Herrenhaus in Pakruojis
Herrenhaus des Barons von Ropp, einer deutsch-baltischen Familie
Auf dem Weg von Panevezys nach Siauliai (ca. 50 Kilometer von beiden Städten entfernt) liegt das kleine Örtchen Pakruojis mit dem größten denkmalgeschützten Herrenhaus Litauens. Der Weg ist gut ausgeschildert.
Wassermühle von Pakruojis Restaurant
Die Anlage wurde 2013 gründlich renoviert und besteht aus 43 verschiedenen Häusern, Unterkünften, einer Post, Stallungen, einer Schnapsbrennerei, natürlich einer Brauerei, einer Mühle und einer Schlosserei. Ein Staudamm (das Wahrzeichen der Region) über den Fluss Kruoja ließ einen See entstehen, in der die Liebesinsel die Besucher einlädt. Außerdem treibt das Wasser eine Mühle an.
Blick auf Staumauer, Wassermühle und das alte Gutshaus (der Staudamm erinnert etwas an die Staumauer vom Sirvenos See in Birzai), links ist die Liebesinsel
Ein Spaziergang beginnt beim Herrenhaus und führt durch den weiträumigen Park an der Liebesinsel vorbei zu den ältesten Gutsgebäuden mit der Staumauer und der Wassermühle des Anwesens. Auf dem Weg kommt man an der Schlosserei (kann besichtigt werden) und einem schönen schmiedeeisernen Tor vorbei. Auf das Tor soll die Familie sehr stolz gewesen sein.

Meiles Sala- Liebes Insel
Das Anwesen gehörte der Familie Ropp von 1780 bis 1940 (russischer Einmarsch) und besteht aus 43 einzelnen Gebäuden.
"Dem Deutschtum erhielten sich die Ropps in Litauen aber (mit Ausnahme einiger nach Russland Abgewanderter) durch ihre Ehen; holte sie sich doch ihre Frauen fast ausnahmslos aus den zahlreichen Familien des deutschen kurländischen Stammadels, die damals ringsumher in Litauen Land besaßen und walteten. In so großem Umfang, dass ein breiter Streifen Nordlitauens zeitweilig in Bezug auf den Güterbesitz geradezu ein deutsches Gesicht trug." Quelle Wikipedia
Das neue Herrenhaus von der Staumauer aus gesehen
Das neue Herrenhaus entstand zwischen 1817 und 1840 und liegt in einem englischen Garten. Man kann sich am Eingang Kostüme ausleihen und in festlicher Kleidung das Innere des Herrenhauses besichtigen.
Restaurant Gutshof Pakruojis
Das Restaurant des Anwesens liegt im hinteren Teil des Parks, neben der Windmühle und dem Staudamm.
Hier habe ich die beste Rote Beete Suppe meines Lebens gegessen. Wir waren alle vom Essen in dieser schönen Umgebung begeistert. Über das lokale Bier kann ich nichts sagen, ich musste fahren.
Der Hof war Komplettversorger und hat eine Fläche von 9,2 Hektar. Er stellte nahezu alle Güter und benötigten Energien selber her.
Windmühle Pakruojis
Ein Besuch ist absolut empfehlenswert.
Ganz unten sind die Stallungen, darüber mit dem roten Dach des neue Herrenhaus. In der Mitte die Liebesinsel im Fluß Kruoja. Oben sind Staumauer, altes Herrenhaus, Restaurant und Windmühle zu sehen.
Die Webseite des Herrenhauses in Pakruojis
Zarasai
Zarasai ist eine Kleinstadt in Nordost Litauen an der lettischen Grenze. Bekannt ist sie vor allem wegen seiner futuristischen Edelstahlbrücke über dem See Zarasaitis. Der Aukstaitija Nationalpark und die lettische Stadt Daugavpils (hier gibt es ein riesiges Verteidigungsfort aus der Zarenzeit) sind nur wenige Kilometer entfernt.
Der riesige Marktplatz, das Kopfsteinpflaster der Hauptstrasse, die Maria Himmelfahrtskirche sowie einige alte Gebäude geben der Kleinstadt einen besonderen Reiz.
Pflasterstraße, Marktplatz und schöne Kirche
Bibliothek und Museum

Futuristische Edelstahlbrücke als Observationspunkt
2008 war Zarasai Kulturhauptstadt Litauens. 2011 wurde die futuristische Edelstahlbrücke als "Observationsring" gebaut. Sie ragt 17 Meter hoch über den See Zarasai.

Malerisch zwischen Seen gelegen, kann man hier bei gutem Wetter die Aussicht über den See geniessen.
Die Natur, die moderne Edelstahlbrücke zum Seeufer und das Heimatmuseum in meinem Rücken (sowjetischer Barock?) bilden einen interessanten Kontrast.
Maria Himmelfahrt Kirche Zarasai

Von Außen schön, enttäuscht das Innere der Maria Himmelfahrt Kirche etwas.
Die heute etwa 6.800 Einwohner zählende Stadt wurde während des "Großen Nordischen Krieges" (1700 bis 1721) fast völlig zerstört und entvölkert. 1795 fiel Zarasai durch die "Dritte Polnische Teilung" an das zaristische Russland. Zarasai hatte damals 300 Einwohner. Der Zar gewährte Juden, die sich in menschenleeren Gegenden ansiedelten, Wehrpflichtfreiheit und andere Vergünstigungen. Dadurch stieg die Zahl der Einwohner wieder an und die Juden machten 1903 2/3 der Einwohner aus.
Mit dem Einmarsch der Wehrmacht kamen die deutschen Sondereinheiten. Am 26.8.1941 töteten das Rollkommando von SS-Standartenführer Karl Jäger "767 Juden, 1113 Jüdinnen und 678 Judenkinder". (Die Zahlen stehen im Jäger Report auf Blatt 3).

Dominykas Bukontas im Park von Zarasai
Dominykas Bukontas war Arzt und ein Unterstützer der litauischen Eigenstaatlichkeit. Er liess sich 1906 im damaligen Novoaleksandrovsk (heute Zarasai) nieder.
Die Adresse vom TIC Zarasai
Sėlių St. 22, 32110 Zarasai, phone/fax. +370 385 37171, e-mail: turizmas(ata)@zarasai.lt
Litauen Nida Kurische Nehrung
Auch spannend: Anfahrt nach Nida über die Memel mit dem Schnellboot "Raketa" aus Kaunas. Eventuell mit Weiterfahrt mit Bus und Bahn. Tickets sind alle online buchbar.
Über die Entstehung der Kurischen Nehrung berichtet die Sage von der Riesin Neringa:
In alter, alter Zeit, so berichtet die Sage, lebte am Ostseestrand eine schöne Jungfrau mit goldblonden Zöpfen - die Riesin Neringa. Sie liebte die Fischer und half ihnen auf jede nur erdenkliche Weise. Und wenn der Sturm ihre Boote zu versenken drohte, half sie ihnen, sicher die Ufer der damaligen vielen kleinen Inseln zu erreichen.
Dies erboste den Meeresgott Bangputis ("Wellenbläser") und er ließ es das ganze Jahr hindurch stürmen. Da beschloß sie einen langen Wall zu bauen, um das Meer nah der Küste vor Sturm und Wellen zu schützen. In ihrer Schürze schleppte sie gewaltige Mengen Sand heran und schüttete einen hundert Kilometer langen Damm auf, der das heutige Haff vom offenen Meer abtrennte. So schuf sie den Fischern ein sicheres Gewässer, damit sie nicht mehr auf die gefährliche Ostsee hinausfahren mussten. Zwölf Tage lang tobte der Meeresgott gegen den Wall an. Doch als er nichts ausrichten konnte, da verstummten Sturm und Wellen. Und die Fischer entlang der Küste gaben dem schützenden Sandwall aus Dankbarkeit den Namen der Riesin: Neringa.
Und über den Zauber der Kurischen Nehrung dramatisiert der Schriftsteller Hansgeorg Buchholtz in den 30'er Jahren:
"Es gibt ein Land, da das Schweigen Sprache ist, ein Land, das wie eine Brücke durch die Fluten des Lichts sich spannt, in dem die Berge wandern, ein Land, aus dem es keine Rückkehr gibt. Du lässt dein Herz, wenn du einmal in die Tiefe seiner Einsamkeit getaucht bist, dort und einen Teil deiner Seele... Licht und Lachen, aber auch Tod, Stürme und Finsternisse ruhen dort beieinander, so wie Haff und Meer seine schmalen Flanken benagen, so wie Sand und Wald miteinander ringen und die hohe Düne ihre Schatten reckt, über Haus und Hafen, Acker und Wiese. Es ist ein seltsames, ein zaubrisches Land."
Und selbst der große Wilhelm von Humboldt war von der Kurischen Nehrung begeistert:
"Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, daß man sie ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muß, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll".
So ist die Kurische Nehrung entstanden. Und Tod und Finsternis sind heute nicht mehr auf der Nehrung zu befürchten. Und so schön wie die blonde Neringa, so schön ist auch die Landzunge, die sie geschaffen hat. Die Nehrung hat eine Länge von 98 Kilometern und erstreckt sich von Klaipeda bis nach Lesnoi in der heutigen sowjetischen Exklave Kaliningrad. Der Verwaltungsbezirk Neringa besteht aus den vier Dörfern Preila, Juodkrante, Pervalka und Nida mit insgesamt etwa 3.600 Einwohnern. Bis 1923 gehörte die Kurische Nehrung zu Deutschland.
Die Kurische Nehrung ist zwischen 380 und 3800 Meter breit und trennt das Süßwasser der Memel vom Salzwasser der Ostsee.
Wer Nida gesehen hat, wird Litauen immer wieder besuchen.

Im Wappen des Verwaltungsbezirkes Neringa kann man die Kurenwimpel der einzelnen Gemeinden sehen. Oben links Nida, dann (im Uhrzeigersinn) Preila, Pervalka, Juodkrante und Purvyne (eingemeindetes Dorf bei Nida). (Wappen Wikipedia)
Um zur Kurischen Nehrung zu kommen, muss man mit der Autofähre übersetzen. Direkt in der Altstadt von Klaipeda gibt es auch noch eine Personenfähre.
Duenen in Nida (Fotos Rasa Kocyte)
Die Autofähre zur Nehrung ist direkt neben einer Tankstelle (Klaipeda, Varnenu Gatve). An der Kasse bezahlt man die Überfahrt und setzt über. Erfahrene Nehrungs Besucher warten nach Verlassen der Fähre, bis die litauischen und russischen Autos (viele Russen kommen aus Königsberg über die Nehrung nach Klaipeda zum Einkaufen) vorbeigefahren sind. Die schmale Straße nach Nida wird nämlich als Rennstrecke missbraucht. Man könnte ja vielleicht eine Minute eher da sein.
Nun gabelt sich die Strasse: rechts geht es zum Delfinarium, links nach Juodkrante und Nida (und weiter nach Kaliningrad). Man kann sich also nicht verfahren.
Interessant ist, was für teure Autos aus dem Kaliningrader Oblast kommen.
Das Meeresmuseum auf der Kurischen Nehrung
An der nördlichen Spitze der Kurischen Nehrung befindet sich das litauische Meeresmuseum mit einem Delfinarium und Aquarium.
Die Aussenanlage des Meeresmuseums Hier schwimmen die Seelöwen
Das runde Gebäude ist der neuere Teil des Meeresmuseums, während die Aussenanlagen in einem alten Preussischen Fort untergebracht sind. Die Festung Kopgalis wurde 1866 zum Schutz des Hafens von Klaipeda gebaut. Auch heute noch befindet sich hinter dem Delfinarium eine Station der Grenzpolizei mit Luftkissenbooten, die man sieht, wenn man mit einer Fähre in den Hafen von Klaipeda (also in das Haff) einfährt.
Skulptur für die gestorbenen Seeleute vor dem Meeresmuseum mit Blick auf den Hafen von Klaipeda
Der Bernsteinhafen Im Herbst werden die Figuren verbrannt (bitte Bild anklicken)
Lettische Volksmusik mit Szenen von der Kurischen Nehrung. Hier werden die Holzskulpturen verbrannt.
Hier wurde 1855 Bernstein gefunden und von 1860 bis 1890 professionell ca. 75 Tonnen Bernstein abgebaut. Die Firma von Wilhelm Stantien beschäftigte 600 Mitarbeiter und hatte bis zu 23 Dampfmaschinen. Der frühere Hafen wird heute Bernsteinbucht genannt.
Die Holzfiguren werden jedes Jahr neu gestaltet und zur Sonnenwendfeier verbrannt.
Nach kurzer Fahrt kommt die Mautstation, an der man den Eintritt auf die Nehrung zahlen muss.
Es gibt Bezahlautomaten, die aber oft defekt sind. Dann zahlt man am Kassenhäuschen. Preise, in der Hochsaison pro PKW 20 Euro, sieht man hier: https://unipark.lt/en/neringa
Juodkrante (Schwarzort) im Winter
Juodkrante - auch im Winter ist die Kurische Nehrung wunderschön!
Miniaturmuseum Juodkrante
Kurz danach kommt man nach Juodkrante (Schwarzort). Hier gibt es eine Backsteinkirche von 1885 und einen Skulpturenweg direkt am Ufer. Außerdem einen Geldautomaten ;-)
In Schwarzort, wie Juodkrante auf Deutsch heisst, gibt es einen sehr schönen Wanderweg, der mit Holzskulpturen gesäumt ist. Er führt auf dem Hexenberg (Ragana Kalnis) entlang und ist nicht sehr lang, aber zu empfehlen.
Hinweisschild in Juodkrante zum Hexenberg Raganu Kalnis
Fotos vom Raganu Kalnis, (den man unbedingt besuchen sollte) und seinen Skulpturen, kann man unten auf dieser Seite zusammen mit weiteren Impressionen der Kurischen Nehrung in der Fotogallerie sehen.
Weg zur Aussichtsplattform
Durch den Vogelkot abgestorbene Bäume
Kurz nach Juodkrante kann man die bekannte Kormorankolonie besuchen.
Es gibt kein Schild, aber der abgestorbene Wald auf der rechten Seite ist (eigentlich) nicht zu übersehen.
Neben dem Gestank ist die schiere Größe der Kolonie beeindruckend. Viele Nester sind von den Kormoranen besetzt. Ein Kormoran braucht pro Tag etwa 400 gr. Fisch. Bei seinen Tauchgängen, die Vögel schaffen eine Tauchtiefe von bis zu zehn Metern, können sie im recht flachen Haff jede Stelle und jeden Fisch erreichen. Dementsprechend unbeliebt sind sie bei den Fischern. Sind die Nistbäume abgestorben und morsch, wenden sich die Vögel frischen Bäumen zu und der Kreislauf der Natur beginnt von vorn. Wahrscheinlich wird der Kormorandung irgendwann für kräftigen Neubewuchs sorgen. Bio eben.
Eine Familie aus Hamburg, die in Nida urlaubt und Bernstein sammelt, berichtet von ihren Bernsteinfunden, vom Nepp der Bernsteinverkäufer und das sie schon zwei Elche gesehen haben.
Straße auf der Kurischen Nehrung
Pervalka
Auf dem Weg von Juodkrante nach Nida kann man einen Abstecher nach Pervalka machen. Muss man aber nicht.
Das frühere Fischerdorf hat ganze 40 ständige Einwohner und im Sommer einige mehr.
Nach Pervalka kommt man an Preila (früher mal Preil) mit 190 Einwohnern vorbei. Auch hier gibt es einige schöne Ferienhäuser.
Je nach Zeit, kann man sich auch auf Nida, die Dünen und den Ostseestarnd beschränken.

Blick auf Nida
Da wo die Hauptstraße links nach Nida abbiegt, geht es rechts zu einem Parkplatz direkt an der Ostsee.
Hier kann man parken und über die Dünen zum schönen Ostseestrand spazieren.
Gastronomie wie in Palanga findet man hier nicht. Der Strand ist komplett naturbelassen und wunderschön. Restaurants, Cafes und Bars gibt es nur in Nida selber.
Ein ganz anderer Tourismus als in Palanga.
Achtung: übertreten Sie nicht die grüne Grenze nach Russland. Verstöße werden von russischer Seite streng geahndet. Möglich ist natürlich die Besichtigung der Grenzstation. Einfach die Nehrungsstrasse bis zum Ende fahren. Zum Besuch von Königsberg ist ein Visum erforderlich!
Hier ist auch der Hauptbadestrand für Urlauber die in Nida übernachten. Er liegt nicht weit vom Zentrum, direkt auf der vom Haff abgewandten Seite der Nehrung.
Kurenwimpel
Überall sind die berühmten Kurenwimpel aufgestellt.

Kurenwimpel Nida
Da Nida nicht sehr gross ist, kann man auf einem Rundgang alles erwandern. Vielleicht ist ein Hinweis nicht ganz unangebracht, dass man sich immer noch in Litauen befindet und nicht auf Sylt.
Es ist sehr viel modernisiert und auf westlichen Standard gebracht worden, aber man merkt immer noch die Reste von "Charme" aus 50 Jahren Sozialismus. Z. B. bei der Betonuferpromenade. Und ich meine das noch nicht einmal nur ironisch. Gerade die litauische Vergangenheit und natürlich die Natur und Landschaft machen den Reiz dieses Baltenlandes aus.

Die Kurenwimpel - eigentlich eine Art Nummernschild für die Fischerboote
Die Kurenwimpel sind nicht nur wegen ihrer Schönheit interessant, sie sind auch ein weiteres Zeichen der deutschen Vergangenheit des Memellandes. Sie dienten nicht (nur) als Verschönerung der Häuser auf der Kurischen Nehrung, sondern waren wie ein Nummernschild für die kurischen Fischerboote, damit die Königsberger Steuerbehörden die Fanggebiete besser kontrollieren konnten. Jedes kurische Dorf hatte einen Abschnitt im Haff, an dem es Fischen konnte. Verstöße konnte man nun anhand der Kurenfahne besser entdecken und ahnden. Also irgendwie typisch Deutsch.

Sommer in Nida
Bernsteinmuseum mit Blick auf das Kurische Haff
Einkehr im Cafe Kursis. Leckere litauische Gerichte. Fachwerkhaus
Am Haff entlang kommt man am Bernsteinmuseum vorbei. Es soll schöner sein als das große Bernsteinmuseum in Palanga. Leider hat es am Montag (wie viele Museen in Litauen) zu. Mir hat das Museum in Palanga bei einem früheren Besuch auch sehr gut gefallen.
Restaurant Nidos Seklycia.
Am Ende von Nida angelangt, tauchen die riesigen Wanderdünen auf, die weit bis in den russischen Teil der Nehrung hinein reichen. Früher begruben diese Dünen ganze Dörfer unter sich. Heute hat man sie mit Bepflanzung unter Kontrolle gebracht und muss nun mehr Angst um ihre Existenz haben.
Hier ist auch eines der romantischsten Restaurants von Nida, dass Nidos Seklycia.
Am Ende von Nida vor der großen Düne (Parnidis Düne).

