stadt, mit starken polnischen und jüdischen Einflüssen. Damit unterscheidet Vilnius sich von den anderen baltischen Hauptstädten Riga und Tallinn. Alle wichtigen Ziele in Vilnius haben wir besucht und stellen sie hier auf alles-ueber-litauen.de vor. Litauens Hauptstadt sollte das Hauptziel jedes Besuchs in Litauen sein, vor dem Berg der Kreuze und der Kurischen Nehrung! Und sie ist wahrscheinlich auch die schönste, interessanteste Stadt der baltischen Länder (auch Riga und Tallinn sind sehr schöne Städte!). Urteilen sie selbst!
Vilnius war im Gegensatz zu Kaunas keine Hansestadt und wurde nicht von Deutschen gegründet. Durch die polnischen und jüdischen Einwohner (tatsächlich gab es um 1900 kaum ethnische Litauer im damaligen Wilno), hat die Stadt eine besondere Architektur, die einmal vom Stil des Mittelalters, andererseits stark vom Einfluss Polens geprägt ist. Falls sie die Gelegenheit haben, Lemberg, das heutige Lwiw hat einen ähnlichen Stil (etwas mehr von Österreich geprägt), ist aber wesentlich größer. Die Einwohner waren in beiden Städten von der ethnischen Zusammensetzung fast gleich. Hier im ersten Kapitel gibt es einen allgemeinen Überblick über die Stadt, ein paar geschichtliche Hintergründe und Buchempfehlungen. Detaillierter wird es dann in den einzelnen Kapiteln der Sehenswürdigkeiten, wie dem Tor der Morgenröte (übrigens neben der Schwarzen Madonna in Tschenstochau das wichtigste Heiligtum der Polen), den Kirchen oder dem jüdischen Vilnius.
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Ausros Vartai
Das Tor der Morgenröte, auf Litauisch Aušros Vartai, ist das letzte noch erhaltene Stadttor von Vilnius.
Es wird auch Medininku Tor genannt, weil alle Leute, die in die Richtung Medininkai (an der weißrussischen Grenze, dort gibt es eine Burgruine) oder Minsk wollten, die Stadt über dieses Tor verlassen mussten. Oben im Tor befindet sich die Schwarze Madonna, eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Vilnius.
Die Schwarze Madonna ist ein Wunder vollbringendes Heiligtum, verehrt genauso von Litauern und Polen. Der Besuch in dem kleinen Raum wo das Bild der Madonna zu sehen ist, gehört zu einem Rundgang in Vilnius unbedingt dazu.
Kathedrale Vilnius
Die Kathedrale ist die größte katholische Kirche in Vilnius und heißt eigentlich "Vilniaus Šv. Stanislovo ir Šv. Vladislovo arkikatedra bazilika", also etwa Kathedrale des Hl. Ladislaus und Hl. Stanislaus, weil sie diesen beiden Heiligen gewidmet ist.
Neben der Piliessstraße und dem Gediminas Turm ist die Kathedrale eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Vilnius.
Neben der Kathedrale kann ich empfehlen den Glockenturm zu besichtigen. Unter der Kathedrale bieten sich die Katakomben mit Gräbern von Königen und Adligen an, sowie für ganz Verwegene, die Extreme Tunnel Tour.
St. Anna & Bernhardinu Kirche
Auch eines der Highlights jeder Vilnius Stadtbesichtigung. Nicht nur, weil Napoleon angeblich von den Kirchen geschwärmt hat.
Die Bernhardiner Kirche (eigentlich Kirche des Heiligen Franziskus und des Heiligen Bernhard) steht imposant, aber trotzdem etwas versteckt hinter seiner berühmten Nachbarin, der St. Anna Kirche. Die Bernhardiner Kirche wurde 1516 im Stil der Spätgotik gebaut. Das Baumaterial war, wie bei St. Anna auch, gebrannte rote Tonziegel. Als die Bernhardinermönche auf Bitten des litauischen Großfürsten und polnischen Königs Kasimir IV. nach Vilnius gelangten, bauten sie erst eine Holzkirche und danach, Ende des 15. Jahrhunderts eine Backsteinkirche. Im 16. Jahrhundert wurde sie, wahrscheinlich mit Hilfe eines Danziger Baumeisters, umgebaut und in die Verteidigungsmauer von Vilnius integriert
Botanischer Garten Vilnius
Wer nach einem ausgiebigen Stadtbummel Ruhe sucht, der ist im botanischen Garten der Universität Vilnius gut aufgehoben. Auf einer Fläche von knapp 200 ha werden 9.000 Pflanzenarten gezüchtet, die meist aus der baltischen Region stammen. Teiche, Brücken, alte Gebäude und ein kleines Cafe´ runden den Besuch ab.
Viele Einwohner von Vilnius besuchen den Park um schöne Fotos zu machen.
Glockenturm Vilnius
Der Glockenturm der Kathedrale von Vilnius steht frei neben der Kathedrale auf dem Kathedralen Platz.
Von Außen kann man gut die unterschiedlichen Segmente sehen, die aus verschiedenen Zeiten stammen, wobei die älteste aus dem 13. Jahrhundert kommt. Da der Turm in früheren kriegerischen Zeiten als Teil der damaligen Stadtmauer der Verteidigung der Unteren Burg diente, kann man heute noch die für einen Glockenturm unüblichen Schießscharten sehen.
Die Mauer war damals einen Kilometer lang und hatte vier Tore. 1522 wandelte der Architekt Annus den Turm in einen Glockenturm um. Der jüngste Teil des Glockenturms stammt aus dem Jahre 1803, da wurde die obere Etage für die Uhr gebaut.
Uno Park Kletterpark Vilnius
Zugegeben, Kletterparks gibts überall und wären mir nicht unbedingt einen Bericht wert. Dieser Kletterpark in Vilnius hat es aber in sich. Neben den normalen Parcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden kann man hier über den Fluss Neris schwingen. Und das ist schon eine schöne Sache.
Nachdem ich aber beim letzten Besuch auf der "Todesroute" stecken geblieben bin und abgeseilt werden musste, habe ich den aktiven Besuch von Kletterparks aufgegeben.
Zu dick und zu alt, leider ;-)
Obwohl...die Fahrt über den Fluss würde ich gerne wieder machen.
Katakomben Vilnius
Unter der St. Stanislaus und St. Ladislaus Kathedrale, der ältesten und größten Kirche Litauens, gibt es einige Krypten, die man besichtigen kann. Bis heute hat man 27 Krypten unterschiedlicher Größe gefunden, wovon man einige besichtigen kann. Die kleinsten dieser Kammern sind einfache Gruben im Kirchenboden, in die die Särge abgelassen und mit Erde aufgefüllt wurden. Darauf kam dann wieder der Fußboden. So befinden sich hier im Untergrund die ältesten Mauern eines Tempels aus dem 14. Jahrhundert (Ziegelsteine, die wirkliche Bedeutung kann man heute nicht mehr bestimmen) . Wichtige litauisch/polnische Persönlichkeiten sind hier im Untergrund beerdigt worden. Neben Vytautas dem Großen und seiner Ehefrau Ona wurde hier als einziger polnischer (zur polnischen Problematik) König und litauischer Großfürst Alexander beerdigt. Vom polnischen König Wladislaw Wasa (der in Merkine gestorben ist), sind in den Katakomben Herz und Eingeweide bestattet. Wasas Wille war, dass nur das Herz nach Vilnius, der restliche Körper in Krakau zur Ruhe kommt. Es gab aber wohl bei der Umsetzung Probleme und so hat man dem Armen alle Organe entnommen und in Vilnius war man überrascht.
Wassermühle Belmontas
Die Belmontas Wassermühle ist einer der schönsten Orte in Vilnius. Etwa 5 km von der Vilniuser Altstadt entfernt, liegt die ehemalige französische Wassermühle am Flüsschen Vilnele und bietet mit seinem Außencafe / Restaurant eine ideale Entspannung nach einer Besichtigung in Vilnius.
Auch Kinder kommen wegen den Fontänen und dem Spielplatz nicht zu kurz. Besonders ein Besuch im Sommer, wenn die Außengastronomie besetzt ist, ist ein Besuch zu empfehlen. Nach dem Schlendern durch die wunderschöne Anlage kann man sich an die Holztische direkt am Flüsschen setzen und das Leben genießen. Ein gern besuchtes Ziel, nicht nur für Touristen - auch viele Einheimische gehen hier gerne essen.
KGB Museum
Das sogenannte Museum der Opfer des Genozids, gerne auch nur KGB Museum von Vilnius genannte Gebäude, liegt am Gedimino Prospekt, der Hauptachse im Zentrum von Vilnius. Hier gibt es Theater, Restaurants und einige Hotels. Vergleichbar ist die Straße - (sie hieß bisher, je nach momentaner Herrschaft: ulica Mickiewicza (poln.), Adolf Hitler und Lenin Straße) vielleicht mit der Königsallee. Geht man am KGB Museum vorbei, gelangt man zum litauischen Parlament und zur Neris. Das Museum diente nach der Unabhängigkeit 1990 alleine als Erinnerung der Verbrechen der Sowjets. Bis 2011 gab es hier keinerlei Erinnerung an die Verbrechen der Nazis, obwohl hier das Gestapo Hauptquartier von 1941 bis 1944 untergebracht war. Im litauischen Holocaust, von den Deutschen organisiert und verantwortet und mit den Litauern vollzogen, kamen 200.000 litauische Juden ums Leben.
(Der Holocaust wurde wahrscheinlich erst nach internationalem Druck erwähnt!).
Republik Uzupis
Läuft man vom Kathedralenplatz nicht die Pilies Gatve hoch, sondern folgt dem Verlauf der Sventaragio Gatve - B. Radvilaites Gatve - Maironio Gatve kommt man zur St. Anna Kirche. Napoleon soll über sie gesagt haben, dass er sie am liebsten mit nach Frankreich genommen hätte. (Er hätte mal besser alle seine Soldaten wieder mitgenommen statt sie hier 1812 verhungern zu lassen, aber das ist eine andere Geschichte). Der Stadtteil Uzupis wird vom Fluss Vilnia umgeben (nur im Osten gibts kein Wasser). Der Zugang aus Richtung Altstadt erfolgt über Brücken.
Uzupis war früher das verrufene, verwahrloste Viertel von Vilnius. Heute hat es sich zu einem hippen Ort der Künstler und Cafe´s entwickelt. Sehr beliebt bei den Touristen, Die Uzupio Kavine ist die "Regierungsbehörde" von Uzupis. Die Miet und Kaufpreise in Uzupis haben sich in den letzten Jahren enorm erhöht. Ein Bummel zum Posaunenengel steht wahrscheinlich bei jedem Besucher auf dem Programm.
Choral Synagoge
Ihr Name kommt von dem Chor der Synagoge, der für die damalige Zeit in Litauen revolutionär war. Gottesdienste mit Chor gab es öfters in deutschen Synagogen.
Gab es in Vilnius vor dem deutschen Einmarsch 1941 noch über 100 Synagogen (um 1900 war die Hälfte der Bevölkerung jüdischen Glaubens), hat nur die Choral Synagoge der deutschen und anschließenden sowjetischen Besatzung standgehalten. Die deutschen Besatzer nutzen das Haus, weshalb es den Krieg überdauerte.
Nach dem Krieg wurde in der Synagoge ein Metall verarbeitender Betrieb untergebracht. Die Vibrationen der Maschinen haben den Backsteinmauern im Laufe der Zeit starken Schaden zugefügt.
Lukiskes Gefängnis
Das Lukiskes Gefängnis liegt direkt neben dem Parlament am Gedimino Prospekt am Rand der Vilniuser Altstadt.
Es wurde in der Zarenzeit 1904 an Stelle eines kleineren Gefängnisses gebaut und bis 2019 benutzt. Das russische System der Bestrafung sah weniger den Aufenthalt im Gefängnis vor, als die Deportation in entlegene russische Gebiete oder sofort den Galgen.
Dieses Gefängnis war mal das modernste im russischen Zarenreich. Die Fäkalien sind in Rinnen auf dem Fußboden weggeschwommen. Das heutige KGB Museum machte in den 1940 Jahren regen Gebrauch vom Lukishes Gefängnis. 1941 haben die Deutschen die Juden hier eingesperrt, bevor sie in Paneriai ermordet wurden. Das Lukishkes Gefängnis ist wahrscheinlich nichts für jeden. Ich fand es aber sehr interessant und empfehle den Besuch ausdrücklich!
St. Peter und Paul Kirche
Die Kirche St. Peter und Paul in Antakalnis, erbaut 1668–1675 nach Plänen des polnischen Architekten Jan Zaor. Sie ist vielleicht die schönste Kirche von Vilnius, zumindest wenn es auf das Gips Innendekor ankommt. Beeindruckend sind die ganz in Weiß gehaltenen Stuckaturen und Plastiken im Inneren, mit deren einzigartiger Fülle und künstlerischem Ausdruck sich nur wenige Kirchen in Europa messen können. Sie wurden 1676 bis 1684 von den Tessinern Pietro Perti und Giovanni Maria Galli ausgeführt.
Im ausgehenden 17. Jahrhundert änderte sich das Aussehen des damaligen Vororts Antakalnis, heute ein nobles Quartier, ganz entscheidend. Hatten bislang Holzhäuser die Straße gesäumt, entstanden unter Anleitung von Tessiner Architekten, Stuckateuren und Künstlern Kirchen, Klöster und Paläste. Die beiden aus dem Mendrisiotto stammenden Giovanni Pietro Perti (*1648 in Muggio, †1714 in Vilnius) und Giovanni Maria Galli (Lebensdaten unbekannt) wurden direkt aus Mailand engagiert.
Vilnius Rathauskeller
Die Gewölbe unter dem alten Rathaus in Vilnius sind für Besucher geöffnet. Zugang wird in der Regel aber nur nach Reservierung oder mit einem Guide gewährt. Wie schon der Untergrund unter der Kathedrale (die Katakomben, oder gar die Extreme Tunnel Tour), erlebt der interessierte Besucher unter dem "Vilnius Rotuse" Einblicke in die Vergangenheit von Vilnius. Der Rathauskeller gilt als eines der ältesten Keller in Vilnius. Sehr interessant und zu empfehlen!
MMo Museum
Am 18. Oktober 2018 wurde das Museum für Moderne Kunst (MO) in Anwesenheit des amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind, dem Bürgermeister von Vilnius Simasius und den Stiftern des Museums und seiner Sammlung, Danguole und Viktoras Butkus, feierlich eröffnet. Der von Libeskind geplante Museumsbau hat eine Fläche von fast 3.500 qm und stellt in wechselnden Ausstellungen immer einen Teil der gut 5.000 vorhandenen Kunstwerke aus. Geplant sich zwei wechselnde Ausstellungen pro Jahr. Die Bilder stammen aus den Jahren 1950 bis heute und viele sind schon im Katalog "Lithuanian Paintings" vorgestellt worden. Der Besucher sollte dabei bedenken, welche Veränderungen Litauen und seine Einwohner in diesen Jahren erlebten. 1950 war der Krieg zwar schon fünf Jahre zu Ende, der Partisanenkrieg hielt aber noch an. Die sowjetische Okkupation machte es den Litauern nicht gerade leicht. Nach der Stagnation der Breschnew Ära, kam mit der Perestroika durch die litauische Unabhängigkeitsbewegung Sajudis wieder Freiheit nach Litauen. Viele der ausgestellten Bilder darf man auch als Protest gegen die sowjetischen Besatzer sehen, alleine, in dem die Künstler einfache Dinge des Alltags beschreiben.
Jüdisches Vilnius
Viele Besucher vom heutigen Vilnius wissen nicht, dass die Stadt vor dem II. Weltkrieg eine ganz andere Zusammensetzung hatte, wie heute. Kurz vor dem Einmarsch der Deutschen am 22.6.1941 lebten 55.000 Juden in Vilnius, was etwa 28% der Bevölkerung entsprach. Die meisten Einwohner von Vilnius waren Polen, ethnische Litauer gab es nur wenige Prozent.
Am Ende des Krieges waren fast alle Vilniuser Juden in Paneriai ermordet worden und die polnische Bevölkerung wurde vertrieben. Was blieb, war die polnisch-jüdische Architektur, die engen Gassen, die zusammen mit den Schilderungen von Arnold Zweig in "Das Ostjüdische Antlitz" von 1919, eine kleine Vorstellung über das jüdische Vilnius von vor dem Holocaust geben können.
Neben den Beschilderungen der ehemaligen jüdischen Ghettos, kann man das Vilnius Gaon Museum und das "Grüne Haus" besichtigen.
National Museum Litauen
Das Litauische Nationalmuseum verspricht mit seinem interessanten Eingang, der großen Statue von König Mindaugas und der Lage unter dem Gedimino Turm vielleicht etwas mehr, als es halten kann. Ich fand den Besuch zwar durchaus interessant, ordne die "Besucher-Priorität" im Vergleich zu den vielen anderen interessanten Orten in Vilnius aber nicht soo hoch ein. Das Museum liegt direkt neben der Kathedrale von Vilnius.
Der Vorläufer des heutigen Nationalmuseums war das Museum für Antiquitäten, welches von dem Historiker Graf Eustachy Tyszkiewicz (ein polnischer Adliger, der für die russische Regierung arbeitete) gegründet wurde. Das Museum startete mit Exponaten aus dem persönlichen Besitz des Grafen. am 11. Mai 1855 gegründet wurde. Eröffnet wurde das Museum für Antiquitäten am 29. April 1856 in den Räumlichkeiten der Universität von Vilnius, die wegen den polnischen Aufständen gegen den Zaren 1831 den Lehrbetrieb einstellen musste.
Großfürstlicher Palast
Der Großfürstliche Palast unter der Burg und neben der Kathedrale von Vilnius ist eine Erinnerung an alte glorreiche litauische Zeiten - denn - es ist ein kompletter Neubau. Begonnen wurde der Wiederaufbau, in Litauen stark kontrovers diskutiert (auch wegen der hohen Baukosten), im Mai 2002 und 2009 wurde er fertiggestellt.
Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen! Die Litauer haben ein hervorragendes Museum gezaubert und konnten auf Ausgrabungen zurückgreifen, die mit Glasbrücken begangen werden können. Ein sehr schönes, interessantes Museum!
Universitaet Vilnius
Die schöne alte Universität von Vilnius liegt mitten in der Altstadt und ist die älteste Universität des Baltikums und eine der ältesten Universitäten in Nordeuropa.
Am interessantesten sind die Johanneskirche, die Innenhöfe, von denen schon Tomas Venclova schwärmte und die 1976-84 entstandenen Deckenfresken im Stile eines Hieronymus Bosch. Faszinierend. Zugang zu den Fresken nur mit Reservierung oder Guide.
Gegründet wurde sie 1579 als Jesuiten Akademie durch Stefan Bathory, Großfürst von Litauen und König von Polen. Der Adel bat die Jesuiten um Hilfe bei der Gründung einer höheren Lehranstalt. Die Universität Vilnius ist somit fast 200 Jahre älter als die in Moskau, was durchaus zu Spannungen führte, als die UdSSR noch existierte.
Kathedrale Tunnel Tour
Seit dem 18. Oktober 2019 stehen den Besuchern in den Krypten der Kathedrale von Vilnius neue Routen zur Verfügung. Die Krypten sind einer der historisch und kulturell interessantesten und wertvollsten Orte Litauens (vielleicht ähnlich alt wie der Rathauskeller von Vilnius) und ein Zeugnis der Geschichte des Landes vom 14. Jahrhundert bis heute und ziehen jedes Jahr Zehntausende von Besuchern an. Zuvor war der für Besucher zugängliche Bereich auf etwas mehr als ein Drittel der unterirdischen Grundfläche der Kathedrale begrenzt. Die neu eröffneten Wege - der nördliche Teil der Domkrypten - bieten den Besuchern die Möglichkeit, Räume kennen zu lernen und zu sehen, die jahrelang buchstäblich unzugänglich, zugemauert und verschlossen waren.
Wer spannende Sachen mag...das war eine super interessante Tour!
Bastion Vilnius
Eine der einzigartigsten Abteilungen des Litauischen Nationalmuseums ist die Bastei der Vilniuser Verteidigungsmauer, ein Ort, der sowohl durch seine Hufeisenform als auch durch seine Geschichte bemerkenswert ist. Das Museum liegt am Rande der Altstadt und wird leider nicht von jedem Touristen gefunden. Das ist schade. Die Anlage ist von außen sehr imposant und innerhalb der Mauern wunderschön renoviert.
Haus der Geschichten
Das Haus der Geschichte(n) ist die neueste und modernste Außenstelle des Nationalmuseums von Litauen. Fußläufig von der Kathedrale und dem Gedimino Turm zu erreichen. Im Erdgeschoss und ersten Stock des Gebäudes sind Ausstellungsräume untergebracht, während das Untergeschoss als Lager dient. Zu sehen sind alte Bilder, Bernstein, Funde von Ausgrabungen und ein paar Bilder über die früheren jüdischen Einwohner von Vilnius. Im Obergeschoss gibt es wechselnde Ausstellungen.
Für Geschichtsinteressierte besonders interessant: die Fragmente aus Kazimierz Sakowicz Augenzeugenbericht über Paneriai, den Massenmordplatz der Juden von Vilnius.
Vilnius Gemäldegalerie
Das Museum befindet sich auf der Didžioji gatve (der Großen Straße), eine Verlängerung der Pilies gatve im ehemaligen Chodkeviciai-Palast aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Also mitten im Zentrum der Altstadt. Wenn man etwas Zeit hat, lohnt sich der Besuch auf jeden Fall.
Der Palast wurde ständig erweitert und umgebaut. Es finden sich dort Mauerspuren aus dem 15. Jahrhundert. Wahrscheinlich geht hier jeder Tourist vorbei. Der Museumseingang ist sehr unscheinbar und man sollte auf den Palasthof gehen, um die Pracht des Gebäudes zu erahnen.
Es finden Wechselausstellungen statt.
Detention Center Museum
Die Ausstellung in der ehemaligen Haftanstalt (Detention Center) handelt vom Leben in Litauen von 1965 bis 1993.
Obwohl Litauen schon 1990 unabhängig wurde, begann die wirkliche Freiheit erst mit dem Abzug der letzten sowjetischen Soldaten 1993.
Ausgestellt sind profane Dinge des täglichen Lebens, die wahrscheinlich alle Bürger der Sowjetunion kennen.
Untergebracht in den ehemaligen Häftlingszellen. Spannend!
Nationale Kunstgalerie
Die Nationale Kunstgalerie thront auf der, vom Stadtzentrum gesehenen anderen Seite der Neris neben dem Radisson Blue. Schön und imposant die Statue "Erste Schwalben" von 1964.
Es gibt in Vilnius einige Kunstausstellungen, die Nationalgalerie hat micht fasziniert wegen seiner Architektur, wegen der Dame vor der Tür und seinem Umgang mit der Geschichte von Vilnius. Ich glaube, kein anderes Museum thematisiert die Stadtheschichte überhaupt. Tolles Museum!
Energie Technik Museum
Das Energie und Technik Museum von Vilnius liegt zentral an der Innenstadt von Vilnius. Es ist das größte Technik Museum in Litauen und wurde 2003 eröffnet. Geht man von der Kathedrale über die Neris (König Mindaugas Brücke), liegt zu linker Hand das nicht zu übersehende Energie und Technik Museum. Auf dem Dach ist die wunderschöne Statue "Elektra" rekonstruiert 1995 von Petras Mazuras nach dem Original von B. Balzukevicius (1879-1935).
Schöner Blick auf den Gedimias Turm! Es gibt auch ein Cafe´.
Signataru namai
Das Gebäude (heute Signatarų namai oder auf Deutsch Signatarierhaus) wurde erstmals 1645 schriftlich erwähnt. Es wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer, und nach großen Bränden im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und das dritte Stockwerk errichtet. Auch architektonisch ist es interessant, innen sind teilweise Eisentreppen eingebaut. Ende des 19. Jahrhunderts renovierte Kazimierz Sztral das Gebäude im Neorenaissancestil nach einem Projekt des russischen Architekten Alexiey Polozov. An der Fassade im zweiten Stockwerk befinden sich dekorative Skulpturen, die Landwirtschaft und Fischerei symbolisieren. Das dritte Stockwerk erhielt zwei männliche Büsten. Hier wurden 1918 die Unterschriften zu Litauens Unabhängigkeitserklärung geleistet. Zentral auf der Pileies gatve...jeder Vilnius Besucher kommt hier vorbei. Architektonisch sowie natürlich geschichtlich interessant!
Sapieha Palast
Der aus den Ruinen wiederauferstandene Sapieha-Palast soll ein lebendiger Ort auf der kulturellen Landkarte von Vilnius werden, der alle Mitglieder der Gesellschaft inspiriert, erzieht und ihnen die Möglichkeit gibt, ihren kulturellen Horizont in einer einzigartigen Umgebung zu erweitern. Durch verschiedene Aktivitäten, wie Wechselausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen soll der Palast mit Leben gefüllt werden.
Aus diesem Grund werden die Räume des Palastes nicht nur für die Ausstellung von Kunst und Artefakten, sondern auch für verschiedene Veranstaltungen und das Alltagsleben der Einwohner von Vilnius genutzt. Es gibt ein Café und einen Lesesaal, und das Erdgeschoss kann jederzeit (bis auf Dienstags) besichtigt werden.
Bernhardiner Kirche
Die Bernhardiner Kirche (eigentlich Kirche des Heiligen Franziskus und des Heiligen Bernhard) steht imposant, aber trotzdem etwas versteckt hinter seiner berühmten Nachbarin, der St. Anna Kirche. Die Bernhardiner Kirche wurde 1516 im Stil der Spätgotik gebaut. Das Baumaterial war, wie bei St. Anna auch, gebrannte rote Tonziegel. Als die Bernhardinermönche auf Bitten des litauischen Großfürsten und polnischen Königs Kasimir IV. nach Vilnius gelangten, bauten sie erst eine Holzkirche und danach, Ende des 15. Jahrhunderts eine Backsteinkirche. Im 16. Jahrhundert wurde sie, wahrscheinlich mit Hilfe eines Danziger Baumeisters, umgebaut und in die Verteidigungsmauer von Vilnius integriert.
Marienkathedrale
Die orthodoxe Kathedrale der Gesegneten Mutter Gottes, auch Marienkathedrale genannt, ist eine der ältesten und größten Kirchen in Vilnius.
Sie wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Großfürst Algirdas gebaut. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde sie zu einer Metropolitan Kathedrale und war eines der wichtigsten orthodoxen Heiligtümer des Großfürstentums Litauen. Als die Kuppel einstürzte, wurde eine neue Gotisch-Byzantinische Kirche gebaut. Beim Kościuszko-Aufstand wurde die Kirche zerstört und 1808 an die Universität Vilnius verkauft und umgebaut. Bei den Umbauarbeiten wurde sie in zwei Stockwerke geteilt und bekam einen Anatomiesaal und ein Auditorium.
Paneriai Ponary
Vilnius war Anfang des 20. Jahrhunderts eine polnisch-jüdische Stadt. Litauer gab es kaum. Mit dem 2. Weltkrieg wurde das Schicksal der Vilniuser Juden in Paneriai (Ponary auf Polnisch) besiegelt. In Paneriai wurden zwischen 1941 und 1944 an die 100.000 Juden, Polen und russische Kriegsgefangene von den Deutschen und ihren litauischen Helfern ermordet und verscharrt. Die Sowjets hatten vor dem deutschen Einmarsch hier Gruben ausgehoben, um Öltanks zu installieren. Trotz der Lage mitten im Wald, gab es Zeugen, die ziemlich gut mitbekamen , was hier im Wald geschah.
Christina Eckert beschreibt (im Buch "Holocaust in Litauen" den Ort Paneriai bei Vilnius, bei dem der größte Teil der litauischen Juden in noch von den Sowjets ausgehobenen Gruben ermordet wurden (waren für Öltanks gedacht). Bis zu 70.000 Juden, 20.000 Polen sowie Russen und Roma wurden getötet. Davon "viele, wenn nicht die überwältigende Mehrheit der jüdischen Opfer in Litauen unter Beihilfe oder direkt von Litauern".
Der Augenzeugenbericht des polnischen Anwohners Kasimir Sakowicz ist ein erschütterndes Zeitzeugnis über die Taten der deutschen Besatzer und der litauischen Helfer.
Rasos Friedhof
Was der Père Lachaise für Paris ist der Rasos Friedhof für Vilnius. Viele litauische und polnische Persönlichkeiten sind hier beerdigt. Auf seinen Wunsch hin wurde auch das Herz des ehemaligen polnischen Präsidenten Pilsudski neben dem Rasos Friedhof beigesetzt. Pilsudski stammt aus der Gegend von Vilnius.
Kirchen in Vilnius
In Vilnius gibt es Kirchen wie Moscheen in Istanbul. Fast zumindest. Alle Kirchen wird man kaum jemals besuchen können. Aber mir war es zu schade die entstandenen Bilder von besuchten Kirchen zu verwerfen, also stelle ich alle Kirche, die wir besucht haben, hier vor.
Guides in Vilnius
Nicht jeder möchte oder kann Vilnius auf eigene Faust entdecken. Dafür stelle ich ihnen zwei Reiseführer für Litauens Hauptstadt vor. ich bin nicht an ihren Einnahmen beteilgt und ihre Führungen können sie individuell nach ihren Bedürfnissen anpassen. Falls sie den Rathauskeller oder die Fresken der Universität besichtigen wollen, klären sie das bitte vor der Buchung mit den Guides ab.
Kathedrale Vilnius

Kathedrale Vilnius
Die Kathedrale ist die größte katholische Kirche in Vilnius und heißt eigentlich "Vilniaus Šv. Stanislovo ir Šv. Vladislovo arkikatedra bazilika", also etwa Kathedrale des Hl. Ladislaus und Hl. Stanislaus, weil sie diesen beiden Heiligen gewidmet ist.

