Besichtigung Kernkraftwerk Ignalina

 

Ignalina Atomkraftwerk Litauen  Ansicht

Außenansicht mit den Schornsteinen der zwei Kraftwerkblöcke

Wahrzeichen vom Kernkraftwerk Ignalina

Vier Säulen als Symbol für die geplanten vier Blöcke

 

„Lenin, die Macht der Partei und die Kraft des Volkes sichern den Sieg des Kommunismus“

Offizielle Parole beim Kraftwerksbau.

 

Wir haben das Kernkraftwerk Ignalina im Jahr 2022 besucht. Touren werden von der Firma Praeitis Zvalgas angeboten, können aber auch direkt beim Kernkraftwerk Ignalina angefragt werden.

Besichtigung Raktor Ignalina AKW

Unsere Besuchergruppe auf einem der zwei Reaktoren

Lohnt sich die Besichtigung, die ja nicht ganz billig ist? Die einzige Dame bei unserer Besichtigung war sich nicht ganz sicher. Alle Männer waren aber begeistert.

Das Kernkraftwerk Ignalina liegt im Osten Litauens, etwa 100 Kilometer von Vilnius entfernt. Vom Typ her ist es gleich dem Tschernobyl Reaktor und war bei der Inbetriebnahme 1983 das leistungsfähigste Kraftwerk der Welt. Über 5000 Mitarbeiter arbeiteten hier. Geplant waren einmal vier Reaktoren, der dritte Block wurde aber kurz nach Baubeginn 1988 gestoppt und der vierte Block wegen der Unabhängigkeit Litauens von Russland gar nicht mehr begonnen.

Atomkrafrtwerk Ignalina Modell

Wo der Pfeil hinzeigt, standen wir auf dem Reaktor

 

Technik, Brennstäbe und Betriebspersonal kam vollständig aus Russland, Litauen war ja Teil der Sowjetunion.

 

Auch heute noch ist die Sprache im Leitstand Russisch. Keine einzige Textstelle Litauisch.

Atomkraftwerk Ignalina Russische Anweisungen

Beschriftungen im Leitstand des AKWs sind alle auf Russisch

Beim Anfahren des ersten Blocks kam es zu Problemen. Das Politbüro hatte den Befehl zum Anfahren gegeben und das Leitstandpersonal hätte sich weigern können, wäre aber bestraft worden.

 

Beim Zerfall der Sowjetunion wollte Russland nicht mehr mit dem abtrünnigen Litauen kooperieren. Zwar blieb die russische Bedienmannschaft bestehen, die Kontrolle und Wartung des Kraftwerks übernahm aber Vattenfall. Da Litauen von Ignalinas Stromproduktion zu 88 % abhängig war, sollte das Kraftwerk technisch nachgerüstet werden und erstmal weiterlaufen.

Anfang 1996 wurde das Kraftwerk inspiziert (zufällig saß ich damals im Flugzeug neben einem der Inspektoren). Nach seiner Aussage war das Kernkraftwerk in einem guten Zustand. Das war auch die Aussagen der Angestellten in Ignalina bei unserer Besichtigung 2022. Da herrschte Unverständnis, warum man ein Kraftwerk, das locker bis 2040 hätte laufen können, einfach abschaltet.

Leitstand Ignalina Notfallknopf

Der erfahrene Leitstandfahrer zeigt den Notfallknopf

 

Meine Meinung nach der Kraftwerksbesichtigung ist eine andere.

Bei der Inbetriebnahme 1983 wurden viele Rohre und Kabel nur provisorisch verlegt. Ein großer Teil der Räume hatte noch keine Beleuchtung und Inspektionen mussten mit Taschenlampen durchgeführt werden.

Für die Wartung der Anlagenteile fehlten viele Kräne, so dass der Zustand der Rohre im Block 1 nicht bekannt war.

Druckmessung der einzelnen Reaktoren

Im Hintergrund die Druckmessungen der Reaktoren auf denen wir vorher gestanden haben

Für die Dampferzeugung hatten die Sowjets einen französischen Dampfüberhitzer nachgebaut. Die hätten für Wartungen alle drei Jahre ausgebaut werden müssen, wofür aber die Kräne fehlten. Eine mangelnde Wartung hätte zum Austreten von Wasserstoff und somit zu einer Explosion führen können. Ein Austausch aller sicherheitsrelevanter Teile hätte 100 Millionen Dollar gekostet.