Duenen bei Nida

Blick auf die Toten Duenen
Ab 2019 wurde ein Eintrittsgeld für die Tote Düne in Höhe von 2 Euro eingeführt. Wahrscheinlich gilt das nur in der Hochsaison
Blick auf die Duenen und das Kurische Haff
Über dem Haff können wir den alten Leuchtturm vom Windenburger Eck erahnen (Ventes Ragas, schönes Ausflugsziel).
Impressionen am Hafen
Auf der Kurischen Nehrung hat der Kameramann Willi Zielke 1936 für Leni Riefenstahl Teile ihres Filmes "Fest der Völker" gedreht.
Dafür tanzten 30 nackte Mädchen einen Tempeltanz auf einem abgeschirmten Areal der Nehrung. Sie wurden aus einer Schar von 300 Damen ausgewählt, die alle nackt vortanzen mussten.
Den Tanzschulen der Region wurde die "Seriosität" des Films mit Hinweis auf das Wohlwollen von Goebbels und Hitler bestätigt.
Zielke schrieb 1952 in einem Buch über die Zeit auf der Nehrung:
"Einmal in meinem Leben habe ich mit allen Möglichkeiten der Aktaufnahme spielen können... Wir saßen in einem abgesperrten Revier an der Kurischen Nehrung, allein mit 30 ins Paradies zurückgekehrten Evas, einer unendlichen Stille und den letzten Elchen Europas, um den Prolog zum Olympiade-Film 1936 zu schaffen.
Wir hatten diese Evas aus 300 Sportstudentinnen wählen können, ein prachtvolles Menschenmaterial. Mit Anmut und Grazie führten sie alle Studien, Bewegungen und Übungen vor, die wir brauchten. In den Drehpausen standen, lagen oder liefen sie am Strand und freuten sich ihres jungen Lebens. Es berührte weder uns noch unsere Helfer, daß sie splitterfasernackt waren. Sie auch nicht. Die schöpferische Arbeit hatte uns alle viel zu sehr im Bann."
Blick auf Nida von der Hafenmole
Später wurde gemunkelt, Riefenstahl habe sich unter die Nackten gemischt und sei im Olympia Film auch (nackig) zu sehen. Dem widerspricht Zielke:
"Und als sie sich kurz vor Beendigung der Aufnahmen am Grabschen Hacken in der Kurischen Nehrung selbst vor die Kamera posierte, sah ich diese Frau das erste Mal im Badetrikot und war enttäuscht. Ihre Figur konnte nicht an meine Modelle heran! Sie war außerdem viel zu vollschlank. So begnügte sie sich mit einer Grossaufnahme ihrer Hände, die den Tanz der Flammen interpretierten, was ihr sehr gut gelang!"
Quelle: Das Stahltier Blogspot
Kleiner Leuchtturm in der Hafeneinfahrt.
Blick auf den Hafen
Alte Boote
Bootstouren werden von Nida nach Minge und Ventes Ragas (also zum Festland) angeboten, sowie an der Nehrung entlang Richtung russische Grenze
Boote im und am Hafen
Boot im Hafen Kurisches Haff
Wir schlendern zurück am Hafen entlang. Hier liegen Boote mit denen man in der Hochsaison nach Vente oder Minge (also auf die andere Haffseite) übersetzen oder auch nur Ausflüge zu den Dünen der Nehrung machen kann. Am 13 .Mai ist hier noch nicht viel los, die Saison beginnt erst.
Inkaro Kaimas Gästehaus direkt am Kurischen Haff in Nida

Die Moderne hält Einkehr: Ladestation für E-Autos Foto © B. Galoci
Häuser vor dem Haff
Am Ufer entlang geht es zum Thomas Mann Haus.
Motiv eines jeden Nida Urlaubers und Reiseführers: das Thomas Mann Ferienhaus

Alte Postkarte 1931 Quelle: Wiki
Es liegt auf einem Hügel direkt am Haff mit einer wundervollen Aussicht. Als Sommerwohnsitz sicherlich gut gewählt, wenn denn die Temperaturen immer so wären wie bei meinem Besuch. Thomas Mann ließ das Holzhaus 1929 erbauen, nachdem er bei einem Aufenthalt in Nida von der Landschaft begeistert war. Durch den ihm verliehenen Nobelpreis konnte er sich das leisten. Er verbrachte hier die Sommerferien mit seiner Familie 1930 bis 32. Dann musste er wegen den Nationalsozialisten emigrieren.
Antanas Venclova, der ehemalige Kultusminister der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik (Vater von Tomas Venvlova) traf Thomas Mann im Mai 1955 in Weimar. Dort lud er ihn nach Litauen ein, da in Nida ja noch sein Ferienhaus stand.
"Manns Antwort fiel unverbindlich aus, weil ein Besuch von ihm in der UdSSR zu jener Zeit starke politische Implikationen gehabt hätte, aber er war von dem Angebot sehr berührt. Nach der Rückkehr fand mein Vater heraus, dass das Haus von Thomas Mann in einem sehr schlechten Zustand war und als inoffizielle Toilette benutzt wurde. Er forderte die sowjetlitauische Regierung zur umgehende Renovierung auf, die tatsächlich durchgeführt wurde. Thomas Mann starb im August desselben Jahres in der Schweiz, bevor er Litauen nochmals besuchen konnte. Sein Haus würde in ein kleines Museum umgewandelt, das heute regelmäßig Konferenzen und Konzerte ausrichtet."
Tomas Venclova in der "Magnetische Norden"
Ostseestrand im Herbst
Baltisches Meer im Winter
Haffküste
Sicht vom Thomas Mann Haus auf das Kurische Haff
Der Ort auf der Nehrung, an dem die Fähre nach Klaipeda abfährt, heißt Smiltyne. Dort gibt es am Fähranleger drei Spuren, links für Fahrzeuge mit Sondergenehmigung für die Nehrung (Leute die häufig fahren), rechts stehen die LKW und in der Mitte stehen wir Touris und warten.
Die Überfahrt ist nur kurz.
Am nördlichen Ende der Nehrung befindet sich das Meeresmuseum mit Pinguinen, Fischen und Seelöwen.
Mittig das Meeresmuseum. Rechts darüber sieht man eine Station der Grenzpolizei. Hier sind Luftkissenboote stationiert. Man sieht sie bei der Einfahrt der Fähren aus Deutschland ins Haff.
Kurzes Youtube Video von Wolf Feld: Radfahren auf der Kurischen Nehrung
Informationen über Hotels und Pensionen gibt es bei PrieJuros, also "Am-Meer", einem litauischen Unterkunftsverzeichnis speziell für die Ostseeregion
Eugenijus Kocys bietet in Juodkrante (Schwarzort) verschiedene Ferienwohnungen an. Auf seiner Webseite kann man sich die Unterkünfte anschauen. Ausserdem bietet er einen Abholdienst vom Fährhafen in Klaipeda, sowie vom Flughafen Palanga an.
Camping in Nida:
Taikos 45a
Tel.: 0037068241150
Bilder © Rasa Kocyte und A. Kuck
Aktuelle Informationen zu den Busverbindungen von Smilyne nach Nida, Kosten für den Zugang zum Landschaftsschutzgebiet Nehrung, Unterkunft und Fahrradvermietung finden Sie auf der Infoseite vom Fremdenverkehrsbüro Nida.
IX. Fort Kaunas
Das "Neunte Fort" (litauisch: Devintas Fortas) liegt am westlichen Stadtrand von Kaunas an der A1 und ist schon von weitem an der monumentalen Skulptur "Kampf, Sieg und Leid des Widerstandes" zu erkennen.
1958 wurde ein Museum über die Verbrechen der Nationalsozialisten errichtet. Damals wurden die Juden nicht explizit genannt. Jüdische Opfer waren immer (übrigens bei allen Gedenkstätten der Sowjetunion) sowjetische Bürger.
1902 war das Fort im Zarenreich als Teil eines Befestigungssystems um Kaunas herum gebaut worden (beendet 1914). Acht Festungen sollten die Stadt vor Angreifern schützen. Im I. Weltkrieg reichte ein Kanonenschuss der deutschen Armee und die Besatzung gab das IX. Fort auf. (Bild vom Einschuss ist weiter unten).
Lijana zeigt auf das 9. Fort als eines von 8 Festungen Die blauen Punkte zeigen die neun Geschützrampen
1924 errichteten die Litauer dort eine Außenstelle des Kaunaser Gefängnisses. 1940-41 ging es mit dem NKWD weniger zimperlich weiter. 1941 übernahmen dann die Deutschen, die im Fort unter dem Decknamen Fabrik 1005 B ein Konzentrationslager einrichteten. Hier wurden Juden aus dem Kaunaser Ghetto sowie aus Frankreich, Österreich und München ermordet (die ersten Münchner Juden kamen schon 1941), sowie russische Kriegsgefangene.
Da im Netz und in den Reiseführern unterschiedliche Opferzahlen herumgeistern, hier die offiziellen Zahlen des IX. Fort Museums:
"The Ninth Fort was a site of execution during the Nazi occupation. From 1941 till 1944 more than 50.000 people of different nations, among them more than 30.000 Jews, inhabitants of Kaunas, prisoners of the Kaunas Ghetto were killed in the Ninth Fort."
Also sind etwa 30.000 Juden aus Kaunas, die erwähnten Juden aus Westeuropa sowie russische Kriegsgefangene ermordet worden.
[Interessant sind dabei die Zahlen von Wikipedia, die je nach Land vollkommen unterschiedliche Opferzahlen angeben. Die englische Wiki Seite zählt wie die litauische 10.000 Opfer auf. Die tschechische und französische 5.000, die spanische und holländische nennt 30.000 und die deutsche Wiki Seite legt sich nicht fest sondern nennt 18.500 bis 50.000 Opfer.]
1943 mussten die Massengräber von jüdischen Gefangenen (den sogenannten Leichenbrennern) geöffnet und die Leichen auf Feuern verbrannt werden. Der Glaube an den Endsieg war am schwinden und die deutsche Führung begann zu bangen, was nach dem Krieg wohl mit ihnen passiert. Also wurden die Spuren der deutschen Gräuel beseitigt.
Trotz der traurigen Geschichte des 9. Forts ist ein Besuch sehr empfehlenswert. Auch für Kinder. Die Architektur erweist sich im Inneren als weitaus interessanter als man außen ahnt.
Das Museum des IX. Forts Das Fort selber liegt links dahinter.
Beim Kauf der Eintrittskarte kann man eine Führung durchs Fort buchen.
Die unterirdischen Gänge und der Ausguck sind nur mit Führung zu besichtigen.
Zuerst besichtigt man die Ausstellung im Museum, einer Art Betonbunker der sowjetischen Periode, der schon altersschwach wirkt. Hier, wie überall in Litauen, überwiegt das Andenken an die litauischen Opfer der russischen Okkupation von 1940 und ab 1944. Sibirien und Waldbrüder begegnen dem interessierten Besucher ja in jedem Museum in Litauen.
Die deutsche Besatzung scheint in der offiziellen Geschichtsauffassung nicht so richtig stattgefunden zu haben. Nur an wenigen Tafeln wird an das Kaunaer Ghetto und den Holocaust erinnert.
Vom Museum hoch zum Fort
Das Fort wurde 1902, wie auch die Festung in Daugavpils, Lettland, als Verteidigungsanlage vom zaristischen Russland gebaut. Im I. Weltkrieg reichte ein Kanonenbeschuss und das Fort wurde aufgegeben. (Foto weiter unten)
Ab 1941 diente das Fort als Gefängnis und die Deutschen begannen hier die Insassen des Kaunaer Ghetto umzubringen.
Nach dem Betonmuseum bietet sich ein Spaziergang um das Fort herum an, um das riesige Monument "Kampf, Sieg und Leid im Widerstand" des Bildhauers Alfonsas Vincentas Ambraziūnas vorbei (hier befinden sich auch viele Gedenktafeln weil dort die Massengräber der Ermordeten sind) und lasse den Ort auf mich wirken.
Wer sich für die Geschichte des 9. Forts mit Mord und anschliessender Spurenbeseitigung interessiert, der kann bei Alex Faitelson nachlesen. Der war hier nämlich Gefangener und flüchtete in einer berühmten Aktion aus der Anlage. Er ging zurück ins Ghetto Kaunas um danach zu den Partisanen in die Wälder zu flüchten.
Denkmal für den Widerstand
Vorderseite des Forts. Links sieht man das riesige Denkmal "Kampf, Sieg und Leid im Widerstand"
Mauern mit Einschusslöchern um das IX. Fort
Der Ausguck auf dem Fort

Ein besseres Foto von Wikipedia
Nicht so leicht durchzuschauen: der gepanzerte Ausguck
Bemerkenswert sind die gepanzerten Gucklöcher, die aus den Erdwällen rausschauen. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man auf einen Aussichtsturm klettern, die enge Leiter hoch: sehr interessant!
Mittlerweile ist der Aufgang zum Ausguck gesperrt, weil die Leiter verrostet ist.
Lijana vor den Besucherzellen im Eingangsbereich des Gefängnisses
Lijana ist eine der englischsprachigen Guides.
Von Hand (später E-Motor) angetriebene Brunnenpumpe Gepanzerte Türen
Lijana erklärt in sehr gutem Englisch alle Details und auch alle Gänge. Die Besteigung von einem Wachturm war sehr interessant! Das ganze Fort erscheint mir als unglaublich gut geplant: Belüftungsanlagen um den Rauch der Kanonen zu entsorgen, Fallgruben für Munitionshülsen, Schießscharten in alle Richtungen. Es gibt sogar einen Brunnen, sowie Aufzüge für die Munition. Der Architekt hat gute Arbeit geleistet. Von außen sieht der Bau viel kleiner aus als von Innen.
Panzertüren und lange Gänge unter dem Fort
Hofbereich IX. Fort mit Beschussspuren aus dem I. Weltkrieg
Leider war der Stand der Militärtechnik aber mittlerweile so weit, dass wie gesagt ein Schuss genügte (Lijana meinte, die Besatzung des Forts hätte keine Kampfausbildung gehabt), um die Anlage aufzugeben.
Berichtigung: In Reiseführern wie dem Reise Know How Titel "Litauen" steht noch, dass sich die Besatzung des Forts im I. Weltkrieg noch 11 Tage verteidigten. In City Trip Vilnius Kaunas vom gleichen Verlag aus dem Jahre 2016 stehen 10 Tage.
Am 24.9.2018 schrieb uns der Leiter der Festung Kaunas, Vytautas Petrikėnas, dass sich keine Besatzung mehr im Fort befand, als die Deutschen im August 1915 am Fort ankamen. Warum trotzdem ein Kanonenschuss abgegeben wurde, ist nicht klar.

Von den Leichenbrennern Litauen durchbohrte Tür
Lijana zeigt mir die Tür, durch die die Leichenbrenner Weihnachten 1943 entkommen sind. Wie nahe mir die Geschichte ist!
Als Leichenbrenner werden die Gefangenen bezeichnet, die ab 1943 auf Befehl Himmlers (Sonderaktion 1005- "Abäscherung der Ostfront") die Spuren der deutschen Gräueltaten beseitigen sollten. Sie mussten die Leichen aus den Massegräbern wieder ausgraben (auf verstecktes Gold untersuchen) und auf Scheiterhaufen verbrennen. Die Knochen wurden dann zermahlen. Im Dezember 1943 konnte eine Gruppe von Leichenbrennern aus dem IX.Fort durch eine aufgebohrte Tür entkommen. Seltsamerweise haben nur die Juden überlebt, die die Flucht zurück in das Kanaser Ghetto gewählt hatten. Die Logik ist schwer zu verstehen, wird aber deutlich, wenn man die judenfeindliche Lebensumgebung in Litauen versteht. Für flüchtende Juden gab es nur das Ghetto, die russischen Partisanen, bei viel Glück ein Unterkommen bei litauischen Bauern (besonders für Kinder und Frauen) oder das Konzentrationslager. Alex Faitelson hat die Lage der Juden, der Leichenbrenner, das Leben im Ghetto und den Partisanenkampf eindrucksvoll beschrieben.
Um keine Zeugen zu hinterlassen, waren alle Leichenbrenner dem Tode geweiht.
Ich hätte gerne noch mit ihr über Faitelsons Buch gesprochen, aber nach der Führung durch die Gänge des Forts erreichen wir den Gefängnistrakt mit den Zellen und schon ist sie mit ihrem Sohn verschwunden.

Gänge im Fort Kaunas
Hat ja auch lange gedauert, unsere Wanderung durch die Abgründe des Forts.

Flur des Gefängnisses mit Kanonenofen

Pritschen der Gefangenen
Das IX. Fort ist unbedingt einen Besuch wert, wegen der Bedeutung für den Holocaust, aber auch rein architektonisch!!
Leider gibt es weder im, noch am Museum, ein Cafe in dem man rasten und die Informationen und Eindrücke verarbeiten kann.
Adresse und Öffnungszeiten IX.Fort:
Adresse: Zemaiciu pl. 73 Kaunas Litauen
Nach dem Museumsbesuch bietet sich ein Ausflug zur nahen Burg Raundondvaris an.
Aukstaitija Nationalpark
Der Aukstaitija Nationalpark ist der älteste Nationalpark in Litauen und wurde 1974 gegründet. Er umfasst 40.500 ha und davon sind ca. 15 % Seen.
Wir möchten Ihnen im Park folgendes vorstellen:
Bienen Litauen
Wassermühle Aukstaitija Nationalpark
Natur- litauische Landschaften
Baumkuchen
-Baumkuchenfabrik und Restaurant Romnesa
Der ANP hat für den Tourismus in Litauen eine große Bedeutung. Bis 2009 war in Visagina (im Dreiländereck Lettland-Litauen-Weißrussland) ein Kernkraftwerk in Betrieb, das aber auf Druck der EU 2009 abgeschaltet wurde. Es hatte bei Inbetriebnahme 1983 die größte Leistung weltweit. Wer sich für den leichtsinnigen Betrieb eines KKW in der Sowjetunion interessiert, der sollte mal diesen Artikel über das Kernkraftwerk Visagina (Ignalina ist die nächstgrößte Stadt) lesen.