Kathedrale Vilnius Haupteingang
Die älteste heute noch erhaltene Bausubstanz stammt von 1429. Litauens Großfürst Vytautas ließ in Erwartung seiner Königskrönung eine gotische Hallenkirche errichten. Ihre heutige Form erhielt sie aber erst 1801. Bevor Vytautas seine Kröungskirche baute, gab es an dieser Stelle erst heidnische Tempel und später Holzkirchen von König Mindaugas und Jogaila. Man fand Spuren von Jogailas Kirche unter der Kathedrale. Bei einer Führung durch das Tunnelsystem unter der Kathedrale sagte man uns, dass wir, obwohl schon tief unter dem Fußboden der Kathedrale, immer noch 3 Meter über dem Fundament der Kirche Jogailas wären. Bei jedem Bau einer neuen Kirche ging es hoch (wie das mit dem Grundwasser und den Überschwemmungen funktionierte, verstehe ich allerdings nicht ganz).

Kathedrale Vilnius Haupteingang und Glockenturm
Die Kathedrale wurde während ihrer langen Jahre durch alle durchziehenden Truppen beschädigt und geplündert. Und immer wieder repariert und umgewandelt. Heute hat die Kirche ein klassizistisches Aussehen und ist innen wieder reich geschmückt. Im Inneren hat die Kathedrale 11 Kapellen.

Kathedrale Vilnius Innenraum und Altar

Kathedrale Vilnius Seitenschiff
Hervorzuheben ist die Šv. Vladislovo koplyčia, also die Kapelle des Heiligen Ladislaus links neben dem Eingang. Sie wurde erst vor ein paar Jahren für die Besucher freigegeben. Ich finde sie ist die schönste der 11 Kapellen. Berühmt ist auch die Kasimir Kapelle, hinten rechts. Sie ist dem Heiligen Kasimir geweiht, der dort auch in einem Silbersarg liegt. Kasimir war ein Enkel von Jogaila (Jogaila=Großfürst von Litauen und König von Polen) der als König ungeeignet war. Von schwacher Gesundheit und der Frauenwelt nicht zugetan, widmete er sich dem Glauben und betete viel. 1484 wurde er in Grodno auf der Treppe einer Kirche tot aufgefunden.

Kathedrale Vilnius Kasimir Kapelle
Da die Katholische Kirche unbedingt Heilige brauchte um den Glauben der Litauer zu stärken (und sich gegen die Orthodoxie zu behaupten...siehe zu Kasimir auch die Texte von Laimonis Briedis), dichtete man Kasimir allerlei Wundertaten an und das Volk verehrte ihn.

Kasimir Kapelle Kuppel

Kapelle des Heiligen Ladislaus
1931 kam es zu verheerenden Überschwemmungen, die große Zerstörungen an der Kirche anrichtete. Um einen Einsturz zu verhindern, wurden die Außenmauern abgestützt. Unter der Kirche tauschte man Holzpfähle mit Betonstützen aus und verstärkte den kompletten Untergrund mit Beton. Diese Betonarbeiten wurden leider ohne große Rücksicht auf archäologische Aspekte durchgeführt, so dass viele alte Spuren vernichtet wurden.
Besichtigen kann man heute die normale Kirche, was keinen Eintritt kostet.

Kathedrale Vilnius Blick auf die Orgel
Dann kann man eine Etage tiefer die Krypta besichtigen, in denen einige litauische Persönlichkeiten beerdigt sind. Zum Beispiel Barbara Radvilaite, Ehefrau von Sigismund II. August und das Herz von Wladislaw IV. Wasa, der sich die Beerdigung in Krakau wünschte, sein Herz aber in Vilnius haben wollte (wie übrigens wie der polnische Präsident Josef Pilsudski, der aus der Gegend von Vilnius kam, und sein Herz auf dem Rasa Friedhof in Vilnius bestatten ließ). Bei der großen Flut 1931 wurden die Gräber in der Krypta stark beschädigt und die Skelette teils weggespült.
Bilder gibt es im Bericht über den Besuch in der Krypta.
Wenn einen die Tiefe nicht scheut: mit der "Extreme Tunnel Tour" geht es noch eine Etage tiefer und der Besucher klettert durch enge Tunnel und Löcher unter der Kathedrale rum und sieht die Überbleibsel alter Zeiten, aber auch die Betonarbeiten der 1930 er Jahre.
Beide Touren kann man buchen. Tickets dafür gibt es im Glockenturm (den man auch besichtigen kann) und der früher mal ein Verteidigungsturm der oberen Burg war. Man kann noch die Schießscharten sehen. Ich fand alle drei Touren (also Krypta, Extreme Tunnel und Glockenturm) äußerst interessant.
Die drei Figuren über dem Eingang der Kathedrale stammen aus dem Jahr 1792 und wurden von den Sowjets 1950 zerstört. 1997 wurden (von links) der Hl. Stanislaus, die Hl. Helena mit Kreuz und der Schutzpatron von Litauen, der Hl. Kasimir erneuert. Sie verkörpern Polen (Stanislaus), Litauen (Kasimir) und das wahre Kreuz (Helena).
Während der sowjetischen Besatzung wurde die Kirche als Kunstgalerie genutzt. Die Kirchenschätze hatte man vor dem Einmarsch der "Befreier" in eine Nische im Treppenhaus eingemauert. Bilder davon gibt es im Bericht über die "Extreme Tunnel Tour". Als Litauen unabhängig wurde, musste man in Krakau nachfragen, wo denn der Kirchenschatz war. Warum? Weil 1930 kaum Litauer in Vilnius waren und die dortigen Polen von den Nazis und Sowjets vertrieben wurden. Der Schatz ist heute ausgestellt und Bilder von dieser Nische findet man im Bericht über die "Extreme Tunnel Tour".
1989 wurde die Kirche wieder an die Katholische Kirche zurückgegeben. Vor dem Haupteingang der Kathedrale gibt es einen Wunschstein "Stebuklas". Einfach den Fuß drauf und sich etwas wünschen.

Stebuklas - Wünsch dir was
Vydunas Museum

Vydunas Museum Haupthaus
Das Vydunas Museum ist ein Geschichtsdenkmal des 18. Jahrhunderts und in der ehemaligen Grundschule der Gemeinde Kintai untergebracht. Kintai liegt direkt neben Ventes Ragas.
Vydūnas war ein bekannter preußisch-litauischer Lehrer, Philosoph, Kulturaktivist und Pädagoge. In Kintai war er 1888-92 als Lehrer tätig. Hier hat er seine Lebensgewohnheiten geändert, die dazu beigetragen haben seine Lungentuberkulose zu überwinden. 1891 hat er in der Kirche von Kintai die Verwandte des Schulpraecentors (Schulleiters) Klara Füllhase geheiratet und ist nach Tilsit umgezogen (heute Sowetsk, Region Kaliningrad). Er hatte klare Ziele: für die Stärkung der litauischen Kultur und des Geistes zu arbeiten. Vydunas hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht.
Im 1
Vydunas Museum - Haus für Keramikarbeiten
Im 17. Jahrhundert gab es im ganzen Territorium Ostpreußens nur 20 Schulen. 1738 wurde das Gesetz der allgemeinen Grundschulpflicht verabschiedet. Im Rahmen der damaligen Gesetze gehörten alle Schulen zu den Kirchen. Die Schulen wurden in zentrale und ländliche Gemeindeschulen aufgeteilt. Das erste Gebäude der Schule war aus Holz, deswegen ist es niedergebrannt. Aus diesem Grund hat man das neue Schulgebäude aus weniger brennbaren Materialien - aus Lehm gebaut. Das Gebäude bestand aus zwei Teilen: aus einem Klassenraum und aus einem Wohnraum. Die Aufteilung des Wohnteiles ist bis zu heutigen Tagen fast unverändert geblieben. 1888 — 1892 hat in dieser Schule Vydūnas gearbeitet und gewohnt.
Während der Nachkriegszeit hat die Grundschule weitergearbeitet und ist 1949—1960 zur siebenjährigen Schule, 1960—1969 zur achtjährigen Schule, ab 1969 — zur Mittelschule geworden. 1971 ist die Mittelschule in ein neues Gebäude umgezogen. Das renovierte Landwirtschaftsgebäude, in dem sich heute die Keramikwerkstatt befindet, ist neben der Schule 1910—1912 gebaut worden.

Wilhelm Storost "VYDŪNAS" (1868-1953)
1994 wurde aus staatlichen Mitteln das Hauptgebäude renoviert und die Filiale des Museums Šilutė—das Vydünas-Museum gegründet. 1997 wurde das Museum zum Vydünas- Kulturzentrum in Kintai reorganisiert.

Totenmaske von Vydunas
Im Vydünas-Museum wird das authentische Musikinstrument des Schriftstellers gezeigt— die Harfe und die Kollektion aller Schriftwerke, die er geschrieben hat, auch die Fotos und Briefe. Es wurde eine nachgebaute Schulklasse eröffnet sowie eine ethnographische Ausstellung über die Küstendörfer (Wetterfahnen).
In der ehemaligen Schulklasse ist 1994 die Abteilungen für Kunst und Musik der Kinderkunstschule des Kreises Šilutė gegründet worden. Diese Schule besuchen die Kinder aus der Gegend Kintai. ,
2011 ist aus den Mitteln der EU das ehemalige Landwirtschaftsgebäude der Schule renoviert worden. Die Räume wurden den Künstlerwerkstätten angepasst, hier wurde eine Kunstgalerie, Erholungs- und Kunststudios für die Gastkünstler eingerichtet.

Vydunas Museum Vydunas Harfe

Vydunas Museum Künstlerwerkstätten
Der Besuch des Vydunas Museums bietet sich an, da es mit einem sehenswerten Restaurant an den Fischteichen (und Hotel) Melynasis karpis (Blauer Karpfen) und der Landspitze und Leuchtturm Ventes Ragas nahe beieinander liegt. Uns hat das Museum gut gefallen. Leider sind die Beschreibungen der Ausstellung nur auf Litauisch. Ich finde das nicht wirklich modern. Dafür gibt es Audio Guides, die dem Besucher die Ausstellung erklären. An der Kasse kann man einige seiner Bücher kaufen.
Über den Künstler Vydunas: https://alles-ueber-litauen.de/litauen-kultur/vydunas
Über sein Hauptwerk: 700 Jahre deutsch-litauischer Beziehungen: https://alles-ueber-litauen.de/litauen-kultur/vydunas/vydunas-sieben-hundert-jahre
Bisherige Rezensionen seines Werks: https://alles-ueber-litauen.de/litauen-buecher/vydunas
Vydunas
Wilhelm Storost,
der sich selber Vydunas nannte, war ein preussisch-litauischer Lehrer, Dichter, Philosoph und Verleger. Er wurde 1868 im Kreis Heydekrug (Silute) geboren und starb 1953 in Detmold. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer war Storost in Kintai (neben Silute am Kurischen Haff gelegen) angestellt, wo es heute das Vydunas Museum zu seinen Ehren gibt.

Vydunas Wikipedia
Jurbarkas
Jurbarkas ist eine litauische Stadt an der Memel (Nemunas) mit ca. 38.000 Einwohnern. In Jurbarkas hat der Betreiber dieser Webseite das erste Mal in Litauen gerastet, als wir von Deutschland nach Silute unterwegs waren. Das war im Dezember 1992 und tatsächlich noch abendteuerlich. Auch interessant: das Vincas Grybas Museum
Während den Kriegen zwischen den Deutschen Kreuzrittern und den Litauern standen hier und in der Umgebung Holzburgen, die immer wieder abgebrannt und aufgebaut wurden.

Jurbarkas Dreifaltigkeitskirche
Erst mit dem Frieden von Melnosee, bei dem sich der Deutsche Orden und Litauen auf eine feste Grenze einigten (die zweitlängst haltende Grenze Europas), entstand eine litauische Grenzstadt, die sich wegen dem Handel auf dem Nemunas (Memel) gut entwickeln konnte.

Dreifaltigkeitskirche Innenraum

Jurbarkas Dreifaltigkeitskirche Orgel
Wie alle litauischen Städte hatte auch Jurbarkas einen hohen Anteil jüdischer Bevölkerung. Als der 2. Weltkrieg begann, wurden alle Juden in Jurbarkas von den Deutschen und den Litauern ermordet. Dabei war auch ein berühmter litauischer Künstler, Vincas Grybas. Niemand weiß genau, warum ihn seine Landsleute auf die Todesliste gesetzt haben (mehr über Vincas Grybas im Bericht über das Grybas Museum).

Jurbarkas Evangelische Kirche (und Glaskreuz von Rasa Grybaite)

Evangelische Kirche
In Jurbarkas gibt es die katholische Dreifaltigkeitskirche von 1907, eine evangelische Kirche mit einem Glaskreuz der Enkelin des erwähnten Bildhauers (und Museumsleiterin) Rasa Grybaite. Und ein Museum für den berühmten Sohn der Stadt (und paradoxerweise von seinen Landsleuten auf die Todesliste gesetzt) Vincas Grybas.

Vincas Grybas Museum
Im Jahre 2018 wurden im ehemaligen jüdischen Viertel von Jurbarkas mehrere Gedenksteine als Erinnerung an die vergangene jüdische Kultur eingeweiht.

Jurbarkas Juedisches Viertel Gedenksteine
Juden lebten in Jurbarkas seit dem 15. Jahrhundert. Die erste Holzsynagoge wurde 1648-50 gebaut. Nachdem diese niederbrannte, folgte 1786 eine neue Holzsynagoge. Genau einhundert Jahre später eine aus Stein. Während Litauens Unabhängigkeit 1918 beteiligten sich die Jurbarkaser Juden politisch aktiv in der Gemeinde. Genauer gesagt, der jüdische Anteil im Rat betrug 50 %. Juden eröffneten das erste Elektrizitätswerk, das erste Hotel, betrieben die ersten Busse, die Wassermühle und das Sägewerk. Es gab auch ein Kino, Büchergeschäfte und eine Druckerei. 1941 verbrannten die Nazis die Synagoge. Heute ist hier am Synagogenplatz ein Denkmal.

Altes Holzhaus Jüdisches Viertel
Lena Grigileit beschreibt als Augenzeugin die Ermordung der Jurbakaser Juden
Vincas Grybas Museum

Vincas Grybas Museum
Vincas Grybas war ein litauischer Bildhauer, der viele große und bekannte Skulpturen in Litauen schuf. Im Militärmuseum Kaunas steht eine komplette Statue von ihm von Vytautas dem Großen, auf der Laisves aleja steht ebenfalls ein Denkmal an Vytautas, allerdings wurde das Original von den Sowjets zerstört und das heutige Monument erst nach der Unabhängigkeit aufgebaut.
Statue von Vytautas, Kaunas Militärmuseum
Das Vincas Grybas Museum in Jurbarkas besteht aus zwei Abteilungen. Einmal sind im Haupthaus Erinnerungen und Bilder vom Künstler selber ausgestellt. In der gegenüberliegenden Werkstatt sind seine Figuren zu sehen. Das Museum wird von seiner Enkelin Rasa Grybaite geführt, die uns Besucher durch das Museum führt. Bei unserem Besuch bin ich ins Fettnäpfchen getreten, als ich Rasa Grybaite fragte (ich wusste nicht, dass sie die Enkelin des Künstlers ist und wollte unbedingt wissen, warum Grybas 1941 zusammen mit den Juden von Jurbarkas erschossen wurde), ob Vincas Grybas schwul war. Erst war sie erstaunt, schnell war der Grund der Frage aber geklärt und wir diskutierten über die damaligen Umstände. Wahrscheinlich war Grybas von einem ehemaligen Mitarbeiter angeschwärzt worden und in die Todesliste aufgenommen worden. Rasa Grybaite ist ebenfalls eine bekannte Künstlerin. Sie hat zum Beispiel das gläserne Kreuz der evangelischen Kirche in Jurbarkas kreiert.
Der Besuch des Vincas Grybas Museums ist empfehlenswert!

Leiterin des Vincas Grybas Museums und Enkelin des Künstlers, Rasa Grybaite
Geschichte des Museums
Im alten Park von Jurbarkas stehen noch einige Gebäude - Verwaltung, Schmiede, Sauna - des verlassenen Gutshofes von Herzog I. Vasilchikov als im Herbst 1928 Vincas Grybas, der Pionier monumentaler Bildhauerei und einer der besten Künstler Litauens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eintrifft, um hier zu leben und zu arbeiten.
Vincas Grybas wurde am 3. Oktober 1890 in dem Dörfchen Peleniai der Pfarrei Lukšiai im Bezirk Šakiai geboren. Seine Eltern Jurgis Grybas und Marijona Grybienė waren vorbildliche und arbeitsame Landwirte, die sechs Kinder großzogen. Vincas war das Jüngste. Sein erster Lehrer war der Vater, der ihn Russisch und Litauisch lesen lehrte. Vincas Mutter war eine begabte Weberin. In der Familie wird überliefert, dass Grybas sein künstlerisches Talent von seiner Mutter vererbt wurde.
Im Alter von sechs Jahren trat Vincas in die Grundschule von Lukšiai ein. Diese berühmte Schule wurde 1839 von dem Pädagogen, Schriftsteller und Priester Antanas Tatarė (1805 -1889) gegründet.
Vincas verbrachte seine Kindheit im Land der Bücherschmuggler. (1865 wurden vom russischen Gouverneur das lateinische Alphabet und der Druck litauischer Bücher und Zeitschriften verboten. Die Knygešiai - etwa: Bücherträger - übernahmen die gefahrvolle Aufgabe in Kleinlitauen (Ostpreußen) in litauischer Sprache gedruckte Bücher und Zeitschriften über die Grenze nach Litauen zu schmuggeln. Erst 1904 wurde dieses Verbot aufgehoben.)

Juras und Barkas, die Namensgeber von Jurbarkas
Nach zweijährigem Schulbesuch und erfolgreichem Abschluss verließ Vincas die Schule, und weil ein weiterführender Schulbesuch nicht möglich war, arbeitete er als Hirte. Während dieser Zeit formte er Figuren aus Ton, den er bei seiner Weidearbeit fand, und mit einem Messer, das er zu diesem Zweck von seiner Tante bekam, schnitzte er Skulpturen aus Hob. Die glücklichsten Tage verbrachte er in der Kirche, wo er sich in Skulpturen und andere Kunstwerke vertiefen konnte.
Zu verschiedenen Anlässen verschenkte er seine geschnitzten Figuren an Nachbarn, Verwandte und Besucher. Seine gestalterischen Fähigkeiten beeindruckten viele Menschen.
Auf einer seiner Reisen durch das Land wurde der Gutsbesitzer von Zypliai, Graf Tomas Potocki (gest. 1913) auf den schnitzenden Viehhirten aufmerksam und lud Vincas mit seinem Vater auf sein Gut ein. Nachdem er sich genauer mit den Arbeiten von Vincas vertraut gemacht hatte, versprach er, den Jungen bei weiteren Studien zu unterstützen. So kam der 14-jährige Vincas im Jahr 1904 nach Warschau in den Palast des Herzogs Woronecki, eines Verwandten des Grafen Potocki. Die Herzogin verbot ihrem Zögling mit Bediensteten und einfachen Leuten zu sprechen und erwartete, dass er Polnisch und gutes Benehmen leme. Intrigen, Luxus und Müßiggang irritierten den jungen Grybas und er fühlte sich unwohl in dieser ihm ungewohnten Umgebung.
1908 begann Vincas Grybas eine Lehre in der Bildhauerwerkstatt des akademischen Künstlers Pius Welonski. Dort lernte er auch den Bildhauer Petras Rimša kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Rimšas Werke waren Inspiration für Grybas und Rimša seinerseits nahm lebhaften Anteil an der Entwicklung des jungen Künstlers Vincas Grybas.
Aus dieser Warschauer Zeit sind die von Vincas geschaffenen Büsten seiner Mutter und seines Vaters erhalten.
Seine Diplomarbeit „Kampf“ (1914) wurde mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Von einer Fortsetzung seiner Studien konnte er aber nicht einmal träumen. Mit Beginn des I. Wehkriegs wurde er als Sanitäter in ein Frontlazarett der zaristischen Armee verpflichtet.
Nach dem Zusammenbruch der zaristischen Armee sammelten sich litauische Offiziere und Soldaten an der Westfront in Komitees und bildeten eine unabhängige litauische militärische Organisation. Grybas wurde zur Anwerbung litauischer Soldaten an die Westfront abgeordnet und geriet in deutsche Gefangenschaft, aus der er nach zwei Monaten entfliehen konnte. 1918 erreichte er zu Fuß seine Heimat.
Vincas Grybas Museum Ausstellungsräume
Von 1918 - 22 war Grybas in politischen und öffentlichen Ämtern aktiv. In der Gemeinde Lukšiai wurde er in den Bezirksrat gewählt, ab 1920 war er Vorsitzender des Kreisrats von Šakiai 1921 begann er jedoch über seinen Rückzug aus der Politik nachzudenken, um sich wieder seinen künstlerischen Neigungen zu widmen. Er wollte Kunst in München studieren, aber sein Antrag auf ein Stipendium wurde abschlägig beschieden.
Vincas Grybas war populär, hatte Charme, war ein guter Redner und sprach mehrere Fremdsprachen. Deshalb wurde er 1922 m die litauische Genossenschaftsvereinigung berufen und leitete dort die Import-Export-Abteilung. Seine Sehnsucht nach künstlerischer Arbeit konnte Grybas in diesen langen Jahren nicht stillen, und so schrieb er sich 1923 in der Kunstakademie Kaunas ein. Die Akademie erkannte seine Warschauer Studien an und er wurde in ein höheres Semester eingestuft. Anfänglich war er der einzige Student der Bildhauerei, später stieß noch Robertas Antinis, ein Schüler von Kajetonas Šklėrius hinzu.

Vincas Grybas Museum Ausstellungsräume und Figuren
1924/25 schuf Grybas zwei dekorative Pegasus-Skulpturen, die die Gartenpforte des Staatstheaters und den Eingang der Kunstakademie schmücken sollten. In Gips entworfen, fehlte Grybas aber die Zeit, die Skulpturen an den vorgesehenen Plätzen endgültig in Zement auszuführen.
1925 wurde Vincas Grybas durch einen Beschluss des zuständigen Ministeriums für ein Jahr zu weiterführenden Studien nach Frankreich entsandt
Er ging nach Paris, der damaligen Hauptstadt der künstlerischen Welt. Junge Talente aus der ganzen Welt waren hier versammelt Einer der anerkanntesten Bildhauer jener Zeit war Emile Antoine Bourdelle. Grybas Phantasie wurde durch die formale Kraft von Bourdelles monumentalen Arbeiten entzündet Er zögerte nicht, in die Academic de la Grand Chaunnere einzutreten, die zu Anfang des 20 Jahrhunderts von Bourdelle gegründet worden war. Es war eine private Kunstschule, an der sich Schüler aus der ganzen Welt zusammenfanden: Amerikaner, Briten. Deutsche, Rumänen, Russen, Letten u. v. a. Grybas war der erste Litauer an dieser Schule.

Vincas Grybas Museum Ausstellung im Haupthaus
Bourdelle Überzeugung war, dass ein Bildhauer zuallererst Architekt zu sein hat, um sein Werk korrekt zu entwerfen, dann auch Maler, um die Lichtverhältnisse bestimmen zu können, aber auch Juwelier, um die Details perfekt zu schneiden. Die Zeichnung aber war ihm der Schlüssel zu allen bildenden Künsten.
Das Leben in Paris war nicht einfach, und obwohl Grybas sehr sparsam lebte, litt er ständig an Geldnot.
In Paris studierte er nicht nur Bildhauerei, er beschäftigte sich auch mit Keramik am Konservatorium für Kunstgewerbe und besuchte künstlerische Klassen an der Sorbonne. Eine gute Schule waren ihm auch die zahlreichen Museen der Stadt, in denen er viel Zeit verbrachte.
Nach drei Jahren machte er seinen Abschluss bei Bourdelle und nach anschließenden Reisen durch Frankreich, Italien, die Schweiz, die Tschechische Republik und Deutschland kehrte er im Sommer 1928 nach Litauen zurück.

Vincas Grybas Museum Ausstellungsräume und Figuren Ausstellung Haupthaus
Nach seiner erfolgreichen Qualifikation in Frankreich war er voller Enthusiasmus, seiner Heimat einen ähnlichen Rang durch seine künstlerische Arbeit zu verschaffen, der dem Frankreichs. Italiens oder Deutschlands ebenbürtig war.
Zurück an der Akademie in Kaunas hoffte er auf eine berufliche Anerkennung seiner neuerworbenen Qualifikation, aber auf Grund der veränderten politischen Lage und seiner ihm mm negativ zugerechneten früheren politischen Aktivitäten wurde ihm kein angemessener Rang in der Fakultät zuerkannt Das Angebot, seine ehemalige Position in der Gießerei wieder einzunehmen, demütigte ihn. Die Hoffnung hinter sich lassend, als akademischer Lehrer in Kaunas zu unterrichten, begann er mit seiner ganzen Kraft ein Leben als freischaffender Künstler.
Schnell erhielt er einige Aufträge. In Papilė sollte ein Monument für S. Daukantas entstehen. Des Weiteren ergab sich die Aufgabe einen Sarkophag für den Großherzog von Litauen, Vvtautas. Dringend benötigte er für diese Arbeiten ein Atelier. Da es nicht möglich war, wie Rimša vorgeschlagen hatte, entsprechende Räumlichkeiten in Kaunas zu finden, kam Grybas im Herbst 1928 nach Jurbarkas und übernahm die verlassenen Gebäude des ehemaligen Gutes von Vasilchikov. Hier richtete er sich Wohnung und Atelier ein und blieb bis zu seinem Lebensende.
Als Litauen 1918 seine Unabhängigkeit erklärte, wurden patriotische Gefühle gestärkt und der natürliche Wunsch erwachte, die eigenen Helden in Monumenten zu verewigen. Unglücklicherweise war Litauen nach dem langen Krieg deutlich geschwächt und staatliche Gelder für den Bau von Monumenten nicht vorhanden. Aus diesem Grund wurden Komitees gebildet, die dafür Zuwendungen sammelten, Ausschreibungen veranstalteten und für die Erfordernisse der Künstler warben.

