Plunge 

Plunge ist ein Ort mit etwa 20.000 Einwohnern östlich von Palanga. Hört sich irgendwie nach einem verschlafenen Provinznest an, tatsächlich hat die Stadt erstaunlich viel zu bieten. 

Plunge Johannes der Täufer Kirche

Johannes der Täufer Kirche

Fangen wir mit der „Johannes der Täufer Kirche“ an. Ziemlich groß, zentral im Ort gelegen. 1933 geweiht. Besonders interessant ist hier der freistehende Glockenturm.

Bellfried Glockenturm Plunge

Glockenturm

Heilige Florian Plunge Statue

Statue des Heiligen Florian

Auf der Hauptstraße Vytauto gatve kommt man zum Denkmal für den Heiligen Florian. Der sollte die Stadt vor Bränden schützen. Klappte nicht immer. Die Statue wurde in der Sowjetzeit abgerissen und 1990 wiederaufgebaut. Vom Florian gelangt man über die Laisves aleja (der Freiheitsallee) zur Freiheitsstatue, einer Plungischen Birute von 1928. Die auch sehr gut aussieht. Die Originalstatue wurde nach dem II. Weltkrieg zerstört und 1992 wieder neu aufgebaut (siehe auch die Birute in Birzai).

Birute Litauen Plunge

Birute

Geht man rechts an der Statue vorbei, kommt man zu einem modernen Amphitheater. Hier hält man sich links und geht am Flüsschen Babrungas in einen riesigen Park.

Uhrenhaus Orangerie Plunge

Uhrenhaus und Orangerie

Der gehört zum Schloss der Oginskis. Bevor wir aber zum Schloss kommen, staunt man über eine kleine Burg, die 1846 im italienischen Stil erbaute Sommervilla des Grafen Zubov. An dem 12 Meter hohen Turm prangt eine alte Uhr (gebaut 1741, die aber nur mit einem Zeiger die Stunden anzeigt. Das Anwesen ist sehr schön und hat auch eine Orangerie.
1873 kaufte Fürst Mykolas Oginskis das Gut Plunge und somit auch das Uhrenhaus. Bis zum 1. Weltkrieg bewohnte eine Nachfahrin der Oginskis (Marija Oginski) das Anwesen, verließ Litauen aber Richtung Posen. Nach dem Krieg wurde das Anwesen „nationalisiert“ (ich dachte das geht nur im Kommunismus). Turmuhr und Orangerie verfielen im Laufe der Zeit. Erst 2012 wurde das Gebäude renoviert und die Uhr bimmelt wieder seit 2015.
Am Fundament des Gebäudes steht das Datum 1846 und damit ist die „Burg“ das älteste bekannte Steingebäude der Stadt. In dem wunderschönen Gebäude ist heute die Bücherei von Plunge untergebracht.

Ciurlionis Denkmal Plunge

Denkmal an Fürst Oginski und Ciurlionis

Auf dem weiteren Weg kommt man an einem Denkmal für den Maler und Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis vorbei. Ciurlionis hat in Plunge gewohnt und im Alter von 14 bis 18 Jahren die Musikschule des Grafen Oginski besucht. Das Denkmal soll an die enge Beziehung von Oginski zu Ciurlionis erinnern, da Oginski der größte Förderer für Ciurlionis Studien am Warschauer Musik Institut und der Königlichen Musikschule in Leipzig.

Plunge Oginski Schloss Vorderansicht

Oginski Schloss vorne

Plunge Oginski Schloss

Oginski Schloss mit Springbrunnen

Plunge Oginski Schloss Rückseite Ansicht

Oginski Schloss von hinten gesehen

Oginski Schloss Seitenansicht    Oginski Schloss Seitenansicht

Nebengebäude und Seitenansicht

Wirtschaftsgebäude Plunge Oginski Schloss

Das Wirtschaftsgebäude  Hier waren früher die Stallungen und die Kutschen untergebracht

Endlich kommen wir an der Hauptattraktion von Plunge an, dem Oginski Schloss aus dem Jahre 1886. Ich glaube es ist das größte Herrenhaus in ganz Litauen. Die Anordnung - Schloss, Springbrunnen und Wirtschaftsgebäude (aus Backstein) sind sehenswert.

Heute ist hier das Žemaitija Kunstmuseum untergebracht.

Die litauischen Adligen sind heute seltsamerweise recht gut angesehen. Sie hätten Bildung, Gesundheitswesen und Sicherheit für ihre Untergebenen gebracht. Woher der Prunk der herrschaftlichen Anwesen kam und wie die Leibeigenen leben mussten, wird gerne ausgeblendet. Die Leibeigenschaft ist in Russland wurde erst 1861 abgeschafft und Litauen gehörte seit der 3. Polnischen Teilung 1795 zum Zarenreich. Folgendes Zitat von der Webseite "Didiku Lietuva":

"Auch die von den Ogiński ausgerichteten Gastmähler waren von Orchesterklängen begleitet. Vor allem der Namenstag des Gutsherrn, der Michaelstag, wurde mit viel Aufwand vorbereitet. Nicht nur die Musikanten hatten dann viel zu tun, auch die Wildhüter bekamen zusätzliche Arbeit. Bereits im Sommer gingen sie auf die Suche nach Jungfüchsen in ihrem Bau. Den Einheimischen kauften sie für 50 Kopeken das Stück Hasen ab. Am Michaelstag brachten sie Füchse und Hasen in einer Truhe auf das Jagdgelände. Auf ein Jagdhornsignal wurden die Tiere freigelassen. Sie liefen auf die Gäste zu, und diese konnten sie erschießen."

Wir haben im Park fleißig fotografiert. Am Zugang vom Parkplatz (also der dem Park abgewandten Seite des Anwesens) steht ein Schild, dass Fotografieren 30 Euro kostet 😉

 

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