Ethnografische Gebiete in Litauen
Der Aukstaitija Nationalpark liegt im Osten, an der lettisch- weißrussischen Grenze. Sehenswerte Ziele in der Nähe sind Daugavpils, Zarasai, Anyksciai und Moletai.
Im Aukstaitija Nationalpark ist der Weg das Ziel. Viele kleine Details im Park machen seinen Reiz aus. Bei der Fahrt durch die Dörfer im Park fühlt man sich in eine frühere Zeit zurück versetzt. Die Dörfer bestehen aus alten Holzhäusern, meist mit liebevoll gepflegten Vorgärten. Alte Trinkwasserbrunnen und Kleinlandwirtschaft runden das Bild ab.
Neben diesem Gesamtkunstwerk Aukstaitija Nationalpark (ANP) gibt es natürlich im Park einige besonders sehenswerte Orte, die es zu besuchen lohnt.
Ein Ziel im ANP (Aukstaitija Nationalpark) ist das Imkereimuseum in Stripeikiai.
Birzai- Aukstaitija Nationalpark Bienenmuseum
Abfahrt zum Imkereimuseum
Auf der Straße Utena-Tauragnai nach Kirdeikiei führt ein Hinweisschild zum Imkereimuseum in Stripeikiai nach links in den Wald. Für Autos kein Problem ist die nun folgende Schotterpiste. Danach kommt Sand und es wird für sehr schwere Motorräder unschön.
Die Hinweistafeln sind in Litauen löblich und meist zweisprachig
Da sich über Ausstellungen genauso wie über Kunst streiten lässt, kann man neben den Infoausstellungen über die Imkerei auch einfach die schöne Natur, die vielen Holzfiguren und Bienenhäuser anschauen.
Bienenhäuser
Träger bringen einen Honigbaum heim
Imkereimuseum Eingangsfigur
Erstes Haus des Museums
Innenansicht Museum
Ansichten in Stripeikiai
Fluss Tauragnai
Holzfiguren als Bienenhäuser
In meinem Reiseführer "Litauen" von Günter Schäfer (2009) wird das Imkereimuseum als interessanteste Sehenswürdigkeit von ganz Litauen beschrieben. (Der gleiche Text steht auch im Reisehandbuch "Baltikum" von R. Höh aus dem Jahre 1992).
Dem kann ich nicht zustimmen. Die Fahrt in den ANP (Aukstaitija Nationalpark) ist wunderschön. Schon in der Umgebung des ANP überwiegen alte Bauernhäuser und Höfe aus früheren Zeiten. Die Wälder, Seen und die Sehenswürdigkeiten machen den Reiz des ANP aus. Allein wegen dem Imkereimuseum zu kommen lohnt sich (meiner Meinung nach) nicht.
Vom Imkereimuseum in Stripeikiai geht es auf dem linken Weg in den Wald, Richtung Wassermühle Ginuciai.
Der bessere Weg raus aus dem Wald
Auf der rechten Seite liegt ein wunderschöner Waldsee. Das Wasser steht sehr hoch. Im August gibt es überall Blaubeeren.
Der Weg durch den Wald war glücklicherweise viel besser als der Anfahrtsweg und irgendwann kommt auch wieder Asphalt unter die Räder. (Schreibt der Motorradfahrer. Dem Autofahrer fällt das nicht auf).
Wassermühle Ginuciai
Boot auf dem Ober See
Unterlauf, hier kann man im Sommer ins Wasser
Ablauf des Wassers
Eine Wassermühle ist immer schön anzusehen.
Da die touristische Zeit in Litauen wetterbedingt sehr kurz ist (die Mühle und das Imkereimuseum eröffnen am 1. Mai), bieten sich die Sommermonate für den Besuch an.
Das Bienenmuseum und die Wassermühle haben (wie fast alle Museen in Litauen) am Montag geschlossen. Macht aber nichts. Theoretisch kann man die Außen Gelände auch so anschauen. Nur die Häuser haben halt geschlossen.
Schön ist die Fahrt in dieser reizvollen Landschaft.
In der Mühle wird uns empfohlen unbedingt den Ladakalnis anzuschauen, eine vorchristliche Opferstelle auf einem Hügel inmitten von vielen Seen. In der Nähe ist eine Hügelkette, auf der sich früher Holzburgen befanden.
Papiliakalnes - zum Ladakalnis gehts noch etwas weiter oder man läuft über den Hügelkamm
Kurz darauf erreiche ich die gut beschilderten Burghügel. Die Bergchen dienten mal als Verteidigungsanlagen der Litauer. Auf der Strecke von Kaunas nach Jurbarkas, übrigens eine der schönsten Strecken in Litauen, gibt es ähnliche Burghügel. Ebenso in Kernave.
Blick vom Piliakalnis
Auf dem Weg zum Ladakalnis kommt man an mehreren Burghügeln vorbei. Oben hat man Aussicht auf einige Seen. Man kann auch vom ersten Hügel, dem Papiliakalnes über die Hügelkette zum Ladakalnis spazieren.
Die Gegend wird auf mehreren Hinweistafeln zweisprachig erklärt. Wie leider oft in Litauen sind die Schilder teilweise zerstört.
Ladakalnis
Zum Ladakalnis kommt man über diese Sackgasse am Linkmenas See, rechts vom Papiliakalne
Aussicht vom Ladakalnis
Der Aukstaitija Nationalpark mit seinen vielen Seen
Oben angekommen erfreut man sich an der schönen Aussicht, die hier sehr gut ist. Viele Seen sind zu sehen. Auf einem Hinweisschild wird auf die frühere litauisch- polnische Grenze von 1920 bei Antalksne hingewiesen. Interessant wie wechselhaft die Geschichte und die Herrschaft über diese Ländereien war (hoffentlich war). Und wie gut das man sich in Europa sicher und frei bewegen kann. Schätzen leider nicht so viele, wie ich in Birzai feststellen konnte.
Der Ladakalnis ist 175 Meter hoch und war früher ein heiliger Ort für die heidnische Gottheit Lada. Ein schöner Ort!
Barrierefreiheit auf dem Ladakalnis ;-) Gut gemeint aber leider nicht mehr repariert, wie vieles in Litauen
Nach dem Spaziergang in der Natur kommt Hunger auf und es bietet sich ein Besuch im Restaurant "Romnesa" in Strigailiskis an. Unser Navi hat Strigailiskis gefunden und auch Google Maps kennt dieses Dorf, also keine Angst.
Baumkuchenherstellung bei Romnesa
Das Restaurant hat seine Existenz der Tatsache zu verdanken, dass die Firma Romnesa einer der größten litauischen Hersteller von Baumkuchen ist. Baumkuchen sind neben den Cepelinas eine der Nationalspeisen der Litauer. Bei Romnesa kann man für einen Obulus selber an der Herstellung eines Baumkuchens teilnehmen. Über einem offenen Feuer wird Teig auf einem rotierenden Kegel gegeben.
Die Schauvorführung muss angemeldet werden. Wir haben uns das Schaubacken zu dritt geteilt.
Nicht nur Kinder haben bei der Baumkuchenherstellung ihren Spass
Die Litauer sagen übrigens neben dem litauischen Ausdruck Sakotis auch Baumkuchenis zu ihrem Nationalgebäck
Der fertige Baumkuchen wird verpackt und kann mitgenommen werden.
Die Herstellung eines Baumkuchens kostet etwa 100 Euro und man kann sich das mit mehreren teilen. Es gibt eine Tasse Kaffee pro Teilnehmer und jeder kann an der Baumkuchenherstellung teilnehmen.
Und deshalb lohnt sich auch ganz besonders der Besuch. Wo sonst hat man dazu die Gelegenheit?
Das Restaurant ist das beste in der Gegend und auch einen Besuch wert.
Romnesa
Strigailiskis
Litauen ANP
(8-600) 26354 oder von Deutschland 0037060026354
Die Website des ANP: http://www.anp.lt/
Klaipeda-Memel kontrovers
Klaipeda ist Litauens Tor zur Ostsee und zur Kurischen Nehrung. Klaipeda ist eine schöne Stadt zwischen Kaliningrad und Palanga gelegen. Überall in Klaipeda und im gesamten Memelgebiet erinnern Details (besondere die Backsteingebäude) an die deutsche Vergangenheit. Diese Vergangenheit wird aber von litauischer Seite fast komplett ausgeblendet.
Ich empfand diese Geschichtsklitterung immer als sehr sonderbar. Im Internet sah ich durch Zufall den folgenden Text von Beate Szillis-Kappelhoff über Litauens Umgang mit der deutschen Memel Vergangenheit.
Für den flüchtigen Leser, der vielleicht die anderen Texte dieser Website nicht kennt:
Ich mag Litauen, ich mag Polen.
Man kann überall hinreisen, wohnen, Immobilien kaufen- wo man möchte. Europa...herrlich.
Als Deutscher habe ich keine Ansprüche auf irgendwelche Ländereien in Polen, Russland oder Litauen.
Aber man kann doch nicht sagen, dass Kaliningrad immer russisch war. Oder Klaipeda immer litauisch. Es gibt eine deutsche Vergangenheit dort und warum sollten die Litauer diese Vergangenheit verleugnen?
Im Zusammenhang mit diesem Text habe ich eine junge Litauerin gefragt, ob Klaipeda immer litauisch war. Und ob Kaliningrad eine litauische Vergangenheit hat. Die Antwort hat mich dazu gebracht, den folgenden Text von Beate Szillis-Kappelhoff dem oben stehenden Reisebericht über Klaipeda zur Seite zu stellen.
Litauens Geschichtsklitterung:
Ein Zeichen schlechten Gewissens ?
Teil 1 - MD September 2003
In der litauischen Stadt Klaipeda (ehemals die deutsche Stadt Memel) wurde am 8. August 2003 ein monumentaler Triumph-Bogen feierlich eingeweiht. Eine graue quaderförmige Säule stützt links eine ebensolche waagerechte, die wiederum an ihrer rechten Seite abgebrochen dargestellt wird. Doch wird die Waagerechte hier von einer kostbaren runden Säule aus rotem polierten Granit gestützt. Spontane Interpretationen stellen sich ein. Soll hier die Dreigeteiltheit der Geschichte dargestellt werden? Weisen die beiden grauen Quader auf die graue Vergangenheit der etliche tausend Jahre alten kurischen Urbevölkerung und der über 700 Jahre angedauert habenden zerstörten deutschen Geschichte?
Foto: Szillas Kappelhoff Giedrius Zmaizys
Bedeutet die polierte rote Säule die zukünftige Unterstützung durch die Europäische Union?
Die Inschrift auf dem waagerechten Quader wird entziffert und mit Hilfe des Wörterbuches übersetzt:
"ESAM VIENA TAUTA, VIENA ŽEME, VIENA LIETUVA" d.h.:
"Wir sind ein Volk, ein Land, ein Litauen"
und macht dann doch erheblich stutzig und weckt merkwürdige Assoziationen, denn kürzlich wurden die Litauer von ihrem Präsidenten zu stärkerem Nationalbewusstsein und Patriotismus aufgefordert. Solch ein Litauen soll reif für die Europäische Gemeinschaft sein?
"Ein Volk, ein Land" mag ja noch angehen, aber was hat Litauen mit Memel-Klaipeda zu tun, das einen solch überdimensionierten Triumph-Bogen rechtfertigt, der zudem am falschen Platz steht und eindeutig neureich-protzig wirkt?
Die Jahre des Dritten Reiches und der Sowjet-Okkupation mal großzügig nicht mitgezählt, gehört die Stadt doch erst 80 Jahre lang zu Litauen! Deutsche Touristen stehen fassungslos-ärgerlich davor und fragen, warum nicht lieber das Geld für die alten Menschen ausgegeben wird, die zuhauf in der Altstadt herumstreunen, die Mülleimer durchwühlen und sich nachts in Ruinen einen Schlafplatz suchen. Oder warum wird nicht wenigstens der deutlich sichtbare Verfall öffentlicher und historischer Gebäude aufgehalten?
Ein erneuter Besuch des Monuments bei anderen Lichtverhältnissen macht die unter dem Text eingemeißelte Unterschrift lesbar: "E. Simonaityte". Nun erschließt sich Vieles, denn die Schriftstellerin Ieva Simonaityte (1897-1978) ist so etwas wie eine Nationalheilige, die ihre Sozialisation zwischen den Weltkriegen erfahren hat und sich der sogenannten "klein-litauischen" Bewegung angeschlossen hatte. Diese Bewegung entstand als Gegenbewegung zur Bismarck´schen Minderheiten-Politik und war ein Protest gegen die Germanisierung der baltischen Ethnien im nördlichen Ostpreußen. Eine analoge Bewegung gab es bei den slawischen Ethnien im südlichen masurischen Teil.
Es ist nicht zu leugnen, dass ab dem 15. Jh. viele Litauer in Ostpreußen siedelten, weil sie vor der polnisch-litauischen Adelsherrschaft in das mildere Recht des Deutschen Ordens und später aus dem zaristischen Russland in den geschützteren Raum Preußens flohen. Daraus konstruierte diese Protest-Bewegung aus dem Namen "Preußisch-Litauen" den unhistorischen Begriff "Klein-Litauen" sowie eine Zugehörigkeit zu dem nicht existenten "Groß-Litauen".
Bei der ländlichen Bevölkerung fanden diese "Kleinlitauer" allerdings wenig Zuspruch. Die Menschen wussten zwar, dass etliche ihrer Vorfahren Litauer waren, doch fühlten sie sich in erster Linie als loyale preußische Staatsbürger, zudem waren sie im Gegensatz zu den Litauern jenseits der Grenze protestantisch und nicht zuletzt konnte der deutlich niedrigere, ja primitive Lebensstandard in Russisch-Litauen kaum jemanden verlocken die Seiten zu wechseln. Lediglich die kulturellen Veranstaltungen und die in Tilsit erscheinenden Zeitungen in litauischer Sprache fanden Zuspruch.
Einige Führer dieser Bewegung optierten nach dem 1. Weltkrieg für Litauen, ließen sich jedoch von Deutschland repatriieren, als Litauen unter Stalins Herrschaft kam. Hervorgehoben sei hier der preußische Pfarrer Wilhelm Gaigalat (1870-1945), der es besonders gut verstand, sein Fähnlein in den politisch günstigen Wind zu hängen. Die Nachkommen dieser sogenannten Kleinlitauer leben heute in den USA und in Kanada und finanzieren sehr spendabel Projekte, die die Existenz "Klein-Litauens" beweisen sollen. Außerdem stellen sie Anträge bei der UNO und der EU und haben langfristig im Auge, das Königsberger Gebiet (Kaliningradskaja Oblast) für Litauen gewinnen zu können.
Auch hier wird Geschichte umgeschrieben was das Zeug hält: Weil die litauische Sprache schon während der polnisch-litauischen Zeit praktisch nur noch von der Unterschicht gesprochen wurde und auszusterben drohte, wurde in Königsberg mit Hilfe der damals noch nicht ganz ausgestorbenen prussischen Sprache die litauische Schriftsprache entwickelt und die ersten litauischen Bücher gedruckt, was dieser Sprache wieder auf die Beine half. Der "Kleinlitauische Rat" (Lithuanian Minor) legt diese Fakten nun derart aus, dass Königsberg eine urlitauische Stadt sei, die nur zwischenzeitlich von Deutschen okkupiert wurde. So unverschämt gehen nicht einmal die Russen mit der Stadtgeschichte Königsbergs um, und folglich zeigen etliche litauische Landkarten eine Grenzziehung, die das Königsberger Gebiet als litauisches Gebiet ausweisen. So unverschämt gehen nicht einmal die Russen mi der Stadtgeschichte Königsberg um!
Aber die Geschichte werden wir uns nicht nehmen lassen!
Als ein Beispiel möge ein Buch dienen, das auf der Titelseite die Kurenkahn-Wimpel rund um das Kurische Haff zeigt, jedoch großräumig den russischen Teil Ostpreußens bis zur Grenze mit Polen einbezieht (Nijole Strakauskaite, Kuršiu Nerija, 2001).
Befasst man sich mit der Geschichte Litauens, so muss man feststellen, dass es nur die kürzeste Zeit ein eigenständiger Staat gewesen ist, was wohl zu dem heute zu beobachtenden inferioren Verhalten beiträgt. Das ostbaltische Litauen war um das Jahr 1200 ein kleines Gebiet östlich von Kaunas zwischen den Flüssen Memel (Nemunas/ Njemen) und Beresina, also ein Binnenland.
Fürst Mindaugas (1236-1263) eroberte weite Gebiete in südlicher Richtung bis ans Schwarze Meer und machte Litauen zu "Groß-Litauen". Im heutigen Litauen lebten an der Küste und am Memelfluss die westbaltischen Kuren und Schalauer, während auf der Hochebene im Binnenland die ostbaltischen Samogiten/ Szemaiten, die sogenannten Niederlitauer wohnten, auch Zemaiten oder Schameiten genannt. Dies war ein sehr kämpferischer Stamm, der den Deutschen und Livländischen Orden viele handfeste Probleme bereitete und letztlich erfolgreich am Untergang des vereinigten Ordens beteiligt war. Dessen Fürst Vykintas fiel im Kampf gegen Mindaugas, der selbst verwundet überlebte. Vykintas Nachfolger Trenotia verfolgte ebenfalls eine andere Politik als Mindaugas, der Frieden mit dem Livländischen Orden schloss, sich taufen ließ, dann aber wieder heidnisch wurde, als die Zeiten dies günstiger erscheinen ließen.
Was hat Mindaugas Großreich mit dem heutigen Litauen zu tun, mag man sich verwundert fragen. Für nationalgestimmte Litauer bedeutet es jedoch die Quelle für alles: Alles nämlich, was mit ihrem Selbstbewusstsein zusammenhängt und alles, was sie sich für ihre Zukunft erträumen, leiten sie aus der vermeintlichen Ausdehnung des Reiches Mindaugas ab, wodurch für sie Rechtsansprüche bezüglich der heutigen bzw. zukünftigen Grenzziehung wie selbstverständlich entstehen.
Die Stadt Memel steht voller Plakatwände, die an die Feiern zu Mindaugas Krönungstag erinnern, auch der zu großspurig ausgefallene Triumph-Bogen hatte ursprünglich an diesem Tag eingeweiht werden sollen, was jedoch zeitlich nicht gelungen ist, weil die Bauarbeiter nicht schnell genug gearbeitet haben. Und letztlich muss Mindaugas dafür herhalten, das schlechte Gewissen wegen der widerrechtlichen Annexion im Jahre 1923 und der Einverleibung des Memellandes nach 1945 zu beruhigen.
Während Literatur und Karten von litauischen Archäologen und Linguisten die Geschichte Ostpreußens und des Memellandes korrekt wiedergeben, bieten etliche litauische Historiker nur haarsträubende Verfälschungen an. Als gutes Beispiel mag der litauische Geschichtsatlas für Schulen dienen (LIETUVOS istorijos atlasas, Briedis Verlag, Vilnius). Auf ein und derselben Seite zeigt die obere Karte des 13. Jh. die Lage aller baltischen Stämme in nicht zu beanstandender Weise, wobei Litauen als kleines Gebiet weit im Binnenland in kräftig grüner Farbe hervorgehoben ist. Direkt darunter erscheint auf einer zweiten Karte des 13. Jh. plötzlich ein Großlitauen, das Samogitien und die kurischen Gebiete sowie weite Teile Nord-Ostpreußens einschließt. Und genau in dieses aufgeblähte Dunkelgrün stechen nun die blauen Pfeile der Attacken des Deutschen und Livländischen Ordens. Weder Vykintas noch Trenotia finden Erwähnung, allein Litauen wurde angegriffen und allein Mindaugas hat die Angriffe abgewehrt. Eine Deutung, die heutige Litauer szemaitischer Abstammung schwer verstört: Sie fühlen sich von den Hochlitauern mehr als herablassend behandelt.
"Kurzfristig von Deutschland annektiert"
Dass das nördliche Ostpreußen, das Stammgebiet der prussischen Nadrauer, auch Mindaugas zugerechnet wird, "beweise" eine angebliche Urkunde über eine Schenkung Mindaugas an den Livländischen Orden, die zwar unauffindbar ist, aber über die in der Livländischen Reimchronik geschrieben wird. Wenn die Frage der Echtheit dieser Behauptung hier nicht geklärt werden kann, hat auf alle Fälle Mindaugas etwas verschenkt, was ihm gar nicht gehörte. Selbst wenn Nadrauen ihm gehört haben sollte, weiß schon der Volksmund: Geschenkt ist geschenkt!
Bei weiterer Durchsicht dieses Geschichts-Atlasses wundert es dann auch nicht mehr, dass die Karten des 19. und 20. Jh. ebenso verfälscht dargestellt werden. So also lernen litauische Schüler litauische Geschichte! Und auf diese Weise indoktriniert werden sie Ostpreußen und das dazugehörige Memelland als kurzfristig von Deutschen annektierten Teil Großlitauens betrachten und können in folgerichtiger Konsequenz Ansprüche auf das Königsberger Gebiet, und wer weiß, vielleicht auch noch auf Weißrussland und die Ukraine stellen, sobald Mütterchen Russland zu schwächeln beginnt.
Noch abenteuerlicher wird es, wenn die Museen Memel-Klaipedas unter die Lupe genommen werden. Das "Kleinlitauische Museum" (Mažosios Lietuvos istorijos muziejus), in der Ausstellung selbst mehr um Seriosität bemüht, hält es eher mit Verschleierungs-Taktik.
Bis zum 1. Weltkrieg zeigt es die Geschichte des Memellandes recht korrekt, wird dann aber für die Jahre 1919 bis 1923 merkwürdig schwammig.
Die Annexion 1923 wird so kommentiert, dass "beide Teile Litauens" sich wieder "natürlich" vereinigen wollten. Dass die von den Siegermächten geforderten und von Litauen zugesagten Volksabstimmungen systematisch verhindert wurden, wird unterschlagen, wie auch die Tatsache, dass in den gewählten Gremien des Memellandes nie mehr als fünf litauische Abgeordnete saßen (von 29 Sitzen) und dass die Rechte der Memelländer stark beschnitten wurden.
Die von Ribbentrop, wenn auch nicht ohne erheblichen Druck des Deutschen Reiches, vertraglich erreichte Angliederung des Memellandes an Deutschland im Jahr 1939 wird als Nazi-Okkupation dokumentiert. Statt der reichlich vorhandenen Bilder jubelnder Memelländer wird ein Foto weinender Kleinlitauer gezeigt. Man bedenke hier noch einmal die zahlenmäßig geringe Stärke der Kleinlitauer im Verhältnis zu den Deutschgesinnten: Von mehr als 150 000 Bewohnern optierten gerade einmal 585 Personen für Litauen (Arune Arbušauskaite, Litauens Optanten 1939, Klaipeda 2001). Die nachgewachsenen Generationen der Memelländer werden sich jedoch ihre Geschichte nicht stehlen lassen, auch wenn Litauen auf eine biologische Lösung des Vertriebenenproblems gehofft haben mag. In diesem Sinne ist der Ausspruch "Memel lebt!" auch zukünftig zu verstehen, denn die Lebenslüge, dass das Memelland urlitauisches Gebiet sei, wird nicht Bestand haben können. Jetzt erst treten die Umstände von Flucht, Vertreibung, Entrechtung und Benachteiligung ins allgemeine Bewußtsein, und sie werden Wunden zeigen, die sich weder durch Schweigen noch durch Geschichtsklitterungen des "Kleinlitauischen Rates" schließen lassen. Nur die wirklich ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann Entlastung bewirken. Da niemand die Ausdehnung Litauens in Frage stellt, müsste Litauen eine Selbstsicherheit entwickeln können, die die offene Auseinandersetzung ermöglicht. Wir freuen uns auf ein Litauen, das Mitglied der EU sein wird, aber wir erwarten Gerechtigkeit, die in Ehrlichkeit besteht!
Systematisch wird in litauischen Geschichtsdarstellungen versucht, Memel und das Memelland in eine „kleinlitauische Region Klaipeda“ umzuwandeln. Die Behauptung, dass das Memelland „urlitauisches“ Gebiet sei, wird jedoch keinen Bestand haben, und sie kann auch kerne Grundlage für ein partnerschaftliches Zusammenleben im Europäischen Haus bilden.
Weit entfernt von Seriosität ist der im städtischen Informationsbüro ausliegende Prospekt. Hier wird die Ostseeküste vor zwölf-hundert Jahren von Balten bewohnt, dann wird plötzlich die Memelburg vom Livländischen Orden gegründet. Die nun entstandene deutsche Stadt trägt jedoch irgendwie keinen Namen, während das Gebiet ringsum als von Litauern bewohnt dargestellt und „Klein-Litauen“ genannt wird. Wieder ein Gedankensprung, und 90% der Bevölkerung werden nach Deutschland und Sibirien „evakuiert“.
Das sehr schön eingerichtete Schmiede-Museum in der Altstadt zeigt vorwiegend Grabkreuze und Grabeinfassungen, die von zerstörten memelländischen Friedhöfen eingesammelt wurden. Dies ist an sich löblich, denn auch gegenwärtig machen sich noch Friedhofsräuber über „Altmetall“ her und veranstalten Schießübungen auf Grabsteine mit deutschen Namen. So wenigstens blieb ein Teil der Kulturgeschichte erhalten. Nur sehr zurückhaltend finden sich allerdings Hinweise auf die systematische Zerstörung und Einebnung deutscher Friedhöfe.
Weitere Beispiele: Das Uhrenmuseum ist das „einzige in Litauen“ und zeigt in einer „englischen Kaufmannsvilla aus dem 19. Jh.“ sehr schöne Uhren, ohne dass man etwas über ihre Herkunft erführe. Überhaupt finden sich an etlichen historischen Gebäuden Bronzetafeln, die auf „litauisches Architektur-Denkmal des 19. Jh.“ hinweisen, während Kasernen und militärische Anlagen als „deutsch“ deklariert werden und die Ausstellungen dort mit deutschen Militärmärschen beschallt werden. Da nahezu systematisch der Anschein vermieden werden soll, es habe sich hier um eine über Jahrhunderte deutsche Stadt gehandelt, verwundert die Aussage eines Prospekts, der auf die „westliche Architektur Klaipedas“ verweist, die so ganz anders sei als in den übrigen litauischen Städten. Ja, wie mag sie dort nur entstanden sein?
Studieren wir Prospekte z.B. „Exploring Klaipeda 2003“, die von Tourismus-Agenturen herausgegeben werden, wird die geschichtliche Darstellung des Memellandes geradezu schamlos gefälscht, und wieder wird der Name „Memel“ konsequent ausgeblendet. Hier wird die „Stadt Klaipeda“ 1252 gegründet, einige Absätze weiter folgt die Information, dass der Name erstmals 1418 erwähnt wird. Nach der Stadtgründung reitet man im Schweinsgalopp durch 600 Jahre Geschichte, in der die Stadt in scheinbar schneller Abfolge von Szemaiten besetzt und dann ein Teil Preußens wird, dann einer Schwedens, dann wieder Preußens, dann Russlands. Es entsteht der Eindruck, die deutschen Epochen seien nur kurze Episoden gewesen, bis die Stadt im 18. Jh. nur noch aus Forts und Kasernen bestand. Doch unvermittelt wird man konkret: „1871 bis 1919 gehörte die Stadt Kaiserdeutschland an. Zu der Zeit hat man sich bemüht, Klaipeda zu verdeutschen, man stoß aber auf ein Widerstand der Litauer.“ Dieses Zitat ist ein Beispiel für eine noch relativ gute deutsche Übersetzung. Auffällig ist, dass in allen erhältlichen Prospekten die Absätze in Deutsch miserabel und teilweise sinnentstellend übersetzt sind, obwohl in der Region viele Menschen leben, die hervorragend deutsch sprechen. Trotz der Tatsache, dass der überwiegende Teil der Besucher aus Deutschland kommt, drängt sich die Frage auf, ob das absichtlich geschieht und ob darin Geringschätzung ihren Ausdruck findet, was um so verwunderlicher wäre, als Litauen erkannt hat, dass es im Gegensatz zu seinen baltischen Nachbarländern den Tourismus als Einnahmequelle bisher stark vernachlässigt hat.
Ein markantes Beispiel für Geschichtsfälschung bietet der Abschnitt „Klaipeda und das Bier“: „In Klaipeda wurde die erste Brauerei in Litauen gegründet. 1784 hatten die Litauer auf einmal keine Lust mehr, deutsches Bier aus Tilze (Tilsit) zu transportieren und beschlossen, eine eigene Brauerei zu bauen. Das Geschäft gründete ein echter Patriot des Küstenlandes, Reineke.“ Nur dem völlig Unkundigen wird nicht auffallen, dass es zu Ende des 18. Jh. keinen Staat Litauen gab und eine Stadt Klaipeda noch weniger. Nicht die Litauer hatten keine Lust mehr, sondern die deutschen Memeler, weshalb auch der echte Patriot einen zweifelsfrei deutschen Namen führte.
Es bleibt die Frage, warum das heutige Litauen, das inzwischen NATO-Mitglied ist und sich für die EU entschieden hat, es für nötig hält, so schludrig mit der Geschichte umzugehen. Auch wenn noch Reminiszenzen der deutschen Vergangenheit zu besichtigen sind, wird Memel systematisch in ein „kleinlitauisches Klaipeda“ verändert, was nicht nötig wäre, wenn Litauen sich ernsthaft und ehrlich mit seinem Geburtsfehler auseinandersetzte. Die Memelländer selbst haben sich im Westen etabliert und unterstützen das heute litauische Memelland nach Kräften. Von ihnen droht Litauen keine Gefahr. Im Gegenteil sehen sie die Notwendigkeit Litauens, das nach seiner Entlassung aus der Sowjetunion ein souveräner Staat geworden ist, dass es Memel-Klaipeda als Hafen braucht, um überleben zu können.
Wir freuen uns auf ein Litauen, das Mitglied der EU sein wird, aber wir erwarten Gerechtigkeit, die in Ehrlichkeit besteht: Jetzt erst treten die Umstände von Flucht, Vertreibung, Entrechtung und Benachteiligung ins allgemeine Bewusstsein, und sie werden Wunden zeigen, die sich weder durch Schweigen noch durch Geschichtsklitterungen des „Kleinlitauischen Rates“ schließen lassen. Nur eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann Entlastung bewirken. Da niemand die Ausdehnung Litauens ernsthaft in Frage stellt, müßte Litauen eine Selbstsicherheit entwickeln können, die eine offene Auseinandersetzung ermöglicht.
Auch wenn Litauen auf eine biologische Lösung des Vertriebenenproblems gehofft haben mag:
Die nachwachsenden Generationen der Memelländer in Deutschland und in Litauen werden sich ihre Geschichte nicht stehlen lassen.
In diesem Sinne ist der Ausspruch
auch zukünftig zu verstehen, denn die Lebenslüge, dass das Memelland urlitauisches Gebiet sei, wird nicht Bestand haben können!
Weiterführende Seiten von u.A. Beate Szillis-Kappelhoff über das Memelland sind:
http://wiki-de.genealogy.net/Portal:Memelland
http://wiki-de.genealogy.net/Memel
http://wiki-de.genealogy.net/Geschichte_des_Memellandes
Kretinga
Wintergarten Kretinga
Kretinga ist ein kleiner Ort, etwa 12 Kilometer östlich vom litauischen Ostseebad Palanga gelegen. Die Stadt hat ca. 18.000 Einwohner und gilt als eine der ältesten litauischen Städte. Bereits 1253 wurde dort eine Burg Cretyn erwähnt (Urkunden des Heinrich von Kurland).
Kretinga gehört zu den von uns empfohlenen Ausflugszielen in Litauen!
Der Gutshof und Park der litauisch-polnischen Grafenfamilie Tyszkiewicz in Kretinga wurden 1875 von Józef Tyszkiewicz (Litauisch: Juozapas Tiškevičius) gebaut. Das imposante Palmenhaus des Wintergartens beherbergt ein Restaurant, in dem landestypische Speisen serviert werden.
Das in Sowjetzeiten angebaute Gebäude der landwirtschaftlichen Fachhochschule wurde 2015 sehr zum Vorteil des schönen Landschaftsparks abgerissen, so dass die Bezugspunkte des Parks zum Schloss wieder zur Geltung kommen. Weitere von Józef Tyszkiewicz in Litauen erbaute Schlösser befinden sich im Ostseebad Palanga sowie in Lentvaris, Užutrakis und Trakų Vokė, alle drei in der Nähe von Vilnius gelegen. Die Parkanlagen gestaltete der renommierte Landschaftsarchitekt Edouard André aus Paris.
Seit 1992 ist hier das Heimatmuseum untergebracht. Seit meinem ersten Besuch im Wintergarten bin ich immer wieder begeistert von dem ganzen Ensemble. Heute muss man vor dem Besuch des Wintergartens an der Museumskasse den Eintritt bezahlen.
Im Wintergarten gibt es ein Restaurant. Vielleicht gefallen Ihnen die Bilder von unserem letzten Besuch!
Museumskasse am Parkplatz ausserhalb des Anwesens
Der Wintergarten beherbergt ein Restaurant sowie über 150 verschiedene exotische Pflanzen sowie einen Teich mit Schildkröten
Die Kretinger Orangerie (Wintergarten) verführt mit seinem Charme und so manch einer fühlt sich in eine andere Zeit zurück versetzt. Bei unserem Besuch hat sich eine litauische Dame ihren Geburtstagswunsch nach einer "standesgemäßen" Feier erfüllt. Gefeiert wurde in Kostümen der Tyszkiewicz Zeit.
Wer Litauen mit offenen Augen sieht, entdeckt immer wieder liebenswerte Züge!
Teich mit Karpfen und Schildkröten
Tropische Wildnis
Restaurant und Cafe
Der Wintergarten
Während Kretinga, deutsch Crottingen (oder Krottingen), immer litauisch (bzw. russisch besetzt) war, gehörte der Nachbarort Kretingale zum deutschen Memelgebiet. (Zum Thema Memelgebiet siehe auch den Artikel "Klaipeda" von Giedrius Smaizys).
Hier (zwischen Kretingale und Kretinga) verlief bis zum I. Weltkrieg die Grenze zwischen dem Deutschen und dem Russischen Reich.
Litauens erste Telefonleitung verband 1882 Kretinga mit Plunge und Rietava.
1941 marschierte die Wehrmacht unter Generalmajor Robert Sattler ein und bis zum Herbst 1941 waren alle Kretingaer Juden tot (Einsatztruppen in Litauen). Neben Gargzdai und Palanga war Kretinga der erste Einsatz für die Einsatztruppen.
Zwischen Kretingale und Klaipeda gibt es den angeblich feinsten Golfplatz (18 Loch) in Litauen mit Hotel und Restaurant (National Golf Ressort, Preise sieht man auf der litauischen Seite unter Golf). Bekannte von mir aus Rees sind von diesem Golfplatz sehr angetan und spielen dort immer, wenn sie in Litauen sind.
Golf Ressort Kretinga
Clubhaus und Restaurant Quelle: National Golf Resort Litauen
Sehenswert ist der Rathausplatz mit dem Unabhängigkeitsdenkmal und Kirche und Kloster der Maria Verkündigung aus dem Jahre 1617.
Für mich war immer der wichtigste Grund Kretinga zu besuchen der wunderschöne Wintergarten im Schloss des Grafen Tyszkiewicz.
Im Schloss sind heute das Heimatmuseum von Kretinga und eine Gemäldegalerie untergebracht. In das Schloss ließ Graf Tyszkiewicz eine Orangerie, also einen Wintergarten, integrieren. 1935 wurde das Tyszkiewicz Herrenhaus in das Museum Kretinga integriert.
Schon bei meinem ersten Besuch 1993 war ich begeistert von diesem Wintergarten mit rund 150 exotischen Pflanzen und bewunderte die Litauer, wie sie die Pflanzen durch die Krise der Unabhängigkeit und die östliche Winterkälte retteten.
Schon damals konnte man sich in der Orangerie in einem Cafe stärken. Heute ist das Cafe Restaurant "Pas Grafa", also "Beim Grafen" dem Museum angegliedert und das einzige Restaurant Litauens in einem Wintergarten. Das Ambiente und die dezente klassische Musik laden zum Besuch ein.
Kaffeehaus PAS GRAFA
Vilniaus Straße 20
LT 97104 Kretinga
Telefon und Fax: +370 44 55 13 66 Website des Restaurants "Pas Grafa" leider nur auf litauisch: http://www.pasgrafa.lt/
Regelmäßig finden klassische Konzerte statt.
In Vydmantai, einem Vorort von Kretinga, wurde 1989 eine geothermische Bohrung durchgeführt. Die vorgefundenen heißen Quellen hatten Temperaturen von 74°C und wurden einige Jahre getestet. Leider wurde die Anlage wegen mangelnder Abnehmer eingestellt (eine Gewächshausfirma war pleite). Seit 2004 gibt es in Vydmantai einige Windräder.
Wohl berühmtester Bürger der Stadt war Berek Joselewicz (1764-1809) der als Finanzmanager für die Kretingaer Magnatengfamilie Massalski tätig war. Durch Besuche in Paris mit Ideen der französischen Revolution infiziert, schloss er sich dem polnischen Freiheitskämpfer Tadeusz Kosciuzko (der ein sehr interessantes Leben hatte) an, (wohl auch in der Hoffnung auf eine Gleichstellung der Juden in Polen mit der katholischen Mehrheit). Er regte Kosciuzko an, eine rein jüdische Einheit aufzustellen, was 1794 auch geschah. Joselewicz wird von Juden und Polen gleichermaßen geehrt. (Hinweis: die Unterteilung Juden und Polen kommt nicht von Birzai.de).
Adressen:
TIC Kretinga im Herrenhaus
Vilniaus g. 18, Kretinga
Tel. 8 445 77612
Website: www.kretingosmuziejus.lt
Wer sich für Geschichte interessiert wird hier fündig:
http://www.seligman.org.il/kretinga_history.html
Mitarbeit am Text: Vilija Handschin Zürich/Vilnius/Labanoras
Panevezys
Panevezys ist eine Industriestadt mit 112.000 Einwohnern im Norden von Litauen an der Via Baltica, also dem Verbindungsweg Kaunas-Riga (oder besser Warschau-Tallinn). Die Via Baltica umfährt auf einer Umgebungsstrasse die Stadt. Wählt man die Route durch das Zentrum, kommt man an zwei sehenswerten Mühlen und dem Stadtzentrum vorbei.
Da im ersten Weltkrieg alle (Holz)- Häuser der Stadt abbrannten, überwiegt heute die Architektur der Nachkriegsjahre, also der Sowjetzeit. Panevezys hat deshalb keine richtige Altstadt (mehr). Trotzdem sind überall im Zentrum interessante alte Häuser verstreut. Wenn man die Stadt kennen lernen möchte, muss man etwas Zeit investieren. Man wird mit interessanter Architektur (Geschichte) und viel Kunst belohnt.
Wisente Herrenhaus Bistrampolis Russische Kampfjets
Bison Ranch Stasys Kunstmuseum Heimatmuseum
Das Zentrum von Panevezys der Freiheitsplatz - Laisves Aikšte