Statue von Vincas Kudirka, litauischer Universalgelehrter und Dichter der litauischen Nationalhymne (Kudirkos Naumiestyje)
Aus der überlieferten Korrespondenz mit Auftraggebern geht hervor, dass billige Lösungen für Monumente gefragt waren. Der Bildhauer war vornehmlich mit Materialfragen und Lieferkosten beschäftigt.
Vincas Grybas Ausbildung zum Architekten und Bildhauer bot beste Voraussetzungen für die künstlerische Einheit monumentaler Skulpturen. Sie sind integraler Bestandteil des Raumes Sein Ziel war es, eine organische Einheit von Skulptur und Raum zu erreichen, verstanden als lebendige Einheit von Strukturen, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstanden wurden.
Das erste Denkmal wurde von Vincas Grybas 1928 für Simonas Daukantas entworfen und 1930 in Papilė realisiert Zur selben Zeit entwarf Grybas den Sarkophag für Großberzog Vytautas. 1930 war ein Gedenkjahr für Vytautas den Großen. Die Vytautas-Stiftung wurde gegründet und ein nationales Komitee hatte in allen Städten Abteilungen.

Denkmal für Großfürst Vytatautas auf der Laisves aleja in Kaunas
Das original Monument von Vincas Grybas wurde 1932 in Kaunas aufgestellt. Es solte die Größe Litauens darstellen. Dafür wurde Vytautas hoch auf das Denkmal gestellt, über die von den Vytautas und seinen Truppen geschlagenen Feinden, den Deutschen, Tataren, Polen und Russen. Während der Biennale in Kaunas wurde das Konzept von Macht und Sieg über seine Feinde in Frage gestellt. Aber ich glaube nicht an einen Abbau des Denkmals, obwohl man in Litauen nie so genau weiß.
Grybas hatte den Auftrag für ein Vytautas-Denkmal in Jurbarkas erhalten. Der Bildhauer schuf das Porträt eines energiegeladenen und selbstbewussten Mannes, der positiv in Litauens Zukunft blickt.
Im selben Jahr erfolgte die Ausschreibung für ein Vytautas-Denkmal in Kaunas. 1932 wurde dieses Monument als erste Bronzeguss-Skulptur in Litauen von Vincas Grybas ausgeführt.
1931 beschloss die Bezirksverwaltung von Raseiniai ein Denkmal für die litauische Unabhängigkeit in Auftrag zu geben. 1934 wurde das Žemaitis-Denkmal in Erinnerung an die große Vergangenheit Samogetiens und an das besondere Verhältnis von Mensch und Heimat in Raseiniai von Grybas ausgefühlt

Statue von Simonas Daukantas in Papile
Eine Gesellschaft in Šakiai-Neustadt beauftragte Grybas ebenfalls damit, ein Unabhängigkeitsdenkmal zu entwerfen. Grybas schlug ein Denkmal für Vincas Kurdika. den Verfasser der litauischen Nationalhymne, vor. Das Denkmal wurde 1934 enthüllt. Dieses Denkmal spielte im Leben von Vincas Grybas eine entscheidende Rolle. Existentielle finanzielle Probleme und Schulden waren die Folge dieses Auftrags und führten dazu, dass der Bildhauer keine weiteren Monumente mehr schaffen wollte. Ohne Mittel, um Arbeitskräfte einzustellen, wäre Grybas gezwungen gewesen, alle handwerklichen und körperlichen Arbeiten selbst zu verrichten. Sein Assistent P. Mikutaitis hatte ihn aus Unzufriedenheit über zu geringe Verdienste verlassen.
Die Tatsache, dass ihn das Ministerium für Bildung nicht bei dem Kauf seines Wohnhauses und Ateliers unterstützte, deprimierten Grybas. Für seine Monumentalkunst benötigte er große und helle Räume. So entschloss er sich, künftig in der Lehre eine neue Existenzform zu finden. Zu diesem Zweck bereitete er mit dem Ingenieur Feliksas Vizbaras ein Studio-Projekt für Skulpturen vor. Der Holzkauf für die aufwendige Konstruktion dieses Projekts erschöpften die Ressourcen von Grybas. Als er daraufhin die Miete für seine Räume nicht mehr aufbringen konnte, beschlagnahmt und öffentlich versteigert.
1936 wurde Grybas eingeladen, einen großen Altar für die Kirche in Sintautai zu schaffen. Der Bildhauer begann das Werk mit großer Inspiration. Es wurde ein eindrucksvoller Altar mit Anleihen an den in Litauen weit verbreiteten Barockstil.
Dieser Altar in Sintautai war sein letztes vollendetes Werk, sein Schwanengesang.
Viele Aufträge hatte Vincas Grybas erhalten. Nicht alle konnten auch realisiert werden, vorwiegend aus finanziellen Gründen.
In seinem provinziellen Dasein hatte Grybas nur wenige Freunde. Gelegentlich fuhr er nach Kaunas, um befreundete Künstler zu treffen: Šlapelis, Kalpokas, Zikaras, Žmuidzinavičius, Galdikas, Puzinas, Buračas, Antinis, Mikėnas und sehr oft Petras Rimša. Er lud auch alle nach Jurbarkas ein.
Der Alltag von Vincas Grybas war hart und anstrengend. Lange lebte er einsam. Erst mit 46 Jahren heiratete er die zwölf Jahre jüngere Kunigunda. Ihren kleinen Sohn Gediminas liebten sie sehr, aber unglücklicherweise konnte Vincas Grybas seinen Sohn nicht aufwachsen sehen. Vincas Grybas wurde ermordet, als sein Sohn vier Jahre alt war.
Der gewaltsame Tod des Monumentalbildhauers ist eines der großen Rätsel im kulturellen Leben Litauens. Der Künstler, der ausdrucksvolle, patriotische Monumente geschaffen hat, wird wie ein Staatsfeind in der Blüte seiner kreativen Kraft getötet - ohne Gerichtsverfahren und verlässliche Beweise. Auch die Deutschen waren perplex, als sie herausfanden, wen sie im Zuge einer Massenhinrichtung erschossen hatten. Ungeklärt ist bis heute, wie Vincas Grybas auf die Namenslisten kam, die von der lokalen Bevölkerung willfährig an die Deutschen für deren Ausrottungspolitik übergeben wurden. Lange schon lag Grybas Beteiligung am politischen Leben Litauens zurück, und so traf ihn sein tragisches Schicksal unvorbereitet.
Am 3. Juli 1941wurde er gemeinsam mit einer großen Anzahl vorwiegend jüdischer Mitbürger in Jurbarkas zum Opfer des völkermordenden deutschen Faschismus.
Kurzer virtueller Rundgang durchs Museum und ein paar angehängte Bilder:
Adresse:
Vydūno g. 31, LT-01143, Jurbarkas
Website: https://vgrybomuziejus.lt/
Quellen der Infos auf dieser Seite: Vincas Grybas Museum
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Hugo Scheu Museum

Hugo Scheu Museum von vorne
Die Geschichte des Hugo Scheu Museums in Silute fängt am Ende des 19. Jahrhunderts an, als der Gutsbesitzer Hugo Scheu aus Memel den alten Gutshof in Heydekrug gekauft hat. Er war ein sehr bekannter Mann aus dem Kreis Memel, der sehr aktiv im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich von Ostpreußen auftrat. H. Scheu sah, dass die Traditionen und Unternehmen nach der industriellen Revolution sehr schnell verschwanden. Deshalb hat er in zwei Zimmern seines Gutshofes die ethnographische Sammlung und Folklore des Memellandes gesammelt. Im Museum des Gutshofes gab es für die ostpreußische Ethnographie viele interessante Möbel, Kleidung, Dokumente, verschiedene Veröffentlichungen und Kartensammlungen. Es wurde besonders viel von alten litauischen Kleidungs- und Stoffmustern gesammelt. Der Hugo Scheu Gutshof war das erste Museum im Memelland. Das Museum stand nur der Intelligenz und Wissenschaftlern zur Verfügung.

Hugo Scheu Museum, Statue von Hugo Scheu vor dem Eingang
Zerstörte Exponate
Das Kulturerbe im Hof Heydekrug wurde Ende des zweiten Weltkrieges besonders beschädigt, als der Hofbesitzer Dr. Werner Scheu, Enkel von H. Scheu, mit der Familie nach Westen flüchten musste. Im Hof wurden Truppen der Sowjetarmee stationiert. Am 19. Februar 1945 bekam der Hof als Verwalter des Hofmuseums Martin Toleikis aus Memel. In seinen Aufzeichnungen stand: „Ein Großteil der Exponate lag auf dem Boden und mit dem Abfall gemischt…“. Im selben Jahr im Februar wurde das Gutshofmuseum zur Filiale der Litauischen Akademie der Wissenschaften und Martin Toleikis zum Präparator des Museums.
Das Museum wurde zum zweiten Leben erweckt
Im August 1948 wurde der Gutshof der Gartenbau- und Imkerei Schule, die vorher zu Kretinga gehörte, übertragen. Dann wurde das Museum in ein anderes Haus des Stadtzentrums Silute verlegt. Die feierliche Eröffnung fand am 7 Nov. 1949 statt, und so wurde ein Landeskundliches Museum Silute gegründet. Direktor des Museums war der Lehrer M. Jonaitis. Im Museum gab es damals 718 Exponate.
Große Aufmerksamkeit für die Erneuerung der altertümlichen Denkmäler widmete die damalige Direktorin und Archäologin (1956–1961) J. Kvilonaite. Einen großen Einfluss für die Bildung der Museumssammlung im Jahr 1961–1987 hatte die Aktivität der damaligen Direktorin D. Lukoseviciute-Narbutiene. In dieser Zeit wurden sehr aktiv viele Expeditionen organisiert, bei denen wertvolle Sammlungen von Werkzeugen aus Landwirtschaft und Fischerei und auch verschiedene Veröffentlichungen zusammengetragen wurden.
Seit 1965 gehörte das landeskundliche Museum Heydekrug zur Filiale des landeskundlichen Museums von Klaipeda. Das Interesse der Behörden ließ aber nach und als man das Museum 1972 dem Exekutivkomitee unterordnete, wurde es geschlossen.

Hugo Scheu Museum, Ethnografische Sammlung
Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit
Nach der Unabhängigkeitserklärung Litauens im Jahr 1990 war Gründer des Museums Heydekrug die Stadtverwaltung Silute. Im selben Jahr begann Frau Roza Siksniene das Museum zu führen, die bis vor kurzem die Direktorin des Museums war. Das Museum bekam einen anderen Namen – Museum Silute (Heydekrug). Nach der Änderung des Namens wurden auch größere Veränderungen im Inneren des Museums durchgeführt – neue Ausstellungen vorbereitet und auch die wertvollen Exponate der Sammlung von Hugo Scheu ausgestellt. Das Museum Silute hat seinen Namen über 20 Jahre behalten. Erst am 9. April 2015 erhielt das Museum den neuen Namen: Hugo Scheu Museum Silute.

Hugo Scheu Museum Ethnografische Ausstellung
Renaissance des Museums
Das bedeutendste Datum der Museumsgeschichte ist der 30. Mai 2015. An diesem Tag wurde im Rahmen des Siluter Stadtfestes zur Eröffnung des Gutshofes feierlich das Band durchgeschnitten und den Angestellten des Museums die Schlüssel des restaurierten Gutshofes übergeben. Endlich wurde die viele Jahrzehnte erhoffte Vision wahr und das Museum bekam endgültig ein eigenes Gesicht. Selbst der ehemalige Gutsherr Dr. Hugo Scheu hat damals gesagt, dass das Museum ohne Gutshof unvorstellbar ist. Seine Vision wurde erfüllt und die Mitarbeiter des Museums freuen sich der Öffentlichkeit die vom Mäzen Hugo Scheu gesammelten restlichen Reliquien und andere historische Schätze präsentieren zu dürfen.
Zurzeit gibt es im Gutshof ein Museum, ein Restaurierungs- und ein Bildungszentrum. In der Restaurierungswerkstatt arbeiten die Restauratoren an Textil, Holz und Papier. Auch ein Bildungsraum, zum Beispiel für Schulen, steht zur Verfügung. Im Gutsmuseum gibt es eine eigene Bibliothek mit Archiv.
Im restaurierten Gutshaus gibt es auch einen Freskensaal, es werden Belichtungen für das Gastzimmer und Kabinett von Dr. H. Scheu eingerichtet. Im ersten Stock des Gutes gibt es zwei Ausstellungsräume. Im ersten Stock sind folgende Ausstellungen eingerichtet: „Die Küche und das Esszimmer des Gutshofes” und „die Geschichte der Stadt“. Im zweiten Stock gibt es die Ausstellung „Gutshaus und seine Besitzer“. Es wird ein Herbarium eingerichtet, und auch gibt es die Möglichkeit die vom Ausland mitgebrachten Souvenirs vom damaligen Besitzer des Gutshofes zu sehen.

Hugo Scheu Museum Möbel aus der alten Zeit
Im Museum und seiner Filiale gibt es zurzeit 60.150 Exponate.

Hugo Scheu Museum, Versuch der Darstellung eines Salons

Hugo Scheu Museum Arbeitszimmer (Was haben die Hochzeitskleider dort verloren?)

Hugo Scheu Museum Hochzeitskleider. Allerdings nicht von "einfachen Leuten" sondern die wurden eher von der gehobenen Gesellschaft getragen.

Der Keller des Museums

Mit die skurilsten Ausstellungsstücke. Diese beiden "Damen" sehen interessant aus und mehr Informationen über sie wäre spannend.
Mir hat das Museum ehrlich gesagt nicht sehr gefallen. Die Ausstellung kommt mir altbacken und ideenlos vor. Trotz dem Heydekrug sehr lange Deutsch war, und die Geschichte des Gutshofes ja deutsche Geschichte ist (wahrscheinlich sind auch relativ viele deutsche Touristen in Silute unterwegs), wurde die Zweisprachigkeit sehr stark vernachlässigt. Die Erklärungen im Museum müssen nicht auf Deutsch sein, aber Litauisch und Englisch wären schon ein Zeichen in der modernen Zeit angekommen zu sein.
Die meisten Informationen stammen von der Webseite des Hugo Scheu Museums.
Kelme

Kelme Herrenhaus
Kelme ist eine kleine Stadt zwischen Kryskalnis (hier steht das Partisanendenkmal) und dem schönen Siauliai. Nimmt man sich für einen Besuch etwas Zeit, kann man ein uraltes Herrenhaus, die katholische Kirche und ein Denkmal für die litauische Unabhängigkeit besichtigen.
Das Gebiet des Gutshofs Kelmė begann sich im 15. Jahrhundert zu entwickeln. Damals war Kelmė das Gut des Großfürsten von Litauen. Ende des 15. Jahrhunderts schenkte der Großfürst von Litauen, Aleksander I. das Gut Kelmė an Jonas Kontautas. Im Jahr 1591 wurde der Adelige Gruzewscy neuer Besitzer des Gutes und seine Familie besaß es 350 Jahre lang. Die Gruzewscy waren aktive Unterstützer der Reformation. Sie gründeten die evangelische Gemeinde und bauten 1622 eine Backsteinkirche in Kelmė.
Das barocke Herrenhaus wurde 1780 aus Ziegelsteinen erbaut. Der Bau wurde von dem damaligen Besitzer des Herrenhauses, Jerzy Gruzewski, begleitet. Das zweistöckige Backsteintor, das einem Turm ähnelt, ist ein charakteristisches Gebäude des Herrenhauses von Kelme. Das Tor erfüllte mehrere Funktionen: es diente als repräsentativer Eingang zum Herrenhaus, im ersten Stock befand sich das Gefängnis für die Leibeigenen und im zweiten Stock war eine Bibliothek mit einer offenen Arkade für das Orchester. Bei aller Romantik, wenn wir solche Herrenhäuser besuchen, sollte man nicht die vergessen, die für das schöne Leben der Adligen schuften mussten, die Sklaven, genannt Leibeigene.

Die Scheune des Guts Kelme ist eine der ältesten Scheunen in Litauen und wurde 1716 erbaut. Es handelt sich um ein Holzgebäude mit absolut volkstümlichen Traditionen. Die Scheune hat eine lange Geschichte. Das Gebäude wurde bis heute nicht wesentlich verändert. Die Gesamtfläche des Gutshofs Kelmė, einschließlich des Parks, beträgt 15,2 ha. Bis heute sind neun Gebäude aus der Zeit des Gutshofs erhalten geblieben.

Eingangstor des Gutshofes. Im Hintergrund ein See und man kann die Mariä-Himmelfahrts-Kirche sehen.

Mariä-Himmelfahrts-Kirche
Vor der Mariä-Himmelfahrts-Kirche wurde 2005 das Denkmal "Balade" eingeweiht. Es stammt vom Bildhauer Vladas Vildziunas und erinnert an die Wiederherstellung der litauischen Unabhängigkeit. Man kann die Kirche und das Denkmal vom Tor des Kelmeer Gutshofes sehen. Auf dem Sockel steht "Niemand kann dir den Freiheitswillen nehmen". Der Gutshof Kelme war einer der Ausgangspunkte der Aufstände gegen die russischen Besatzer.
Wie in den meisten Städten Litauens gab es in Kelme viele Juden. Von den 3900 Einwohnern waren 2700 Juden. Die meisten wurde nach dem deutschen Einmarsch im Juli 1941 ermordet.

Mariä-Himmelfahrts-Kirche Innenraum
St. Gertrud

Die St. Gertrud Kirche befindet sich in Kaunas etwas versteckt am Übergang der Vilnius gatve zur Laisves aleja und ist eine der ältesten gotischen Backsteinkirchen und Gebäuden von Litauen.

Das Erbauungsjahr der St. Gertrud Kirche ist unklar, wird aber auf das 15. Jahrhundert geschätzt. Wahrscheinlich diente es früher als Friedhofskapelle am Stadtrand von Kaunas an der Straße nach Vilnius. 1503 ernannte Alexander der Jagiellone, Großfürst von Litauen und König von Polen, die Kirche zur Pfarrkirche von Kaunas. Mitte des 16. Jahrhundert wurde ein Glockenturm angebaut.
1654-67 wurde die Kirche bei den Russisch-Polnischen Kriegen beschädigt und 1680 wieder aufgebaut. 1796 wurde die Kirche renoviert und eine Orgel sowie Unterkünfte für den Pfarrer gebaut.

Zwischenzeitlich gab es an der St. Gertrud Kirche ein hölzernes Krankenhaus sowie ein Kloster. Bei einem Brand wurde Kloster und Krankenhaus beschädigt. Nach der litauischen Staatsgründung wurde die Kirche der Kongregation der Marienväter zugeteilt. Nach der zweiten litauischen Unabhängigkeit wurde die Kirche 1992 aufwendig renoviert.

Vom Stil erinnert die St. Gertrud Kirche an die weiter unten am Nemunas gelegenen Kirche von Zapyškis (Johannes der Täufer Kirche). Wenn Sie die St. Gertrud Kirche genauso schön finden wie wir, besuchen Sie unbedingt die Kirche in Zapyškis .
Zum Artikel über die Kirche in Zapyskis.
St. Gertrud
Die St. Gertrud Kirche befindet sich in Kaunas etwas versteckt am Übergang der Vilnius gatve zur Laisves aleja und ist eine der ältesten gotischen Backsteinkirchen und Gebäuden von Litauen.

Das Erbauungsjahr der St. Gertrud Kirche ist unklar, wird aber auf das 15. Jahrhundert geschätzt. Wahrscheinlich diente es früher als Friedhofskapelle am Stadtrand von Kaunas an der Straße nach Vilnius. 1503 ernannte Alexander der Jagiellone, Großfürst von Litauen und König von Polen, die Kirche zur Pfarrkirche von Kaunas. Mitte des 16. Jahrhundert wurde ein Glockenturm angebaut.
1654-67 wurde die Kirche bei den Russisch-Polnischen Kriegen beschädigt und 1680 wieder aufgebaut. 1796 wurde die Kirche renoviert und eine Orgel sowie Unterkünfte für den Pfarrer gebaut.

Zwischenzeitlich gab es an der St. Gertrud Kirche ein hölzernes Krankenhaus sowie ein Kloster. Bei einem Brand wurde Kloster und Krankenhaus beschädigt. Nach der litauischen Staatsgründung wurde die Kirche der Kongregation der Marienväter ( 😉 ) zugeteilt. Nach der zweiten litauischen Unabhängigkeit wurde die Kirche 1992 aufwendig renoviert.

Vom Stil erinnert die St. Gertrud Kirche an die weiter unten am Nemunas gelegenen Kirche von Zapyškis (Johannes der Täufer Kirche). Wenn Sie die St. Gertrud Kirche genauso schön finden wie wir, besuchen Sie unbedingt die Kirche in Zapyškis .
Zum Artikel über die Kirche in Zapyskis.
St. Gertrud
Die St. Gertrud Kirche befindet sich in Kaunas etwas versteckt am Übergang der Vilnius gatve zur Laisves aleja und ist eine der ältesten gotischen Backsteinkirchen und Gebäuden von Litauen.

Das Erbauungsjahr der St. Gertrud Kirche ist unklar, wird aber auf das 15. Jahrhundert geschätzt. Wahrscheinlich diente es früher als Friedhofskapelle am Stadtrand von Kaunas an der Straße nach Vilnius. 1503 ernannte Alexander der Jagiellone, Großfürst von Litauen und König von Polen, die Kirche zur Pfarrkirche von Kaunas. Mitte des 16. Jahrhundert wurde ein Glockenturm angebaut.
1654-67 wurde die Kirche bei den Russisch-Polnischen Kriegen beschädigt und 1680 wieder aufgebaut. 1796 wurde die Kirche renoviert und eine Orgel sowie Unterkünfte für den Pfarrer gebaut.

Zwischenzeitlich gab es an der St. Gertrud Kirche ein hölzernes Krankenhaus sowie ein Kloster. Bei einem Brand wurde Kloster und Krankenhaus beschädigt. Nach der litauischen Staatsgründung wurde die Kirche der Kongregation der Marienväter ( 😉 ) zugeteilt. Nach der zweiten litauischen Unabhängigkeit wurde die Kirche 1992 aufwendig renoviert.

Vom Stil erinnert die St. Gertrud Kirche an die weiter unten am Nemunas gelegenen Kirche von Zapyškis (Johannes der Täufer Kirche). Wenn Sie die St. Gertrud Kirche genauso schön finden wie wir, besuchen Sie unbedingt die Kirche in Zapyškis .
Zum Artikel über die Kirche in Zapyskis.
Partisanendenkmal Kryžkalnis

Martialisch ragt das Schwert in Kryžkalnis in den Himmel

Partisanendenkmal Kryžkalnis. Kryžkalnis bedeutet übrigens Kreuzberg. Nach der Unabhängigkeit stand hier die erste moderne Neste Tankstelle weit und breit.
Das 2020 in Kryžkalnis eingeweihte Monument in Form eines litauischen Schwertes ist 25 Meter hoch. Auf der darunter liegenden Mauer sind 20.000 Namen (bzw. unbekannt) von Partisanen in Metall geschnitten. Es gibt ein Grab des unbekannten Partisanen und am Fuße des Hügelchen ist ein Gebäude bereit zur Aufnahme eines Partisanenmuseums. Kryskalnis liegt gut erreichbar an der Autobahn Kaunas-Klaipeda.
Das ganze Denkmal ist sehr imposant, aus der Nähe und besonders auf Bildern aus der Ferne.
Auf der Tafel am Denkmal gibt es Erläuterungen zu den litauischen Partisanen. Es sollen sich 100.000 Litauer gegen die einmarschierenden Sowjets (die die Nazis aus Litauen vertrieben) aufgelehnt haben. Teils als Kämpfer, teils als Unterstützer des Widerstandes.20.000 Litauer sind dabei gestorben.
Auf der Tafel werden bekannte Partisanen wie Adolfas Ramanauskas-Vanagas und Juozas Luksa aufgezählt.
Im Februar 1949 wurde die Bewegung der Litauischen Partisanen gegründet. Sie verabschiedete eine Erklärung, das Ziel aller Kämpfe der litauischen Partisanen sei die Wiederherstellung der litauischen Unabhängigkeit. Ihr Anführer war Jonas Zemaitis.

Inmitten von Natur
Die Partisanenbewegung stieß auf brutalste Gegenwehr durch die sowjetischen Besatzer. Schlimmste Folterungen und Erschießungen waren alltäglich. Von den in Litauen befindlichen 60.000 Soldaten kämpften 30.000 direkt gegen die Partisanen. Auch Litauer wurden angeworben undercover den Sowjets zu helfen, die sogenannten Istrebitel (Zerstörer. Diese Istrebitels sind auch heute noch in Litauen verachtet, obwohl es in vielen Familien Schicksale von Partisanen oder Istrebitel gibt).
Die Erklärungen loben die tapferen regulären Schlachten, die die Partisanen anfänglich gegen die überlegenden sowjetischen Kräfte führten. Mit Ausbleiben von westlicher Unterstützung zerfielen die Partisanen in kleinere Gruppen und kämpften gegen die Istrebitel oder andere Litauer, die sich mit den Sowjets arrangiert hatten.
Beschreibungen dieses Partisanenkampfs kann man schön in Juozas Luksas Memoiren nachlesen.
Der Text der Tafel endet mit folgendem Satz:
"Deshalb ist heute die wichtigste Arbeit der litauischen Geschichtsschreibung, den bewaffneten Widerstand gegen die Besatzer der Nachkriegszeit zu untersuchen und die Wahrheit darüber aus Sicht der Menschen zu schildern, die Litauens Freiheit verteidigten und die Ehre ihrer Nation schätzten".

20.000 Schilder mit Namen der gestorbenen Partisanen
Das hört sich alles ganz gut an. Leider vergessen die Initiatoren dieses Denkmals auf einige unschöne Details hinzuweisen (die garantiert auch in einem späteren Museum nicht zur Sprache kommen. Warum eigentlich nicht?).
Das Problem der Partisanen ist, niemand weiß, wer von ihnen SICH WIE beim Einmarsch der Wehrmacht am antisowjetischen Aufstand gegen die Sowjets beteiligt hat. Die mit den deutschen Nazis verbündete LAF, einer der Mitorganisatoren des Aufstandes, war in ganz Litauen an Aktionen gegen Juden und Kommunisten beteiligt. Kommunisten wurden verfolgt (und getötet), die Parole der Nazis war, Juden sind auch Kommunisten. Alle Juden. Und so wurden sie von Anfang an behandelt. Die sogenannten Weißarmbändler, auch Partisanen genannt, halfen den Deutschen mit dem Zusammentreiben, Ghettoisieren und anschließendem Töten der litauischen Juden. 200.000 Juden, Männer, Frauen, Kinder wurden getötet und verscharrt. Die litauische Verwaltung hat mit Todeslisten geholfen, die jüdischen Wertgegenstände eingesammelt und an deutsche Stellen und Litauer verteilt und die "Partisanen" haben die meisten ihrer Landsleute im Auftrag der Deutschen umgebracht (bei vielen Litauen herrschte ein Konkurrenzkampf mit den Juden). Natürlich waren nicht alle Partisanen Judenmörder, aber viele hatten mit den Nazis kollaboriert und wer genau ein Mörder war, kann man heute nicht wissen.
Mir war Juozas Luksa nach dem Lesen seiner Memoiren jedenfalls zutiefst zuwider. Und auch bei Ramanuskas ist nicht klar, was er als Anführer einer bewaffneten LAF-Einheit in Druskininkai 1941 gemacht hat. Im Allgemeinen hat die LAF damals den Russen hinterhergeschossen und Juden drangsaliert und ermordet.
Deshalb wird bei einigen Besuchern vom Schwert in Kryžkalnis ein Unbehagen dabei sein. Das hätten die Organisatoren des Denkmals ausräumen können, wenn sie die wahre Geschichte der Partisanen erzählt hätten, die eben nicht so klar ist, wie die Initiatoren das gerne hätten. Aber in Litauen gibt es oft nur eine Wahrheit und leider hat weder die Stadt Raseiniai als Mitorganisator noch der Staat Litauen sich gegen die Bewegung der Litauischen Freiheitskämpfer durchgesetzt (oder durchsetzen wollen).

