Grigory Kanovich

 Grigori Kanovich

© Grigory Kanovich

Bei jüdischen Litauern ist die richtige Schreibweise des Namens häufig sehr schwer. Nimmt man die litauische Schreibweise des Namens, die jüdische, russische oder gar, wie es hier nahe liegen würde: die Deutsche? Kanovich selber benutzt auf seiner Webseite alle Schreibweisen. Er hat im unabhängigen Litauen gelebt, in Russland, im besetzten Litauen und seit 1993 lebt er in Israel. Ein Weltbürger.

 

Er wurde am 18. Juni 1929 nord-östlich von Kaunas, in Jonava geboren, dessen Ehrenbürger er 1993 wurde. Grigory Kanovich ist ein Schriftsteller, Dramatiker, Übersetzer, Drehbuchautor und Kinoregisseur. Außerdem war er für die litauische Unabhängigkeitsbewegung Sajudis (Landsbergis) 1989 Kandidat für das Parlament der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1988 bis 1993 leitete er die jüdischen Gemeinden Litauens.

 

Als die Nazis 1941 die Sowjetunion überfielen (1939 wurde Litauen bereits von der Sowjetunion im Rahmen des Ribbentrop-Molotow Paktes von der Roten Armee besetzt) flüchtet Kanovich mit seiner Familie nach Osten. Er überlebt den Krieg am Ural und in Kasachstan und lernt Russisch. Die näheren Umstände seiner Flucht und die politischen Aktivitäten seiner Eltern sind mir weiter nicht bekannt.

 

1945 kam Kanovich zurück nach Litauen. Die Familie lebte in Vilnius, wo er 1948 seinen ersten Poesie Band veröffentlichte. 1953 beendete er sein Slawistik-Studium. Kanovich hat zwei Kinder, von denen eins, Dimitri, schon 1983 nach Kanada auswanderte.

Nach dem Poesie Debüt folgten zehn Novellen (1959 "I am looking at the stars") die in viele Sprachen übersetzt worden sind. Außerdem schrieb er Drehbücher fürs Kino und Theaterstücke. 

 

Zu seinen Übersetzungen vom litauischen ins russische gehörten bekannte litauische Bücher wie "Wald der Götter" von Balys Sruoga  und "Zeit der verlassenen Höfe" von Jonas Avyzius (hierzu mehr in der Buchbesprechung Zicklein).

 

Obwohl Kanovich in der Zeit des litauischen Umbruchs politisch aktiv war und auch leitende Positionen innehatte, emigrierte er 1993 nach Israel, wo er 1995 bis 99 israelischer Korrespondent für die größte russische Zeitung in den USA war.

 

Kanovich sagte über sein Leben zwischen den Kulturen:

"Ich bin kein jüdischer Schriftsteller, weil ich russisch schreibe, kein russischer Schriftsteller, weil ich über Juden schreibe, und kein litauischer Schriftsteller, weil ich nicht auf litauisch schreibe."

 

Er beschreibt in seinen Büchern das Leben der Juden im damaligen Litauen, welches Teil des Russischen Reiches an der Grenze zum reichen Deutschland war. Ein Leben das für viele Juden sehr hart, ungerecht und gefährlich war.

Kanovich glaubt nicht, dass Litauen im Reinen ist mit seiner Geschichte. Er verurteilt die litauische Denkweise, die durch die Sowjetunion durchgeführten Deportationen mit den darauf erfolgten Holocaust ("...nach dem Motto 'Okay, ihr habt uns deportiert, wir haben euch erschossen - jetzt sind wir quitt' [derstandart.at]) aufzurechnen.

Sein Schreiben begreift Kanovich als ein Anschreiben gegen das Vergessen von 600 Jahren jüdischen Lebens in Litauen, das heute praktisch ausgestorben ist: "Der Gesellschaft wird heute die Möglichkeit genommen, sich an jene Fülle von berühmten und weniger berühmten Juden zu erinnern, die das litauische Leben beeinflusst hat. Es gibt keine Gedenktafeln, nicht einmal ihre Namen werden mehr von Generation zu Generation weitergegeben".

 

 Buchbesprechung: Ein Zicklein für zwei Groschen

 

Quellen:  derstandard.at/1229975037890/Es-gibt-kein-juedisches-Leben-mehr

             http://www.gkanovich.com/en/biography-en

             Wikipedia

 

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https://alles-ueber-litauen.de/datenschutz