Stasys Museum

Blick auf Panevezys (vom Stasys Museum)
Heimatmuseum
Unsere Restaurantempfehlung Galerija XX im Zentrum

Denkmal für den Linguisten und Pädagogen Juozas Balcikonis
Eigentlich ist Panevezys (die fünftgrößte litauische Stadt) touristisch vernachlässigbar, wenn da nicht einige Highlights wären. Von Panevezys aus geht die litauische Schmalspurbahn (Narrow Gauge Railway 750mm) nach Anyksciai. Leider wurden die Fahrten eingestellt. Die Schmalspurbahn fährt nur noch von Anyksciai nach Rubikiai (bitte vorher reservieren).

Dreieinigkeitskirche

Christ König Kathedrale

Christ König Kathedrale Innenraum

Orthodoxe Auferstehungskirche
Hier gibt es Gräber von sowjetischen Bewohnern (auch Soldaten aus der Nachkrigeszeit) sowie einen sowjetischen Soldatenfriedhof.

Kunst am Panevezys'er Ausbildungszentrum
Etwas 6 km von Panevezys Richtung Riga (und Birzai) kommt man am Flugplatz Aviapark vorbei. Dort ist auch ein Hotel und eine schöne Freilichtausstellung von russischen Militärflugzeugen und Hubschrauber. Leider alle ohne Motor.
Ein kurzer Stopp lohnt sich.
Kampfjet MIG 21 Staurohr Seitenansicht
Leider sind alle Kampfjets ausgweidet - die Motoren fehlen
Bilder des kalten Krieges MIG-23 SU 15
Hubschrauber MI 8
Auch interessant an Panevezys ist seine Wisent Zuchtstation.
Zwischen den Orten Krekenava und Ramygala mitten im Wald gelegen, kann man hier die Bisons in mehreren Gehegen beobachten. Eine ähnliche Station gibt es in Bialystok in Polen an der Weißrussischen Grenze. Dort laufen die Tiere allerdings völlig frei im Grenzgebiet herum. Und weil sie frei rumlaufen dürfen, haben wir bei unserem Besuch auch nur ihre Hinterlassenschaften gesehen.
Wir empfehlen folgende Route:
Von Panevezys nimmt man die Straße 195 nach Krekenava. Dort biegt man rechts von der 195 in die Stadt ab.
Katholische Kirche Krekenava
Die katholische Kirche in Krekenava ist recht sehenswert. Fährt man an der Kirche vorbei (ein gutes Stück parallel zur Landstrasse 195 ins Niemandsland) kommt man zum Informationszentrum des Regionalparks Krekenava.
Informationszentrum Krekenava, Dobrovolės k., Krekenavos sen., LT-38301 Panevėžio r., tel. (00370-45) 59 3648
Eine tolle, sehr moderne Ausstellung über die Tiere des Regionalparks und der Wisente (Bison bonasus) in der benachbarten Wisent Zuchtstation. Das TIC (Tourist Information Center) in Panevezys hatte uns auf dieses Informationszentrum hingewiesen. Sonst hätten wir es nie gefunden (keinerlei Beschilderung).
Besonders für Kinder sehr geeignet!
Modern und bestimmt nicht billig

Mittlerweile gibt es sie überall: die Aussichtstürme
In Krekenava kreuzen wir dann die Landstrasse 195 und fahren Richtung Ramygala. Nach einiger Fahrt durch den Wald, führt uns ein Schild nach links in den Wald zum Wisentpark.
Eingang der Wisent Zuchtstation
Petriškių k., Krekenavos pšt., 38305 Panevėžio r.
Tel. +37045593339
Die Herde lebt in umzäunten Arealen
Geöffnet von 09:00 bis 16:00, am Wochenende von 10:00 bis 18:00 Uhr. Eintritt 4 Litas. (Mittagspause 13:00 bis 14:00 Uhr).
Hier ist die litauische Wisent Zuchtstation untergebracht, die sich zum Ziel gesetzt hat, die riesigen Tiere in Litauen wieder heimisch werden zu lassen.
Einige Hundert Wisente laufen auch in freier Wildbahn herum.
Übrigens gab es auch bei uns in Sachsen und Ostpreußen Wisente bis ins 18. Jahrhundert. Vor einigen Jahren wurden 4 Wisente im umzäunten Eleonorenwald ausgesetzt.
Zum Ende des I. Weltkriegs erschossen die sich zurückziehenden deutschen Truppen über 600 Wisente, obwohl die Armee von Wissenschaftlern auf die Gefahr des Aussterbens der europäischen Bisons hingewiesen wurde.
In Bialystok hat sich die Population so weit erholt, dass etwa 30-40 Tiere pro Jahr zur Jagd freigegeben werden müssen, um den Wald nicht zu stark zu schädigen. Leider können die Tiere wegen der weißrussischen Gernzbefestigungen nicht nach Osten wandern und so den Genpool auffrischen.
Von den heute etwa 4200 Wisenten leben ungefähr 2700 auf freier Wildbahn.
Etwa 50 Wisente sollen in der Umgebung von der Pasiliai Wisentstation auf freier Wildbahn unterwegs sein. Die Tiere sind sehr scheu, deshalb gibt es keine genauen Zahlen.
Kuh
Männliche Wisente können bis zu 1,88 m hoch werden
Die Schutzzentren sind die eisernen Reserven für die Wisentzucht, da die freie Population nicht gesichert ist
Auch in Deutschland werden Wisente wieder ausgewildert.
Eine Herde von acht Tieren wird im April 2013 in die Freiheit entlassen. Es wird damit gerechnet, dass die Wisente ein Gebiet von 2 bis 3.000 Hektar durchstreifen.
Wie üblich, gab es eine breite Diskussion und viele Proteste gegen die Auswilderung.
Vom Bisonzentrum geht die Fahrt dann weiter nach Ramygala, wo wir auf die A8 (Autostrasse, keine Autobahn) Richtung Panevezys abbiegen. Nach ca. 9 km kommen wir am sehr schönen Herrenhaus Bistrampolis vorbei, dessen Besuch sich lohnt.
Bistrampolis
Tel. + 370 699 99085
1940 wurde es dann "Nationalisiert". Nach mehreren Besitzerwechseln wurde es seit 2007 mit Hilfe von EU Geldern restauriert und erstrahlt in altem Glanz.
Heute beherbergt es ein Hotel mit Restaurant und Konzertsaal.
Wirtschaftsgebäude Bistrampolis
Panevezys hat auch einen Anschluss an das Schmalspureisenbahn (siehe dazu Schmalspurbahn in Anyksciai)

Am Bahnhof ist leider (im Gegensatz zu Anysksciai) nichts besonderes zu sehen.