Namen mit Partisanen (manchmal steht da auch "Unbekannt")
Anmerkungen und Verbesserungen sind erwünscht.
Wer sich für dieses Thema interessiert wird viele Texte in der Rubrik Geschichte finden.
Besonders lesenswert ist der Text über die LAF https://alles-ueber-litauen.de/litauen-geschichte/laf,-pg-und-der-judenmord
-das Buch Litauen von Age Meyer Benedictsen, der schon vor 1900 über Deportationen der litauischen Juden spricht https://alles-ueber-litauen.de/litauen-buecher/age-meyer-benedictsen
- den Augenzeugenbericht von Kazimierz Sakowicz über den Massenmord in Paneriai/Vilnius https://alles-ueber-litauen.de/litauen-buecher/die-geheimen-notizen-des-kazimierz-sakowicz
- und die Memoiren von Juozas Luksa https://alles-ueber-litauen.de/litauen-buecher/juozas-luksa
Sapieha Palast
Seit dem Februar 2024 hat Vilnius eine neue Attraktion zu bieten. Der alte Palast der litauischen Adelsfamilie Sapieha wurde renoviert und steht dem Publikum zur Besichtigung zur Verfügung. Wir haben den Palast an einem Dienstag besucht und ungewöhnlicherweise hat das Museum Dienstags seinen Ruhetag.

Der aus den Ruinen wiederauferstandene Sapieha-Palast soll ein lebendiger Ort auf der kulturellen Landkarte von Vilnius werden, der alle Mitglieder der Gesellschaft inspiriert, erzieht und ihnen die Möglichkeit gibt, ihren kulturellen Horizont in einer einzigartigen Umgebung zu erweitern. Durch verschiedene Aktivitäten, wie Wechselausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen soll der Palast mit Leben gefüllt werden.
Aus diesem Grund werden die Räume des Palastes nicht nur für die Ausstellung von Kunst und Artefakten, sondern auch für verschiedene Veranstaltungen und das Alltagsleben der Einwohner von Vilnius genutzt. Es gibt ein Café und einen Lesesaal, und das Erdgeschoss kann jederzeit (bis auf dienstags) besichtigt werden.

Der Sapieha-Palast ist ein bedeutendes Denkmal der Architektur, Kunst und Geschichte. Er ist Teil eines Ensembles, das die ehemalige Residenz der Sapiehas - einer Adelsfamilie des Großfürstentums Litauen - zusammen mit dem Trinitarierkloster, der Kirche und einem Park, der neben dem Palst liegt, umfasst. In der Region gibt es nur noch wenige so einzigartige Ensembles barocker Architektur wie das Sapieha-Palais. Der praktische Zweck und die symbolische Bedeutung des Sapieha-Palastes änderten sich im Laufe der Zeit.

Ende des 17. Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts, während einer interessanten und komplexen Periode in der Geschichte des Staates, war der Palast eine luxuriöse Residenz für den Adel. Lange Zeit war der Palast ein Krankenhaus, und in der Sowjetzeit wurde er in einen Militärkomplex integriert. In den ersten drei Jahrzehnten nach Litauens Unabhängigkeit (1991) stand er völlig leer. Nach gründlichen Untersuchungen und umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde der Palast wieder mit Leben erfüllt.
Das Contemporary Art Centre, die größte Institution für zeitgenössische Kunst in den baltischen Staaten, ist seit drei Jahrzehnten mit der Kuratierung des Sapieha-Palastes betraut. Wie das CAC ist auch der Sapieha-Palast kein Museum und wird keine Kunstsammlung anhäufen (eine netter Versuch die Tatsache leerer Kassen und dem kompletten Verlust der ehemaligen Originaleinrichtung des Sapieha Palastes zu umschreiben), sondern seine Aktivitäten sollen die verschiedenen Phänomene einer sich ständig verändernden Realität und die Geschichte, die ein integraler Bestandteil der Gegenwart ist, widerspiegeln. Die neuen Verwalter des Palastes legen Wert darauf, dass die Ausstellungen, Konzerte und anderen Veranstaltungen zeitgenössische Kunst mit Werken der Vergangenheit verbinden. Die Besucher haben die Möglichkeit, die Schöpfer der zeitgenössischen Kunst, Literatur, Musik und des Kinos kennen zu lernen und sich mit der ständig wandelnden Geschichte des Palastes und seiner Umgebung auseinander zu setzen.
Der Name des Sapieha-Palastes ist in ganz Litauen bekannt und bezieht sich nicht nur auf das Erbe seines ursprünglichen Besitzers, des großen litauischen Hetmans Kazimierz Jan Sapieha (1637-1720), sondern auch auf die Familie Sapieha, die als Mäzene von Wissenschaft und Kultur bekannt war. Heute ist der Name des Sapieha-Palastes auch mit der gründlichen und engagierten Arbeit von Historikern, Archäologen und Restaurierungsexperten verbunden, die daran arbeiten, das Gebäude zu erforschen und zu erhalten, damit es einem neuen Zweck dienen und Teil des zeitgenössischen Lebens der Stadt werden kann. Als Ergebnis ihrer Bemühungen wird der Sapieha-Palast als Fenster zu seiner langen und manchmal verworrenen Geschichte dienen. Da die Litauer Meister im Renovieren alter Gebäude sind, kann der Besucher sich auf interessante Ansichten im Palast freuen.
Das Ziel des Museumsteams ist es, den Sapieha-Palast schließlich in einen internationalen Kulturraum zu verwandeln, der die Achtung vor der Geschichte fördert und die Voraussetzungen für einen originellen Dialog zwischen kulturellem Erbe und zeitgenössischer Kunst schafft.
Verbunden werden sollte mit dem Besuch des Sapieha Palastes auch ein Abstecher in die wunderschöne St. Peter und Paul Kirche, die in der Nähe ist.

Der Wasseturm diente als Reservoir für das Schwimmbad.
Sapieha Palast
L. Sapiegos st. 13,
LT–10312 Vilnius, Lithuania
Webseite: https://sapiegurumai.lt
Šeduva
Auf jiddisch heißt das jüdische Dorf, die Heimat der Juden „Shtetl“. Kleine Stadt. Die meisten Juden in Europa lebten im sogenannten Ansiedlungsrajon von Russland in der Gegend von Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Für Litauen gilt, dass die meisten Städte mehrheitlich von Nicht-Litauern bewohnt waren. Meist Juden und Polen. 31 der 35 Geschäfte in Šeduva vor dem Krieg gehörten Juden. Eine detaillierte Beschreibung des Lost Shtetl Museums gibt unter Lost Shtetl Museum
Das Zusammenleben der Litauer mit ihren jüdischen Nachbarn war relativ friedlich. Allerdings kam es Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Aufleben des Nationalismus in Europa und litauische Nationalisten begannen die oft erfolgreicheren Juden in Litauen als störend zu empfinden.

Begrüßung auf dem Šeduver Marktplatz
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Litauen und dem Aufstand der Litauischen Aktivisten Front (LAF) begann der Holocaust in Litauen. Mit Hilfe der litauischen Partisanen (Weißarmbändler oder auf Litauisch Baltaraiščiai) und der litauischen Verwaltung begann die nahezu vollständige Auslöschung der litauischen Juden.
Die Deutschen erreichten Šeduva am 25. Juni 1941. Die Repressionen gegenüber den Šeduver Juden begann. Juden, die für die sowjetischen Besatzer gearbeitet hatten, wurden sofort verhaftet und ermordet. Die Überlebenden 664 Juden wurden ghettoisiert und am 25. August 1941 in einem zehn Kilometer von Šeduva entfernten Wald bei Liaudiškiai vom Rollkommando Hamann (Einsatzkommando 3) und Litauern vom Tautinio Darbo Apsaugos Batalionas (TDA, Nationales Arbeitsschutzbataillon) ermordet und verscharrt.

Auszug aus dem Jäger Report über die in Šeduva getöteten Juden (Blatt 3)

Es wurde noch gebaut und Fotos gab es nur aus der Ferne
Das Lost Shtetl Projekt begann mit dem Aufräumen des Šeduver jüdischen Friedhofs, der direkt an das neue Museum anschließt. Die vormals reiche jüdische Kultur war vollständig ausgelöscht. Es kam die Idee von Juden mit ehemals familiären Beziehungen zu Šeduva auf, hier an die verlorene Kultur und die Taten der Mörder zu erinnern. Angeregt wurde es durch den litauisch-jüdischen Schriftsteller und Geschäftsmann Sergey Kanovich, Sohn des berühmten litauischen Autors Grigory Kanovich.
Das Museum ist neben dem MO-Kunstmuseum in Vilnius nun schon das zweite große privat finanzierte Museum in Litauen. Die Wahl des Ortes, also Šeduva, erstaunt ebenso wie die Größe und die ambitionierte Architektur des Museums. Šeduva ist ziemlich weit von jeglichen Tourismusströmen in Litauen entfernt. Das Äußere, wir haben das Museum noch vor der Fertigstellung im Mai 2024 besucht, erinnert an das Guggenheim Museum in Bilbao, und verspricht sehr interessant zu werden.
Für die litauische Museumslandschaft, den Tourismus und die Erinnerung an den Holocaust bestimmt ein riesiger Gewinn.

Jüdischer Friedhof Šeduva
Interessant sind die im Vorfeld der Eröffnung auftretenden unnötigen Spannungen von Leuten, die eigentlich auf Seiten der jüdischen Opfer stehen. Zum Beispiel wurde ein vom Museum in Auftrag gegebener Film abgelehnt und soll durch einen amerikanischen Filmemacher neu gedreht werden. Spekulationen über die Gründe und Anfeindungen kamen auf.

Der alte Friedhof liegt direkt am Museum

Erinnerung an die verlorene jüdische Kultur in Šeduva
Meiner Meinung, nach Besichtigung der Außenanlagen, ist das Museum sehr vielversprechend und hat eine schöne Architektur (verantwortlich hier ist der finnische Architekt Rainer Mahlamäki).
Es soll im Jahre 2025 eröffnet werden.
Die Links zur Kontroverse stehen weiter unten. Interessant auch die Adaption der Litauer. Steht doch schon das Denkmal hinter dem Šeduva Schriftzug auf dem ersten Bild im Kontrast zwischen der Sicht vieler Litauer und der von überlebenden Juden oder geschichtlich Interessierten. Auf dem Denkmal steht eingraviert "Für die Partisanen im Distrikt 1944 bis 1953". Niemand weiß, wer von diesen Partisanen ein früherer "Baltaraiščiai ", LAF Anhänger, Kollaborateur der Nazis oder Mitglied des TDA war. Deshalb gibt das, meiner Meinung nach, für den Beobachter immer einen bitteren Beigeschmack, den viele Litauer natürlich komplett anders sehen.
https://defendinghistory.com/defending-history-proudly-supports-saulius-berzinis/114111
https://defendinghistory.com/the-holocaust-in-seduva-a-town-in-northern-lithuania/108579
Noch ein Video über die jüdischen Spuren in Šeduva. Nicht für jeden interessant und etwas langwierig, zudem schlechte Tonqualität:
Link zur Webseite des Museums: https://lostshtetl.com
Das Lost Shtetl Museumsprojekt in einer Dronenaufnahme des Fotografen Sigitas Mikutis
Mit freundlicher Genehmigung des Lost Shtetl Museums. Da wo der grüne Pfeil ist, liegt der alte jüdische Friedhof. Links davon das Museum.
Interessant, neben dem Lost Shtetl Projekt, ist noch die Kreuzauffindungskirche:

Kreuzauffindungskirche von 1640-49

Šeduva, Kreuzauffindungskirche
Die Renaissancekirche in Seduva hat übrigens barocke Eigenschaften. Die Orgel soll wertvoll sein. Die vorher existierende Holzkirche stammte von 1512. Der Erbauer, Jeronimas Valavicius, war auch für die Kathedrale in Siauliai verantwortlich. Die Kirche soll einer der ältesten und kostbarsten religiösen Bauten Litauens sein.
Salomeja Neris — kontrovers
Soll man Straßen mit Salomeja Neris Namen umbenennen? Nach weltweiten Forderungen litauische Straßen und Gebäude nicht nach Nazi Kollaborateuren zu benennen und Denkmäler, wie in Ukmerge für Juozas Krikštaponis zu entfernen oder (was für mich genug wäre) mit Informationstafeln zu versehen, die auf die Gräueltaten der hier Geehrten hinweisen, beginnt jetzt die konservative Gegenbewegung, alle sowjetischen Denkmäler zu entfernen und Kollaborateure mit der Sowjetunion zu demontieren. Nun diskutiert Litauens Kulturelite über Salomeja Neris. Zweifellos wurde sie von den Sowjets umworben und ihre Reise nach Moskau, wo um die Aufnahme Litauens in die UdSSR gebeten wurde, war nicht ruhmreich. Ob die Demontage der vielleicht bekanntesten litauischen Dichterin gerechtfertigt ist? (Nach dem Kreischef von Siauliai, Jonas Noreika , der die Errichtung des Ghettos von Siauliai befohlen hat, sind weiterhin Straßen benannt und bis vor kurzem hing eine Gedenktafel in der Nähe der Kathedrale von Vilnius. Auch neben der Verwaltung von Siauliai hängt weiterhin eine Tafel zu seinem Gedenken).
Der Historiker Valdemaras Klumbys lehrt an der Universität Vilnius, Fakultät für Geschichte, und arbeitet auch für das Vilniuser Zentrum für Genozid und Widerstand. Er schrieb in der online Ausgabe der LRT (Litauisches öffentliches Radio und Fernsehen) einen Bericht mit einer Beurteilung über Salomeja Neris. Mit seiner freundlichen Erlaubnis dürfen wir seinen Artikel hier verwenden. Ebenso hat LRT die Verwendung erlaubt. Der Link zum litauischen Originalartikel, der am 12.3.2024 erschien, steht unten auf dieser Seite.
Der litauische Text ist mit Hilfe von Deepl übersetzt. Ich bin mit dem Anfang nicht zufrieden, wenn das jemand verbessern kann, bitte schreiben, dann werde ich das natürlich ändern.
Salomeja Neris Museum Salomeja Neris unter Kultur