1994 drohte der Vater des im Lukishkes Gefängnis zum Tode verurteilten Boris Dekanidse das Kraftwerk in die Luft zu jagen. Danach wurde mehr in die Sicherheit der Anlage investiert. Auch heute wird jeder der das Gelände betritt strengstens überprüft und das Gepäck durchleuchtet (1990 verschwand nämlich mal ein Brennstab, der wohl recht teuer war).

Turbinenhalle Ignalina

Die riesige Turbinenhalle. Hier standen die Stromturbinen.

 

Von den ehemals mehr als 5.000 Mitarbeitern arbeiten heute noch 1.800 Menschen bei der Demontage der Anlage. Die Kosten werden von der EU bezahlt, die die Stilllegung vom Kernkraftwerk Ignalina bei den EU-Beitrittsverhandlungen als Voraussetzung eines Beitritts gefordert hatte.

Geplant soll der Abbau 2038 abgeschlossen sein. Allerdings haben die Leute so lange einen sicheren Job, solange an der Anlage gearbeitet wird. Also vielleicht dauert es auch etwas länger.

Dieser Bericht kann natürlich nicht den Eindruck eines Besuches vermitteln. Viele Details waren interessant, zum Beispiel die mit zusammengeklebtem Gummi ausgelegten Fußböden und Treppenhäuser. 

Gummierter Fussboden AKW Ignalina

Damit sich kein radioaktiver Dreck ansammeln konnte, waren alle Böden gummiert.

Flure Kernkraftwerk Ignalina

Unendliche Flure, schier endlose Lagerräume

 

Abw2asser4system Kernkraftwerk Ignalina

Schlecht zu sehen: auf den riesigen Fluren hängen in regelmäßigen Abständen diese Töpfe. Sie dienten der Entsorgung des eventuell radioaktiven Putzwassers. Ob dieses Abwasser später wieder auf "normales" Abwasser trifft, konnten wir nicht überprüfen ;-)

 

Leitstandpersonal Ignalina Litauen

Im Falle einer Störung ging es bestimmt nicht so relaxt zu

Kontrollraum Ignalina Kernkraftwerk

Die Leitwarte hier ist ein originalgetreuer Nachbau des eigentlichen Leitstands. Sie befindet sich etwas außerhalb des Geländes vom Atomkraftwerk Ignalina und kann auch besichtigt werden. Nur hier darf man Fotos machen. Im Atomkraftwerk muss man sich nach der Sicherheitskontrolle ausziehen bis auf die Unterwäsche. Man bekommt frische Schutzwäsche, Schuhe, Überschuhe, Hauben und Helme sowie Staubmasken. Natürlich auch Handschuhe, wenn man etwas verbotenerweise anfasst.

Hier im Leitwartenbau wurden Leitstandfahrer aus der ganzen Sowjetunion geschult. Auch die aus Tschernobyl. Der Film Tschernobyl wurde hier gedreht. 

Leitstand Ignalina Bedientafeln

Bedienpult

Aufzeichnungen der Ausbilder Ignalina

Aufzeichnungen der Ausbilder im Übungsleitstand

 

Knoepfe Bedienung Kernkraftwerk Ignalina

Kyrillisch beschriftete Bedienknöpfe

Brennstäbe Ignalina Kernkraftwerk

Brennstäbe in der Ausstellung

 

Kosten der Besichtigung:

Die Buchung über Praeitis Zvalgas kostet mit Transfer von Kaunas und Fahrt zur Leitwarte in Visaginas (das AKW steht im Ort Visaginas) 160Euro

Die Besichtigung gebucht direkt über die Webseite des Kernkraftwerks kostet 60 Euro. Man muss dann selbst zum Leitstand fahren, nachdem die AKW Besichtigung vorbei ist. Die Führung ist von der Buchung unabhängig...die Guides werden vom Kraftwerk gestellt, die auch die Fotos machen.

Ignalina Atomkraftwerk
Elektrinės str. 4
Drūkšinių vil.
31152 Visagino (Der Ort ist Visaginas, nicht Ignalina!)
Litauen

 

Und der Reiseveranstalter 

Praeitis Zvalgas

 

Ein Besuch ist empfehlenswert!

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