Güterwagen

Die obligatorische Mahntafel an die Deportierten der ersten und zweiten sowjetischen Besatzung
"Lass die Verbannten wieder in
das Heimatland zurückkehren,
da, wo das Blut der Ahnen fließt,
wo das Baltische Meer ruft"
Der Dichter Bernardas Bradzionis kam aus Pasvalys und hat das Gymnasium in Birzai besucht.
(Fotos vom Bahnhof Vaida Mekaite, frei übersetzt von J. Kuck und A. Bosmann)
Die Abfahrtpläne der Schmalspurbahn finden Sie unter Anyksciai!
Panevezys Tourist Information Center
Laisvės a. 11, LT-35200 Panevėžys
Tel.: + 370 45 508080, +370 45 508081
E-mail:
St.Anna Kirche Vilnius
Die St. Anna Kirche liegt an der Maironio Strasse zwischen Uzupis und der Vilniuser Kathedrale
Zusammen mit der Bernhardiner (Bernhardinu) Kirche bildet sie ein Ensemble.
Gebaut wurde die St. Anna Kirche auf Anregung des litauischen Großfürsten und späteren König von Polen Alexander von 1495 bis 1500.
Die ursprünglich hier stehende Holzkirche (1419 durch ein Feuer zerstört) war der Großfürstin Anna, der Frau von Vytautas dem Großen gewidmet.
Das Äußere der Kirche ist seit ihrer Erbauung fast unverändert.
Oft wird die Geschichte von Napoleon erzählt, der die St. Anna Kirche auf seinen Handflächen 1812 bei seinem Ausflug nach Moskau mit nach Paris nehmen wollte. Die Realität war etwas anders: er überließ die Kirche der französischen Kavallerie.
Neben der Kirche steht ein Denkmal des polnischen-litauischen Dichters Adam Mickiewicz (gilt als Nationaldichter Polens, bezeichnete Litauen aber als sein Heimatland).
In der im Stil der Spätgotik gebauten Backsteinkirche wurden 33 verschiedene Backsteine verbaut. Der leichte, harmonische und verspielte Bau besteht aus einer Komposition von horizontalen und vertikalen Linien. Kunsthistoriker sprechen auch von "flammender Gotik".
Außer um den Eingangsbereich gibt an der Fassade kein glattes Stück Mauer, nur Pilaster, Bögen, ziselierte Streben und durchbrochene Türme bestimmen das Bild.
Innen wurde die Kirche mehrfach verwüstet, 1812 durch Feuer zerstört und der Altar stammt aus dem Barock.
Mancher litauische Wissenschaftler glaubt im Aufbau der Fassade das alte Wappen Litauens, die sogenannten Gediminasäulen zu erkennen (eine stilisierte Burg) zu sehen.
Direkt neben der St. Anna Kirche steht die wesentlich größere Bernhardinu (St. Franziskus und Bernhard) Kirche aus dem Jahre 1795.
Sie ist eines der größten gotischen Sakralbauten in Vilnius und überragt die St. Anna Kirche dermaßen, dass diese beim Blick von der Boksto Straße völlig hinter den Bäumen verschwindet.
Daß sie nicht nur als Gotteshaus gedacht war, beweisen die 19 Schießscharten in der nördlichen Wand (direkt unter dem Dach), sowie die dicken Mauern und die Wehrtürme. Die Kirche wurde deshalb auch in die Verteidigungsanlage von Vilnius einbezogen.
Bernhardinenkirche innen
Bernhardinu Kirche mit dem Denkmal an Adam Mickiewicz
In der Zeit der sowjetischen Besatzung wurde sie als Lagerhaus für die Kunsthochschule genutzt. Heute zeigt sie sich wieder schön renoviert dem Besucher.
Aušros Vartai - Die Schwarze Madonna von Vilnius
Das Tor der Morgenröte, auf litauisch Aušros Vartai, ist das letzte noch erhaltene Stadttor von Vilnius.
Ausros Vartai, Tor der Morgenröte oder auch Medininkai Tor
Es wird auch Medininku Tor genannt, weil alle Leute, die in die Richtung Medininkai (an der weißrussischen Grenze, dort gibt es eine Burgruine) oder Minsk wollten, die Stadt über dieses Tor verlassen mussten. Oben im Tor befindet sich die Schwarze Madonna, eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Vilnius.
Eingang zur Kapelle (rechts gehen die Stufen hoch) und in die schöne Theresienkirche (nach links)
Links durch die Tür kann man über 40 Stufen die Kapelle erreichen (dort befindet sich die Madonna), oder man geht unten links den Gang entlang zur St.Theresienkirche.
Von Polen, Litauern und Russen gleichermaßen verehrt.
Oben im Tor kann man durch das Fenster die "Schwarze Madonna" sehen, ein Bild aus dem 17. Jahrhundert. Weil ihr Wundertaten nachgesagt wurden, blieb die Kapelle mit der Ikone von den Zerstörungen der russischen Besatzer (im Gegensatz zu manch anderem Gebäude) verschont.
Eigentlich heißt das im 17. Jahrhundert gemalte Bild "Heilige Jungfrau Maria Mutter der Barmherzigkeit", wird aber wegen ihrer Hautfarbe "Schwarze Madonna" genannt.
Auf acht Eichenbretter gemalt und mit Silber überzogen
Die Madonna wird von Katholiken, wie auch von Russisch-Orthodoxen und Unierten verehrt und zählt in Litauen und Weißrussland zu den bedeutendsten Heiligtümern. Sie ist eine der wenigen Madonnenbilder ohne Kind.
Ihr Haupt schmücken zwei Kronen: Die eine verkörpert ihre Stellung als "Himmelskönigin", die andere ihre Funktion als Königin von Polen. (Siehe auch "Polnisches Problem Vilnius )
Bei Renovierungen wurden 2687 Nagellöcher gezählt
Der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin hat die Madonna 1924 besucht. Er beschreibt sie in seinem Reisebericht "Reise durch Polen" so:
"Da steigt ein hoher ansehnlicher Torbogen über die Straße; ich höre singen, gehe suchend unter dem alten Bauwerk durch. Liegen da rechts eine Masse Menschen: Bauern, Städter, Männer und Frauen, an der Erde, auf den Knien, die Köpfe bis auf die Erde gebückt.
Aber nicht sie singen, sondern das Singen kommt wo anders her, von oben. Und wie ich mich umdrehe, ist oben auf dem Torbogen eine Kapelle. Und offen nach der Straße steht da ein Altar, viele brennende Kerzen daran und Buntes, das ich nicht unterscheiden kann. Die Menschen, die die Straße hinaufkommen, haben die Hüte und Mützen in der Hand. Auch ich habe den Hut schon unter dem Torbogen abgenommen. Ist ein wundertätiges Muttergottesbild, das oben steht.
Sehr lieblich sieht die Madonna aus.
Über einem großen Halbmond, der wie ein gebogenes mächtiges Tierhorn ist, erscheint sie. Von der Brust an ist sie sichtbar. Sie hat weite reich ornamentale priesterliche Kleider an. Den gekrönten Kopf hält sie rechts geneigt. Die beiden Hände liegen gekreuzt über der Brust. Der schmale Hals taucht aus herrlichen sehr farbigen Gewändern und Überwürfen auf. Dann kommt ein schmales hohes Gesicht, die Augen nur mit einem Spalt offen, die Lippen geschlossen. Spitze goldene Strahlen umgeben den ganzen Kopf. Sie betet, oder ist entrückt, oder hört wehmütig-milde, oder ist in ihr Leid versunken, sucht sich daraus zu erheben: ich kann schwer den Ausdruck fassen.
Das Bild wirkt suggestiv, berührt. Die suchenden Menschen da sind geneigt, ihren Schmerz mit dem des himmlischen Wesens zu vermischen und sich ruhiger herauszuziehen. Ist eine große Leistung der Kunst, daß sie solch Bild machen kann und daß ein gemaltes Bild Vorbild sein kann. Ostra-brama heißt die Straße." ["Ostra-Brama" auf Polnisch, auf Litauisch "Tor der Morgenröte"].
Der frühere polnische Präsident (und in Vilnius geborene) Jozef Pilsudski und Papst Johannes Paul II. waren schon hier.
Ein schöner Ort in sich zu kehren oder die Aussicht auf die Altstadt zu genießen
Die Wände sind mit Votivgaben aus Silber bedeckt
Die ziemlich kleine Kapelle
Dankesgaben von rund 8000 Gläubigen
Blick von der Kapelle auf die Altstadt
In dieser Straße gibt es einige Bernsteinschmuckgeschäfte.
Das Medininkai Tor (oder Ausros Vartai) von außerhalb der Innenstadt gesehen
Von hier aus geht es zum Hauptbahnhof von Vilnius.
Restaurant Wassermühle Belmontas Vilnius
Die Belmontas Wassermühle ist einer der schönsten Orte in Vilnius. Etwa 5 km von der Vilniuser Altstadt entfernt, liegt die ehemalige französische Wassermühle am Flüsschen Vilnele und bietet mit seinem Außencafe / Restaurant eine ideale Entspannung nach einer Besichtigung in Vilnius.
Auch Kinder kommen wegen den Fontäne und dem Spielplatz nicht zu kurz.
Belmonto Gatve. Hier ist die Zufahrt zur Wassermühle.
Bei jedem Besuch in dieser schön renovierten französischen Wassermühle freue ich mich. Nicht "nur" wegen der wunderschönen Lage, sondern auch über das leckere Essen und das Ambiente direkt am Flüsschen Vilnele.
Parkplatz, Eingangsbereich. Rechts befindet sich auch ein Kletterpark.
Wie so oft in Litauen: eine Ansammlung von Antiquitäten.
Links sieht man das Joana Carinova's Gasthaus.
Belmonto Vilnius
Belmonto Mühle und die Fontänen
Fontänen und Ablauf in die Vilnele
Ehemalige Staustufe Bekmontas Vilnius
Die Vilnele (auch Vilnia) fließt auf ihrem Weg in die Neris auch am Vilniuser Stadtteil Uzupis vorbei
Ein Spaß für Kinder
Blick auf die Mühle
Ablauf
Das Belmontas hat eines der größten Mühlräder Litauens
Mühle
Außenbereich Cafe und Restaurant mit sehr guter Küche. Über einem großen Grill werden die Speisen frisch zubereitet.
Litauische Küche mit internationalen Anleihen. Wir waren alle begeistert.
Achtung: keine Kartenzahlung!
Die Vilnele
Es ist schön hier und immer viel los.
Die Details stimmen
Zugegeben sehr viele Fotos. Aber die beste Art sich ein "Bild" zu machen.
Hier ein kleines Video
Hier finden Sie die Webpräsenz von Belmontas.
Festung Dünaburg Lettland
Auf dem Satellitenbild von Google kann man sehr gut die Umrisse der Zitadelle von Daugavpils erkennen. Die Auflösung (man kann noch näher zoomen) ist wirklich prima.
Sehr gut sieht man die verwinkelten Mauern in denen sich Schiessscharten befinden, die sich mit ihrem Schussfeld gegenseitig abdecken.
Gegenseitige Verteidigung der Außenmauern- Schießscharten Anklicken zum Zoomen
Auf der linken Daugava Seite ist ebenfalls eine Befestigung, um den Fluss von beiden Seiten zu kontrollieren.
Ivars Magazeinis, Chef des Info Centers in der Festung
Blick in das Wasserreservoir
Bisher fertig ist der mit EU Geldern renovierte ehemalige Wasserspeicher der Garnison, der heute als Informationszentrum dient.
Dieser Tank auf dem Dach des Infocenters diente unter anderem der Wasserspeisung von den Springbrunnen in der Festung, bevor es dampfgetriebene Pumpen gab.
Die Zitadelle ist als einzige ihrer Art in Osteuropa erhalten geblieben und sie ist wegen ihrer gigantischen Ausmaße ein eindrucksvolles Zeugnis der Militärgeschichte des zaristischen Russlands.
Bauarbeiten an den Prachtbauten
Der Plan für ihren Bau stammt von Georg Heinrich Hekel. Angefangen wurde 1810, wirklich vollendet wurde die Festung erst 1833. Durch die Zitadelle wurde Dünaburg zu einer bedeutenden Garnisonsstadt.
Momentan wird die Festung renoviert. Nach dem Krieg war hier die technische Abteilung der Roten Armee untergebracht. Die Soldaten mit ihren Familien lebten auch auf dem riesigen Areal. Es gibt neben Kasernen und Repräsentationsgebäuden auch viele Wohnblocks.
Durch den Niedergang der russischen Armee, des Abzugs und finanziellen Nöten hat sich der Zustand der Festung und ihrer Gebäude über die Jahre nicht gebessert.
Es ist beabsichtigt in einem Repräsentationsbau eine Kunstausstellung über den lettisch- amerikanischen Künstler Mark Rothko (Mark Rothkowitz) zu eröffnen. Leider zeigen unsere Bilder diese Umbauphase.
Der ehemalige Deutschlehrer Ivars Magazeinis informiert die Touristen in 4 Sprachen über die Vergangenheit und Zukunft der Festung.
Die Idee zur Erbauung der Dünaburg Festung hatte der Militärberater des Zaren, Michael Barclay de Tolly (damals war Russland wirklich international!). Vorausgegangen war die Erkenntnis einer geplanten Invasion Napoleons nach Osten. 1810 wurde dann mit Hochdruck mit dem Bau begonnen. Projektiert war die Festung für 4500 Soldaten und 595 Kanonen.
Das Jahr 1812 (wer mag kann in die Ouvertüre 1812 von Tschaikowski reinhören, in der die Niederlage Napoleons vor Moskau musikalisch dargestellt wird) machte den Baumeistern einen Strich durch die Erbauung. Napoleon nahm Daugavpils ein und die Bauarbeiten wurden erst 1833 fertig gestellt.
Die Festung diente nicht nur der Verteidigung und Unterbringung von zaristischen Soldaten. Während er Zarenzeit saßen hier die Staatsverbrecher ein (u.a. die Dekabristen). Dann die Armee des jungen lettischen Staates und dann wieder ab 1940 die Russen. 1941 richteten die deutschen Besatzer ein Kriegsgefangenlager ein. Über dem Eingangstor hing ein Bild von einem Prügel mit dem Text: "Das ist dein Herr"!
124.000 russische Kriegsgefangene starben hier einen qualvollen Tod. Um ihre Verbrechen zu vertuschen, sperrte man die übrig gebliebenen Gefangenen in die Kirche der Festung ein und jagte sie mit Sprengstoff in die Luft.
Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager Stalag 340
Ebenso war ein Ghetto für die Dünaburger Juden eingerichtet.
Auf Motivsuche
Das ehemalige Haupteingangstor
Es ist noch viel zu tun
Die Dimensionen sind riesig. Soweit man schauen kann Kaserne!
Und mittendrin Wohnblocks der ehemaligen Soldatenunterkünfte aus sowjetischen Zeiten
Hier spielen Kinder (rechts steht die Kanone)
Russisches Geschütz
Durchgang zu den Außenwällen (in sowjetischen Zeiten ein Basketballplatz)
Eingangstor im Sommer 2012
Vielleicht bekommen Sie durch die Bilder eine Anregung, was einmal auf dem Festungsgelände entstehen kann.
Ivars Magazeinis wird Sie willkommen heißen.
Weiter russische Festungen finden sie in Kaunas, Litauen!
Daugavpils Lettland
Zugegeben, Daugavpils- oder Dünaburg- wie die zweitgrößte lettische Stadt auf deutsch heißt, liegt nur nahe an der Grenze zu Litauen, nicht weit von anderen bisher besprochenen litauischen Städten Rokiskis und Anyksciai entfernt. Da ich noch keine eigene Spalte für Lettland habe, bitte ich die Zuordnung Daugavpils zu Litauen zu entschuldigen. Ist nicht politisch zu verstehen.
Daugavpils liegt am Fluss Düna (lettisch Daugava) der in Russland nahe den Wolgaquellen entspringt, dann durch Weißrussland nach Lettland fließt und nahe Riga im Rigaischen Meerbusen in die Ostsee mündet.
Von Daugavpils aus Richtung Weißrussische Grenze nach Kraslava, schlängelt sich der Fluss in seinem Bett und soll laut Reiseführer wunderschön sein. Wir sind die Strecke nach Kraslava gefahren und konnten den Fluss nicht ein einziges mal bis Kraslava sehen. Pijedruja an der Weißrussischen Grenze soll auch sehr schön sein. Zu dieser Fahrt konnte ich meine Allerliebste aber nicht mehr bewegen.
Die Düna ist im Bereich Kraslava aber schon schmaler als bei Daugavpils und Kanufahrten machen hier sicher viel Spaß. (Von Birzai aus kann man über kleinere Flüße über die Lielupe bis nach Riga paddeln.)
Daugavpils hat etwa 100.000 Einwohner, davon sind etwa 55% Russen (oder, wenn es sich besser anhört, russisch sprechende Letten), 16% Letten, 9% Weißrussen und 2 % Ukrainer.
Das besondere an Daugavpils ist sicher die 1810 begonnene Zitadelle von Dünaburg, die sich westlich der Stadt (hauptsächlich am östlichen Ufer) an die Daugava schmiegt und das Zarenreich vor der Napoleonischen Gefahr schützen sollte. Hier geht es zum Bericht über die Zitadelle.
Daugavpils hat genau wie Lettland eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1224 geriet das Gebiet unter Kontrolle des Deutschen Ordens. Eine Burg wurde gebaut um die sich dann die Stadt entwickelte. Belagert wurde Dünaburg dann abwechselnd von Litauern und Russen.
1588 wurde Daugavpils dann vom Deutschen Ritterorden an die Polen/Litauer (die ja damals noch EIN Staat waren) verkauft. 1577 wütete hier noch Zar Ivan der Schreckliche und 1710 die Pest. Glück hatte Daugavpils nur bei den Schweden im Nordischen Krieg, die wollten nicht bis hierhin laufen.
Bei der ersten polnischen Teilung kam Daugavpils zu Russland und blieb es (bis auf drei Jahre deutsche Besetzung) bis 1991. Durch neue Düna Brücken und einer Eisenbahnlinie kam es zu einem Aufschwung. Als die Leibeigenschaft in Russland 1861 abgeschafft wurde, kam es zu einem starken Bevölkerungszuwachs.
1893 wurde die Stadt wegen der Russifizierungsbemühungen in Dwinsk umbenannt. Damals lebten ca. 72.000 Menschen in der Stadt, davon 46 % Juden, 27,5% Russen und 16% Polen.
1920 eroberten lettisch/polnische Truppen die Stadt und Daugavpils kam wieder zu Lettland.
1940 marschierten wieder die Russen ein, 1941 dann die Deutschen. Nachdem fast alle Juden umgebracht worden sind, befand sich die Wehrmacht auch schon wieder im Rückwärtsgang und hat dann noch nahezu die ganze Innenstadt abgebrannt.
1945 bis 1991 war Daugavpils russisch besetzt.
Sehenswert sind die evangelische, russisch orthodoxe (die größte orthodoxe Kirche in Lettland) und katholische Kirche in der Innenstadt. Auch ein Gefängnis sieht interessant aus.
Der Hauptgrund einer Reise nach Daugavpils wird aber sicherlich die riesige Zitadelle aus der Zeit der napoleonischen Kriege sein.
Die Adresse vom TIC (Tourist Information Center) in Daugavpils:
Daugavpils, 22a Rigas Street
Phone: +371 65422818
E-mail: info(ata)visitdaugavpils.lv
WEB: www.visitdaugavpils.lv
Öffnungszeiten:
Monday: 10:00-14:00
Tuesday-Friday: 10:00 – 18:00
Saturday: 10:00 – 14:00
Sunday: 10:00 - 14:00
Rokiškis
Rokiškis ist eine Stadt mit ca. 15.000 Einwohnern im nordöstlichen Litauen, nördlich des Aukstaitija Nationalparks und nicht weit von der lettischen Stadt Dünaburg (Daugavpils).
Das Tiesenhausen Palais ist das Aushängeschild Rokiskis und heute Heimatmuseum
Von Birzai ist Rokiškis etwa 63 km, von Vilnius 160 km entfernt. Bis zur lettischen Grenze sind es 27 km.
Der Name Rokiškis soll auf den Jäger Rokas zurückzuführen sein, der hier Hasen jagte (litauisch kiskis). Der Landsitz wurde 1499 erstmalig erwähnt. 1523 wurde er an die Fürstenfamilie Kroszinski verschenkt, die hier 200 Jahre waltete. Durch Heirat kam das Gut zur baltendeutschen Grafenfamilie Tyzenhaus (Tiesenhausen, aus Hannover stammend).
In der Zeit der Familie Tiesenhausen entstanden Bauwerke, die Rokiškis auch heute noch prägen. Besonders die von Gustav von Schacht geplante Mathäus Kirche (1868-1883 gebaut) und das Tiesenhausen Herrenhaus dominieren die Stadt. Die Mathäus Kirche gilt als wichtigstes neugotisches Bauwerk Litauens. Mir hat sie nicht so gut gefallen, die Litauer sind aber von ihr begeistert.
Kirche und Herrenhaus liegen sich in der Stadt gegenüber, getrennt durch den riesigen Marktplatz (heute der Unabhängigkeitsplatz), der mich mit seinen Häusern an die (jüdischen) Stetl des 19. Jahrhunderts erinnert.
Diesen Torbogen haben die Rokiskier zur 500 Jahr Feier der Stadt (1999) mitten auf dem Marktplatz errichtet. Er ist sehr hässlich!
Der Marktplatz ist der einzige in Litauen erhaltene Platz dieser Art aus der klassizistischen Zeit. Gebaut wurde er 1701 auch von den Tiesenhausens.
Auf dem Weg zum Palais kommt man hier vorbei
Ein schöner Weg (2012 im Bau) führt vom Marktplatz an zwei Seen vorbei zum Tiesenhausen Herrenhaus, welches heute ein (sehenswertes) Museum für Heimatkunde und litauische Zeitgeschichte beherbergt.

Eintrittskarte Museum Rokiskis
Außerdem kann man mehr über die Geschichte der Grafen Tiesenhausen erfahren und Kleider aus der damaligen Zeit sehen. Das schloßähnliche Herrenhaus sucht (den Dimensionen nach) seinesgleichen und wurde 1801 vollendet.
Blick vom Palais auf den Park und die Mathäus Kirche in der Ferne
Blick vom Eingang des Parkes zum Palais
Palais der Grafenfamilie Tiesenhausen, heute Heimatmuseum von Rokiskis
Durch den großen Park gelangt man zum Palais, das auf beiden Seiten von Gutshäusern umgeben ist, die heute verschiedene Ausstellungen beherbergen.
Gutsgebäude links
Gutshäuser rechts Dort befinden sich Ausstellungen, die Sie mit ihrer Museumseintrittskarte besuchen können.
Im Kreis Rokiskis wurde Anfang des 20. Jh. der berühmteste Holzschnitzer Litauens (Lionginas Šepka 1907-1985) geboren. Seine Kunstwerke sind im separaten Seitengebäude zu sehen. Die Ausstellung in sechs Räumen spiegelt das ganze Schaffen des Schnitzers wider (ca. 300 Kunstwerke, einige bestehen aus mehreren Dutzenden von Details). Die Ausstellung beginnt mit der ersten beeindruckenden, dem Bruder gewidmeten Komposition und endet mit seinem letzten unvollendeten Holzschnitzkunstwerk, an dem er kurz vor seinem Tod arbeitete.
Holzschnitzereien von Lionginas Šepka
Neben dem Gutshaus gibt es sehenswerte landwirtschaftliche Häuser und Stallungen aus Holz, sowie einen Spielplatz.
Alte Häuser und Stallungen wie im Freilichtmuseum Kaunas
Das Museum zeigt natürlich auch die in Litauen üblichen Stereotypen: Sowjetische Besatzung, Deportation nach Sibirien, Stalin, Hitler und die Waldbrüder.
Natürlich (siehe auch das Sela Museum in Birzai) wird die jüdische Vergangenheit nicht erwähnt. 1897 lebten in Rokiskis 2.067 Juden (1847 593), welches 75 % der Gesamtbevölkerung entspricht.
1939 lag der Bevölkerungsanteil bei 40 %. Am 15./16.8.1941 wurden 3.207 Juden (Männer, Frauen und Kinder) von den deutschen Besatzern mit Hilfe von litauischen Helfern ermordet. (Jäger Report).
Der verfallene (recht kleine) jüdische Friedhof, befindet sich am Rande der Stadt. Fotos vom Friedhof sind unten auf dieser Seite.
Denkmal zur Erinnerung an 10 Jahre Freiheit für Litauen
Zwischen Marktplatz und St. Mathäus Kirche steht die Birute, die Freiheitsstatue von Rokiškis. Die Deutschen müssen sich 1941 bei ihrem Einmarsch gefreut haben, denn die Dame reckt ihre Hände zu einem Hakenkreuz. Denkmal und Hakenkreuz haben die Zeiten überstanden und lassen wohl so manchen Touristen verwundern.
Während der sowjetischen Zeit wurde Datum und Hakenkreuz zugeschmiert.
Gebäude des TIC (Tourist Information Center) Rokiskis
Das TIC klärte mich auf: Das Denkmal wurde 1930 in dieser Form aufgestellt, und erinnert an 10 Jahre litauische Unabhängigkeit (1918-1928). Das Hakenkreuz ist ein litauisches Zeichen für die Sonne.
Solche Denkmäler hätten bei uns wohl auch einige gerne
Für mich interessant war die Ahnungs- (Interesselosigkeit) der jungen Helfer im Tiesenhausen Gutshof, angesprochen auf das Birute Denkmal.
Denkmal der Birute von hinten. Bedeutung der Personen ist unbekannt.
Rokiškis ist heute bekannt für seine Käsefabrik, die ganz Litauen mit ihrem Käse beliefert.
Der ehemalige Premierminister und Staatspräsident Algirdas Brazauskas wurde in Rokiškis geboren.
Neben der Mathäus Kirche ist ein kleines Restaurant mit einfacherer litauischer Küche. Das Essen war gut, der Kaffee hat geschmeckt.
Am Markt ist das TIC (Tourist Information Center)
Tel.:+370 458 510 44, +370 616 07156
LT-42115, Rokiškis
Vilnius - Litauens Hauptstadt
Vilnius ist Litauens Hauptstadt und eines der interessantesten Ziele jeder Baltikumreise! Vilnius (litauisch), Wilne (jiddisch), Wilna (deutsch), Wilno (polnisch), Wilnja, (weißrussisch), Wilnjus (russisch) — ist aber keine reine litauische Stadt. Vilnius ist eine internationale Stadt, mit starken polnischen und jüdischen Einflüssen. Damit unterscheidet Vilnius sich von den anderen baltischen Hauptstädten Riga und Tallinn.
Warum das so ist, können Sie hier nachlesen. Alle Ziele in Vilnius stehen im Hauptmenü unter Vilnius.
Litauens Hauptstadt ist eines der Hauptziele jeder Baltikumreise! Und sie könnte auch die schönste, interessanteste Stadt der baltischen Länder sein. Vilnius war im Gegensatz zu Kaunas keine Hansestadt und wurde nicht von Deutschen gegründet.