Salomeja Neris 1940 in Moskau
Valdemaras Klumbys – Alternative Anmerkung zu Salomėja Nėris
Valdemaras Klumbys ist Mitarbeiter des Litauischen Instituts für Geschichte
Salomėja Nėris
Nėris wieder... Die Entscheidung der Desowjetisierungskommission, die nach ihr [Salomeja Neris] benannten Straßen umzubenennen, die sich auf die abschließende historische Schlussfolgerung der Journalistin Daiva Vilkelytė über Salomėja Nėris stützt, scheint mehr zu sein als nur ein Name, der als endgültige Entscheidung gilt (die Assoziationen, die die Leser mit ihr verbinden, sind nicht zufällig). Es handelt sich um einen spezifischen Vortrag (dieser Aufsatz, geschrieben von einem Autor, der das Wort perfekt beherrscht, verdient kaum ein anderes Wort), der weder inhaltlich noch stilistisch einem Gutachten oder einer wissenschaftlichen Studie ähnelt.
Kein Wunder, dass die empörten Sachverständigen in einem Appell eine Überprüfung der Entscheidung forderten. Der Kommentar des Litauischen Zentrums für Genozid- und Widerstandsforschung (zu dem auch die Desowjetisierungskommission gehört) enthielt eine kaum verhüllte Drohung an die Unterzeichner: "Das Gesetz über das Verbot der Propagierung totalitärer und autoritärer Regime und ihrer Ideologien ist für alle litauischen Bürger verbindlich. Darin heißt es ganz klar, dass die Propagierung des Sowjet- oder Naziregimes als "die Verbreitung von Ideen, Theorien, Werten, Ansichten, Markenzeichen, Symbolen und die Agitation für sie" gilt.
Paradoxerweise können öffentliche Aufrufe zur Missachtung der etablierten Fakten über das Funktionieren eines Regimes als Unterstützung für dieses Regime, als Agitation für dieses Regime angesehen werden.
Nun, ich habe es auch unterschrieben, also verstoße ich nach dieser Auslegung gegen litauisches Recht. Übrigens erinnern mich diese Drohungen sehr an ein Land, in dem man einen Krieg nicht als Krieg bezeichnen kann, weil es irgendein obskures Gesetz über die Diskreditierung der Armee gibt, das man beliebig auslegen kann. Wie wir sehen, gibt es auch hier solche Gesetze und solche Auslegungen, aber wir haben die Strafen noch nicht gesehen. Noch nicht.
Aber es ist an der Zeit, mit den lyrischen Abschweifungen aufzuhören. Ich arbeite auch für das LGGRTC [AK: das litauische Forschungszentrum für Genozid und Widerstand, im "KGB" Museum in Vilnius ansässig und zumindest früher berüchtigt, als Opfer nur Litauer, als Täter nur Sowjets gesehen zu haben], und letztes Jahr wurde ich beauftragt, einen Bericht über S. Nėris zu schreiben. Ich habe ihn geschrieben und eingereicht, und er wurde von meinen unmittelbaren Vorgesetzten und dem Generaldirektor des LGGRTC, Arūnas Bubnys, selbst eingesehen. Soweit ich weiß, wurde die Bescheinigung jedoch nicht der Kommission für Desowjetisierungskommission vorgelegt. Ich werde nicht sagen, warum, sondern stelle einfach den unkorrigierten Text unten ein. Vielleicht wird er von der Agitation für das sowjetische System unterstützt, aber es fällt mir immer schwerer, von irgendetwas überrascht zu werden. Es bleibt den Lesern überlassen, zu entscheiden, welcher der Texte - meiner oder der von Vilkelytė - eine Agitation und welcher ein Gutachten ist.
Es wäre richtiger zu sagen, dass Nėris bei der Besetzung Litauens eher eine dekorative als eine politische Funktion hatte, so dass es kaum möglich ist, auf diese Weise über den Schaden zu sprechen, den sie der litauischen Staatlichkeit zugefügt hat.
Gutachten Valdemaras Klumbys
Salomėja Nėris (Bačinskaitė-Bučienė) war bereits in den frühen 1930er Jahren eine bekannte Linke in der litauischen Gesellschaft. Sie äußerte ihre Ansichten 1931 öffentlich, als dies ihr Wohlergehen bedrohte (sie hätte aus ihrem Job als Lehrerin entlassen werden können). Trotz der Tatsache, dass Nėris' linke Gesinnung weithin bekannt war, erlaubte Smetona Nėris zu unterrichten, wenn sie in ihren Klassen keine kommunistische Propaganda verbreitete (M. Vaitkus, Nepriklausomybės saulėj, London, 1969, Bd. 7, Nr. 3, S. 195-196). Sie wurde also nicht als Gefahr für den bestehenden Orden angesehen, wie aus den erhaltenen Dokumenten über ihre Überwachung hervorgeht (LCVA, f. 1742, ap. 1, b. 12).
Die Informationen über Nėries Beziehungen zur Komintern, die an die Öffentlichkeit gelangten, stammen aus dem einzigen russischen Wikipedia-Artikel über die Dichterin: Die Schriftstellerin "knüpfte 1928 Kontakte zum litauischen Komsomol im Untergrund an der Universität Kaunas, wurde 1931 Verbindungsperson zur Komintern (unter dem Pseudonym Virvyčia) und sicherte in den Jahren 1934-1936 den Kommunikationskanal mit der kommunistischen Untergrundzeitung Žemaitijos tiesa. In den Jahren 1936-1937 war sie die Verbindungsperson der Komintern zur Führung der litauischen und polnischen kommunistischen Parteien in Paris." (https://ru.wikipedia.org/wiki/,_, übersetzt von V. Čepaitis, Not a Historian's Reflections on History (3), "Kultūros barai", 2017, Nr. 7/8, S. 28)
Im russischen Wikipedia-Text wird diese Information durch den Verweis "Archivdaten der Komintern (RGASPI, Fundus 495 ff)" gestützt. Ein solch allgemeiner Verweis auf die Quelle lässt vermuten, dass die Quellen tatsächlich nicht konsultiert wurden und dass die Informationen möglicherweise veröffentlicht wurden, um den Autor zu diskreditieren. Dieser Verdacht wird durch die Bemerkung "und spätere" verstärkt, da die späteren Bestände offensichtlich keine Daten über Salomėja Nėris enthalten konnten.
Verschiedene Quellen bestreiten viele der im Wikipedia-Zitat genannten Details. Es ist nicht bekannt, dass Nėris vor 1931 der Linken angehörte, so dass es sehr zweifelhaft ist, dass sie bereits 1928 Kontakte zur kommunistischen Untergrundgruppe an der Universität hatte, zumal sie in jenem Jahr ihr Studium abschloss und in Lazdijai zu arbeiten begann. Es ist möglich, dass sie mit anderen kommunistischen Studenten in Kontakt stand, ohne es zu wissen, aber das bedeutet nicht, dass sie Kontakt zur kommunistischen Parteigruppe hatte.
Der bemerkenswerteste Fall von Nėris Einbindung in die sowjetischen politischen Strukturen ist ihre Teilnahme an einer Delegation in Moskau, die um die Aufnahme Litauens in die UdSSR "bat". In Wirklichkeit bedeutete diese Delegation nichts, sie war ein symbolischer, formaler Schritt.
Die Behauptung, dass sie in den Jahren 1934-1936 "einen Kommunikationskanal mit der kommunistischen Untergrundzeitung Žemaitijos tiesa" bildete, ist nicht überzeugend. Zu dieser Zeit war sie Lehrerin in Panevėžys, und die Zeitung wurde in den Bezirken Mažeikiai und Skuodas veröffentlicht.
Es ist zweifelhaft, dass sie eine Verbindungsperson gewesen sein könnte, wenn sie sich nicht in diesen Gebieten aufhielt und die Herausgeber der Zeitung nicht kannte - dafür gibt es keinen Beweis.
Es gibt auch keine Grundlage für die Behauptung, dass Nėris "in den Jahren 1936-1937 eine Verbindungsperson der Komintern zu den litauischen und polnischen kommunistischen Parteiführungen in Paris war". Sie lebte zwar in jenen Jahren in Paris, aber es sind keine Informationen über ihre Beziehungen zu Mitgliedern der Kommunistischen Partei bekannt. Es ist höchst zweifelhaft, dass die Kommunistische Partei eine so wichtige Verbindungsposition einem Nicht-Parteimitglied (Nėris war nie Mitglied der Kommunistischen Partei), aber auch einer nicht vertrauenswürdigen Person anvertraut haben könnte.
Die nach der sowjetischen Besatzung verfassten Autobiografien von Nėris, in denen jede noch so kleine Verbindung zur Kommunistischen Partei in der Zwischenkriegszeit nicht nur erwähnt, sondern übertrieben werden musste, sprechen nur von ihrem Linksruck 1931, ihrer revolutionären Lyrik und der Verfolgung, die sie erlitt, sowie von ihrer Lektüre marxistischer Literatur, die schwer zu beschaffen war (S. Nėris, Writings, 1981, Bd. III, S. 408-410). Die Verbindungen zur Komintern werden in der Autobiografie, die vielleicht die umfassendste Darstellung der Verbindungen zur Kommunistischen Partei ist, nicht erwähnt: "Ein paar Treffen mit den neuen Mitgliedern der Kom. halfen mir, mich zu orientieren, ich sah die schrecklichen Bedingungen, unter denen entschlossene und kämpferische Menschen arbeiten. <...> Ich begann, an den Mopro-Kreisen teilzunehmen <...>.
Als ein illegaler Arbeiter-Kulturclub gegründet wurde, begann ich dort als Lehrer zu arbeiten, aber einige Tage später wurde der Club von der Polizei verwüstet." (LYA, f. 1771, ap. 5, b. 858, l. 8). Andere Quellen geben Auskunft über ihre Teilnahme an Mopre (V. Alekna, Salomėja Nėries' Life and Work Yearbook, Vilnius, 1997, d. 2, S. 73), und der Bericht des litauischen Sicherheitsbeauftragten, der allerdings deutliche Ungenauigkeiten enthält (LVA, f. 1742, ap. 1, b. 5, l. 3).
Weder Nėries eher schwache Aktivität im prokommunistischen Untergrund oder, mehr noch, das Werk der Dichterin trugen zum Verlust der Unabhängigkeit bei. Der Verlust der Unabhängigkeit war auf den harten Druck der UdSSR zurückzuführen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Regierung und der Oberbefehlshaber der Armee beschlossen, keinen Widerstand zu leisten, und der Präsident zog sich ins Ausland zurück, ohne eine Erklärung abzugeben. Dies war der Grund für die rasche und reibungslose Besetzung Litauens und nicht die Aktivitäten der Kommunistischen Partei oder gar der Litauischen Linken, die keinen großen Einfluss in der Gesellschaft hatte. Die Aufforderung der Regierung, die einmarschierenden Truppen der Roten Armee freundlich zu empfangen, hat die gesamte litauische Gesellschaft, nicht nur die linke, sondern auch die rechte, völlig verunsichert. Nach der Okkupation gab es weder militärischen noch zivilen Widerstand, und die Verwaltung arbeitete weiter auf Anweisung der Besatzer. In dieser Situation war es für die einfachen Bürger schwierig zu verstehen, was geschah, was auf Litauen zukommen würde und wie die Veränderungen zu bewerten waren.
Was soll man von der Linken sagen, wenn die Rechte die Prozesse nicht verstanden hat (V. Trumpa, Die litauische Linke in historischer Perspektive, "Metmenys", 1967, Nr. 14, S. 42).
Weder die eher schwache Aktivität Nėries im prokommunistischen Untergrund oder, mehr noch, das Werk der Dichterin trugen zum Verlust der Unabhängigkeit bei. Der Verlust der Unabhängigkeit war auf den harten Druck der UdSSR zurückzuführen.
S. Nėris unterstützte aktiv die Besatzung und die fortschreitende Sowjetisierung und förderte die neue Ordnung in der Presse mit ihren Reden und ihrer künstlerischen Arbeit. Es muss jedoch betont werden, dass die gesamte Gesellschaft erst nach dem formellen Beitritt Litauens zur UdSSR (im Herbst 1940) allmählich zu verstehen begann, was das sowjetische System war, und alles wurde mit dem Beginn der Massendeportationen im Juni 1941 noch deutlicher. Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Dichterin kein Mitglied des Volkssejms war und keine Verwaltungsposten im besetzten Litauen innehatte - ihr Traum war es, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben und sich ganz ihrem Werk zu widmen.
Das bemerkenswerteste Beispiel für Nėris Einbindung in die sowjetischen politischen Strukturen war ihre Teilnahme an einer Delegation in Moskau, die um die Aufnahme Litauens in die UdSSR "bitten" sollte. In Wirklichkeit bedeutete diese Delegation nichts, sie war ein symbolischer, formaler Schritt. Es ist nicht klar, warum die folgenden Personen aus dem Kreis der Kulturschaffenden ausgewählt wurden, deren Liste von Mečys Gedvilas auf der Sitzung des Volkssejms verlesen wurde. Unklar ist auch die anfängliche Reaktion der Auserwählten auf einen solchen Vorschlag und ihre Interpretation der künftigen Stellung Litauens in der Sowjetunion.
Es sollte auch erwähnt werden, dass die Dichterin kein Mitglied des Volkssejms war und keine Verwaltungsposten im besetzten Litauen innehatte - ihr Traum war es, ihren Beruf als Lehrerin aufzugeben und sich ihrer Arbeit zu widmen.
Vanda Sruogienė erinnerte sich an ihr Gespräch mit Nėrimi, in dem diese erklärte: "Ich habe ein Gedicht [über Stalin] geschrieben, ich habe mich bereit erklärt, eine Sprecherin zu sein, ich fahre nach Moskau, weil mir ein Treffen mit Stalin versprochen wurde. Ich werde ihm sagen, wie die Russen Litauen schaden. <...> Ich werde von ihm Gerechtigkeit verlangen." (V. Alekna, Salomėja Nėries' Life and Work Yearbook, d. 2, Vilnius, 1997, S. 505).
Aus dem Kontext lässt sich schließen, dass es in dem Gespräch, an das sich Sruogiene erinnerte, nicht um die Teilnahme an der Delegation ging (zu dieser Zeit hatte die litauische Bevölkerung noch nicht so viele Ungerechtigkeiten durch die Besatzer erfahren - die sowjetischen Truppen hatten den Befehl, sehr vorsichtig zu sein, die Besatzer versuchten, die Bevölkerung nicht zu verärgern, und die Besatzung hatte gerade erst begonnen), sondern um die Zusage, Abgeordnete des Obersten Sowjets der UdSSR zu werden, zu der sie Anfang 1941 gewählt (eigentlich: ernannt) wurde.
Es sei darauf hingewiesen, dass Nėris dem Obersten Sowjet der LSSR, der am 25. August 1940 seine Arbeit aufnahm, nicht angehörte, vielleicht weil die Dichterin es vermied, sich in politischen Institutionen zu engagieren, und auch keinen Posten im Schriftstellerverband innehatte. Auf jeden Fall ist der Posten des Stellvertreters des Obersten Sowjets eine formale Position, denn der Oberste Sowjet spielte im politischen System der UdSSR keine Rolle, er war nur ein pseudodemokratisches Dach. Die Dichterin bekleidete bis zu ihrem Tod kein anderes politisches Amt, weder im Krieg noch in der Nachkriegszeit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ihre Begrüßung der Besatzung, des sowjetischen Systems in Litauen, die Förderung der kommunistischen Ideologie und vor allem ihre Teilnahme an der erwähnten Delegation in Moskau, die die Annexion Litauens beantragte, als Kollaboration mit den Besatzungsbehörden betrachtet werden kann. Eine solche Einstufung ist jedoch fragwürdig, da unter Kollaboration nach gängigem Weltverständnis die politische und militärische Zusammenarbeit mit, gegen oder im Verlauf eines Krieges oder einer militärischen Besetzung des militärischen Gegners eines Landes verstanden wird.
Die politische Führung und die Armee Litauens leisteten keinen Widerstand gegen die sowjetische Besatzung, so dass das Land in der UdSSR nicht als militärischer Feind angesehen wurde. Dies erklärt die Beteiligung der meisten Mitglieder der litauischen politischen und kulturellen Elite der Zwischenkriegszeit an der Arbeit der Besatzungsverwaltung und der Umsetzung ihrer Befehle, auch wenn sie dem sowjetischen System ideologisch und wertmäßig feindlich gegenüberstanden. Es wäre richtiger zu sagen, dass Nėris bei der Besetzung Litauens eher eine dekorative als eine politische Rolle spielte, und deshalb ist es kaum möglich, von dem Schaden zu sprechen, den sie der litauischen Staatlichkeit zugefügt hat. Es ist nicht bekannt, dass Nėris an repressiven Strukturen beteiligt war oder dass sich Personen bei den sowjetischen Sicherheitsorganen beschwert haben.
Link zu LRT, wo der Artikel von Valdemaras Klumbys zuerst erschien: https://www.lrt.lt/naujienos/nuomones/3/2219612/valdemaras-klumbys-alternatyvi-pazyma-apie-salomeja-neri
Valdemaras Klumbys. Alternatyvi pažyma apie Salomėją Nėrį
VK
Valdemaras Klumbys, Lietuvos istorijos instituto darbuotojas, LRT.lt 2024.03.12 20:35
Salomėja Nėris
Ir vėl Nėris... Desovietizacijos komisijos sprendimai pervadinti jos vardu pavadintas gatves, besiremiantys žurnalistės Daivos Vilkelytės parengta Galutine ekspertine istorine išvada apie Salomėją Nėrį, atrodo, ne tik pavadinimu pretenduojančia tapti galutiniu sprendimu (skaitytojams kilusios asociacijos neatsitiktinės). Specifinė lektūra (kitokio žodžio šis rašinys, parašytas puikiai valdančios žodį autorės, kažin ar nusipelno), nei turiniu, nei stilistika neprimenanti ekspertinės pažymos ar mokslinio tyrimo.
Nieko keisto, kad pasipiktinę ekspertai išplatino kreipimąsi, reikalaudami sprendimą peržiūrėti. Lietuvos gyventojų genocido ir rezistencijos tyrimo centro (Desovietizacijos komisija faktiškai yra jo dalis) komentare nuskambėjo ir menkai paslėptas grasinimas pasirašiusiesiems: „Draudimo propaguoti totalitarinius, autoritarinius režimus ir jų ideologijas įstatymas privalomas visiems Lietuvos piliečiams. Jis labai aiškiai įvardina, kad sovietų ar nacių režimo propagavimu laikomas „idėjų, teorijų, vertybių, pažiūrų, prekių ženklų, simbolių skleidimas ir agitavimas už juos.“ Paradoksalu, tačiau vieši kreipimaisi nepaisyti nustatytų faktų apie režimo veikimą gali būti traktuojami kaip to režimo palaikymas, agitavimas už jį.
Ką gi, aš irgi jį pasirašiau, taigi, nusižengiu Lietuvos įstatymams, anot šios interpretacijos. Kažką, beje, tokie grasinimai labai primena, vieną tokią šalį, kurioje negalima karo įvardyti karu, nes yra kažkoks niekam neaiškus įstatymas apie kariuomenės diskreditavimą, kurį galima interpretuoti kaip nori. Kaip matome, ir pas mus esama tokių įstatymų ir tokių interpretacijų, tik bausmių dar nesulaukėme. Dar.
Bet laikas baigti su lyriniais nukrypimais. Dirbu taip pat ir LGGRTC, praeitais metais man buvo pavesta parašyti pažymą apie S. Nėrį. Aš ją parašiau, pateikiau, su ja susipažino tiesioginiai mano vadovai ir pats LGGRTC generalinis direktorius Arūnas Bubnys. Tačiau Desovietizacijos komisijai, kaip suprantu, pažyma pateikta nebuvo. Nesiimu spręsti, kodėl, tiesiog toliau pateikiu netaisytą jos tekstą. Gal ir jis bus palaikytas agitavimu už sovietinę santvarką, mane kuo toliau, tuo sunkiau kažkuo nustebinti. O skaitytojai tesprendžia, kuris iš tekstų – mano ar D. Vilkelytės – yra agitacija, o kuris – ekspertinė pažyma.
Teisingiau būtų kalbėti apie tai, kad S. Nėris atliko dekoratyvinę, o ne politinę funkciją okupuojant Lietuvą, taigi, vargu ar galima kalbėti apie tokiu būdu jos padarytą žalą Lietuvos valstybingumui.
Salomėja Nėris (Bačinskaitė-Bučienė) jau ketvirto dešimtmečio pradžioje Lietuvos visuomenėje buvo žinoma kairioji. Savo pažiūras ji viešai išreiškė 1931 m., kai tai grėsė jos gerovei (ją galėjo atleisti iš mokytojos darbo). Nepaisant to, kad apie S. Nėries kairuoliškumą buvo plačiai žinoma, A. Smetona leido S. Nėriai mokytojauti, jei ji nevarys komunistinės propagandos per pamokas (M. Vaitkus, Nepriklausomybės saulėj, London, 1969, t. 7, d. 3, p. 195–196). Taigi, ji nebuvo laikoma pavojinga esančiai tvarkai, tai liudija ir išlikę jos sekimo dokumentai (LCVA, f. 1742, ap. 1, b. 12).
Viešojoje erdvėje pasirodžiusi informacija apie Nėries santykius su Kominternu atėjo iš vienintelio rusiško Vikipedijos straipsnio apie poetę: rašytoja „1928 metais užmezgė kontaktus su pogrindine Lietuvos komjaunimo kuopele Kauno universitete, 1931 metais tapo Kominterno ryšininke (slapyvardis Virvyčia), 1934–1936 metais užtikrino ryšių kanalą su pogrindiniu komunistiniu laikraščiu „Žemaitijos tiesa“. 1936–1937 metais buvo Kominterno ryšininkė su Lietuvos ir Lenkijos kompartijų vadovybe Paryžiuje.“ (https://ru.wikipedia.org/wiki/,_, vertimas pateiktas: V. Čepaitis, Ne istoriko pasvarstymų apie istoriją (3), „Kultūros barai“, 2017, Nr. 7/8, p. 28)
Valdemaras Klumbys
Valdemaras Klumbys / J. Stacevičiaus / LRT nuotr.
Rusiškame Vikipedijos tekste ši informacija pagrindžiama nuoroda: „Kominterno archyvo duomenimis (RGASPI, fondas 495 ir tolesni)“. Tokia apibendrinta nuoroda į šaltinį leidžia manyti, kad iš tiesų šaltiniais nesiremta, o informacija gali būti paskelbta siekiant diskredituoti rašytoją. Šį įtarimą sustiprina pastaba „ir tolesni“, nes tolesniuose fonduose akivaizdžiai negalėjo būti duomenų apie Salomėją Nėrį.
Įvairūs šaltiniai neigia daugelį Vikipedijos citatoje pateikiamų duomenų. Iki 1931 m. apie S. Nėries kairuoliškumą nėra jokių žinių, todėl labai abejotinas atrodo teiginys, kad ji jau 1928 m. užmezgė kontaktus su pogrindine kompartijos kuopele universitete, tuo labiau, kad kaip tik tais metais universitetą ji baigė ir išvyko dirbti į Lazdijus. Gali būti, kad ji bendravo su kitais studentais komunistais to nežinodama, tačiau tai nereiškia kontaktų su kompartijos kuopele.
Ryškiausias S. Nėries įsitraukimo į sovietines politines struktūras atvejis – dalyvavimas delegacijoje į Maskvą „prašant“ priimti Lietuvą į SSRS. Realiai ši delegacija nieko nereiškė, tai buvo simbolinis, formalus žingsnis.
Neįtikina teiginys, kad 1934–1936 m. ji „užtikrino ryšių kanalą su pogrindiniu komunistiniu laikraščiu „Žemaitijos tiesa“. Tuo metu ji mokytojavo Panevėžyje, šis laikraštis buvo leidžiamas Mažeikių ir Skuodo apskrityse. Abejotina, kad ji galėjo būti ryšininkė, jei šiose vietovėse dažnai nesilankė, o laikraščio leidėjų nepažinojo, – apie tai nelikę jokių duomenų.
Niekuo nepagrįstas ir teiginys, kad Nėris „1936–1937 metais buvo Kominterno ryšininkė su Lietuvos ir Lenkijos kompartijų vadovybe Paryžiuje“. Tais metais ji iš tiesų gyveno Paryžiuje, tačiau apie jos santykius su kompartijų nariais jokių duomenų nėra žinoma. Labai abejotina, kad komunistų partija galėjo patikėti tokias svarbias ryšininko pareigas ne partijos nariui (Nėris niekada nebuvo komunistų partijos nare), bet ir nepatikimam žmogui.
Pačios S. Nėries po sovietinės okupacijos rašytose autobiografijose, kuriose bet kokios, net menkiausios sąsajos su Komunistų partija tarpukariu turėjo būti ne tik paminėtos, bet ir išpūstos, kalbama tik apie 1931 m. posūkį į kairę, revoliucinę jos lyriką ir patirtus persekiojimus, marksistinės literatūros, kurią sunku gauti, skaitymą (S. Nėris, Raštai, 1981, t. III, p. 408–410). Nekalbama apie ryšius su Kominternu ir bene plačiausiai ryšius su kompartija nušviečiančioje autobiografijoje: „Pora susitikimų su naujais Kom. partijos žmonėmis padėjo man orientuotis, pamačiau, kokiose baisiose sąlygose dirba pasiryžimo, kovos žmonės. <…> Pradėjau dalyvauti Mopro rateliuose <...>. Susikūrus nelegaliam darbininkų kultūros klubui buvau pradėjusi ten dirbti kaip mokytoja, bet po keletos dienų tas klubas buvo policijos išdraskytas.“ (LYA, f. 1771, ap. 5, b. 858, l. 8). Apie dalyvavimą Mopre esama duomenų iš kitų šaltinių (V. Alekna, Salomėjos Nėries gyvenimo ir kūrybos metraštis, Vilnius, 1997, d. 2, p. 73), tai liudija ir Lietuvos saugumo agento pranešimas, nors jame ir esama aiškių netikslumų (LCVA, f. 1742, ap. 1, b. 5, l. 3).
Nei ganėtinai silpna S. Nėries veikla prokomunistiniame pogrindyje, nei tuo labiau poetės kūryba neprisidėjo prie nepriklausomybės netekimo. Nepriklausomybė buvo netekta dėl grubaus SSRS spaudimo. Pažymėtina, kad vyriausybė ir vyriausiasis kariuomenės vadas nusprendė nesipriešinti, prezidentas be jokio pareiškimo pasitraukė į užsienį. Tai ir lėmė greitą bei sklandžią Lietuvos okupaciją, o ne visuomenėje didesnės įtakos neturėjusios kompartijos ar tuo labiau Lietuvos kairiųjų veikla. Vyriausybės prašymas sutikti įžengiančius Raudonosios armijos karius draugiškai visiškai dezorientavo visą Lietuvos visuomenę – ne tik kairiuosius, bet ir dešiniuosius. Po okupacijos nevyko nei karinis, nei pilietinis pasipriešinimas, administracija ir toliau funkcionavo vykdydama okupantų įsakymus. Tokioje situacijoje eiliniams piliečiams buvo sunku susivokti, kas vyksta, kas laukia Lietuvos ir kaip vertinti pokyčius. Ką ir kalbėti apie kairiuosius, jei vykusių procesų nesuprato ir dešinieji (V. Trumpa, Lietuviškoji kairė istorinėje perspektyvoje, „Metmenys“, 1967, Nr. 14, p. 42).
Nei ganėtinai silpna S. Nėries veikla prokomunistiniame pogrindyje, nei tuo labiau poetės kūryba neprisidėjo prie nepriklausomybės netekimo. Nepriklausomybė buvo netekta dėl grubaus SSRS spaudimo.
S. Nėris aktyviai palaikė okupaciją ir vykstančią sovietizaciją, propagavo naująją santvarką spaudoje savo pasisakymais ir menine kūryba. Tačiau reikia pabrėžti, kad visa visuomenė pamažu pradėjo suprasti, kas yra sovietinė santvarka, tik Lietuvai formaliai tapus SSRS dalimi (1940 m. rudenį), o galutinai viskas paaiškėjo prasidėjus masiniams trėmimams 1941 m. birželį. Taip pat pažymėtina, kad poetė nebuvo Liaudies seimo narė ir neužėmė jokių administracinių postų okupuotoje Lietuvoje – jos svajonė buvo atsisakyti mokytojos darbo ir atsidėti kūrybai.
Ryškiausias S. Nėries įsitraukimo į sovietines politines struktūras atvejis – dalyvavimas delegacijoje į Maskvą „prašant“ priimti Lietuvą į SSRS. Realiai ši delegacija nieko nereiškė, tai buvo simbolinis, formalus žingsnis. Nėra aišku, kodėl iš kultūros veikėjų pasirinkti būtent šie žmonės, jų sąrašą Liaudies seimo posėdyje perskaitė Mečys Gedvilas. Neaiški ir atrinktųjų pirminė reakcija į tokį pasiūlymą, lygiai kaip nežinoma ir jų būsimos Lietuvos padėties Sovietų Sąjungoje interpretacija.
Taip pat pažymėtina, kad poetė nebuvo Liaudies seimo narė ir neužėmė jokių administracinių postų okupuotoje Lietuvoje – jos svajonė buvo atsisakyti mokytojos darbo ir atsidėti kūrybai.
Štai Vanda Sruogienė prisiminė savo pokalbį su S. Nėrimi, kur ši taip aiškinusi: „Aš parašiau poemą [apie Staliną], aš sutikau būti atstove, aš važiuosiu į Maskvą, nes man pažadėta duoti pasimatymą su Stalinu. Aš jam pasakysiu, kaip rusai skriaudžią Lietuvą. <…> Aš pas jį ieškosiu teisybės.“ (V. Alekna, Salomėjos Nėries gyvenimo ir kūrybos metraštis, d. 2, Vilnius, 1997, p. 505). Iš konteksto galima spėti, kad V. Sruogienės prisimintas pokalbis buvo ne apie dalyvavimą delegacijoje (tuo metu Lietuvos gyventojai dar nebuvo patyrę tiek skriaudų nuo okupantų – sovietinės kariuomenės kariams buvo įsakyta elgtis labai atsargiai, okupantai stengėsi neerzinti gyventojų, o ir okupacija tik prasidėjo), o apie sutikimą tapti SSRS Aukščiausios Tarybos deputate, į šį postą ji buvo išrinkta (faktiškai – paskirta) 1941 m. pradžioje.
Salomėja Nėris.
Salomėja Nėris. / Stop kadras
Pažymėtina, kad 1940 m. rugpjūčio 25 d. darbą pradėjusioje LSSR Aukščiausioje Taryboje S. Nėries nebuvo, galbūt poetė vengė įsitraukti į politinių institucijų veiklą, jokio posto neužėmė ir Rašytojų sąjungoje. Šiaip ar taip, Aukščiausios tarybos deputatas – formalus postas, kadangi AT jokio vaidmens SSRS politinėje santvarkoje nevaidino, tai buvo tik pseudodemokratinė širma. Jokių kitų politinių postų poetė nei karo, nei pokario metais neužėmė iki pat mirties.
Reziumuojant, okupacijos, sovietinės santvarkos Lietuvoje sveikinimą, komunistinės ideologijos propagavimą bei, svarbiausia, dalyvavimą minėtoje Lietuvos aneksijos prašiusioje delegacijoje į Maskvą galima laikyti kolaboravimu su okupacine valdžia. Tačiau toks įvardijimas kelia abejonių, nes pasaulyje įsitvirtinęs kolaboravimo supratimas reiškia politinį ir karinį bendradarbiavimą su kariniu šalies priešu, karo su juo ar karinės okupacijos metu.
Lietuvos politinė vadovybė ir kariuomenė sovietinei okupacijai nesipriešino, todėl SSRS visuomenėje nebuvo laikoma kariniu priešu. Tuo paaiškinamas daugumos tarpukario Lietuvos politinio ir kultūrinio elito narių, net ir ideologiškai ir vertybiškai priešiškų sovietinei santvarkai, įsitraukimas į okupacinės administracijos darbą ir jos įsakymų vykdymas. Teisingiau būtų kalbėti apie tai, kad S. Nėris atliko dekoratyvinę, o ne politinę funkciją okupuojant Lietuvą, taigi, vargu ar galima kalbėti apie tokiu būdu jos padarytą žalą Lietuvos valstybingumui. Jokių žinių apie S. Nėries dalyvavimą represinėse struktūrose, žmonių skundimą sovietinio saugumo organams nėra.
Schwarzort in der Gartenlaube
Die "Gartenlaube" ist ein deutscher Vorläufer der heutigen Illustrierten. Meine Oma hat die gebundenen Ausgaben gesammelt und darin habe ich zufällig einen Artikel von 1888 über das Dorf Schwarzort, heute Juodkrante, gefunden. Da die Texterkennung wegen der altdeutschen Schrift sehr beschwerlich war, ergab eine Suche bei "Wikisource": es gab den Text schon online. Interessant ist die Schilderung der kommerziellen Bernsteinförderung und des noch ausbleibenden Tourismus. Neben Vilnius und Kaunas ist die Kurische Nehrung mit Nida, Preila, Pervalka und eben Juodkrante (als Ostpreussen noch zu Deutschland gehörte, hieß das Dorf Schwarzort). Dort lebt auch das Elenthier ;-)

Die Gartenlaube von 1888 S. 301
Bilder von der Ostseeküste
Schwarzort
Die nordöstliche Grenzmark des Deutschen Reiches wird noch viel zu selten von Vergnügungsreisenden aufgesucht. Masuren mit seinen blinkenden Seespiegeln, nicht mit Unrecht die ostpreußische Schweiz genannt, die tiefen, sumpfigen Wälder an dem majestätisch dahinrauschenden Memelstrome, in denen noch das Elenthier haust, entbehren keineswegs fesselnder, landschaftlicher Schönheiten. Und nähert man sich erst der Seeküste, da werden die Formen interessanter, malerischer, da buchtet das Meer sich zu herrlich geschwungenen Golfen; da springen Steilhöhen weit hinaus in die Fluth, da schieben Haffbildungen, Süßwasserbecken, welche ein schmaler Dünengrat von der offenen See scheidet, sich zwischen diese und das hohe, lebhaft gegliederte Land. Der baltische Küstensaum der altpreußischen Stammprovinz bietet landschaftliche Schönheiten in Fülle.
Die Weichselmündungen bei Danzig, umrandet von bewaldeten Bergzügen, die einen weiten, herrlich profilirten Golf bilden, gehören zu den erhabensten Naturscenerien Mitteleuropas. Kaum minder schön sind die Uferlandschaften Elbings. Weiter nordostwärts leuchtet ein Wasserspiegel in grüner Landschaft auf. Das ist das Kurische Haff, von einer gewaltigen Düne umschlossen. Ein Dampfer trägt uns hinüber nach derselben zu dem Stranddörfchen Schwarzort, unserem Ziel. Nordischer, ernster, aber weit gewaltiger wirkt hier die ganze Umgebung; die liebliche Anmuth, die uns an den Elbinger Ufergeländen des Frischen Haffs entzückt, weicht hier einer an diesen Küsten kaum erwarteten Großartigkeit. Keine Uferberge, kein malerischer Abschluß liegen vor unseren Blicken, wenn wir von dem Dünendorfe Schwarzort aus mit Hilfe eines Fernrohrs über den Spiegel des Haff zum festen Lande hinschauen, grüner Frucht- und Wiesenboden, mit Bäumen und Häusern freundlich staffirt, breitet sich dort aus bis zum flachen Horizonte hin.
Hier zeigt die Landschaft ihr freundliches Gesicht. Eine heitere Kolonie, liegt Schwarzort am Haffufer, gelehnt an kräftigen Hochwald mit prachtvollen Tannen, Fichten und dichtem Wachholdergebüsch. Ein gothisches Kirchlein in rothem Backsteinbau hebt sich schmuck hervor auf dem grünen Hintergrunde; Fischerwohnungen, Bauernhäuser gruppiren sich um die Kirche; weiter verstreut im Grünen, auf kleinen Hügelrücken, inmitten zierlicher Gärtchen liegen Landhäuser, Villen idealisirte Schweizerhäuser, und überall ziehen während der Sommermonate Gäste hier ein, die sich an der milden, würzigen Fichtennadelluft erfreuen oder Bäder nehmen wollen im nahen Meere, von dem uns ein nur viertelstündiger Weg über die Düne trennt. In der nicht kleinen Zahl derartiger preußischer Sommerkolonien längs des baltischen Gestades ist Schwarzort wohl eine der jüngsten; es gehört aber zu den in klimatischer Hinsicht äußerst günstig gelegenen, zu den interessantesten und eigenartigsten; seine Reize lassen sich nicht mit denen irgend einer anderen vergleichen. Erst der Wald und die Düne erschließen uns dieselben.
Anderswo kennen wir die Düne als einen fest hingelagerten Wall von Sandbergen, der vor langen Jahrhunderten von den noch im Kampfe befindlichen Elementen zu ihrer eigenen Wehr aufgeworfen ist. Hier aber lebt und wandelt die Düne noch, und wo sie sich zur Ruhe begeben, da zeugen noch deutliche Spuren von der Heftigkeit des kaum beendeten elementaren Kampfes. Seestürme jagen Wolken der kleinen scharfen krystallischen Quarzkörner, aus denen der Dünensand besteht, durch die Atmosphäre. Hier finden diese Sandwolken irgend ein Hinderniß, eine Ablenkung von ihrer Bahn; es brechen sich die Wirbel, tiefe Trichter entstehen mit hohen schroffen Wänden, die cirkusartig in fast gänzlich geschlossenem Rund emporsteigen, einen Wiesenplan, eine mit saftigen Laubbäumen, oder eine mit den üppigsten Farren bedeckte Oase bildend. Hier wächst noch das seltene Kind der nordischen Flora, die Linea borealis, deren Ranken aus unserer Anfangsvignette dargestellt sind.
Dann aber wieder jagt die wandernde Düne über das Land und begräbt, was ihr in den Weg kommt. Immer weitere Strecken verschwinden unter ihren gierigen Angriffen, und wenn auch durch Anpflanzungen und andere Schutzwehren dem Verderben Einhalt geboten wird, so läßt es sich doch nicht gänzlich bezwingen. Die scharfen feinen Quarzkörner, die der Sturm mit wüthender Gewalt daherbläst, nagen, reiben, fressen an dem Baumstamm, den sie gänzlich tödten und begraben. Uebrigens soll man nicht annehmen, daß die ganze Düne, der hohe Sandwall also vorrückt. Der Grund liegt fest und schwer, nur die obere Decke vermag den Stürmen nicht zu widerstehen und fliegt verheerend durch die Luft. Die Cirkusbildungen, die wir aufsuchen entstammen natürlich früherer Zeit.
Die Dünenbildung auf der Kurischen Nehrung, dem schmalen Landrücken, der das Haff von der See trennt, ist von erhabener Schönheit. Einige Kämme und Kuppen in der Nähe Schwarzorts sind durch bequeme Pfade der Besteigung zugänglich gemacht. Von hier oben erst überschaut man das Chaos der Dünenwelt vollständig, blickt tief hinein in die seltsamen Formationen, die hier Sandmassen, Stürme und plötzlich hereinbrechende Naturereignisse geschaffen haben. Abgründe und wasserlose Schluchten, jene erwähnten arenaförmigen Kesseltrichter, geben den eigenthümlichsten Vordergrund. Kahle bleiche Sandwände, tiefer grüner Wald, der sich um Schwarzort am Haff ausbreitet, bringen einen Wechsel in die Farbentöne der Landschaft, der nach vermehrt wird durch einzelne röthlich schimmernde Sandfelder, die von feinen Porphyrkörnchen gebildet werden, und durch die Ausblicke über das weite Meer, auf den ruhigen Spiegel des Haff, auf das saftig grüne feste Land, auf die in der Sonne leuchtenden Thürme von Memel. Dieses heitere Panorama bekommt durch den Vordergrund allein seinen ernsten, wilden Charakter. Denn aus den chaotisch durch einander geworfenen Bergen und Thälern, Schluchten und Trichtern ragen noch gespenstig einzelne Baumleichen hervor, die starren Aeste emporstreckend, manche halb umgesunken, manche noch im Tode aufrechtstehend, den abgezehrten, der Rinde beraubten Körper von Luft und Sonne gebleicht, fast schreckhaft anzuschauen. Dieser landschaftliche Vordergrund giebt uns ein Neues, Ungeahntes, ein Stück wildester Romantik, mit dem die schmucke, von Hochwald und Wasser umgebene Strandkolonie Schwarzort mit ihren einladenden Häuschen anmuthig kontrastirt.
Von der Höhe haben wir schon einen Blick auf eine andere Ansiedelung geworfen, welche eines der großartigsten und eigenthümlichsten Industriewerke in diese idyllische Einsamkeit stellt. Drüben jenseit des Haffs hat man vor länger als einem Vierteljahrhundert Bernstein gefunden, langgestreckte Schichten, die, wie Untersuchungen ergaben, sich unter dem Grunde des Haffbodens fortsetzten. Man hat damals durch Baggerungen versucht, die Reichhaltigkeit des Lagers wie die Qualität des fossilen Harzes festzustellen. Zuerst wurde wenig gefunden; bald aber war das Ergebniß der Baggerei so ergiebig, daß aus den Versuchen ein festes industrielles Unternehmen wurde. Nun belebten Bagger den Spiegel des Kurischen Haffs, deren Zahl bis auf neunzehn gestiegen ist, alle für Dampfbetrieb konstruirt. Man sieht, wie die Reihe der Eimer sich in die Tiefe senkt, wie jeder den Haffgrund lossticht, an die Oberfläche befördert und sein Inhalt der Prüfung unterworfen wird. Immer tiefer stellt man die Eimerreihe, so daß der Boden bis zu zehn Metern Tiefe ausgehoben wird. Die dadurch entstehende Rinne wird im Laufe der Jahre wieder zugeschlämmt und auch der dadurch neu entstehende Grund führt wieder Bernstein. So sieht man die Schornsteine rauchen, die Eimerreihen sich in die Fluth senken vom Morgen bis zum Abend, ja Tag und Nacht mit einziger Ausnahme des Sonntags; nur der Winterfrost gebietet Ruhe. Dampfer vermitteln den Dienst zwischen dem Lande und den Baggerstellen.

