Krähen über Königsberg

Ralf Thiessen
Wer blöden Aug’s vorüberzieht,
der sieht hier nichts als Sand;
Doch in wess‘ Herz die Schönheit glüht,
den dünkt’s ein Wunderland.
Über die Kurische Nehrung
Diesen Kriminalroman stelle ich hier vor, weil er in Königsberg, der Kurischen Nehrung und Memel, dem heutigen Klaipeda spielt. Für den einen oder anderen Leser wird es vielleicht interessant sein, einen Krimi zu lesen, der, wenn auch in den 1930 er Jahren, in unserer Reiseregion Litauen spielt.
Autor Ralf Thiessen schrieb auch schon in einem vorherigen Buch „Die Toten von Königsberg“ über die Region. Es war für einen deutschen Krimi sehr gut gemacht, handelte aber in Berlin und Königsberg.
Diesmal ließ sich Thiessen für seinen aus Berlin stammenden Kommissar ein (für uns) interessanten Komplott einfallen.
Ein radikaler deutscher Heimatschutzbund (viele der beteiligten Soldaten stammen aus der „Eisernen Division“) versucht gegen die litauische Übernahme vom Memelgebiet gewaltsam zu kämpfen. Waffen werden in einer Kaserne in Königsberg gestohlen, dabei kommt ein Soldat ums Leben.
Kommissar Singer und sein etwas ältlicher Kollege Puschkat ermitteln.
Wir erfahren, dass es geheime Absprachen zwischen Litauen und dem Deutschen Reich gab, die die litauische Machtübernahme des Memellandes regelten.
„Aber schon damals gab es erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. War es nicht eher so, dass der Aufstand aus Litauen heraus vorbereitet wurde?“ Von Schleicher nahm einen Schluck Rotwein. Er nickte. „Eine Inszenierung könnte man sagen. Aber was die wenigsten wissen - vor dieser Inszenierung hat Staatspräsident Galvanauskas mit Stresemann gesprochen“ … „Aber schon damals gab es erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. War es nicht eher so, dass der Aufstand aus Litauen heraus vorbereitet wurde?“ …
„Wollen sie damit sagen, dass Litauen das Memelgebiet mit dem Segen der Reichsregierung annektiert hat? Ich hätte nie gedacht, dass Stresemann den Anspruch auf das Memelgebiet so schnell aufgibt.“
„Deshalb hat Stresemann Galvanauskas (litauischer Premierminister) zu dem Aufstand ermuntert und somit ein Fait accompli an der Memel erschaffen.“
Deutschland hatte wohl Angst, dass Polen das Memelgebiet übernimmt. Ein viel ernsterer Gegner als das kleine Litauen. Noch dazu umwarb Frankreich Polen. Frankreich hatte keine Lust mehr für den Völkerbund das Memelgebiet zu kontrollieren und „Polen als potentiellen Bündnispartner im Rücken des alten Erbfeindes Deutschland“ war verlockend.
Ich kenne mich in der Memelländischen Geschichte nicht so gut aus, finde aber die Geschichte gut recherchiert. Für jemanden Fremdes sind die Geschichten von den Krähenbeissern kein Allgemeingut. Krähen waren für die damaligen Touristen eine Delikatesse und das Fangen und Töten sind für uns heute etwas befremdlich.
Dem Leser wird hier neben der unterhaltsamen Geschichte sogar ein Mehrwert an Allgemeinbildung gebegeben.
Das gilt natürlich auch für die historische Handlung. Geht es in Thiessens Königsberg Romanen auch immer um die wachsende Bedrohung durch die Nazis. Parallelen zu heute sind leider immer zu finden.
Letztendlich kann Kommissar Singer den Fall lösen, internationale Verwicklungen verhindern und uns neugierig auf das nächste Buch machen.
Empfehlenswert!
Da ich das Buch nur als e-Book habe, wurde von der Vorderseite ein Screenshot gemacht.