Der Gedimino Turm - das Wahrzeichen von Vilnius
"Heute gibt es die Tendenz, das Bild zu vereinfachen: ein Litauer ist ein Litauer, ein Pole ist ein Pole, und unsere Nationalisten träumen von monoethischen Ländern. Vilnius ist heute eine litauischsprachige Stadt, in der polnische Spuren nicht besonders willkommen sind." Tomas Venclova (Der magnetische Norden).
Vilnius
Hier, wo Vytautas der Große die Feinde bezwungen,
(siegreich bei Tannenberg) wo er gelebt und regiert;
wo in Jahrhunderten unsere Väter gerungen,
ist unser Heimatland, was es auch bleiben wird.
Litauen, Vilnius, verteidigt im blutigen Streit,
bleibst unsre Heimat, für heut und in Ewigkeit. Maironis (aus J. Avyzius Zeit der verödeten Höfe)

Die obere Burg von der Neris aus gesehen Foto & © M. Pretzsch
Die Altstadt bei Nacht- aufgenommen vom Gedimino Turm. Rechts der Großfürstliche Palast
Vilnius hat etwa 540.000 Einwohner und galt bis 1941 als Jerusalem des Nordens. Im Gegensatz zu vielen anderen baltischen Städten, war Vilnius eine rein baltische Gründung und wurde nicht vom Deutschen Orden kontrolliert. Vilnius war eine sehr liberale weltoffene Stadt, die verfolgten Juden Schutz gab.
Der Wilnaer Gaon ist weltberühmt. Um 1900 waren Juden, wie in fast allen Städten Litauens, die Majorität in der Stadt (50 % Juden, 46 % Polen und 4 % Litauer). Wobei sich nicht ausschloß, dass sich ein Pole als Litauer fühlte. Und umgekehrt.
Siehe auch Polnisches Problem.
Uzupis
Vilnius galt als das Jerusalem Litauens. Da durch die Ereignisse 1941 fast alle Juden ermordet wurden, bleibt Vilnius heute nur noch die Bezeichnung "Rom des Osten", wegen der vielen Kirchen.
Vilnius hat eine der ausgedehntesten Altstädte Osteuropas und wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Im Stadtgebiet gibt es mehr als 50 Kirchen. Man soll von jedem Ort mindestens 4 Kirchtürme sehen können.
Litauisches Nationalmuseum mit dem Gedimino Turm im Hintergrund
Das Nationalmuseum ist das größte Museum Litauens und wurde bereits 1855 gegründet. Es umfasst mehr als 700.000 Exponate, über Volkskunst und "allem Möglichen ausgebuddeltem" bis zur Geschichte, von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
Blick vom Gedimino Prospekt, der Hauptshoppingstraße in Vilnius, auf den Glockenturm der Kathedrale.
Es gab mal den Plan den Gedimino Prospekt zu beheizen. Den Namen Gedimino Prospekt (also Allee) trug die Straße 1939 bis 40 und wieder seit 1989.
Unter polnischer Herrschaft hieß sie ulica Mieckiewicza (1922 bis 1939), unter deutscher Besatzung Addi Hitler Straße, den Russen fiel auch nur Stalin, später Lenin Straße ein.
In den Jahren 1914 bis 1944 wechselte Vilnius 14 mal den Besitzer (Litauisch, Polnisch, Deutsch, Sowjetisch....).
Blick über den Gedimino Prospekt Richtung Parlament. Hier sind viele Regierungsbehörden untergebracht.
Das Genocid und Widerstands Museum liegt etwas weiter auf der linken Seite. Das Museum ist umstritten.
Es ist im ehemaligen KGB und Gestapo Hauptquartier Vilnius untergebracht.
Eigentlich ist Litauen ziemlich arm. Heissluftballons sind aber sehr beliebt
Die kurz Vilnius Katedra genannte Kirche ist die römisch-katholische Kathedrale des Erzbistums Vilnius. Die Kirche liegt unterhalb des Burghügels und der heutige klassizistische Stil wurde 1801 fertiggestellt.
Der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin beschrieb die Kirche 1924 in seinem Buch "Reise durch Polen" (nicht sehr nett) so:
"Was sich aber dort herbstlich erhebt, von Gelb und Braun, Blattwerk, umlodert, ist der Schloßberg mit dem Ältesten des alten Wilno. Es gab einen litauischen Großfürsten Gedymin, der oben seine Burg erbaute. Unten brannte in einem heidnischen Tempel ein Feuer. Der Mann, den die schöne, zarte Hedwig von Polen heiraten musste, der erste polnisch-litauische Jagiello, wurde - ich glaube vertraglich - Christ und hat den Tempel beseitigt. Dafür hat er die Stanislauskathedrale erbaut, zur Rache am Christentum. Wenn ein Christ das schreckliche Gebäude sieht, wird er wieder Heide. Es kommt nichts heraus bei solchen gemachten Ehen. Die Kirche sieht aus wie ein griechischer Tempel oder ein polnisches Stadttheater. Weichselantike. Die Ehe hat der Tod gelöst, Polen und Litauen sind wieder auseinander, die Kathedrale hat sich nicht rückgängig machen lassen."
Der Glockenturm stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er diente in der unteren Burg als Verteidigungsturm. Mittlerweile ist er 1,2 Meter in den Boden eingesackt. Gut zu sehen sind die ehemaligen Schießscharten.
Später wurden die achteckigen Geschosse aufgestockt. Durch den weichen Boden steht der Turm leicht schief. Er ist mit Kreuz 57 Meter hoch.
Nach ein bisschen suchen können Sie vor der Kathedrale, neben dem Glockenturm, einen einzelnen Plasterstein mit der Aufschrift Stebuklas sehen. Das bedeutet Wunder. Stellt man sich drauf und dreht sich um 360 Grad, soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Der Stebuklas Wunschstein vor der Kathedrale
Straßencafes mit südlichem Flair. Leider ist das Wetter nicht immer so gut wie bei unserem Ausflug.
Aber eine Städtetour nach Vilnius lohnt sich auch im Winter bei Schnee und Kälte. Die Flüge sind nicht so teuer, Kneipen und Restaurants sind auch im Winter warm.
Glockenturm, Kathedrale und im Hintergrund der Gediminas Turm (Gediminos Pilies). Links von der Kathedrale ist das litauische Nationalmuseum.
Die Burganlage wurde 1323 von Großfürst Gediminas gebaut. Nur der Turm ist noch erhalten und beherbergt ein Museum. Von der Aussichtsplattform geniesst man einen hervorragenden Blick auf die Stadt.
Das neu aufgebaute Großfürstliche Palast Er wurde 2013 fertiggestellt. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen!
Laut Legende sollen die Kreuze seit dem 17. Jahrhundert als Erinnerung an drei gekreuzigte Franziskanermönche auf dem Hügel über Vilnius stehen. In Sowjetzeiten wurden sie verbrannt und 1989 durch diese Betonkreuze ersetzt.
Die drei Kreuze sind heute ein Symbol für Litauens Freiheit und das Zeichen der "Sajudis" Bewegung.
Gediminas Denkmal vor der Kathedrale. Geschaffen 1996 von Vytautas Kashuba. Wenn die Figur nachts angestrahlt ist, lassen sich interessante Fotos machen.
Gediminas (ca. 1275 bis 1341) war ab 1316 Großfürst von Litauen. Neben Mindaugas und Vytautas zählt er zu den wichtigsten Herrschern in der litauischen Geschichte. Litauen stieg unter ihm endgültig zur osteuropäischen Großmacht auf. Er herrschte von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Gediminas betrachtete sich als König der Litauer und Ruthenen (Weißrussen und Ukrainer).
Gediminas Denkmal und St Stanislaus Kathedrale
Von der Kathedrale kommend erreichen wir die Pilies Gatve. Hier beginnt die Fußgängerzone, die eigentlich keine ist. Unverständlicherweise herrscht hier (relativ) reger Autoverkehr. Besonders Weißrussen scheinen mit ihren BMW Geländewagen imponieren zu wollen.
An den Souvenierständen kann man sich mit Mitbringseln eindecken. Weiter hinten sind überdachte Stände, die interessantere Sachen haben. Natürlich gibts auch Bernstein. Es ist eine Überlegung wert, den in einem der richtigen Läden zu kaufen.
Restaurants gibt es zur Genüge. In den Höfen kann man gemütlich sitzen. Für jeden Geschmack ist was dabei. Auch für jeden Geldbeutel. So kann man auch heute noch auf dieser (neben dem Gedimino Prospektas) wichtigsten Straße der Vilniusser Innenstadt preiswert essen.
Falls Sie sich mit dem Essen noch gedulden können und nur einen Tag Zeit für Vilnius haben, besuchen Sie die alte Mühle "Belmontas" am Stadtrand von Vilnius. Eine schönere Location zum einkehren im Sommer gibt es meiner Meinung nach nicht in Vilnius.
Restaurierungsdetails
Eines der schönsten Häuser: Pilies Gatve.
Blick über die Pilies Gatve Richtung Kathedrale. Links fängt die Universität an.
Strassencafes und Restaurants
Pilies Gatve
Signataru Namai
Hier wurde 1918 die Unabhängigkeitserklärung der litauischen Republik unterschrieben und vom Balkon aus verkündet.
Renovierte Fassade Für Ansicht von hinten bitte Bild anklicken
Am Ende der Pilies Gatve kommt der Rathausplatz
Vom Fotografen aus links geht eine schmale Gasse (Stikliu Gatve) zu meinem Lieblingsrestaurant Lokys. Ein empfehlenswerter Spaziergang. Das Essen und der Service ist nicht das Beste in Vilnius, aber das Kellergewölbe ist einfach sehr schön.
Im Hintergrund das "Historische Rathaus" von Vilnius. 1432 erstmalig erwähnt, wurde das heutige Gebäude 1799 erbaut.
Links vom historischen Rathaus kann man das Hotel Astorija erahnen. In den 1990 er Jahren wurde es ewig lange renoviert.
Tor der Morgenröte, Ansicht von der Innenstadt
Das Tor der Morgenröte, auf litauisch Aušros Vartai, polnisch "Ostra Brama" ist das letzte noch erhaltene Stadttor von Vilnius.
Es wird auch Medininku Tor genannt, weil alle Leute, die in die Richtung Medininkai (an der weißrussischen Grenze, dort gibt es eine Burgruine) oder Minsk wollten, die Stadt über dieses Tor verlassen mussten. Links durch die Tür kann man über 40 Stufen die Kapelle erreichen, oder man geht unten links den Gang entlang zur St.Theresienkirche. Als Napolen 1812 auf seinem Feldzug nach Moskau mit seiner 600.000 Mann Armee in Vilnius einzog, betrat er die Stadt durch dieses Tor.
Bei seinem Rückzug, kurze Zeit später, umging er das Zentrum. Viele seiner Soldaten sind in Vilnius gestorben und werden heute noch in Massengräbern gefunden. Interessante Geschichten gibt es von Laimonas Briedis in seinem Buch "Vilnius, City of Strangers"
Die älteste Barockkirche von Vilnius. Neben dem Tor der Morgenröte. Gebaut vom Architeckten des Königs Vasa.

Decke der Barockkirche. Definitiv einen Besuch wert! Gebaut 1650.
Ausros Vartai. Durch das Tor betritt man die Altstadt Burg in Medininkai
Gebaut wurde es von 1503 bis 1522 im gotischen Stil. Insgesamt hatte Vilnius 9 Tore.
Oben im Tor kann man durch das Fenster die "Schwarze Madonna" sehen, ein Bild aus dem 17. Jahrhundert. Weil ihr Wundertaten nachgesagt wurden, blieb die Kapelle mit der Ikone von den Zerstörungen der russischen Besatzer (im Gegensatz zu manch anderem Gebäude) verschont.
Die Madonna wird von Katholiken, wie auch von Russisch-Orthodoxen und Unierten verehrt und zählt in Litauen und Weißrussland zu den bedeutendsten Heiligtümern. Sie ist eine der wenigen Madonnenbilder ohne Kind.
Ihr Haupt schmücken zwei Kronen: Die eine verkörpert ihre Stellung als "Himmelskönigin", die andere ihre Funktion als Königin von Polen. (Siehe auch "Polnisches Problem"
Der frühere polnische Präsident (und in Vinius geborene) Jozef Pilsudski und Papst Johannes Paul II. waren schon hier.
Mehr Fotos von der Ausros Vartai
Alfrd Döblin schreibt 1924 in seinem Buch 'Reise in Polen':
"Draußen kleine Häuser, einzeln, in Gruppen, in Straßen. Bahnhof Wilno.
Im frostigen Morgen schlendere ich durch eine Allee. Niedrige Häuser ziehen sich an ihr hin, die meisten alt und elend. Dann mündet links eine Straße, ist ziemlich schmal, ohne rechtes Trottoir. Ich suche immer nach der Hauptstraße, denke, das muss etwas sein. Da steigt ein hoher ansehnlicher Torbogen über die Straße; ich höre singen, gehe suchend unter dem alten Bauwerk durch. Liegen da rechts eine Masse Menschen: Bauern, Städter, Männer und Frauen, an der Erde, auf den Knien, die Köpfe bis auf die Erde gebückt. Aber nicht sie singen, sondern Singen kommt wo anders her, von oben. Und wie ich mich drehe, ist oben auf dem Torbogen eine Kapelle. Und offen nach der Straße steht da ein Altar, viele brennende Kerzen daran und Buntes, das ich nicht unterscheiden kann. Die Menschen, die Straße hinaufkommen, haben die Hüte und Mützen in Hand. Auch ich habe den Hut schon unter dem Torbogen abgenommen. Ist ein wundertätiges Muttergottesbild, das oben steht. Sehr lieblich sieht die Madonna aus. Über einem großen Halbmond, der wie ein gebogenes mächtiges Tierhorn ist, erscheint sie. Von der Brust an ist sie sichtbar. Sie hat weite reich ornamentale priesterliche Kleider an. Den gekrönten Kopf hält sie rechts geneigt. Die beiden Hände liegen gekreuzt über der Brust. Der schmale Hals taucht aus herrlichen sehr farbigen Gewändern und Überwürfen auf. Dann kommt ein schmales hohes Gesicht, die Augen nur mit einem Spalt offen, die Lippen geschlossen. Spitze goldene Strahlen umgeben den ganzen Kopf. Sie betet, oder ist entrückt, oder hört wehmütig-milde, oder ist in ihr Leid versunken, sucht sich daraus zu erheben: ich kann schwer den Ausdruck fassen. Das Bild wirkt suggestiv, berührt. Die suchenden Menschen da sind geneigt, ihren Schmerz mit dem des himmlischen Wesens zu vermischen und sich ruhiger herauszuziehen. Ist eine große Leistung der Kunst, daß sie solch Bild machen kann und daß ein gemaltes Bild Vorbild sein kann.
Ostra-brama heißt die Straße. Sie liegt fast stumm, die betenden Menschen geben jetzt keinen Ton von sich."
Zurück zum Rathausplatz ( Rotušes aikšte), hier biegen wir in die Stikliu gatve ein.
Immer wieder schön... die Art wie renoviert wird.
Das Restaurant Lokys in der Stikliu Gatve

Nichts für Dicke: der Weg ins Kellerrestaurant Lokys (Bär). Ein Bild von 1993!
Auch wenn Sie nichts essen möchten, besichtigen Sie die Kellerräume!
Der Bär, der früher neben dem Eingang die Besucher begrüßte, steht mittlerweile zugedeckt im Nebenraum. 1993 bei meinem ersten Besuch war er schon im Lokys. Heute ist Litauen halt "europäisiert" und man braucht für Wildtiere Papiere.
Die Gasse etwas weiter entlang kommt das Restaurant und Hotel Stikliai.
Das Stikliai galt früher als eines der besten Adressen.
Weiterer Blick auf die Universität von Vilnius
Hinterhöfe und noch unrenovierte Häuser
In den Jahren seit der Unabhängigkeit hat sich in Litauen sehr viel getan. Wenn man mal die Kosten für den Aufbau von Ostdeutschland und Litauen mit der Wirtschaftsleistung Deutschlands und Litauens vergleicht, kann man abschätzen, wie viel Arbeit die Litauer leisten müssen.
Nochmal ein Blick auf die Universität Vilnius (sie hat wunderschöne Fresken)
Verteidigungsministerium
Nicht weit entfernt ist der Präsidentenpalast
Flaggenwechsel vor dem Präsidentenpalast
Hier nächtigten Zar Alexander I. und Napolen 1812. Napoleon wollte Russland überfallen und hatte Vilnius schon eingenommen. Hier war er willkommen. In Moskau nicht: Von seinen 600.000 Mann starben die meisten beim späteren Rückzug aus Moskau. Auch der russiche Statthalter Murajew, der Vilnius mit blutiger Hand regierte, nächtigte hier in einem Zimmer ohne Fenster (aus Angst). Mehr dazu bei Alfred Döblin und Laimonas Briedis (die Bücher sind in der Buchrubrik rezensiert).
Hier residiert der/die litauische Staatspräsident (in) Fotos: Giedrius Zmaizys
Šv. Kryžiaus namų centre Kloster
Und dann ist unser Spaziergang zu Ende und wir sind wieder an der Kathedrale
Ein besserer Blick auf die "Drei Kreuze"
Trotz der vielen Fotos ist das natürlich nur ein kleiner Eindruck von Vilnius. Die Ausros Vartai (Tor der Morgenröte) eine kleine Kapelle, die in der Stadtmauer untergebracht ist, sollte ebenso wenig auf Ihrer Tour fehlen wie die St.Anna Kirche (das darf hier nicht fehlen: Napoleon wollte sie gerne mit nach Frankreich nehmen).
Natürlich ist die Republik Uzupis zu empfehlen, das Hotel Mabre Residence wegen seiner Architektur. Entdecken Sie am besten die Sehenswürdigkeiten, die Sie am schönsten finden auf einer ausgedehnten Tour. Sie können eigentlich alles zu Fuß erreichen.
Kurz noch zu Napoleon. Im Sommer 1812 zog Napoleons Armee auf dem Weg nach Moskau mit 600.000 Mann durch das Fort Vilnius. Auf dem Rückzug der "Grande Armee" wechselte Napoleon in Vilnius kurz die Pferde und verschwand schnell nach Paris. Unterwegs platzten seine Weinflaschen (-37°C). Seine Männer, die halberfroren und verhungert in der Stadt mit damals 35000 Einwohnern ankamen, starben in Massen. Vor kurzem sind Massengräber mit Napoleons Soldaten gefunden worden.
Aus dem Wiki:
Der württembergische Leutnant Karl Kurz schrieb über das Schicksal der in Wilna zurück gebliebenen Soldaten: „Säle und Zimmer … lagen voll toter und Sterbender, die in der Hungerwut ihre toten Kameraden benagten. … Unbeschreiblich war das Elend der armen Gefangenen in den Tagen des 11.–15. Dezember, in welchen durch die Waffen des Feindes, durch Misshandlungen aller Art, durch Kälte und Hunger mehr als 1.000 Offiziere und 12.000 Gemeine aller Nationen zugrunde gingen.“ Das Massaker endete erst, als die reguläre russische Armee eintraf – die Kosaken zählten nicht zur regulären Armee.
Der französische Dichter Stendhal wohnte in einem Haus an der Pilies Gatve (dort ist heute die französische Botschaft) als sich Napoleons Truppen 1812 von Moskau nach Westen zurückzogen. Interessant seine Eindrücke über diesen Krieg:
“My own happiness at being here is not great,” wrote the writer. “How a man changes! My old thirst for new sights has been entirely quenched. ... Would you believe it that, without any vexation that affects me more than anybody else, and without any personal sorrow, I am sometimes on the point of bursting with tears? In this ocean of barbarity there is not a sound that finds an echo in my soul! Everything is coarse, dirty, both physically and morally stinking.” L. Briedis 'Vilnius'
Der dänische Ethnograf Age Meyer Benedictsen reiste Ende des 19. Jahrhunderts von Berlin über Vilnius nach St. Petersburg.
Er beschrieb seine Reiseeindrücke in "Litauen, Erwachen einer Nation" 1924
"Benedictsen, der Vilna um die Jahrhundertwende besuchte, stellte die kulturelle Spaltung der Stadt in diesen modernen Kontext der imperialen Herrschaft:
Dieses Land und diese Völker werden jetzt von den Russen regiert, nicht gerade vom russischen Volk, eigentlich bei weitem nicht, sondern von den russischen Regierungsbeamten mit ihren Helfern, der Polizei, den Gendarmen und den Kosaken. Es war auch nicht wahrscheinlich, dass die paar tausend polnischen Adligen hier ewig herrschen konnten, sie waren nur Pioniere, und als die Hauptkraft erledigt war, wurden die Widerspenstigen einzeln erschossen, und die neue Macht, die härter im Nehmen war, übernahm die Zügel.
Wilna veranschaulicht bis heute auf eindrucksvolle Weise dieses vierfach geteilte Land. In der alten Burg, in der früher der Großfürst von Litauen herrschte, hält jetzt die russische Zentralverwaltung, der Generalgouverneur des ganzen
litauischen Landes, hat jetzt das Sagen. Auf allen plumpen gelben Stuckbauten, auf Kasernen, auf der Hauptpost, auf den Polizeistationen und auf den Hochschulen der Stadt prangt der schwarz-vergoldete Spreizadler, das Moskauer Wappen. Russische Polizisten und Gendarmen patrouillieren durch die Straßen, jedes Schild und jedes Plakat ist in russischer Sprache, jede Straße trägt einen russischen Namen, alles Polnische wurde sorgsam abgeklopft. Aber wenn man in der Oberschicht hinter die Uniform schaut, ist es nicht schwer zu entdecken, dass sie nicht alle Russen sind.
Es gab eine Zeit, da war es verboten, einfach verboten, in Vilna polnisch zu sprechen; jetzt ist es erlaubt, außer bei allen Versammlungen, und in der Tat wird viel polnisch gesprochen. Alle diese ernsten geraden Männer und Frauen mit den hellen Augen sind Polen; sie besitzen jenen 'wzdiek' (Charme und Anmut), der den russischen Männern nicht zukommt. Polnisch ist die Sprache der Salons in der Stadt, über dem Sofa hängt das Porträt des polnischen Dichterkönigs Adam Mickiewicz, im Bücherschrank stehen alle großen Namen der polnischen Literatur, und in Marmor oder Gips schaut Kosciuszko von seinem Platz herab. In fast jedem Haus konnte man die gleichen Empfindungen und Hoffnungen finden.
Es war die Festung des polnischen Geistes im Osten, jetzt ist sie dem Erdboden gleichgemacht worden, aber die Polen klammern sich noch immer an den Ort und hoffen auf die Erneuerung früherer Tage.
Und das Heiligste der Heiligen, das Bildnis von Gottes eigener Mutter, leuchtet von der erhabenen Station über dem "spitzen Tor" [Ostra Brama] in Vilna. Dieses wundertätige Bild ist der Stolz und der Trost von Vilna und all seinen römisch-katholischen Menschen. Umgeben von einem Heiligenschein aus brennenden Wachskerzen blickt dieses exquisite Bild von seinem reichen Rahmen auf unzählige Gläubige herab. Wann immer man die schmale Straße passiert, die am "spitzen Tor" endet, über dem die Kapelle des Bildes errichtet wurde, sieht man Krüppel und Bettler auf den Knien beten und das Kreuzzeichen machen, und jeder muss seinen Kopf entblößen, wenn er diesen heiligen Ort passiert.
Aber die geschäftigen Menschenmassen in Wilna, die handeln und sich auf den Straßen drängen, die eilen und schuften, sind die Juden, denn Wilna ist mehr als alles andere die Stadt der Juden. Man begegnet ihnen sofort am Bahnhof, als Bedienstete von kleinen schmutzigen Hotels, als Flat-Catcher, die sich auf die Fahrbahn stürzen; sie fungieren als Droschkenkutscher, und fast alle Straßenkinder scheinen Juden zu sein. Hier sieht man den unverfälschten Typus des polnischen Juden, von dem Jungen mit dem halb eifrigen, halb frechen Gesichtsausdruck, über das Mädchen mit der viel zu großen Nase, den funkelnden Augen und dem herausfordernden Mund, bis hin zu dem stehengebliebenen Schuster, dessen Aussehen nur auf eines hinzudeuten scheint: 'Geschaft machen'! und endet bei dem großen Alten, von dem kein Volk der Welt einen schöneren und ansehnlicheren Typus vorweisen kann als die Juden, dem patriarchalischen Greis mit seinem wallenden weißen Haar und Bart, seinen sanften ernsten Augen und seinem gelassenen Gang. Es ist seltsam, dass diese nervösen Hausierer so enden können. Es ist eine lebendige Widerlegung des hässlichen Urteils der Judenfeinde, dass sich die Seelen der Juden in greifende Hände verwandelt haben.
Das vierte Volk in Wilna, die Litauer selbst, trifft man nicht nur als Bauern auf dem Weg, als Mantelgekleidete Stumme auf dem Markt, und auch dort nicht oft, denn die weißrussischen Bauern sind bis nach Wilna vorgedrungen und haben die Litauer längst aus dem Lande verdrängt. Das Litauische in Wilna ist wie das Wasserzeichen in einer fröhlich bunten Briefmarke. Der Name der Stadt ist
litauisch, die Vororte haben noch litauische Namen, Antokoln und Boksta,
"Auf dem Berg' und 'Der Turm'. Die Ruinen der Festung von Gediminas und der Feuertempel erheben sich hoch über den Dächern der Stadt, trostlos und vernachlässigt ein Symbol für den Zustand seines Volkes."
Zitat aus Laimonas Briedis "Vilnius, Stadt der Fremden" Frei übersetzt mit Deepl Hilfe.
Flughafentransfer
Die Verbindung zwischen Altstadt und Flughafen Vilnius ist einfach. Die Buslinie 3G (Oro Uostas = Flughafen) fährt alle paar Minuten, zum Beispiel vom Europas Aikste (Europaplatz, hinter dem Radisson blue Hotel, früher Hotel Lietuva). Google maps gibt Auskunft über Haltestellen und Busnummern. Einfach auf die Bushaltestelle klicken. Tickets beim Fahrer, vom Europaplatz 1 Euro, online über die App billiger.