Bernsteinsuche mit bis zu 19 ! Schaufelbaggern
Da schwimmen dann breite flache Prähme heran, legen sich an die Seite der Bagger und empfangen den Inhalt der Eimer, schlammige Sandmassen, die auf große Siebe gestürzt werden, welche Sand und Schlamm durchlassen, grobe Stoffe aber zurückbehalten. Aus diesen sucht man dann den Bernstein heraus, der fest verpackt und verschlossen ans Land gebracht wird, um allwöchentlich mittels Dampfer nach Königsberg an das Hauptkomptoir gesandt zu werden, von wo er in alle Welttheile geht, zumeist nach Asien, Afrika und Amerika. Für Persien, Armenien, die Türkei und Innerrußland bildet Moskau den Stapelplatz. Der Stoff ist gar kostbar, deshalb hält man die Arbeiter unter strenger Kontrolle, damit sie nicht einzelne Stücke in den Kleidern verbergen. Die starken Sandmassen, welche aus dem Haffgrunde gehoben werden, führt man an das Ufer von Schwarzort, hebt sie mittels Dampfpumpen ans Land und schafft hier neuen Boden, der, kultivirt, mit Bäumen und Nutzgewächsen bepflanzt, ein hübsches, täglich sich vergrößerndes Vorland bildet. Abends strahlt elektrisches Licht über die ganze Kolonie auf das Getriebe , das keine Nachtruhe kennt und bei dieser Beleuchtung sich ungemein malerisch ausnimmt. – Wenn man als Laie die allwöchentlichen Bernsteinsendungen nach Königsberg betrachtet, so scheint die Ausbeute der Schwarzorter Baggerei ungemein ergiebig. Verglichen mit dem bergmännischen Betriebe und seinen Ergebnissen bei Palmniken soll sie verschwindend klein sein. Zwei große Bernsteingebiete werden an der baltischen Küste industriell ausgebeutet, beide von der Königsberger Firma Stantin und Becker, der größten Bernsteinproduzentin der Welt. Hier in Schwarzort hebt man die Schätze, die sich in einem ausgedehnten Lager auf dem Grunde des Haffs finden, mittels Baggerung. An der samländischen Küste ziehen sich weit umfangreichere und ergiebigere Schichten von blauem Thon weit ins Innere des Landes, die dicht mit Bernstein und zwar in großen Stücken besetzt sind. Dort wird bergmännisch gearbeitet; Stollen und Schachte werden in den Boden getrieben, der ganz ungeheure Massen dieses duftenden fossilen Harzes herausgiebt.

Ansicht der "Kolonie" von Schwarzort
Nun wenden wir uns noch einen Augenblick nach der „Kolonie“, die in den letzten Jahrzehnten wie aus dem Nichts entstanden ist! Sie steht fast ganz auf dem neuen, durch den Baggersand geschaffenen Boden, eine ganze Welt voll Betriebsamkeit, Arbeit und wohlorganisirter Geschäftigkeit. Da erheben sich eine Dampfkesselschmiede, eine Schmiede mit sechzehn Essen, Dampfhämmer, Walzwerk, dann Maschinenwerkstätten vollständig eingerichtet und mit Dampf betrieben, dazu Gelbgießerei, Eisengießerei, Stahlgießerei, Tischlerei, Reparaturwerkstätten, sowie die Anlagen für elektrische Beleuchtung, welche den Hafen erhellt, und für Gaserzeugung zur Erleuchtung aller Fabriken und Werkstätten. Ebenso muß für Unterbringung und Verpflegung der Arbeiter Sorge getragen werden, die in dem nahen Schwarzort schwerlich Unterkommen finden würden. Dazu sind drei Arbeiterhäuser, für 600 Menschen berechnet, erforderlich, eine ungeheure Arbeiterküche mit 12 Herden, jeder für 16 Arbeiter ausreichend, ein Speisesaal, in dem auch die durchnäßten Kleider getrocknet werden können. Dazu kommen noch verschiedene Beamtenhäuser, Komptoir und ein Wohnhaus, in dem 16 Familien Unterkommen finden können.
Diese Kolonie, in der Hunderte von Arbeitern, so und so viele Techniker und Beamte verkehren, in deren Hafen 230 schwimmende Fahrzeuge, Dampfer, Bagger, Prähme, Transportschiffe, Segel- und Revisionsboote aus- und eingehen, in der es kaum jemals Nacht wird, gehört zu den großartigsten und am vielseitigsten arbeitenden Industrieanlagen des gesammten baltischen Ostens; sie findet nicht ihresgleichen in der Eigenartigkeit ihrer Lage mitten auf dem einsamen Dünenstreifen und in der Weise ihres Betriebes.
Wenn die Winterstürme losbrechen, und das geschieht sehr zeitig hier im Norden, dann ruht die Arbeit, dann sucht man alles Rüstzeug schleunig vor ihrer Wuth zu bergen. Die Bagger wie die Schiffe der ganzen Flottille suchen eilig den Hafen, damit nicht durch Reißen der Ketten, Verlust der Anker, Forttreiben der Schiffe große Verluste erwachsen. Aber man feiert während des Winters nicht gänzlich in der Kolonie von Schwarzort. Die Essen glühen, die Hämmer poltern, die Maschinen rasseln; denn nun hat man Muße genug, alle Schäden auszubessern, neue Bagger, Dampfer, Prähme zu bauen, da Schwarzort alle seine Betriebsmittel selbst fertigstellt.
Ueberall regt sich hier neues Leben und doch deutet manches darauf hin, daß die Kultur auf der kurischen Nehrung eine uralte sein müsse. Unter den vom Grunde des Haff hervorgeholten Bernsteinstücken finden wir einzelne roh bearbeitete aus der fernen Steinzeit, und zwar kommen diese Funde hier in einer Mannigfaltigkeit der Formen und der Arbeit vor, wie fast nirgends. Darum zieht Schwarzort die Erforscher der vorgeschichtlichen Zeit ganz besonders an. Wie mag seit jener Periode der Boden sich hier verwandelt haben! Damals sind wahrscheinlich weder diese Berge, noch die Abgründe, Trichterbildungen, Steilwände vorhanden gewesen. Seit jener Zeit hat der werdende und vermehrte Dünensand alles umgeschaffen. Aber auch seiner wird man von Jahr zu Jahr mehr Herr. Gleichzeitig mit der Befestigung des waldigen Ufers durch die Andämmung der Baggererde wird auch der fliegende Dünensand mehr und mehr zum Stillstehen gezwungen. Die Forstverwaltung ist zuerst mit dem Ziehen von Strauchzäunen und der Anpflanzung bestimmter Gräser vorgegangen; darauf hat sie Kiefernschonungen angelegt; die Gemeinden der Dünenlandschaften gehen mit gleicher Energie vor, und so läßt sich sicher hoffen, daß innerhalb weniger Jahrzehnte wieder ausgedehnte Waldungen die bleichen Dünenberge um Schwarzort bedecken und den Sand fest an den Boden bannen werden.
Fritz Wernick
Šiauliai und Gruzdžiai
Fotos Andreas Kuck, Text und Informationen Evaldas Balčiūnas. Balčiūnas ist ausgewisener Fachmann auf dem Gebiet des Holocaust in Litauen und wohnt in Šiauliai.

Massakerort wo die Siauliaier Juden erschossen worden sind
Die ersten drei Fotos stammen aus dem Wald von Luponii bei Kužiai.
Mehr als 8.000 Menschen wurden dort ermordet. Die meisten von ihnen waren Juden aus Šiauliai. Aber auch mehrere Dutzend litauische Sowjetaktivisten und 125 Juden aus Linkuva wurden dort getötet. Die Massaker fanden dort während der gesamten Besatzungszeit statt. Die ersten Menschen wurden am 29. Juni 1941 ermordet. Am dritten Tag nach der Besetzung von Šiauliai durch die Wehrmacht, am Abend des 26. Juni 1941. Auf dem Gelände befinden sich elf Gräber mit Opfern. Die meisten der Opfer sind nicht namentlich bekannt. Für mehrere der namentlich genannten Opfer gibt es neben drei Gräbern separate Denkmäler, die auf Initiative der Angehörigen errichtet wurden. Sie weisen auf die Tatsache hin, dass die dort begangenen Verbrechen nicht aufgeklärt wurden. Die Namen der Opfer sind wahrscheinlich unwiederbringlich verloren. Der genaue Zeitpunkt, zu dem die Opfer in den einzelnen Gruben getötet wurden, ist nicht bekannt. Es gibt eine Legende, die sich auf die Aussage eines der Mörder stützt, dass in einer der Gruben die Leichen von Ghetto-Waisen aus dem Waisenhaus liegen. Die Mehrheit der Juden von Šiauliai wurde an diesem Ort ermordet.

Massengräber

Nie wieder Paneriai, Pirciupis und IX. Fort
Im Vergleich dazu gibt es etwa tausend ermordete Juden aus Šiauliai im Gubernija Wald und etwa fünfhundert in Bubiai. Die Opfer der im Herbst 1941 durchgeführten Selektion liegen im Gubernija-Wald und in Bubiai. Dann kam Joachim Hamann, der Kommandeur des Rollkommandos, nach Šiauliai und verlangte, dass alle Juden von Šiauliai zur Vernichtung übergeben werden. Hamann kam nach Šiauliai, nachdem der Bürgermeister der Stadt, P. Linkevičius, der Abgeordnete A. Stankas und andere einflussreiche Litauer eine Beschwerde bei Karl Jaeger eingereicht hatten. Gebietskommissar Gewecke weigerte sich aber, die Zerstörung des Ghettos von Šiauliai zuzulassen, da er die Juden für seine Arbeit (Frenkel Lederfabrik) brauchte. Kommissar Lohse erhielt die Erlaubnis, Juden für die Arbeit in der Lederindustrie einzusetzen. Nach Hamanns Abreise beschwerte sich Gewecke beim litauischen Generalkommissar von Renteln über dessen Vorgehen. Die Zahl der Ghettohäftlinge wurde jedoch durch das Kommando auf fünftausend reduziert.
72 Juden, die im Dorf arbeiteten, wurden vom 8. bis 15. Dezember im Wald von Ilgoji Lova ermordet. Es ist nicht bekannt, wie viele Juden, die während der Nazi-Besatzung starben und in der Stadt ermordet wurden, auf dem jüdischen Friedhof von Šiauliai begraben wurden. Der Friedhof wurde zerstört, und es ist nicht bekannt, wie viele von ihnen getötet wurden. Bekannt ist, dass das erste Opfer des Holocausts, Luria und ihre Tochter, im Zentrum von Šiauliai, auf dem Platz neben der Kirche, erstochen wurden, weil Luria den sowjetischen Soldaten den Weg nach Riga gezeigt hatte. Dies geschah, bevor die Wehrmacht Šiauliai eingenommen hatte. Bei der Zerstörung des jüdischen Friedhofs in Šiauliai wurden die sterblichen Überreste von Becalelio Mozavecký auf den Donelaitis-Friedhof gebracht, wo er von den Deutschen am Ghettotor aufgehängt wurde. Die Strafe wurde verhängt, weil er versucht hatte, Lebensmittel ins Ghetto zu schmuggeln. Die so genannte "Kinderaktion" zeichnete sich durch ihre Grausamkeit aus. Am 5. November 1943 sammelten ukrainische Polizisten, die das Ghetto bewachten, alle Kinder im Ghetto ein, packten sie in Lastwagen und fuhren sie weg. Die Kinder landeten in Auschwitz, wo sie starben. Nur einer kleinen Anzahl von Kindern gelang es, sich zu verstecken. Diese Tragödie veränderte die Haltung der Juden in den Ghettos von Šiauliai und Kaunas. Sie suchten aktiv nach Zuflucht für ihre Kinder außerhalb des Ghettos. Die Tragödie in Šiauliai ließ die Menschen in Kaunas vorsichtiger werden. Die Aktion der Kinder im Ghetto von Kaunas fand am 27. und 28. März 1944 statt. Ein Teil der Kinder wurde von ihren Eltern aus dem Ghetto geholt und von den Rettern versteckt, aber den Nazis gelang es, während der Aktion 1 500 Kinder und Großeltern gefangen zu nehmen. Als das Ghetto im Juli 1944 aufgelöst wurde, wurden die Juden aus Šiauliai in Konzentrationslager deportiert. Nach dem Krieg kehrten weniger als fünfhundert von ihnen zurück.
In Šiauliai wurden Juden an verschiedenen Orten getötet. Dies ist auf die folgenden Umstände zurückzuführen. Die Menschen wurden vom Gefängnis in den Pročiūnai-Wald transportiert. Das Morden begann Anfang Juli 1941 und die letzte Erschießung fand im Juli 1944 statt. Der Direktor des Gefängnisses, Virkutis, weigerte sich, die Gefangenen zu töten, da das Statut der litauischen Gefängnisdirektoren dies verbot. Die Gefangenen wurden von den Deutschen erschossen. Nach den Aussagen ehemaliger Häftlinge war Virkutis grausam. Nach dem Krieg landete er in den USA, wurde aber deportiert und von den Sowjets verurteilt.
Über die Umstände der Auswahl der Menschen, die im Guyberner Wald und in Bubiai getötet wurden, wurde bereits berichtet. Die letzten für die Erschießung ausgewählten Personen wurden nach Bubiai gebracht, weil es zu dieser Zeit stark regnete und das sechste und letzte Loch im Gubernia-Wald direkt an der Straße gegraben wurde. Der Wald war bereits zu nass. Dann wählten die Deutschen Bubiai, oder besser gesagt die Grube, in der der Lehm ausgehoben wurde. Dort arbeitete das Rollkommando Hamann, die sich auf die dritte Kompanie des TDA-Bataillons Kaunas stützte und natürlich von den Weißarmbändlern aus Šiauliai unterstützt wurde.
In Kužiai schossen die Weißgardisten aus Šiauliai, Linkuva, Užventis und später das TDA-Bataillon aus Šiauliai.
Im Wald von Ilgoji Lova wurden Juden, die aus verschiedenen ländlichen Gebieten gebracht wurden, von Polizisten aus Kuršėnai, Pakruojis, Radviliškis und Stačiūnai erschossen.
Auf diese Weise ging die jüdische Gemeinde von Šiauliai zugrunde. Es heißt, dass sie vor dem Krieg etwa achttausend Menschen zählte. Wenn wir die Zahlen der Toten zusammenzählen, stellen wir fest, dass viel mehr gestorben sind. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Flüchtlinge nach Šiauliai kamen. Das erste Opfer des Holocausts in Šiauliai war Martin Kurt, ein deutscher Jude, der sich am 8. April 1935 erhängte. Die Presse berichtete, dass er illegal in Šiauliai gelebt hatte, aufgrund der erlittenen Verfolgung psychische Probleme hatte und keinen Sinn mehr im Leben sah. Nach der Besetzung der Region Klaipėda zogen einige der Juden aus dieser Region nach Šiauliai. Nach der Besetzung Polens durch die Nazis ließen sich mehrere hundert Flüchtlinge in der Stadt nieder. Schon vor der sowjetischen Besatzung könnte der Zustrom von Flüchtlingen die Zahl der Juden in der Stadt um tausend erhöht haben.
Im nahe gelegenen Žagarė gab es ein großes Flüchtlingslager, und als die Sowjets Litauen besetzten, zogen die meisten von ihnen nach Šiauliai. Die Zahl der Juden in der Stadt könnte sich während der sowjetischen Besatzung um weitere tausend erhöht haben.
Als zu Beginn des Krieges die Ermordung von Juden aus kleineren Städten begann, schien das Ghetto Šiauliai ein relativ sicherer Hafen zu sein, und viele Juden zogen illegal in das Ghetto Šiauliai. Wie viele? Das ist schwer zu errechnen. Aber bei meinen Nachforschungen über die Todesfälle in der Gemeinde Joniškis habe ich festgestellt, dass die baltaraiščiai (Weißarmbändler, „Partisanen“ mit weißen Armbinden) zu Beginn der Besatzung behaupteten, es gäbe 1 200 Juden in Joniškis, 493 seien im Wald von Vilkiške ermordet worden, und 150 seien in das Ghetto Žagarė gebracht worden. Die Frage, wohin weitere 550 Juden aus Joniškis verschwanden, konnte nicht beantwortet werden. Es ist wahrscheinlich, dass der größte Teil von ihnen irgendwie nach Šiauliai gelangte. Laut der Volkszählung von 1942 lebten im Ghetto von Šiauliai nicht nur Juden aus den umliegenden Städten, sondern auch aus Klaipėda, Polen und sogar aus der Tschechoslowakei. Am Ende des Krieges landete eine Gruppe ungarischer Juden, die zum Ausheben von Schützengräben nach Litauen gebracht worden waren, im Ghetto Šiauliai. Alles in allem waren in Šiauliai wahrscheinlich bis zu vierzehntausend Juden inhaftiert. Neuntausend weitere wurden in der Stadt und ihrer Umgebung ermordet.

Weitere Fotos vom Ort des jüdischen Massakers von Gruzdžiai.
Der Tod der jüdischen Gemeinde von Gruzdžiai
Gruzdžiai ist ein Dorf 19 Kilometer nördlich von Šiauliai. Die Stadt wurde im 16. Jahrhundert als Gutshof gegründet. Kriege und Brände behinderten die Entwicklung der Stadt. In den Jahren 1891, 1910, 1915, 1929 und 1931 brannte die Stadt ab, und an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebten hier über tausend Menschen. Die Brände zwangen die Juden von Gruzdžiai zur Auswanderung. Die Unternehmen zogen nach Šiauliai und die Menschen emigrierten. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten zwei Dutzend jüdische Familien in Gruzdžiai.
Mitte August 1941 wurden auf Anordnung des Kreiskommissars des Kreises Šiauliai die Juden, Frauen und Kinder aus Tryški nach Gruzdžiai umgesiedelt. Die jüdischen Männer von Tryški waren bereits getötet worden. Als Ende August die „Baltaraičiai“ aus Šiauliai und Joniškis eintrafen, war es für niemanden mehr ein Geheimnis, dass es nicht gut ausgehen würde. Die Männer wurden von den Frauen getrennt. Die Frauen schrien und verfluchten die Mörder. Es wird berichtet, dass eine jüdische Frau, die die Mörder besonders aktiv beschimpfte, mit den Männern abgeführt wurde. Die Grube wurde direkt vor dem jüdischen Friedhof ausgehoben. Sie schossen auf den Zaun des Friedhofs. Der Zaun trägt noch immer die Spuren der Kugeln - ein schreckliches Mahnmal für den Holocaust. 46 Menschen wurden erschossen. Die Frauen, Kinder und Großeltern wurden später nach Žagarė transportiert, wo auf Anweisung des Gebietskommissar J. Noreika ein Ghetto für die Juden des Bezirks eingerichtet wurde. Die Juden von Gruzdžiai und anderen Städten des Kreises Šiauliai wurden am zweiten Tag des Oktobers 1941 erschossen.

Ort des Massakers in Gruzdžiai

Gedenktafel

Jüdischer Friedhof Gruzdžiai

Davidsterne an der Friedhofmauer. An einer Mauer konnte man noch die Kugellöcher der Gewehrsalven sehen.
Interview von Claude Lanzmann mit Gebietskommissar Hans Gewecke
Infos über Šiauliai
Šiauliai
Es gibt diesmal sehr viele Bilder aus Siauliai, aber mir fiel die Auswahl wirklich schwer. Viele Bilder sind bei meinem Besuch im Winter entstanden. Es gibt also keine Hochglanzaufnahmen. Vielleicht bekommen sie aber einen ersten Eindruck und ein paar Tipps und besichtigen die Stadt selber. Siauliai ist nämlich sehr interessant.

Die Apostel Peter und Paul Kathedrale
Glockenturm und Eingang

Innenraum Apostel Peter und Paul Kathedrale
Šiauliai ist die viertgrößte Stadt Litauens mit ca. 108.000 Einwohnern. Häufig wird der in der Nähe liegende Berg der Kreuze besucht und die Stadt vernachlässigt. Das war zumindest bei mir immer so.
Aber tatsächlich hat auch die Stadt Šiauliai einiges zu bieten. Obwohl sie im Laufe der Geschichte durch die Schweden, Russen, den Truppen Napoleons und vor allem durch die Deutschen im 1. und 2. Weltkrieg mehrfach zerstört wurde (damals bestanden die meisten Häuser aus Holz). Viele historische Gebäude gibt es also nicht mehr, aber einige zeigen wir euch. Im Stadtbild gibt es sehr viel Kunst und noch mehr Museen. Die Museen sind teilweise aufgrund der in Šiauliai hergestellten Güter entstanden. So gibt es ein Fahrradmuseum, Katzenmuseum, Fotomuseum, ein Radio und Fernsehmuseum sowie Polizei und Gefängnismuseen. Ich stelle hier das Schokoladenmuseum und das Chaim Frenkel Museum vor.
Das renovierte Museum der Schokoladenfabrik Ruta
Sehenswert, besonders, wenn man mit Kindern reist, ist das Schokoladenmuseum der Firma Ruta. Im Verkaufsraum kann man sich mit Schokoladenprodukten und Kakaobutter eindecken. Im Museum selber kann man an einer geführten Tour durch die Schokoladenproduktion teilnehmen und die Mitarbeiter des Museums erklären den Prozess der Schokoproduktion von der Kakaobohne bis zur Schokolade. Besonders interessant natürlich die Bestandteile von Weißer-, Milch- und Zartbitterschokolade besonders hinsichtlich ihres Zuckergehaltes.
Roter Stern- ob kommunistische Schokolade besser schmeckte?
Ausstellungsstücke zeigen die Produkte von Ruta in ihrer wechselhaften Geschichte.
Das Interesse der Kinder ist geweckt
Rathaus in Siauliai (ein etwas älteres Foto von mir)

Die erste Fußgängerzone der damaligen Sowjetunion, heute 1280 Meter lang, gebaut 1975. Die Laisves aleja in Kaunas folgte 1982
Zwar ist sie weder so berühmt wie die Laisves aleja in Kaunas, aber viele Malereien und Kleinkunst machen sie liebenswert, die Fußgängerzone von Šiauliai. Das litauische Restaurant Žemaitis hat mir gut gefallen. Es liegt an der Fußgängerzone, die Adresse heißt aber Draugystes pr. 25
Fußgängerzone Siauliai im Sommer

Chamäleon an der Fußgängerzone

Musik...oder "Mädchen mit Querflöte" 1985 von A. Toleikis

Mutterschaft (Motinyste, von A. Toleikis) 1979

Passten! "Meine Schuhe" von Martynas Gaubas
Auf den in der Fußgängerzone fest montierten Schuhen aus Messing sind Teile des Stadtwappens zu sehen, Stier, Auge und Bär, Lorbeer und der Bogenschütze. Der Sage nach bringt das schlüpfen in die Schuhe Glück.

In Siauliai war es lange Tradition vor den Geschäften Symbole zu haben, die anzeigten, was genau verkauft wird.
So gibt es auch heute noch Hinweise auf Schuhgeschäfte, Apotheken, Schwalben für das damals einzige Schmuckgeschäft. Hier deckten sich die Heiratswilligen mit Ringen ein und die Schwalben waren ein Zeichen für Schmuck und Liebe ;-). Ein Schild mit Hummer war das Zeichen für (k)ein Fischgeschäft. (Siehe unten).
An der Fußgängerzone liegen einige der Siauliaier Museen, man kann Gebäude aus der berühmten litauischen Architektur der Zwischenkriegszeit sehen.

Schilder vor den Geschäften
Der Satz "Ein Schild mit Hummer war das Zeichen für ein Fischgeschäft." ist ein Irrtum: Es handelt sich um eine Zigarettenschachtel mit einem Krebs, der sie umarmt. Das Wort "Krebs" bezieht sich nicht nur auf ein Weichtier, das oft mit Bier gegessen wird, sondern auch auf eine onkologische Krankheit. Es ist eine Werbung für einen Tabakkiosk und eine Art soziale Werbung, die vor den durch das Rauchen verursachten Krebskrankheiten warnt. Es ist eine für die damalige Zeit sehr moderne Lösung, die vor den Schäden des Rauchens warnt. (Dank an E. Balciunas)

Russisch Orthodoxe Kirche Apostel Peter und Paul
Nach der Niederschlagung der litauisch-polnischen Aufstände gegen den Zaren kam es vermehrt zu Russifizierung. Die orthodoxe Kirche wurde 1864 mitten ins Zentrum von Siauliai gebaut, obwohl weniger als 3% der Bevölkerung russisch-orthodoxen Glaubens war. 1936 (1919 erklärte Litauen sich für unabhängig) wurde sie sorgsam abgebaut und auf dem russisch-orthodoxen Friedhof wieder aufgebaut. Unterwegs sind ein paar Steine verloren gegangen, denn sie ist heute kleiner als früher.

Innenraum

Hier befand sich das Siauliaier Ghetto von 1941-1944
Hier wurde 1941 das Ghetto von Siauliai eingerichtet. Die 4-5.000 Lagerinsassen mussten in der Lederfabrik von Chaim Frenkel arbeiten. Die für die Judenvernichtung in den besetzten Gebieten Zuständigen wollten sofort alle Juden töten. Für Gebietskommissar Gewecke war die Lederfabrik aber Kriegswichtig. So wurde die Judenvernichtung hier etwas hinausgezögert. Die Deutschen fanden keinen Ersatz für die Spezialisten in der Lederverarbeitung. Im Gebietskommissariat Šiauliai arbeiteten gerade mal 20 Deutsche. Der komplette litauische Verwaltungsapparat wurde übernommen.

