Salomėja Nėris

 

Salomėja Nėris (das Pseudonym ist eine Reminiszenz auf den Fluss Neris in Vilnius) ihr bürgerlicher Name ist Salomėja Bačinskaitė - Bučienė) war eine litauische Dichterin.

Geboren am 17.11.1904 in Kiršai bei Vilkaviškis, gestorben am 7.7.1945 in einem Krankenhaus in Moskau.


Salomeja Neris

Salomeja Neris


Nachdem sie 1928 an der Universität Kaunas litauische und deutsche Sprache und Literatur studiert hat, arbeitete sie als Deutschlehrerin in Lazdijai, Kaunas und Panevezys.

Schon 1927 publizierte sie ihr ersten Gedichte "Anksti ryta" (Am frühen Morgen). Zu dieser Zeit wurden ihre Gedichte noch in nationalen und katholischen Publikationen veröffentlicht.

Bei einem Studienaufenthalt 1929 in Wien begegnet sie dem linken Medizinstudenten Bronius Zubrickas, verliebte sich in ihn und beginnt sich für seine sozialistischen Ideen zu interessieren.

Salomeja Neris

Salomeja Neris in Wien



1931 zieht Salomėja nach Kaunas, unterrichtet und schreibt Volksmärchen (Spuren im Sand). Ihre Texte werden nun im kommunistischen Journal "Trečias Frontas" publiziert.
Trecias Frontas, (Die dritte Front) war ein "rotes" Unternehmen, herausgegeben von Tomas Venclovas Vater Antanas Venclova und dem Schriftsteller Petras Cvirka. Es wurde von der Zensur nach der 5. Ausgabe verboten.
1938 bekam sie den litauischen Staatspreis für Literatur.



Sie wurde zum Mitglied der Volks-Seimas (litauisches Parlament unter den Bolschewisten) ernannt und nahm mit der litauischen Delegation in Moskau 1940 teil, die theatralisch um Aufnahme Litauens in die Sowjetunion bat. Am 3. August 1940 trug sie am Obersten Sowjet ihr Lobgedicht "Gedicht an Stalin" vor. "Von da an galt und gilt sie vielen [Litauern] als Verräterin der schlimmsten Sorte."
Venvlova, Der magnetische Norden S. 119

Salomeja Neris

Gedicht für Stalin 1940


Dafür hat sie posthum 1947 den Stalin Preis der Sowjetunion bekommen.

Interessant wäre die wahren Gedanken von Salomėja Nėris in diesen Tagen zu kennen. Interessant auch, ihre persönliche "Schuld" mit der von Bewunderern Hitlers, wie zum Beispiel Luise Rinser, zu vergleichen.

Das könnte in "Litauische Kollaboration" verarbeitet werden. Wer da eine Meinung hat, bitte melden.

Salomeja Neris Moskau

P. Cvirka, Antanas Venclova, K.Korsaka sowie Salomeja Neris in Moskau 1940



Während des II. Weltkriegs flüchtete sie mit ihrem Sohn in die Sowjetunion, kam nach Rückzug der Deutschen 1944 kurz in ihr Haus nach Kaunas zurück, verstarb aber 1945 in einem Moskauer Krankenhaus an Krebs. Ihr Mann blieb während des Krieges in Kaunas.

Salomeja wurde erst in Kaunas vor dem Museum für Kultur begraben, später aber umgebettet auf den Friedhof in Petrašiūnai.

Tomas Venvlova erwähnt Salomėja Nėris in seinem Buch "Der magnetische Norden" mehrfach. Er beschreibt sie als begabte junge Frau, die ihre Leser verblüfft  hatte, als sie 1931 von einer katholischen Autorengruppe zur radikalen Linken wechselte (der Grund wurde ja weiter oben angesprochen).
Bis zu ihrem Tode schrieb sie schöne Gedichte (Venclova), die auch ins russische übersetzt wurden.
"Ungeachtet ihres widersprüchlichen Ansehens bleibt Nėris eine Klassikerin der litauischen Kultur. Ich bin ihr einmal begegnet, als ich sieben Jahre alt war, und habe ihr, auf Drängen meines Vaters, eines ihrer populären Gedichte vorgetragen. Sie war eine Dame von kleinem Wuchs, zurückhaltend und schüchtern. ... " (Venclova, Der magnetische Norden).


Salomeja Neris Palanga

Salomeja Neris in Palanga 1928

Wind, o Du Wind

Wind, o Du Wind!
Wind und überall Wind!
Er löst mir mein Haar, nimmt mich in die Arme,
er küsst mein Gesicht, meine Brust.

Eine rote Mohnblume vom Feld,
ein gelbes Blatt vom Baum
hat er mir in das Haar gebracht, -
eine herbstliche Liebe in meinem Herzen entfacht.

Fliegen, ach fliegen!
Und niemals erreichen ...
Ich schließe die Augen, ich lache, -
ich lasse mich tragen von Dir, Du mein Wind!



Und noch einige Gedichte auf Englisch



Homeland (Übersetzt von Lionginas Pažūsis)

Despoiled and blood-drenched by the foe
You rise before my eyes.
Many a hundred miles I'll go
To see your stirring skies.

When blossom from your apple-trees
Or leaves in autumn fall,
I'll go to you, though on my knees
Through rain and cold I'll crawl.

Today the heavy clouds of war
Enshroud your lovely face...
How are your towns I see no more?
Grim ruins take their place.

You wring your hands in grief and pain:
Where are my sons, my loyal guards?
In empty homesteads chill winds reign
And moles dig up the yards.

Over the Nieman night drags on
But it shall not last long.
I'll come to you one day at dawn
To soothe you with my song.

Grandma's Tale (Übersetzt von Vyt Bakaitis)

Our winters are hoary,
White on white wherever you look.
Long tales they tell us toddlers,
Evenings, in the parlor.

About a blizzard that gets you lost
And braids the sun clipped off.
The swan pumpkin
Bound for desert lands.

About wolf and white bear
And spells that devils come up with.
Waters splashing
Up from silver wells.

About the third son Jonas,
The proud horseman he is.
And Eglė, the watersnake's wife,
Whose children changed into trees.

And how the grieving orphan girl
Came empty-handed back,
How the pines wading big drifts
Found no way to climb out.

Thumbkins sleep in the drifts.
There are goldfish under the ice.
A witch will run across the snow
Without leaving tracks.

Good-natured as the orphan girl is,
Her stepmother stays mean ...
As Grandma nods off, so
The story stops short.

Dandelion (Übersetzt von Clark Mills)

Dandelion, dandelion, flower miracle,
why do you lean on wind at the field's edge?
Where, where will you lay your white head down?
And where drowse, as the late evening darkens?

Wind rises, blows, tousles the locks
and tears the white locks from the snowy head:
over the faultless earth, autumnal field,
carries the dandelion's fluffed white seedlets.

Dandelion, dandelion – oh, my own flower!
I grieve now for your little head bleached white
as I grieve for my new youth, so scattered
by time and wind, at the field's edge.

Could I but change into the field's gray sand,
could I but settle slowly, cold as stone,
the Nemunas above me flowing, flowing...

In Kaunas gibt es ein Museum im Hause von Salomėja Nėris:
S. Nėries g. 7, Kaunas
+370 37 373606
ina.aleksaitiene[@]maironiomuziejus.lt
http://maironiomuziejus.lt


Weitere Gedichte von Salomėja Nėris auf Englisch gibt es bei allpoetry.com