Buslinie 3G fährt zum Oro Uostas (Flughafen, alle paar Minuten. Beim Fahrer 1 Euro, Stand 2023)
Vom Busbahnhof (neben dem Hauptbahnhof kostet das Ticket mit dem Flughafenbus 3 Euro.

Abfahrt vom Busbahnhof
Flughafentransfer ab Busbahnof (Abfahrtzeiten und Tickets gibts bei Vilnius Autobusbilietas) Preise Stand 2023
Weitere Infos vom TIC (Tourist Information Center) Vilnius
Vilnius (Wilna) (main office)
Vilniaus 22
LT-01119 Vilnius
Tel.: +370 5 262 9660
Fax: +370 5 262 8169
E-Mail:
Internet: www.vilnius-tourism.lt
Sehr zu empfehlen ist eine geführte Fahrradtour durch Vilnius. Auch wenn man denkt, man hätte schon viel von Vilnius gesehen, Frankas Kulikauskas-Wurft zeigte einem die interessantesten Ecken! Leider hat sein Geschäft geschlossen.
Reiseführer in Vilnius sind:
Hotels (unter vielen anderen!):
Bernardinu Gästehaus
Mabre Residence
Domus Maria (alle haben einen geschlossenen Hof zum parken!).
Das Hotel mit dem besten Frühstück in Litauen (ehemals Lietuva) Radisson blu
Moon Garden (einfach, aber gut gelegen)
![]()
Szenekneipe Šnekutis
Restaurants, Cafes und Kneipen gibt es sehr viele. Eine Kneipe hat mir sehr gut gefallen, das Šnekutis in der Sv. Mikolajus gatve 15
Und als Cafe natürlich das Joffes duonine in der V. Šopeno gtv. (am Busbahnhof)
Fotos: Kuck, Asta Atraskeviciute, M. Pretzsch (1)
Rusne

Brücke zur Insel
Rusne ist ein kleines Örtchen auf einer Insel im Memeldelta.
Aus den Zeiten des Deutschen Ordens sind zwei Orte von Bedeutung hervorgetreten, an denen Befestigungsanlagen und Kirchen standen.
Nachdem die Burg an der Windenburger Ecke (Ventes Ragas) von den Fluten des Haffs weggespült wurde (und vielleicht heute eine der dortigen Untiefen ist), blieb die Befestigungsanlage im Memel Delta (bei Rusne)über und entwickelte sich wegen seiner exponierten Lage (im Flusssystem von Atmath, Pokallna und Skirvieth) ständig weiter.
Vom alten Marktplatz in Šilute geht's über das Flüsschen Šyša Richtung Krankenhaus nach Rusne (das Krankenhaus ist immer noch im gleichen Gebäude wie in den 1930'er Jahren).

Die evangelische Kirche wurde 1994 wieder eingeweiht
Neben der 1809 gebauten evangelischen Kirche (die älteste Kirche im Memelland), dem alten Friedhof mit deutschen Grabinschriften (dort liegt auch ein Namensvetter vom Autor), ein paar Häuser die an die deutsche Vergangenheit erinnern, besticht Rusne vor allem durch seine unberührten Natur.
Wer sich für Ahnenforschung interessiert, kann unter http://www.online-ofb.de/russ/ die Namen der damals hier lebenden Menschen finden.

Die Insel erhebt sich nur einen Meter über den Fluss
Neben der Petersbrücke gab es eine schöne Synagoge im neugotisch-orientalischen Stil. Leider ist sie 1939 von den Nationalsozialisten zerstört worden und nichts erinnert mehr an sie.
Interessant ist, dass die Synagoge in Rusne 1857, die in Silute erst sechs Jahre später gebaut wurde. Rusne gehörte im 19. Jahrhundert zu den größten jüdischen Siedlungen der Region.
Durch die litauisch/ polnischen Probleme (Vilnius Status) wurde die Flößerei auf der Memel nach dem ersten Weltkrieg eingestellt. Die Bevölkerungszahl verringerte sich stark, da in der Zwischenzeit die Bedeutung von Heydekrug (Silute) erheblich zugenommen hatte.

Rusne Memel Delta mit Petersbrücke
Durch seine Lage als Insel mitten im Nemunas Delta und nur etwa 1 Meter höher als der Flussspiegel hatte Rusne immer mit Hochwasser zu kämpfen.

Wasserpumpe gegen eindringendes Hochwasser
Eine alte dampfgetriebene Wasserpumpe, die über die Dämme eindringendes Wasser abpumpen sollte, erinnert an frühere Versuche der Flutbekämpfung.
Zufahrt nach Rusne bei Hochwasser.
Besonders abenteuerlich sind die Fahrten nach Rusne bei Überschwemmung der Zufahrtswege.
Dann werden die Menschen auf einem Anhänger an einem Traktor zur Insel transportiert. Die Fahrbahn ist mit Stangen (wie bei uns bei Schnee) gekennzeichnet. Heute gibt es auch einen alten umgebauten Militärbus für die Überfahrt.
Angler aus ganz Litauen kommen nach Rusne
Rusne ist sehr beliebt bei litauischen Anglern. Überall findet sich ein einsames Plätzchen. Man kann auch von Silute aus ein Boot mieten und aufs Haff hinaus fahren (siehe hier) oder zur Kurischen Nehrung übersetzen.
Wenn man am Flüsschen Russ spazieren geht, kann man auf der anderen Fluss-Seite den Kaliningrader Oblast sehen, also heutiges russisches Gebiet. Früher nannte man die Gegend dort Elchniederung.
Evangelisches Pfarrhaus
Wer sich für die Geschichte von Rusne interessiert, kann sich die gewaltigen Unterschiede zwischen der Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts und heute bei "Geschichte von Rusne" durchlesen.
Infos über Rusne und Reservierung von Booten über das TIC Silute

Neue Rennboote in Rusne
Bilder: Wikipedia und Daiva Zoll
Kernave
Kernave ist eine Kleinstadt etwa 40 km nord- westlich von Vilnius. Sie gilt als die älteste Hauptstadt von Litauen und wurde 1279 erstmalig in Dokumenten erwähnt.
2004 wurde Kernave als archäologisches Gebiet in die Liste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen.
Hier war der Sitz von Mindaugas, dem litauischen Großfürsten. In der Nähe: Rundwanderweg Dukstas
Hauptstädte Litauens waren:
- Kernavė (bis etwa um 1316)
- Trakai (etwa um 1316-1323)
- Vilnius (etwa um 1323-1920)
- Kaunas (1920-1940)
- Vilnius (seit 1940).

Wallburghügel von Kernave
Fährt man von Vilnius aus die A2 Richtung Panevezys und Riga, kommt man an Kernave vorbei.

Von der damals herrschenden Pracht mit seinen fünf Wehrburgen, ist außer den aufgeschütteten Hügeln nichts mehr zu sehen. Trotzdem macht ein Spaziergang auf den ehemaligen Burghügel mit Blick auf die Neris Eindruck.
Im Dorf Kernave selber wohnen heute noch etwa 270 Menschen. Vorrangiges Ziel sind hier sicherlich die Burghügel mit der Aussicht auf die Neris.
In Kernave fand man den ältesten "Medgrinda" Litauens (4-7. Jahrhundert). Medgrindas sind Unterwasserwege aus Holz, die nur die Einheimischen kannten und der Verteidigung dienten. Neben den Medgrindas gab es auch "Kulgrindas". Im Prinzip dienten sie dem gleichen Zweck, waren aber aus Stein gefertigt.
Kernave ist berühmt für seine Festivals mit Ritterspielen und traditionellem litauischem Essen. Natürlich gibt es auch traditionelles Bier.
das Rasa Fest (Mittsommer Fest) findet jedes Jahr am 23. Juni 2012 statt.
In diesem Youtube Video ist die Mittsommerfeier und die Gegend von Kernave sehr gut geschildert!
Ritterspiele in Erinnerung an alte Zeiten, in denen Litauen noch bis zum Schwarzen Meer herrschte
(Archäologische Tage in Kernave)
Gediminas eiserner Wolf, Denkmal in Kernave. Die Inschrift mit dem Anspruch auf Vilnius als litauische Hauptstadt lautet:
"Hallo Welt! Ohne Vilnius werden wir nie ruhig sein!"
Einer Legende nach soll Gediminas, litauischer Großfürst seit 1316, bei einer Jagd auf einem Hügel am Zusammenfluss der Neris und Vilnia gerastet haben. Dort träumte er von einem eisernen Wolf, der markerschütternd „laut heulte wie hundert Wölfe“. Der Pfeil, den er auf das Tier abfeuerte, prallte an dessen stählernem Körper ab.
Beunruhigt bat er seinen heidnischen Hohepriester Lizdeika um die Deutung dieser Episode: „"Was die Götter dem Herrscher und dem litauischen Staat beschieden haben, mag geschehen: der eiserne Wolf steht auf einem Hügel, auf dem eine Burg und eine Stadt errichtet werden – die Hauptstadt Litauens und die Residenz der Herrscher."
Die Festung aber müsse fest wie Eisen sein, dann würde ihr Ruhm laut durch die Welt hallen.
Hier war die Wallburg mit dem Hauptsitz von Großfürst Mindaugas

Die Wallburg mit der Neris im Hintergrund (Foto: Antanas Seibutis)
Mittelalterspiele

Katholische Kirche von 1851
Kernave mit dem Fluss Neris vom Satelliten gesehen
Kernavė Touristen Informations Zentrum (TIC) Leider keine Webseite vorhanden.
Kerniaus 4, Kernavė
Tel..: +370 382 47 315
Fax.: +370 382 47 311
Archäologisches Museum Kernave
Kerniaus 4 a., Kernavė, LT-19172 Širvintų rajonas.
Tel. +370 382 47 385.
Fax +370 382 47 391.
Museen in Litauen Übersicht Kernave
http://www.muziejai.lt/Sirvintos/Kernaves_rezervatas.DE.htm
Taurage
Taurage ist eine kleine Stadt im Westen von Litauen mit ca. 26000 Einwohnern und liegt auf dem alten Handelsweg Königsberg - Riga. Möchte man von Silute Richtung Riga, Kaunas oder Vilnius, wird man die Stadt Taurage passieren.

Katholische Kirche von 1904
In seiner bewegten Geschichte gehörte es mal zu Preußen, mal zu Rußland und seit der litauischen Unabhängigkeit von 1918 zu Litauen.
Taurage, auf deutsch Tauroggen genannt, wurde durch zwei Begebenheiten bekannt:
I. Am 13. Dezember 1812 schlossen der preußische Generalleutnant Johann David von Yorck und der russische Generalmajor Hans von Diebitsch (Ivan Ivanovitsch Diebitsch-Zabalkanskiy) die Konvention von Tauroggen. Also den Waffenstillstandsvertrag zwischen den 20.000 preußischen Truppen im Dienste Napolens (der war, wie später der österreichische Gefreite, vom russischen Winter überrascht worden) und der russischen Armee.

Sieht aus wie eine mittelalterliche Burg, ist aber "nur" eine Zollstation aus dem 19. Jahrhundert.
Das imposante ehemalige Zollgebäude dient heute als Heimatmuseum.
Diese Abspaltung von Napoleon, die gegen den Willen des preussischen Königs erfolgte (Yorck zog das auf eigene Faust durch, ein Beispiel für seine Nachfolger ab 1941), führte letztendlich zu den Befreiungskriegen .
Um einer Bestrafung wegen Ungehorsams zu entgehen, schrieb Yorck an seinen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen:
"Jetzt oder nie ist der Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wiederzuerlangen. Ich schwöre Ew. Königliche Majestät, dass ich auf dem Sandhaufen ebenso ruhig wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarten werde."
Lutherische Kirche von 1843
II. In Taurage gibt es einen festungsähnlichen neugotischen Bau. Mit vier mächtigen runden Ecktürmen sieht er aus wie eine mittelalterliche Burg.
Ist aber nur eine Zollstation aus dem 19. Jahrhundert.
In der Zollstation mit Gefängnis wurden Schmuggler inhaftiert, besonders in der Zeit nach 1863, als der zaristische General-Gouverneur von Vilnius (Graf Michail Murawjow) nach den Januaraufständen ein Verbot der litauischen Schriftsprache in Schulen (später für alle Bücher) erliess.
Bücherträger Vincas Juška ©Wikipedia
1866 wurde verboten litauische Bücher zu drucken oder einzuführen, also entwickelte sich ein reger Handel mit Büchern über die Grenze zu Kleinlitauen, welches damals zu Ostpreußen gehörte.
Die Schmuggler nannte man "Knygnešiai" (Bücherträger). Ihnen drohte bei Gefangennahme Geldstrafe, Verbannung, Exil in Sibirien oder sogar der Tod an der Grenze.
Das Bücherverbot wurde 1904 wieder aufgehoben.
Kulturhaus Taurage

Neben der "Zollstation" ist in Taurage der Fluss Jura sehenswert. Die Jura mündet bei Tilsit in die Memel. Am Ortsausgang Richtung Sowjetsk (Tilsit) kann man an der Jura spazieren gehen. Hier ist auch eine Staustufe.

Staustufe des Jura. Rechts ist die die Stadt.
Nordwestlich von Taurage leben Schwarzstörche.
1940 wurden in Taurage viele Menschen nach Sibirien deportiert. Darunter die Familie von Roman Abramowitsch, die so den deutschen Überfall 1941 überlebten.
1941 wurden etwa 4000 jüdische Litauer von den Deutschen und ihren litauischen Helfern ermordet.
Ein Youtube Video über Taurage. Welcome to Lithuania !

Hängebrücke über die Jura, nördlich von Taurage
Tourismus Büro (Tourist Information Center, TIC) in Taurage
Inga Beišienė
Vytauto str. 60, LT-72253 Tauragė TIC
Tel. +370 446 61 404
E-mail.
Website : Taurage TIC
Fotos Wikipedia und TIC Taurage und Privat
Žemaitija Nationalpark
Von Daiva und Gerhard Zoll
Der Žemaitija Nationalpark liegt im Nordwesten von Litauen in der Region Žemaitija. Der Park wurde 1991 gegründet und hat eine Ausdehnung von 21.700 ha.
Unter Schutz stehen 26 Seen , Flüsse , Auen und Moore. Die leicht hügelige Landschaft ist vor etwa 15000 Jahren durch die Gletscher und Endmoränen der letzten Eiszeit entstanden.
In der Zeit ist auch der Plateliai See entstanden, der größte See in der Region Žemaitija. Auf einer seiner sieben Inseln, der Burginsel, stand im 16. - 17. Jahrhundert die Burg von Königin Bonas die nur mit einer 300 Meter langen Eichenbrücke zu erreichen war.
Davon ist heute natürlich nichts mehr zu sehen. Der Plateliai See hat eine Größe von 12 km².
In den Plateliai See münden 17 Flüsse. Auf dem Grund des Sees wurden 2002 Holzboote aus der Zeit Vytautas des Großen gefunden. Ausserdem fanden Taucher einen großen Stein mit menschlichen Markierungen. Also ein Tip für Taucher.

Der Zemaitija Nationalpark ist einer der begehrtesten Plätze in Westteil Litauens, nach der Ostsee in Klaipeda, Palanga und der Kurischen Nehrung.
Es wurde schon viel und ausführlich über unsere Region geschrieben. Zusammenfassend ist zu erwähnen, dass die 21700 ha des Nationalparks ein Refugium für Naturfreunde sind. Er ist umfassend erschlossen. Es gibt sowohl Wanderwege und Radwege. Auch sind die meisten Punkte mit dem Auto zu erreichen. Einen angenehmen Aufenthalt kann man sich je nach Geschmack und Geldbeutel in verschiedenen Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Bauernhöfen u.s.w. verschaffen. Die 1205ha große und bis 50m tiefe Gletschersenke des Plateliai Sees ist zweifelsfrei das Highlight des Parks.
Hier wird jeden Sommer ein Schwimmmarathon veranstaltet. Ist schon zur Tradition geworden. Es kann jeder teilnehmen wer Lust (und Kondition ) hat.
Distanzen zwischen 1,8 und 3,5 km werden geschwommen.