Eine Erinnerungstafel an Jonas Noreika. Noreika war 1941 Kreischef in Siauliai und unterzeichnete die Befehle für die Einrichtung des Ghettos in Siauliai. Er war als Chef der litauischen Verwaltung direkt für die Umsetzung der deutschen Befehle verantwortlich. Soweit die Befehle den litauischen Interessen entsprachen, wurden sie auch widerspruchslos ausgeführt. Erst als es den Litauern an den Kragen ging (und die Juden tot waren), gab es auch von Noreika Widerstand.

Der Zubov Palast
Der Palast und die umgebenden Häuser wurden meist um 1765 gebaut. Verwalter der königlich polnischen Güter (auch) in Siauliai war damals Antoni Tyzenhauz. Als Litauen und Polen geteilt wurde (1795) gab Zarin Katharina II. ihrem Günstling, dem russischen Adligen und General Platon Zubov das Gut in Siauliai. Zubov war Mitinitiator der 2. Polnischen Teilung und besaß Güter in ganz Osteuropa.
Nach dem I. Weltkrieg wohnten die Zubovs nicht mehr in Siauliai (Litauen war nun unabhängig, die Russen weg) und im Herrenhaus wurde ein Museum eingerichtet aber leider auch einige Wirtschaftsgebäude und Zufahrtstore abgerissen. Die heutige Verwendung des Palastes ist nicht geklärt.,

Die Villa von Fabrikbesitzer Chaim Frenkel. Heute ein Museum
Chaim Frenkel Villa in Siauliai
Frenkel begann sein Geschäft in Ukmerge. Als er 5000 Rubel angespart hatte, zog er um nach Siauliai. Seine Lederfabrik begann klein und wurde immer größer. Er bekam vom Zaren (das war noch die Zaristische Zeit in Litauen, also bis 1914) die Konzession Ledersohlen für Armeestiefel zu produzieren. Hinten rechts von der Frenkel Villa ist die ehemalige Lederfabrik. Sie produzierte auch während der Sowjetzeit noch Schuhe, ging aber während der litauischen Unabhängigkeit nach 1990 pleite. Vorne rechts ist die von Frenkel gestiftete Synagoge. Ein interessantes Gebäude in leider schlechtem Zustand.
Ich fragte mich, warum Frenkel sein Haus direkt neben der bestimmt nicht gut riechenden Lederfabrik baute. Man antwortete mir: "Für einen Lederfabrikbesitzer war das kein Gestank, sondern der Geruch von Geld" ;-)

Die Synagoge von Chaim Frenkel, gebaut 1914. Sie ersetzte einen Holzbau. Die untere Etage war für Männer, der oberste Stock für die Frauen reserviert. Ab 1941 wurde sie als Sporthalle genutzt.

Die Frenkel Villa vom Garten aus gesehen. Im Sommer muss der Park sehr schön sein. Die Fabrikgebäude befinden sich links vom Fotografen.

Treppenhaus im Chaim Frenkel Museum

Chaim Frenkel Museum Ausstellung

Einrichtung aus der damaligen Zeit

Neben diesem Raum für Uhren gibt es auch welche, der Fabrik entsprechend, für Leder.

Wie wir gesehen haben, ist Siauliai die Stadt der Kunst und Kultur. Eiserner Fuchs
Der Eiserne Fuchs ist die größte Tierskulptur in Litauen. Sie wiegt 7 Tonnen, ist 15 Meter lang , 6,6 Meter hoch und 4,15 Meter breit. Das stählerne Herz vom Fuchs ist 1,20 hoch und 0,9 Meter breit und beinhaltet eine gravierte Kupferplatte mit Botschaften an die kommenden Generationen. Die Figur wurde anlässlich des Jubiläums der ersten Erwähnung Litauens vom Siauliaier Künstler Vilius Puronas gebaut und Dezember 2009 am Talkša See aufgebaut. Bildhauer Puronas scherzte: " Vilnius hat den Eisernen Wolf, Siauliai könne stolz auf seinen Eisernen Fuchs sein, das Symbol für Geschick und Weisheit. Tatsächlich fällt in Litauen auf, dass es noch wenige Vandalen gibt, die alles mutwillig zerstören. In meiner deutschen Heimatstadt wäre der Fuchs demoliert oder gar zerkleinert und als Metall verkauft worden.

Sonnenuhr "ŠAULYS"
Das Highlight des Sonnenuhrplatzes ist die vier Meter hohe Skulptur "Schütze" aus Bronze und Gold, die von Stanislovas Kuzma geschaffen wurde. In das Pflaster eingearbeitet ist die Zahl 1236. Der Goldjunge (oder kleine Schütze) verkörpert die drei Symbole Šiauliais: die Sonne, den Bogenschützen und die Zeit. Es ist die höchte Sonnenuhr Litauens.
Schlacht von Schaulen
Die unter der Statue eingelassenen Zahlen "1236" weisen auf die Schlacht von Schaulen hin. Dort kam es 1236 zu einer vernichtenden Niederlage des Livländischen Schwerbrüderordens gegen die Litauer. Grund des Angriffs des Ordens war eine angereiste Gruppe von holsteinischen Kreuzfahrern aus Dänemark. Die Jungs hatten Urlaub genommen und wollten den litauischen Paganen das Christentum einprügeln. Oder Spaß am Vergewaltigen und Niederbrennen von Häusern haben. Ich weiß es nicht. Der livländische Schwertbrüderorden (der nord-westlich von Litauen an der Ostsee heimisch war (Riga), im Gegensatz zu den Deutschen Kreuzritter aus dem Gebiet der Marienburg, also süd-westlich von Litauen) unternahmen also mit den Holsteinern, leicht bewaffneten einheimischen lettischen Stämmen und Truppen aus Pskow, lettischen Stämmen eine Expeditionstour nach Litauen. Bei der Rückkehr nach Riga kam es an einer Furt zur Konfrontation mit Schemaiten und Litauern. Die Holsteinischen Ritter wollten nicht zu Fuß kämpfen und das Gelände war für die schweren Ritterrüstungen und für Pferde nicht ideal. Die Ritter, aus Angst um ihre Pferde, rasteten über Nacht. Am Morgen wurden sie von Schemaiten unter Vykintas und Litauern unter Fürst Mindaugas angegriffen. Die einheimischen Verbündeten der Schwertbrüder flüchteten sofort, während die holsteinischen Kreuzfahrer sowie die Ordensbrüder vernichtend geschlagen wurden. Der Livländische Orden war nach der Schlacht von Schaulen so geschwächt, dass es sich mit dem Deutschen Orden zusammenschloss. In Chroniken des Schwertbrüderordens wird das Gebiet des Kampfes als "terram Sauleorum" bezeichnet, also in etwa Sonnenland. Sonne heißt auf lettisch und litauisch Saule und so heißt auch der baltische Gott der Sonne. 1236 gilt als die erste Erwähnung der Stadt Siauliai und als erster große Niderlage der Orden im Baltikum, die andere baltische Stämme ermutigte, sich gegen die Eroberer zu wehren. (Danke an Evaldas Balčiūnas für den Hinweis auf das Jahr 1236. Ohne einheimische Hilfe sind solche Texte schwierig).

Gasthof zum Fischer Zveju Uzeiga
Es gibt in Siauliai nicht so viele Hotels und das im Zentrum gelegene Park Hotel ist oft von Bundeswehrangehörigen belegt. Sehr schön gefiel mir das
"Žvejų Užeiga" am Rekyvos See. Um zum Gasthaus der Fischer zu gelangen, braucht es aber schon ein Auto weil es ist nicht zentral. Im Glasanbau kann man Kaffee trinken und auf den See schauen. Sehr schön! Bei Booking kann man sich die Bewertungen anschauen.

Etwas ausserhalb des Zentrums ist auch das Denkmal Marker 732
MARKER 732 /Skulptur
Dieser Ort markiert die Stelle, an der 732 Menschen (nach den verfügbaren Daten) von den Nazis getötet und in einem Massengrab während der Zeit von 1941 bis 1944 begraben wurden. Die meisten Opfer wurden aus dem Arbeitslager Šiauliai hierher gebracht, und es wird vermutet, dass der Ort, der unter dem Namen Pročiūnai bekannt war, eine letzte Ruhestätte für Gefangene verschiedener ethnischer Herkunft und Nationalitäten war. Nach dem Krieg wurde dieser Ort Teil des umzäunten Geländes des Militärflughafens Zokniai, wo Schotter ausgehoben und neue Gebäude errichtet wurden. Aufgrund von Zeugenaussagen wurde den Angehörigen gestattet, einige der gefundenen und identifizierten Überreste wieder zu bestatten. Einige der Überreste der Opfer wurden auch 2015 beim Bau von Straßen und Versorgungsnetzen in der Freien Wirtschaftszone Šiauliai gefunden. Nach Durchführung der archäologischen, anthropologischen und historischen Untersuchungen wurde beschlossen, die sterblichen Überreste an ihrem ursprünglichen Bestattungsort zu belassen und die Stätte durch ein Denkmal zu kennzeichnen
MARKER 732 ist eine Hommage an alle, die hier ihr Leben verloren haben, ungeachtet ihrer Religion, Nationalität oder politischen Überzeugung. Die Menschen, die hier begraben sind, verbindet nicht nur dasselbe Grab, sondern auch dieselben Gitterstäbe der Gefängniszellen, die sich in der Skulptur als Symbol für die Tragik und Grausamkeit dieser Epoche der Geschichte widerspiegeln.
Über den Berg der Kreuze Siauliai Holocaust
Auf der Webseite werden auch die kleineren Museen von Siauliai vorgestellt: Siauliai TIC
Ukmerge

Ukmerge Burgberg ©Regionalmuseum Ukmerge mit Dank an Kamilė Maskoliūnienė
Ukmerge ist eine Kleinstadt mit ca. 21.000 Einwohnern an der Autobahn von Vilnius nach Panevezys. Durch den Ort führt das Flüsschen Šventoji und Vilkmerge. Zuerst erwähnt wurde Ukmerge 1225. Auf dem Burgberg stand eine Holzbefestigung die im Laufe der Jahre mehrfach vom Deutschen Orden angegriffen und abgebrannt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt stark zerstört. Erhaltene Teile der Altstadt erinnern an die jüdische Vergangenheit und den Reichtum der früheren Großgrundbesitzer. In seiner Geschichte hatte das Städtchen Ukmerge viele Namen:
Ukmerge Stadtnamen
Wilkemerge or Wilkamergen in 1225, Vilkenberge (1333), Wilkinberg (1384, 1455), Vilkomir (1455), Wilkomir (1611), Wilkomirz (1613), Wilkomiria (1766), Ukmerge (1900), Aukmergė (1908); Ūkmergė (1911), Wilkomierz (1918), and Vilkmergė (1919).
Nach der ersten litauischen Unabhängigkeit 1918 änderte man den Namen der Sadt von Vilkmerge zu Ukmerge. Vilkmerge könnte Wolfmädchen bedeuten, ist aber nicht ganz eindeutig.
In der Umgebung gibt es sehr schöne Herrenhäuser, über die wir aber später berichten. Außerdem kann man das Geburtshaus von Präsident Antanas Smetona besichtigen. In den Wäldern bei Ukmerge wurden 1964 russische SS-4 Raketen stationiert.

Ukmerge Heimatmuseum
Das Ukmerger Heimatmuseum ist in einem ehemaligen sowjetischen Kino untergebracht. Interessant hier die klassischen Formen des Gebäudes. Das Kino wurde 1959 gebaut und hatte die erste Breitbildleinwand in Litauen. 1997 wurde das Kino geschlossen und das Gebäude an das Kulturzentrum Ukmerge übergeben. Seit 2005 ist hier das Regionalmuseum Ukmerge untergracht. 2016 wurde das Gebäude umfassend renoviert.

Ausgewogene Ausstellung
Das Museum hat eine komplett neue Ausstellung. Von Prähistorisch bis zur heutigen Zeit werden viele Themengebiete angesprochen. Auch die Verfolgung der Ukmerger Juden und der beginnende Nationalismus in Litauen werden gezeigt. Aber natürlich auch die Deportationen nach Sibirien und die litauischen Partisanen.

Dreifaltigkeitskirche von 1863

Talmud-Tora Schule gestiftet von Chaim Frenkel
Chaim Frenkel war ein berühmter litauisch-jüdischer Unternehmer aus Ukmerge, der mit der Verarbeitung von Leder reich geworden ist. Er stiftete die Talmud-Tora Schule in Ukmerge. Als sein Unternehmen größer wurde, zog er um nach Siauliai und baute eine riesige Lederfabrik, die unter anderem Schuhsohlen für Soldaten herstellte. Er betrieb die größte Lederfabrik im russischen Zarenreich und bekam vom Zaren die Konzession Sohlen für Armeestiefel zu produzieren. Während der deutschen Besatzung arbeiteten die im Ghetto Siauliai einsitzenden Juden in seiner Fabrik.

Straßenbild in der Altstadt

Kirche der Apostel Peter und Paul

Apostel Peter und Paul...Innenraum

Andenken an die litauische Unabhängigkeit (Lituania Restitutia)
Das erste Denkmal für die litauische Unabhängigkeit wurde 1930 erbaut und von den Sowjets 1951 abgerissen und auf dem Platz vergraben. Teile des Denkmals wurden im März/April 1989 wieder ausgegraben und das wiederaufgebaute Denkmal wurde am 16. Februar 1990 enthüllt. Das Denkmal aus Beton ist 16,70 m hoch und wiegt etwa 550 Tonnen.

Vom Burgberg in die Altstadt
Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Ukmerge 8.000 Juden bei einer Bevölkerungszahl von 15.000. Sie beherrschten Handel und Wirtschaft. Erstmals wurden sie 1685 erwähnt. Nach dem Einmarsch der Deutschen sind die letzten Juden am 18. September 1941 in einem Wald bei Ukmerge ermordet worden. Es wird über Zahlen zwischen 6 und 10.000 Getötete spekuliert. Neben mehreren kleinen Massakern beschreibt der Jäger Bericht eine große Aktion am 5.9.1941 (4.709, davon 1.737 Kinder).

Berühmt ist Ukmerge leider für ein Denkmal an Juozas Krikštaponis. Krikštaponis, dessen Onkel der ehemalige litauische Präsident Antanas Smetona war, diente während der deutschen Besatzung als Kommandeur der 2. Kompanie des 2. Bataillons des Volksarbeitsschutzes (TDA) von Major Antanas Impulevičius. Etwas über das Arbeitsschutzbataillon habe ich im Bericht über das Militärmuseum in Kaunas geschrieben (Link TDA).
Das 2. Bataillon hat im Herbst 1941, zusammen mit den Deutschen, 46.000 Menschen, meist unbewaffnete Juden, in Weißrussland erschossen.
Nach dem Rückzug der Wehrmacht war er Partisanenführer der litauischen Waldbrüder (Kommandeur des Partisanendistrikts Vytis). Genau wie Jonas Noreika in Vilnius werden bei ihm die antikommunistischen Aktivitäten gesehen, die ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit gerne vergessen oder negiert.
Als ich das Heimatmuseum besuchte, fragte ich am Eingang, wo denn das Denkmal für Krikštaponis zu finden sei. Komischerweise ist es nicht bei google maps verzeichnet (wohl aber bei streetview). Kurz darauf kam ein Historiker des Museums, der Deutsch konnte. Er erklärte mir, wo das Denkmal ist. Die Taten von Krikštaponis seien aber gar nicht bewiesen. Es gäbe einfach zu wenige Hinweise, was er im TDA gemacht habe. Außerdem käme der ganze Ärger (besonders aus dem Ausland) nur von einer Jüdin (Faina Kukliansky) aus Vilnius. Und wenn es keine Beweise gäbe, so solle das Denkmal doch stehen bleiben. So denken viele Litauer.
Ukmerge Fazit
Der Burgberg in Ukmerge ist einer von Zweien, die im Zentrum eines litauischen Ortes sind. Zudem gibt es eine Wendeltreppe hinauf und der Berg ist abends beleuchtet. Die Altstadt erinnert (mich) an seine jüdische Vergangenheit. Das Heimatmuseum ist sehr modern und gar nicht so schlecht eingerichtet. Ansonsten ist Ukmerge im Krieg zerstört worden und es ist nicht mehr viel Interessantes zu sehen.
Die Herrenhäuser und das Geburtshaus von Antanas Smetona in der Umgebung Ukmerges werde ich noch besuchen.
Signatarų namai
"Signatarierhaus"

Das Signatarierhaus von der Pilies gatve aus gesehen
Das Gebäude (heute Signatarų namai oder auf Deutsch Signatarierhaus) wurde erstmals 1645 schriftlich erwähnt. Es wechselte im 17. und 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer, und nach großen Bränden im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und das dritte Stockwerk errichtet. Auch architektonisch ist es interesant, innen sind teilweise Eisentreppen eingebaut. Ende des 19. Jahrhunderts renovierte Kazimierz Sztral das Gebäude im Neorenaissancestil nach einem Projekt des russischen Architekten Alexiey Polozov. An der Fassade im zweiten Stockwerk befinden sich dekorative Skulpturen, die Landwirtschaft und Fischerei symbolisieren. Das dritte Stockwerk erhielt zwei männliche Büsten. Herr Sztral eröffnete das Café "Biały Sztral" (dt.: Weißer Sztral), das bis 1939 betrieben wurde. Das Café wurde "Weißer Sztral" (oder "Sztrall") genannt, um es von den vier anderen Cafés zu unterscheiden, die Kazimierz Sztrall besaß, darunter "Zielony Sztral" (Grüner Sztral) und "Czerwony Sztral" (Roter Sztral). Das Café wurde von der lokalen polnischen High Society besucht.

Ausstellung Signatarų namai
Obwohl es nach der Übernahme der Stadt durch die Litauer (1939 wurde Vilnius von den Sowjets im Rahmen des Hitler-Stalin Paktes den Litauern übergeben) schließen musste, wurde es bald wieder eröffnet und beherbergte das Kabarett "Ksantypa". "Ksantypa" wurde von Künstlern organisiert, die aus dem von den Nazis besetzten Teil Polens geflohen waren. Als solches wurde es bis zur zweiten sowjetischen Besetzung 1944 betrieben. Das Café wurde im Jahr 2000 wiedereröffnet.
Vor 1918 wurden die oberen Stockwerke für Vermietungen genutzt. In einem der Büros des Komitees im dritten Stockwerk unterzeichneten am 16. Februar 1918 die zwanzig Mitglieder des litauischen Rates (Lietuvos Tarybos) die Unabhängigkeitserklärung Litauens, mit der die Unabhängigkeit des Landes wiederhergestellt wurde. Danach wurde das Haus von verschiedenen litauischen Organisationen genutzt und diente weiterhin als Wohnhaus.

Die Büroräume, wo die Erklärung ausgearbeitet wurde
Kurz nachdem Litauen 1990 seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion wiedererlangt hatte, wurde das Haus als Museum eingerichtet und im Jahr 2000 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 2003 ist das Museum eine Zweigstelle des Nationalmuseums von Litauen.
Am 16. Februar finden im Signatarų namai (Haus der Unterzeichnung) alljährlich Gedenkfeiern zur Erinnerung an die Unabhängigkeit statt.

Mobiliar aus der Zeit der Unabhängigkeitserklärung

Ukrainische Flagge aus Butscha (im Spiegelbild wäre der Balkon)

Bilder und Skulpturen in der Ausstellung

Die litauische Unabhängigkeitserklärung in deutscher Sprache
Die erste Fassung der litauischen Unabhängigkeitserklärung, die noch stark zu einer Bindung zum Deutschen Reich tendierte:
In seiner Tagung vom 11. Dezember 1917 fasste der Litauische Landesrat folgende Erklärung
I.
Der Litauische Landesrat, von den Litauern des In und Auslandes als einzige bevollmächtigte Vertretung des litauischen Volkes anerkannt, proklamiert auf Grund des anerkannten Selbstbestimmungsrechts der Völker und des Beschlusses des in Wilna vom 18. bis 23. September 1917 abgehaltenen litauischen Konferenz die Wiederherstellung eines unabhängigen litauischen Staates mit der Hauptstadt Wilna und seine Abtrennung von allen staatlichen Verbindungen die mit anderen Staaten bestanden haben.
II.
Bei der Aufrichtung dieses Staates und zur Wahrnehmung seiner Interessen bei den Friedensverhandlungen erbittet der Landesrat den Schutz und die Hilfe des Deutschen Reiches.
In Anbetracht der Lebensinteressen Litauens, welche die alsbaldige Herstellung dauernder und engen Beziehungen zum Deutschen Reich verlangen, tritt der Landesrat ein für ein ewiges festes Bundesverhältnis des litauischen Staates dem Deutschen Reich, das eine Verwirklichung vornehmlich in einer militärischen, einer Verkehrskonvention, Zoll und Münzgemeinschaft finden soll.
Wilna, 11 Dezember 1917
Da die Deutsche Reichsregierung die Verhandlungen mit Litauen hinauszögerten, unterschrieben die Litauer am 16. Februar 1918 eine Unabhängigkeitserklärung ohne enge Bindung ans Deutsche Reich, die Antanas Smetona an diesem Tag auf dem Balkon des Signataru namai verkündete.
Das "Signatarierhaus" ist heute ein Museum und beherbergt Erinnerungen an die damalige Zeit, Möbel, Bilder, Büsten und Kopien der Unabhängigkeitserklärung. Aus dem Obergeschoss des Museums kann man den Balkon sehen.
Ich fand den Besuch, auch wegen der geschichtlichen Bedeutung des Signataru namai, sehr interessant. Das Museum liegt an der Pilies Straße und jeder Tourist in Vilnius kommt an ihm vorbei.
Für die Hilfe und Berichtigung zu diesem Text danke ich herzlich Šarūnė Jurevičienė!
Signatarų namai
Pilies gatve 26
Vilnius
Energie und Technik Museum

Blick vom Dach des Energie und Technik Museums auf den Gediminas Turm
Das Energie und Technik Museum von Vilnius liegt zentral an der Innenstadt von Vilnius. Es ist das größte Technik Museum in Litauen und wurde 2003 eröffnet. Geht man von der Kathedrale über die Neris (König Mindaugas Brücke), liegt zu linker Hand das nicht zu übersehende Energie und Technik Museum. Auf dem Dach ist die wunderschöne Statue "Elektra" rekonstruiert 1995 von Petras Mazuras nach dem Original von B. Balzukevicius (1879-1935).

Energie und Technik Museum von der Seite
Das Gebäude stammt aus der Zeit vor 1914, also als Litauen noch vom Zarenreich besetzt war, und Vilnius noch eine mehrheitlich polnisch und jüdische Bevölkerung hatte.
Das Museum zeigt die Geschichte der Elektrizitätsgewinnung in Vilnius. Mittelpunkt der Ausstellung ist die Maschinenhalle mit den Dampfturbinen, Wärmetauschern und Rohren des E-Werks, die bis vor kurzem noch in Gebrauch waren. Im Keller des Museums gibt es eine moderne Ausstellung zum Strom mit Blitzen in einem Faraday’schen Käfig und allerlei Experimente. Außerdem sind die Fundamente der ersten Schornsteine des Elektrizitätswerks zu sehen.

Energie Technik Museum Eingang
Das Museum bietet zudem Wechselausstellungen an (bei meinem Besuch gab es eine zu Leonardo Da Vinci, die extra Eintritt kostete).
Besonders schön ist auch die Dachterrasse mit einem tollen Blick auf die Statue "Elektra" und den Gediminas Turm.
Das Museum ist auch wegen seiner interaktiven Versuche für Kinder geeignet.

Dampfleitungen

Dampfturbinen, schön bunt

Pumpen und Leitungen

Dampfturbinen und Wärmetauscher

Ausstellung zum Thema Strom

Moderne Technikausstellung

Reste vom ersten Schornstein
Fazit: Schönes und interessantes Museum. Mir hat natürlich die alte Technik gefallen. Und der Blick von der Dachterrasse ist klasse!
Energetikos ir Technicos Muziejus
Rinktinės g. 2,
Vilnius 09312
Nationale Kunstgalerie Vilnius
Blick auf die Nationale Kunstgallerie aus der Luft (unten ist noch ein virtueller Rundgang durchs Museum!)
Die Nationale Kunstgalerie (Nationaline dailes galerija) liegt auf der nördlichen Seite der Neris, nicht weit vom ehemaligen sowjetischen Luxushotel "Lietuva", heute Radisson blue (zu empfehlen!). Zu sehen sind Bilder des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie Skulpturen, Propagandaplakate aus polnischer und litauischer Seite (die den umstrittenen Status von Vilnius verdeutlichen). Es gibt sowohl Dauer- als auch Wechselausstellungen. Nicht oft sieht man Informationen im öffentlichen litauischen Raum, in dem die Rede von einem Bevölkerungsaustausch in Vilnius ist (nach 1941 gab es einen nahezu hundertprozentigen Austausch sowohl der polnischen als auch der jüdischen Einwohner). Außerdem wurde bei meinem Besuch ein Film über die ethnische Vielfalt der Einwohner von Vilnius installiert. Denn heute wissen die meisten Einwohner die Geschichte der litauischen Hauptstadt nicht (mehr).
Im Gegensatz zu vielen anderen Museen in Vilnius, fiel mir bei der Nationalen Kunstgalerie die ausgewogene Rezeption der litauischen Geschichte auf.
Besonders ist auch die enorme Weite des Museums. Beim Betreten des Museums kann man sich durchaus etwas verloren vorkommen. Die leeren Gänge sind weit und riesig. Die Ausstellungsräume wieder geschmackvoll arrangiert. Bei all den schönen Bildern und Skulpturen ist es sehr schwer eine Auswahl zu treffen. Deshalb werden es etwas mehr.
Hilfe zu den Erklärungen der einzelnen Bilder gab es von Eglė Nedzinskaitė vom Litauischen Nationalmuseum. Aciu!

Vor dem Museum steht eine Skulptur von Juozas Mikenas: Erste Schwalben, gebaut 1964 im Stile des sowjetischen Realismus, was auch immer das ist.

Weite Gänge

Großzügige Weite und Tiefe (sowohl räumlich als auch künstlerisch). Hier ein Film über die jüdischen "Wilne'er".

Hadassa Gurewicz Grodzka
Madassa Gurewicz-Grodzkas Selbstporträt fesselt den Betrachter durch die erlesene Schönheit sowohl des Gemäldes selbst als auch des Modells. Dieses bemerkenswerte Werk ist eines der wenigen, die von dieser talentierten Künstlerin überlebt haben, die dem Holocaust zum Opfer fiel. Hadassa, die Tochter von Melacher Gurewicz, dem Direktor des Hebräischen Gymnasiums in Vilnius, war in Vilnus für ihre Schönheit bekannt. Der Bildhauer Stamstaw Horno-Poplawski hat ihre anmutigen Züge ebenso festgehalten wie die einer anderen berühmten Schönheit aus den künstlerischen Kreisen von Vilnius in den 1930er Jahren, Placyda Siedlecka-Bukowska.

Ludomir Slendzinski Pilsudski verteidigt Vilnius 1927

Ausstellung

Akte

Bilder

Bilder

Antanas Samuolis Karikatur von Viktoras Vizgirda 1932 Litauisches Nationalmuseum

Von Links: Balys Macutkevičius Portrait von Stasys Šilingas 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts
Kayzs Šimonis Selbstportrait 1927 Vladas Drema Der Maler 1930

Liegender Akt, leider nur eine temporäre Ausstellung "Sieben Zwischenkriegs Künstler aus Vilnius"

Bilder und Statuen

Vincas Dilka Gründung einer Kolchose 1950, Litauisches Nationalmuseum
olchose
Arbeiter

Weitläufiger Raum

Ausstellung

Familien Portrait Ludomir Slendzinski 1933 (Nationalmuseum Warschau)
Ludomir Slendzinski, eine prominente Persönlichkeit der Vilniuser Kunstszene, malte sich gerne selbst. Während seiner Zeit in Vilnius schuf er mehrere Selbstporträts vor dem Hintergrund des Stadtpanoramas. Am eindrucksvollsten ist ein Selbstporträt, das seine Frau Irena und seine Tochter Julitta auf dem Balkon ihrer Wohnung in der Teatro-Straße zeigt Die Harmonie des Familienalltags wird durch die Schönheit der Stadt noch verstärkt. In diesem Werk hält Sleridziriski nicht nur einen der erfolgreichsten Abschnitte seines eigenen Lebens fest, der von familiärem Glück und beruflicher Anerkennung geprägt war, sondern auch die vielleicht glücklichste Zeit in der Geschichte von Vilnius in der Zwischenkriegszeit.

Polnischer Soldat verteidigt sein "Volk"? vor jüdisch-russischen Säbelschwingern (Vilnius wird von vielen Seiten beansprucht)
"Jeder der an Gott glaubt, in Verteidigung der Mutter Gottes des Tores der Morgenröte unter dem Banner des Adlers und des Vytis." 1919-20

Brief von der Front 1950, Alexandr Laktionov, Litauisches Nationalmuseum
Die von der Propaganda geschaffenen falschen Realitäten sollten die Bürger davon überzeugen, dass die von dem einen oder anderen totalitären System aufgezwungene Ideologie die Wahrheit ist. Auch wenn Lenin Vilnius nie besucht hat, würde ein realistisches Bild von ihm auf dem Hintergrund eines Stadtpanoramas die Betrachter wahrscheinlich an ihrem Wissen zweifeln lassen.
Außerdem sollte diese Kunst die Menschen dazu anregen, dem Staat zu dienen und Opfer zu bringen.
Die Schöpfer waren gehalten, dunkle Farben und Konflikte zu vermeiden. Die dargestellten Handlungen mussten Optimismus und Stolz vermitteln, indem sie die Entschlossenheit und Stärke eines Helden zeigten. Das Ziel dieser eindeutigen, verschönerten Kunst war es, kritisches Denken zu unterdrücken, damit niemand die Entscheidungen der Führer in Frage stellte.
Einer der bekanntesten Vertreter dieser Art von Kunst in der Sowjetunion war Aleksandr Laktionov (1910-1972). Seine fotorealistischen Gemälde mit ihren sonnigen Farben waren eine Freude für die Betrachter. "Ein Brief von der Front" (1947) ist sein berühmtestes Werk, eine ikonische Darstellung des Großen Vaterländischen Krieges. Als Litauen eine Sowjetrepublik wurde, schickte man eine Kopie dieses Werks an ein lokales Museum als Beispiel für den sozialistischen Realismus.
Die Texte stammen größtenteils von den Begleittafeln des Museums und von Eglė Nedzinskaitė vom Litauischen Nationalmuseum. Aciu!
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Genialer virtueller Rundgang durch die Nationale Kunstgallerie Vilnius
Das litauische Sprachgebiet 1897
Interessante Untersuchung der litauischen Siedlungs und Sprachgebiete vom Ende des 19. Jahrhunderts. Zuerst gedruckt in der Zeitschrift für Völkerkunde "Globus" 1897.
Dr. F. Tetzner (Leipzig)
Das litauische Sprachgebiet
1. Geschichtliches. Zur Zeit seiner nationalen Selbständigkeit umschloß das Großfürstentum Litauen sämtliche litulettische Sprachstämme, ja auch große Teile Polens, Weiß- und Großrußlands; wie weit aber das litauische Sprachgebiet in jenem gewaltigen Reiche sich erstreckte, das zeitweise vom Baltischen zum Schwarzen Meer und von Moskaus Marken bis zu den Nebenflüssen der Weichsel reichte, wird nie erhellt werden. Man vermutet, nicht ohne Grund, daß einst auch in Smolensk und Mohilew des baltischen Volkes Laut erscholl, in Witebsk und Minsk giebt es noch heute streckenweise litauische Priester.
Zu Beginn der Völkerwanderung hatte sich, nach Abzug der Goten, der baltische Sprachstamm, der Litauer, Letten und Preußen umschloß, von der Weichsel bis über Livland verbreitet; die östliche Grenze verlor sich unter russischen und polnischen Stämmen, die westliche bildete das Baltische Meer, dem die Litauer den Namen gaben. Jetzt hat man den Namen des Meeres wieder auf die Völker übertragen, die sich von den anwohnenden Germanen und Slaven in der Weise geschieden haben, daß sie nach Aussonderung der Romanen und Kelten zunächst noch in Sprachgemeinschaft mit jenen beiden blieben, nach Ausscheidung der Germanen und später der Slaven aber am dauerndsten noch die indogermanische Flexion bewahrten. Die Bezeichnung Balten für im Baltenland lebende Deutsche ist in keiner Weise zu rechtfertigen; „deutsche Balten“ wäre angängig.
An die Preußen schlossen sich im Süden und Westen Polen, an die Letten im Norden uralaltaische Völker an, wie Liven, Esthen, Kuren, Finnen. Die Litauer wohnten zwischen Letten und Preußen und zerfielen wieder der Sprache nach in verschiedene Unterabteilungen; die eigentlichen Litauer, auch Hochlitauer genannt, wollten und wollen nicht mit den den Letten am nächsten wohnenden Schameiten verwechselt sein. Diese wieder glauben etwas Besseres zu sein als die Gudden. Die gebildeten Schameiten selbst rechnen nur die Kreise Telschi, Rossieny und Schaulen zu ihrem Sprachgebiet, nennen alle anderen: Litauer, die Deutschlitauer aber Prusai (Preußen) und die Preußen Woketai (Deutsche). Die Jatwiger um Grodno und im Quellgebiet der Scheschuppe sind dem Namen nach untergegangen. Der Name Gudden, der für die russischen Hochlitauer im Kreise von Suwalki gebraucht worden ist, dient anderen zur Bezeichnung der Weißrussen.
Die Ordenskämpfe brachten dem Preußenvolke den Untergang, den Letten und Litauern Bedrückung. Das preußische Sprachgebiet in West- und Ostpreußen schmolz seit dem nationalen Unterliegen 1283 rasch; im 16. Jahrhundert übersetzte man noch den lutherischen Katechismus, Ende des 17. Jahrhunderts hatte das Deutsche alle Spuren einer besonderen Sprache vertilgt, eine Anzahl Worte aber in den eigenen Sprachschatz aufgenommen. Nach Bezzenbergers Ausführung kann die Grenze zwischen Litauern und Preußen noch jetzt angedeutet werden, wenn man die preußischen Dörfer auf keim (= deutsch: heim) von den litauischen auf kemen trennt.
Die Letten, die unter dem Litauerkönig Mindaugas in der Mitte des 13. Jahrhunderts an der Seite des Brudervolkes gegen die gemeinsamen Ordensfeinde gefochten hatten, hielten sich nur schwer gegen die Rigaer Deutschen. Als Bauern teilten sie mit den Esthen und Liven das harte Loos der Leibeigenen und Scharwerker in Kur-, Liv- und Esthland. In unserem Jahrhundert aber raffte sich der Sprachstamm auf und schuf rasch eine nationale Litteratur. Die Bedrückung von seiten der Zarenbeamten zeitigte stillschweigend ein Bündnis, begründet auf die konfessionellen Unterschiede der griechisch-katholischen Bedrücker und der evangelischen Bedrückten. Deutsche, Esthen und Letten sahen sich als gemeinsam Verfolgte an, die Gemeinsamkeit erzeugte Stärke und Widerstand. Die Nationen grenzten sich scharf gegen die russische ab, heute haben die Letten sogar ein Theater in Riga. Die Zahl der Letten wird verschieden angegeben, man schwankt zwischen einer und zwei Millionen.
Das litauische Sprachgebiet nun umfaßte noch Mitte des 17. Jahrhunderts ein Gebiet, das von folgenden Linien eingeschlossen ward: Königsberg, Slonim, Rjäschiza, Dünaburg, kurische Südgrenze bis Polangen, kurische Nehrung, Königsberg. Dabei lagen alle diese Städte mitten im litauischen Sprachgebiet, wenn auch in den Städten selbst die polnische und in Preußen die deutsche Sprache an erster Stelle herrschend waren. Besonders die Ostlinie (Slonim, Grodno, Wilna, Dünaburg) ist früher weiter der Beresina und dem Dnjepr zugekehrt gewesen. Für die Nordgrenze ist die Düna und die Gegend Dünaburgs von Interesse. Selbst litauische Patrioten, die doch dem ursprünglichen Sprachgebiet möglichst viel beirechnen möchten, nehmen Dünaburg mit seinen wenigen litauischen Bewohnern heute nicht mehr für sich in Beschlag. „Dort wohnen genau so Litauer, wie in Petersburg oder Moskau, sie sind eben eingewandert.“ In einem Bericht von 1603 aber wird wiederholt die litauische Bevölkerung in der Umgegend Dünaburgs erwähnt. Ich meine die „Wahrhafftige erschreckliche und unerhörte geschicht, so sich in Lifflandt (bezeichnete damals Kur-, Liv- und Esthland) zugetragen in das einige Gebiethe Dünborch (in Kurland), geschrieben durch Herrn Friedrich Engell, Pastore daselbsten“ (Jahresbericht d. Felliner litterarischen Gesellschaft 1889, S. 236 bis 241):
„4. zeugt Jochim Friedewoldt, das in einem Kruge an der Dühne, unter Ihr Fürstlich Gnaden gelegen, im Boroschen Oloff der Hoff zugehörig, ein Litauer Bauer ein Krüger gewesen; der hatt so viel Menschenfleisch gekochet und den überdünischen Pauren verkauft.“
„7. In der Sieckelsche Witme (Widdem = Predigerwohnung) ist ein Littower gewesen, alß der Pastor außgetzogen; der hatt seine Hunde und Katzen vertzehret, so woll einen lamen Jungen, Jahn Stuckens Schwester Sohn, noch ander 2 Persohnen, so woll auch des Pastorn Viehemagt, mit nahmen Anna, auffgefressen.“ —
„8. Diesen (Bauer Martin) hatt gemelten Littower sambt andern Dieben vom Galgen genommen und aufgefressen. Bezeugt Friedrich Engell, Pastor daselbst, hat solches am Tage Reminiscere erfahren und selbst gesehen.“
„28. Der Krüger ist ein Littower; darumb daß er 3 Gesind außgemordet und auffgefressen, auffs Rad gelecht. Testis Gothard Budtberchi.“
Aber noch heute wohnen nördlich von Dünaburg, bei Rjäschiza, in der Umgegend von Liskad, etwa 300 Litauer in 64 Gehöften der 11 Orte Gernokale, Jaudzimy, Kejdany, Olchowka, Pilwiele u. s. w.
Die geschichtlichen Ereignisse der letzten zwei Jahrhunderte waren nicht dazu angethan, die Sprache besonders zu pflegen. Der russische Teil war im Süden der polnischen, im Osten der Weißrussischen, im Norden und Westen der deutschen, im Innern anfangs der polnischen, später durch die Beamten der russischen Überflutung ausgesetzt. Und so schrumpften die Grenzen immer weiter zusammen. Heute liegen Grodno und Dünaburg, selbst Suwalki, aufserhalb des litauischen Sprachbereichs. Und die alte Königsstadt Wilna ist längst polonisiert. Von größeren Städten ist nur Kowno noch rings von litauischen Dörfern umgeben, in der Altstadt ist noch eine litauische Kirche. Die Bevölkerung der Stadt selbst aber ist polnisch, „die Intelligenz spricht die Sprache Warschaus, nur die Bauern haben ihre Vatersprache bewahrt“. Dasselbe Verhältnis hat nach Angabe des bekannten Weihbischofs und Schriftstellers Baronowski in allen Städten und größeren Orten Litauens statt. Die litauische Sprache erhält sich nur deshalb so lange, weil so wenig Eisenbahnen das Land durchfurchen. Zum Sprachgebiet gehören außer dem Gouvernement Kowno oder Samogitien die angrenzenden Teile der Gouvernements Wilna, Grodno und Suwalki und kleine Teile von Minsk und Witebsk. Freilich wird gerade in diesen Teilen das litauisch-polnisch-russische Sprachgemisch noch bunter durch die zahlreichen Deutschen und Juden. Wilna zählt unter 130000 Einwohnern 60 000 Juden, Kowno je die Hälfte von Wilna, Grodno gar unter 50 000 Einwohnern 40 000 Bewohner vom Stamme Sem. Und die Juden radebrechen alle Sprachen, das Deutsch an den Firmen kommt in folgender edler Gestalt vor: „Kaffe und Schokolad, Razizen, Harrschneiden, Parikmacherei, Resieren und Froasieren, Kosmeticus Waaren.“
Eine genaue Zählung und Sichtung der Bevölkerung nach Sprachen wäre ebenso unmöglich, als unfruchtbar. Man müßte denn diejenigen einer Sprache zuordnen, die eben nur eine Sprache kennen. Die Zahl derer ist jedoch in den Kreisen Wilna und Suwalki gering. Schon der regelrechte ausgedehnte Marktverkehr bedingt das Erlernen der notwendigsten Sprachen. Meine Wirtin in Kowno verstand die sämtlichen oben erwähnten Sprachen, außerdem das in besseren russischen Kreisen gebräuchliche Französisch. Etwas sprachfester ist die gesamte Landbevölkerung des inneren Samogitiens, die wie die polnische größtenteils römisch-katholisch ist und schon deshalb zur griechisch-katholischen Beamtenwelt in Gegensatz steht. Daß die litauische Sprache überhaupt dort noch nicht zum Trödel der Rumpelkammer zu zählen ist, bedarf nur eines Hinweises auf die 1500 litauischen Priester, die jenseits der preußischen Grenze wirken. Diese Zahl ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, wie spärlich dort die Kirchen gesäet sind. Im nördlichen Teile Samogitiens giebt es auch griechisch-katholische Litauer und an der Grenze evangelische. So scheiden sich in Russisch-Krottingen streng die katholischen Schameiten von den eingewanderten evangelischen Litauern.
2. Grenzen. Die litauische Sprachgrenze in Rußland umschließt etwa 11/2 Million Litauer; sie beginnt bei Dubeningken an der Grenze, berührt das Quellgebiet der Scheschuppe nördlich von Suwalki, zieht sich nördlich von Grodno hin (im ganzen Gouvernement 2180 Litauer) und erreicht das Njementhal, die südlichsten versprengten litauischen Gemeinden wohnen im Kreise Slonim (1886: 1156 Litauer in Pogirren und Zetela). Dann wendet sich die Grenze nördlich nach Nowagrodek im Gouvernement Minsk, wo ebenfalls inmitten von Polen und Weißrussen verstreut litauische Bevölkerung haust. Nach Norden hin trifft die Grenze auf den Kreis Oschmiana, woselbst in Lasduny die Beichte litauisch abgehört wird. Nun schließt die Grenze die alte Großfürstenstadt Wilna aus und mündet an der samogitischen Grenze bei der Disna ein. An der Düna wendet sich die Grenze zu einigen entfernten Dörfern im Kreise Rjäschiza (etwa 400 Litauer im Gouvernement Witebsk), umgeht Dünaburg und mündet in die kurländisch-samogitische Grenze ein. Auch auf der kurischen Seite wohnen noch Litauer, mit Letten und Deutschen vermischt. Die angegebene Süd- und Ostgrenze umschließt aber nur die äußersten Gemeinden, die Hauptbevölkerung ist polnisch und weißrussisch. – Nicht in Betracht kommen die litauischen Kolonieen, so die in Petersburg, wo regelmäßiger Gottesdienst in der katholischen Katharinenkirche stattfindet. Ebenso die nordamerikanischen Kolonieen in Plymouth, Chicago, Mahanoy City, New-York, Kanada; ihre Zahl soll 1/2 Million betragen, 1895 besaßen sie 15 Kirchen und 5 Schulen.
Die litauische Sprache wird in Rußland nicht in der Schule gelernt, die gebildeten litauischen Söhne auf den kurischen und polnischen Gymnasien kommen aber unter sich zusammen und pflegen litauische Lektüre und Grammatik. Da der Druck litauischer Bücher vor 30 Jahren von Murawjew in anderen als russischen Lettern verboten ward, beziehen sie ihre Litteratur aus Deutschland, wo 13, und aus Amerika, wo 9 Zeitungen erscheinen. Drei davon sind besonders für Rußland berechnet, sie sind hauptsächlich religiöser Art. Neuerdings aber pflegen einige für die Intelligenz berechnete Blätter, wie Varpas und Ukininkas Belletristik, Volks- und Landwirtschaft, Litteratur- und Kulturgeschichte; litauische Novellen und Dramen erschienen neben aufklärenden Schriften. Und die Zeitungen, die als Litteratur nur die Dainos, kirchliche Schriften und das „noch nicht wieder aufgefundene Bibelbruchstück“ neben Donalitius anführen und die litauische Litteratur damit für abgethan hielten, haben diesmal falsch prophezeit; es sind in den letzten Jahrzehnten litauische Litteraturwerke entstanden, die getrost in die Weltlitteratur eingereiht werden dürfen.
Die litauische Sprachgrenze in Deutschland ist im Laufe der Jahrhunderte nicht bloß zurückgedrängt, sondern auch durchbrochen und umschlossen worden, daß heute kaum mehr von einem geschlossenen litauischen Sprachgebiet die Rede sein kann. Ursprünglich waren die drei Landschaften Sudauen, Nadrauen und Scholauen rein litauisch. Der Orden vermehrte zuächst die Anzahl der deutschen Burgen; nach außen und von außen wurde germanisiert. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gehörte noch alles Land nördlich vom Pregel bis nach Königsberg hin zum Sprachgebiet; und vom heutigen Regierungsbezirk Gumbinnen die Kreise Darkehmen und Goldap und was nördlich davon lag.
Friedrich der Große sagt, daß zu Anfang des 18. Jahrhunderts über 300 000 Einwohner durch Krieg und Pest umgekommen seien, durch seines Vaters Kolonisation aber das Land reicher und fruchtbarer als irgend eine andere preußische Provinz geworden wäre und 1/2 Million Einwohner zähle. Hiernach kann die Zahl der Litauer kaum bedeutender gewesen sein als heute, denn die herbeigerufenen Siedler waren Deutsche. Zufälligerweise haben wir ein Verzeichnis der Kirchspiele, in denen litauisch gepredigt wurde, aus dem Jahre 1719, also vor der deutschen Besiedelung. Wir sind so in der Lage, die damalige Sprachgrenze feststellen zu können. Das litauische Sprachgebiet umfaßt danach den Teil Ostpreußens, der nördlich von folgender Linie liegt: Labiau, Petersdorf, Norkitten, Muldschen, Jodlauken, Trempen, Darkehmen, Szabinen, Goldap, Dubeningken. In diesem Teile wirkten 62 litauische Pastoren, davon je zwei in Ragnit und Tilsit und drei in Memel. Außerdem gab es einen solchen in Königsberg, auch wohnten südlich von dieser Linie vereinzelt litauische Familien. Es spricht für die Zähigkeit des Stammes, daß Friedrich Kurschat 1876 in seiner Grammatik auf der Sprachkarte, wohl ohne Kenntnis jenes Berichtes von Lysius, die Grenze fast genau so wiedergiebt, nur hier und da zu gunsten des Volkes südlicher legt. Litauische Kirchspiele gab es damals in den Kreisen Memel, Heydekrug, Niederung, Tilsit, Ragnit, Pillkallen, Labiau, Insterburg, Goldap, Stallupönen, Gerdauen, Darkehmen, Gumbinnen, Wehlau. Heute (Februar 1897) läuft die Grenze der litauischen Kirchspiele, in denen allerdings auch schon der deutsche Gottesdienst vorwiegt, über Gilge am Haff (2000 Litauer im Kirchspiel neben 2300 Deutschen), Laukischken (1500), Mehlauken (1500), Popelken (1800), Berschkallen (80), Insterburg (30), Georgenburg (30), Aulowönen (80), Grünheide (200), Pelleningken (20), Kattenau (80), Stallupönen (50), Bilderweitschen (150 Evangel. und 550 Kath.), Göritten (50), Enzuhnen (20), Pillupönen (350), Melkemen (54), Szittkemen (250), Dubeningken (200). – Völlig deutsch sind die angrenzenden Kirchspiele, von denen ich namentlich hervorhebe: Tolminkemen, Walterkemen, Ballethen, Gawaiten, Schirgupönen, Niebudschen, Obelischken, Plibischken, Labiau. Vereinzelte Litauer aber leben in allen Kreisen Ostpreußens (etwa 1000) und in allen Staaten Deutschlands. Ausgeschieden sind also die Kreise Gerdauen, Darkehmen, Gumbinnen, Wehlau. Im Kreise Stallupönen wird an den großen Feiertagen und Sommers allvierzehntägig in den Gemeinden Stallupönen, Kattenau, Enzuhnen, Göritten, Melkemen und Pillupönen gepredigt, doch kommt in Göritten, Enzuhnen und Melkemen selten die erforderliche Anzahl zusammen, so daß man sich auf zwei- bis viermalige Kommunion beschränkt. In Bilderweitschen wird nur in der katholischen Kirche noch litauisch gepredigt.
In der Diöcese Goldap sind nur die beiden Grenzdörfer Szittkehmen und Dubeningken übrig geblieben, das erste Kirchspiel gewährt im Sommer regelmäßig Kommunion, das letzte viermal in litauischer und daneben in polnischer Sprache.
Im Kreise Insterburg liegen die Verhältnisse ähnlich. In den oben genannten Grenzkirchspielen findet alljährlich noch ein- oder einigemal Predigt mit Abendmahl statt, in der Stadt Insterburg, außer im Zuchthausgottesdienst, nur halbjährlich. Gegenwärtig sind es insgesamt 440.
Im Kreise Labiau ist die Osthälfte noch stark litauisch (1897: 10 060 Litauer); die kirchlichen Handlungen finden noch regelmäßig in beiden Sprachen statt, litauische Konfirmation aber giebt es in den vier zuletzt genannten Kreisen überhaupt nicht mehr.
Als litauische Kreise verbleiben also vorläufig Memel, Heydekrug, Niederung, Tilsit, Ragnit und Pillkallen; letzteres mit Ausnahme einiger südlichen rein deutschen Kirchspiele. In diesen Kreisen wird überall noch litauischer Gottesdienst gehalten, wenn auch meist selten gegenüber dem deutschen, litauische Konfirmation hingegen findet nur in einer beschränkten Anzahl Kirchspiele der ersten fünf Kreise statt, so in Krottingen, nördlich von Memel, das neben 400 Deutschen 4800 Litauer zählt und woselbst auf 15 deutsche etwa 100 litauische Konfirmanden kommen. Im Kirchspiel Schwarzort auf der Nehrung leben neben 200 Deutschen etwa 20 Litauer und 180 Kuren; das sind Letten mit lettischer Umgangs- und litauischer Kirchensprache. Letten wohnen noch in den Küstendörfern Krottingens und des Landkirchspiels Memel, mit 6000 Deutschen und ebensoviel Litauern, in Bommelsvitte, Mellneraggen, Karkelbeck, desgleichen in Schwarzort und Nidden (mit Preil und Perwelk), wo unter 914 Bewohnern 800 Letten, 100 Deutsche, der Rest Litauer sind, 3/5 davon besuchen den deutschen, 2/5 den litauischen Gottesdienst.
Aber auch innerhalb des oben begrenzten Gebietes kann eigentlich nur von litauischen Oasen gesprochen werden. Die Städte, die Eisenbahn- und Poststationen, die größeren Orte sind fast rein deutsch der Sprache nach. Die Zahl derer, die deutsch nicht verstehen, ist äußerst gering. Die Volkszählung kann kein genaues Bild gewähren, weil die meisten Litauer beide Sprachen sprechen. Das Belieben oder die Gesinnung des Zählers kann da willkürlich darstellen. Solche litauische Oasen sind zunächst die ganze Gegend nördlich der Scheschuppe, Memel, Gilge, ferner die Ostküste des Haffs und die sich anschließenden Dörfer östlich von Labiau. Schließlich die ganze Grenze, besonders die Lasdehner Gegend. Die Kreise Tilsit und Ragnit haben wegen der größeren deutschen Städte eine verhältnismäßig kleine Zahl Litauer, dagegen sind die beiden Kreise Memel und Heydekrug mit Ausschluß der Stadt fast rein litauisch. Der Memeler Kreis hatte nach A. Kurschat 1890 mit Einschluß der deutschen Stadt 42,5 Proz. = 25 283 Litauer, Heydekrug 59,9 Proz. = 25 244, Tilsit mit Einschluß der deutschen Stadt 34,8 Proz. = 24 965, Ragnit 25 Proz. = 13798, Niederung 21,3 Proz. = 11888, Pillkallen 14 Proz. = 6 597. Im März 1897 lebten Litauer in den Kreisen Memel: 24 464, Heydekrug 26 362, Tilsit 27 004, Ragnit 16 324, Niederung 9680; Pillkallen 4607, Labiau 10060, Insterburg N 440, Stallupönen NO 1302, Goldap 450. Von den 78 deutsch-litauischen Kirchengemeinden waren 67 evangelische mit 116 998, 7 katholische mit 3295 und 4 baptistische mit 400 Litauern.
Die Gesamtheit der Litauer in Ostpreußen betrug bei allerdings nicht ganz gleichmäßiger Zählweise
1831: 125 440 (A. Kurschat),
1848: 150 580 (M. Voelkel),
1864: 146 312 (Dr. Oesterreich),
1878: 131 415 (M. Voelkel),
1890: 118 090 (A. v. Fircks),
1897: 120 693 (eigene Zählung),
(121 345 in ganz Preußen; A. Kurschat giebt für Ostpreußen an: 121 265).
Die Litauer selbst meinen, die Zahl sei zu niedrig, sie schätzen sich auf 200 000. In Petersburg wohnen (1894) etwa 1730, in Tilsit (1897) 1500, in Memel 1000, in Berlin (1890) 705, in Königsberg 469, in Labiau (1890) 13 Litauer; heute ist das Litauertum daselbst erloschen.
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1) Die heutige Sprachgrenze des preußischen Litauens ist auf Grund von Fragebogen bearbeitet, die von den Geistlichen der litauischen Kirchspiele ausgefüllt wurden. Den Herren Pastoren sei hiermit herzlich gedankt.
Die Grenze von 1719 ward nach den Unterschriften des Lysiusschen Katechismus entworfen, die von 1690 reichte, nach Angaben Lepners u. A., noch über den Schaakener Kreis bis zur Nehrung.
Die litauische Sprachgrenze in Rußland ward nach den Berichten von Fr. Kurschat, E. Wolter, Smilgewicz u. A. gezeichnet, welch’ beiden Letzteren ich verschiedene Angaben verdanke.
Im preußischen Litauen ist die Sprachgrenze von 1848, um die Übersichtlichkeit nicht zu stören, nicht ausgeführt worden. Sie würde folgenden Verlauf nehmen: Labiau, Laukischken, Plibischken, Norkitten, Obelischken, Jodlauken, Didlacken, Ballethen, Darkehmen, Kleschowen, Gawaiten, Tolminkemen, Dubeningken. (Vergl. die Zahlen in den Mitt. d. litter, lit. Ges. II, 1 bis 14.)
Quelle:
Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde. Vereinigt mit der Zeitschrift „Das Ausland“ / Herausgeber: Dr. Richard Andree, Braunschweig: Verlag Von Friedr. Vieweg & Sohn, 19. Juni 1897, Bd. LXXI, Nr. 24, S. 381–384.