Plateliai See
Da der See ein interessantes Relief hat, kann man neben Boot fahren, schwimmen (besonders für Kinder geeignet, da flache, sandige Uferzonen) und relaxen in jeglicher Form auch tauchen lernen, tauchen unter ortskundiger Anleitung und sogar den Tauchschein machen.
Über die sieben Inseln des Sees gibt es viele Legenden. So über die besondere Liebe von Kestutis und Birute oder über die mächtige Königin Bona (s.o.) und ihren verborgenen Schatz.
Daneben gibt es weitere 25 kleinere Seen und 200 Denkmäler des Kulturerbes. Darunter Natur-, Architektur- und andere Denkmäler.
Es gibt einen fast 50 Jahre alten Yacht-Club in unmittelbarer Nachbarschaft des Ortes Plateliai. Dort kann man in sehr angenehmer Atmosphäre Essen, Feiern und übernachten
Restaurant, Bademeister und Tauchschule am See
Tauchschule am Plateliai See
Der Plateliai See gilt als der klarste und sauberste See in ganz Litauen. Mühelos kann man bis auf den Grund sehen. Nicht umsonst ist er beliebt bei Tauchern. Vielleicht schaffen wir ja im Sommer endlich eine Tauchrunde!
Unterkunft direkt neben dem Plateliai See:
Die „Rock Festival Nächte“ mit mehr als 4000 Besuchern darf man auch nicht vergessen zu erwähnen. An heißen Sommernächten für die, die so etwas mögen, ein richtig gutes Event.
Aber nicht nur im Sommer gibt es hier etwas zu bestaunen. Schon zwei Winter nach einander entstehen durch Künstlerhand interessante und schöne Eisskulpturen auf dem gefrorenen See.
Neben Plunge ist Telsiai eine der "grösseren" Orte in Zemaitija.
Plateliai Zentrum Hier im Restaurant haben wir gut gegessen. Im Vordergrund ein Denkmal für die litauische Unabhängigkeit
Litauische Freiheits Armee, auch Waldbrüder genannt "Ewiger Kampf für Litauens Freiheit"
Alte Holzkirche bei Plateliai

Ein weiteres, für einen solchen Park eher ungewöhnliches Museum ist das Militarismus-Museum im Plokstine Wald. Es handelt sich dabei um eine der ersten sowjetischen Raketenbasen für Interkontinentalraketen. Inzwischen ist die gesamte Anlage umgebaut und wiedereröffnet. Zu hoffen ist, um ein wenig die Authenzität nachfühlen zu können, dass der ursprüngliche Charakter möglichst erhalten geblieben ist. Mehr Fotos und Infos zur Raketenbasis: Raketenbasis Plokstine
Die Silodächer wurden früher beiseite geschoben und hatten Tarnfarbe. Heute sind sie verschweißt.
Hier in der Mitte der vier Silos befindet sich der Kontrollraum der Raketenbasis

Schema eines Raketensilos (30 m tief) Eingang zur Kommandozentrale
Lager für die Sprengköpfe
Notstromaggregat Schaltraum

Wachsfigur eines Soldaten
Führungen gibt es in einigen Sprachen..
Über die vielen anderen kleineren oder größeren Museen kann man ausreichend und freundlich weitere Infos bekommen im Touristik-Zentrum Plateliai.
Die allgemein verkehrsgünstige Lage und gute Verkehrsanbindung (Klaipeda, Palanga ca.70km, Plunge, Telsiai, Zemeitijos Kalvarija, Moletai ca. 15-20km u.s.w.) machen auch Ausflüge von hier aus gut möglich.
Touristen- Information
Didžioji g. 8,
Plateliai, Plungės raj.
Tel. (8 448) 49231,
Faks. (8 448) 49337.
El. paštas:
Fotos: Gerhard Zoll, A.Kuck, Wikipedia
Nicht weit vom Plateliai See, in der Stadt Telsiai, wurden 1941, zu Beginn des deutschen Einmarsches in Litauen, äusserst brutale Verbrechen durch die abziehende Rote Armee verübt. Sie sind so brutal und unverständlich, dass man sie nicht so einfach glauben mag.
Uzupis
Der Stadtteil Uzupis grenzt an die Altstadt von Vilnius.
Läuft man vom Kathedralenplatz nicht die Pilies Gatve hoch, sondern folgt dem Verlauf der Sventaragio Gatve - B. Radvilaites Gatve - Maironio Gatve kommt man zur St. Anna Kirche. Napoleon soll über sie gesagt haben, dass er sie am liebsten mit nach Frankreich genommen hätte. (Er hätte mal besser alle seine Soldaten wieder mitgenommen statt sie hier 1812 verhungern zu lassen, aber das ist eine andere Geschichte)
Restaurant Uzupio Kavine direkt an der Vilnia gelegen. Gilt auch als Regierungssitz.
Nach der St. Anna Kirche kommt das Hotel Mabre Residence in einem sehr schönen altem Ambiente gelegen. Kurz danach ist der Zugang zur "Freien Republik Uzupis".
Der Stadtteil Uzupis wird vom Fluss Vilnia umgeben (nur im Osten gibts kein Wasser). Der Zugang aus Richtung Altstadt erfolgt über Brücken.
Wie man oben sieht, kann man auf der Vilnia rudern. Eine schöne Möglichkeit Vilnius zu erkunden. Links die Uzupio Kavine, die "Regierungsbehörde" von Uzupis.
Auf der Halbinsel haben sich Künstler zusammen gefunden und versuchen etwas schönes aus den alten Gemäuern zu machen.
Strassenansicht Uzupis
Seit einigen Jahren ist die Gegend als Wohngebiet sehr begehrt. Die Immobilienpreise sind rasant angezogen, Gebäude werden liebevoll restauriert.
Blick durch die Häuser
Teilweise liebevoll gepflegte Hinterhöfe
Noch ist viel zu tun aber Fortschritte sind überall zu sehen.
Platz mit dem Posaunenengel, 1999 gebaut, Wahrzeichen der Republik Uzupis. Er verkündet den "Staat der Engel".
Nicht immer war es in Uzupis mit seinen vielen Kneipen und Geschäften so friedlich wie heute.
Es ist noch viel zu tun.
Bis 1941 galt Vilnius als Jerusalem des Ostens und hatte viele weltberühmte Gelehrte. Uzupis war zum Großteil von Juden bewohnt. Nach dem Krieg waren fast alle Juden durch die Deutschen ermordet und die Gebäude in Uzupis leer und zerfallen. In der Sowjetzeit siedelten sich Verbrecher und Prostituierte an.
Uzupis wurde "Messerstecher-Stadtteil" genannt. Durch den deutschen Einmarsch 1941 fand in Uzupis ein nahezu 100 % iger Bevölkerungsauschtausch statt. Mehr dazu unter Litauen im Krieg.
Klick mich
Heute kann man in Uzupis genauso sicher und unbekümmert spazieren, wie im restlichen Vilnius. Wir empfehlen einen Ausflug nach Uzupis ausdrücklich.
Kirche des Heiligen Bartholomäus (Sv. Baltramiejaus) Uzupio Gatve 13
Auf Entdeckungstour in Vilnius fallen einem natürlich die vielen verschiedenen Kirchen auf – in Uzupis erblickt man durch einen Torbogen zum Beispiel die in einem Hinterhof stehende Bartholomäus-Kirche aus dem 17. Jahrhundert, die kleinste Kirche der Stadt. Nachdem sie verfiel, wurde sie 1844 wieder hergestellt und 1949 durch die russische Besatzung geschlossen bzw. zu einem Lager und einer Bildhauerei umfunktioniert, dort wurde auch eine überlebensgroße Lenin-Skulptur erschaffen. 1997 wurde sie wieder renoviert und als Kirche wiedereröffnet. Besichtigen kann man sie Montags bis Donnerstags nachmittags und Samstagvormittags, das Innere ist aber eher karg.
Vom Garten hat man einen schönen Ausblick rüber nach Paupys.
Neben der Kirche ist das alte Pfarrgebäude. Die hier lebende Künstlerin war vor einigen Jahren in Marl (NRW) bei einer Kunstveranstaltung der Grubenausbauwerkstatt tätig.
Ansichten in Uzupis
Mittlerweile gehört Uzupis zu den angesagtesten Wohngebieten. Die Immobilienpreise sind rasant gestiegen. Weil sich viele Künstler angesiedelt haben, wird Uzupis auch als Montmartre von Vilnius genannt.
Man findet überall reizvolle Details
Aus Spass haben die Uzupis Bewohner 1997 (natürlich am 1. April) die Freie Republik Uzupis ausgerufen. Seitdem gibt es eine Verfassung, einen Präsidenten, eigene Pässe und sogar eine eigene Armee. Die wurde aber wieder abgeschafft, weil keiner Angst vor ihr hatte.
Blick von Uzupis aus auf die orthodoxe Kirche der Heiligen Gottesmutter
Möchte man ein Visa für die Republik haben, kann man sich eins im Cafe "Uzipio Kavine" in der Uzupio Gatve 2 abholen. Das Cafe ist auch das offizielle Regierungsgebäude.
Graffiti: Der Neid wird Euch alle auffressen!
Ein englisches Video über Uzupis:
Hier die Verfassung der Freien Republik Uzupis:
- Jeder Mensch hat das Recht, beim Fluss Vilnia zu leben, und der Fluss Vilnia hat das Recht, an jedem vorbei zu fließen.
- Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und ein gedecktes Dach.
- Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, aber das ist keine Pflicht.
- Jeder Mensch hat das Recht, Fehler zu machen.
- Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht zu lieben.
- Jeder Mensch hat das Recht, nicht geliebt zu werden, aber nicht notwendigerweise.
- Jeder Mensch hat das Recht, gewöhnlich und unbekannt zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht, faul zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht, eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen.
- Jeder Mensch hat das Recht, nach dem Hund zu schauen, bis einer von beiden stirbt.
- Ein Hund hat das Recht, ein Hund zu sein.
- Eine Katze ist nicht verpflichtet, ihren Besitzer zu lieben, aber muss in Notzeiten helfen.
- Manchmal hat jeder Mensch das Recht, seine Pflichten nicht zu kennen.
- Jeder Mensch hat das Recht auf Zweifel, aber das ist keine Pflicht.
- Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht, still zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht zu vertrauen.
- Niemand hat das Recht, Gewalt anzuwenden.
- Jeder Mensch hat das Recht, für seine Unbedeutsamkeit dankbar zu sein.
- Niemand hat das Recht, eine Ausgestaltung der Ewigkeit zu haben.
- Jeder Mensch hat das Recht zu verstehen.
- Jeder Mensch hat das Recht, nichts zu verstehen.
- Jeder Mensch hat das Recht zu jeder Nationalität.
- Jeder Mensch hat das Recht, seinen Geburtstag nicht zu feiern oder zu feiern.
- Jeder Mensch sollte seinen Namen kennen.
- Jeder Mensch kann teilen, was er besitzt.
- Niemand kann teilen, was er nicht besitzt.
- Jeder Mensch hat das Recht, Brüder, Schwestern und Eltern zu haben.
- Jeder Mensch kann unabhängig sein.
- Jeder Mensch ist für seine Freiheit verantwortlich.
- Jeder Mensch hat das Recht zu weinen.
- Jeder Mensch hat das Recht, missverstanden zu werden.
- Niemand hat das Recht, jemand anderen die Schuld zu geben.
- Jeder hat das Recht, individuell zu sein.
- Jeder Mensch hat das Recht, keine Rechte zu haben.
- Jeder Mensch hat das Recht, keine Angst zu haben.
- Lass dich nicht unterkriegen!
- Schlag nicht zurück!
- Gib nicht auf!
Urlaub in Litauen !

Blick auf den Gedimino Turm und die Mutter Gottes Himmelfahrtskirche
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Litauen ist das größte der drei baltischen Länder, von Deutschland nur durch Polen getrennt. Von Berlin sind es etwa 1000 km bis zur alten litauischen Hauptstadt Kaunas.
Seit 2004 ist Litauen Mitglied der Europäischen Union, seit 2007 gilt auch hier das Schengener Abkommen. Die Grenzpassage läuft heute problemlos, vorbei sind die quälend langen Warteschlangen der Vergangenheit.
Litauen ist natürlich wegen der Entfernung am einfachsten mit dem Flugzeug zu erreichen (Anreise). Eine andere bequeme Möglichkeit sind die Fähren von Kiel oder Sassnitz. Leider dauert die Passage ebenso wie die Fahrt mit dem Auto oder Motorrad sehr lange. Mit dem Auto oder Motorrad bieten sich Abstecher durch die Masuren an (Danzig ist sehr schön), oder der direkte Weg über Warschau (auch sehr lohnenswert zu besuchen). Eine Übernachtung in Polen ist durch den Ausbau der Autobahnen (Mautpflichtig) nicht mehr unbedingt nötig.
Fähren nach Litauen Mit dem Auto nach Litauen Flüge nach Litauen
Wir haben die Strecke Ruhrgebiet-Birzai in 17 Stunden reiner Fahrtzeit geschafft (incl. einer Stunde Stau in Deutschland).
Litauen besteht aus den Gebieten Aukstaitija (Nordlitauen), Dzukija (Südostlitauen), Suvalkija (Südwesten) und Zemaitija (Nordwest Litauen).
Alle Gegenden unterscheiden sich voneinander und haben teilweise starke Dialekte.
Sie können in Litauen vom Badeurlaub in Palanga, einsamen Spaziergängen auf der Kurischen Nehrung bis zu Opern Abende in der Litauischen Nationaloper in Vilnius (sehr zu empfehlen) für jeden Geschmack etwas erleben. Im Sommer gibt es Konzerte in der Wasserburg Trakai bei Vilnius (ähnlich den Festspielen im Amphitheater Xanten, nur dass Trakai größer und besser erhalten ist). Die Adresse von Trakai steht unter Weblinks.
Längst kein Geheimtipp mehr ist die Kurische Nehrung, eine Landzunge von Klaipeda (dem früheren Memel) bis nach Kaliningrad (dem früheren Königsberg). Der Legende nach wurde sie von der schönen Neringa geschaffen, die Sand aus dem Meer aufschichtete.
In das Haff strömt der Nemunas (früher Memel) und bildet bis zur Öffnung in die Ostsee bei Klaipeda ein Süßwassergebiet.
Die Überfahrt zur Nehrung erfolgt in Klaipeda. Im Sommer sind die Hotels voll, man sollte da schon vorher buchen.
Bei Nida, an der südlichen Spitze der Nehrung, gibt es die zweithöchsten europäischen Wanderdünen. Thomas Mann hatte hier 1930 bis 1932 ein Sommerhaus.
Thomas Mann Haus Foto A.Kuck
Nida besitzt eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur und ist eines der am meisten besuchten Ziele Litauens.
Kurz hinter Nida ist die russische Grenze.
Neben der Kurischen Nehrung sind die litauischen Hauptattraktionen die ehemalige Hansestadt Klaipeda, in der sich die Touristen traditionell mit Bernstein eindecken. Außerdem natürlich (die ehemalige Hauptstadt) Kaunas und die jetzige Hauptstadt Vilnius. Daneben gibt es den Berg der Kreuze bei Siauliai, auf dem die Litauer als Protest gegen die sowjetische Besatzung abertausende von Kreuze aufgestellt haben. Ziemlich eindrucksvoll.
Palanga ist das Seebad von Litauen. Der wunderschöne Strand lädt zum Baden ein. Palanga ist aber etwas zum Ballermann an der Ostsee geworden. Wer Ruhe sucht, fährt lieber nach Nida.
Birzai besucht man als Zwischenstation auf einer Fahrradtour, um das Schloss und den Sirvenos See zu sehen, oder bei der litauischen Bierroute, denn Birzai gilt mit seinen vier Brauereien als Hauptstadt der Biere.
Siauliai
Berg der Kreuze
Šiauliai ist eine Industriestadt in der nördlichen Mitte von Litauen. Auf deutsch hieß sie mal Schaulen.
Bekannt ist Siauliai besonders für das litauische "Heiligtum", den Berg der Kreuze (Kryziu Kalnas), der etwa 10 km nördlich von der Stadt in Richtung Riga liegt. Sie hat aber auch einige interessante Gebäude, eine recht schöne Fussgängerzone und ein interessantes Schokoladenmuseum zu bieten.
Eingang zum Kreuzberg Auf einem kleinen Hügel wurden aus Protest gegen die sowjetische Besatzung Kreuze jeder Art aufgestellt. Mehrere Male wurden sie durch die Besatzungsmacht mit Bulldozern platt gewalzt. Nutzte aber nichts.
Die Litauer stellten danach noch mehr auf.
Die Zahl der Kreuze lässt sich nicht mehr beziffern, sie ist aber riesig. Natürlich wirkt die Präsenz der enormen Kreuzmassen und seine Symbolik enorm auf den Besucher. Trotzdem beschleicht mich mittlerweile auch ein komisches Gefühl beim Besuch des Kreuzberges (bei meinen ersten Besuchen ab 1993 war das noch anders). Die Holzkreuze sind natürlich dem Wetter der Zeit und damit dem Verfall ausgesetzt. Vielleicht war früher mehr Widerstand und heute mehr Kommerz?


Eingangsbereich...hier kommt die Treppe auf die Kuppe des Hügels

Holz, Metall...jedes Material wurde zu Kreuzen verarbeitet. Alle Glaubens und politische Richtungen sind vertreten.
Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt
Meistens sind die Kreuze aus Holz. Es gibt aber auch Konstruktionen aus Metall und Metall/Holz/Glas Mix
Jeder Platz wird mit kleinen Kreuzen behängt
Vielleicht bekommen sie einen kleinen Eindruck von der Imposanz dieses Ortes

Besucher kommen aus der ganzen Welt Ganz unten auf dieser Seite ist noch eine Galerie von Fotos zu sehen
Am Parkplatz angekommen, geht man an allerlei Devotionalienbuden entlang zum Berg der Kreuze. Wir haben uns 2013 den neuen kostenpflichtigen Parkplatz gespart und parkten an der Wiese neben dem Berg der Kreuze. 2025 ebenso, mit dem Motorrad war das auch kein Problem.
Da es Glück bringen soll am "Berg der Kreuze" selbst ein Kreuzchen anzubringen, kann man sich an den Buden eindecken.
Auf der linken Seite ist ein Holzhäuschen/Podest, von dem der Papst (Johannes Paul II) bei seinem Besuch im Jahre 1993 seine Rede an die Gläubigen hielt. Bei meinem ersten Besuch 1993 wurde es gerade gebaut.
Ein Besuch ist empfehlenswert.
Nachstehend weitere Fotos vom Berg der Kreuze:
ZurückBauska und Rundale Lettland
Lohnenswerte Ausflugsziele in der Umgebung von Birzai sind die Ordenburg in Bauska und das an Versailles erinnernde Schloss Rundale kurz hinter der Grenze in Lettland.
Dieser kurze Weg über die litauische Landesgrenze nach Lettland lohnt sich, aber sehen Sie selbst! Da Lettland auch den Euro eingeführt hat und die Grenzen (EU Binnengrenze) offen sind, ist der Abstecher ohne Probleme machbar.
Alte Ordensburg in Bauska Rundale, Versailles des Baltikums
Die Festung Bauska wurde 1443 vom Deutschen Orden zum Schutz vor Litauen angelegt.
Da ich mich nicht auf einige wenige Fotos einigen konnte, wird der Bericht etwas länger und Rundale folgt unten.
Etwa 62 km nordwestlich von Birzai, an der Via Baltika, der baltischen Hauptverkehrsader, liegt die lettische Grenzstadt Bauska.
Die größte Sehenswürdigkeit von Bauska ist die im Jahre 1443 vom Deutschen Orden zum Schutz vor den litauischen Fürsten angelegte Burg.
Sie liegt strategisch äußerst günstig (und landschaftlich sehr reizend) zwischen den Flüssen Musa (von Süden aus Litauen kommend) und der Memele (Nemunelis, bekannt durch die Rudertouren) und bot so den Rittern natürlichen Schutz nach drei Seiten.
Während der Spätrenaissance (Ende des 16. Jahrhunderts) haben die Herzöge Gotthard und Friedrich von Kurland die Festung zum befestigten Residenzschloss umgebaut. Das Schloss wurde von Abwehrwällen und Bastionen eingeschlossen, die bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts vervollkommnet wurde.
Die Memele und Musa fließen nach der Vereinigung als Lielupe ("Großfluß") Richtung Riga ins Baltische Meer.
Blick über die Musa auf die Burg
1897 wohnten in Bauskas 2745 Juden, 2984 Letten und 536 Deutsche. 1919 war Bauskas Stützpunkt des Freikorps Brandis.
Heute leben hier weniger als 10000 Menschen.
1944 saßen sich die Wehrmacht und der südliche Keil der Roten Armee in Bauska gegenüber. Angeblich wurde sofort die Brauerei, die direkt an der Front lag, in Gang gesetzt (Kämpfe der 215. ID).
Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Ordens 1562, wurde Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Gelände der Vorburg eine Residenz des kurländischen Herzogs errichtet. Das Residenzschloss stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Tor zur Residenz
Zum Hof
Blick von der renovierten Residenz über den Hof auf die Burg
Die Residenz vom Innenhof gesehen
Während die Residenz frisch renoviert ist und man sie auch innen besichtigen kann, hat man die Ruinen der Burg nur konserviert. Lohnenswert ist auf jeden Fall das Besteigen des Turmes
Der schmale Aufstieg zum Turm
Die Burgruine
Blick vom Burghof auf díe Burg
Kanonen
Schiessscharten
In der Ruine
Oben sieht man die Aussichtsplattform
Schiessscharten
Blick auf die Residenz
Kamin
Man erahnt die früheren Formen
Erste Etage
Aussichtsplattform
Blick auf die Musa
Blick auf die Memele. Sie macht rechts einen Bogen und fließt unten links an der Burg entlang
Da ist der Bogen (sieht man gut auf der Google Satellitenkarte weiter oben)
Blick von der Burg auf die Musa. In der Ferne fließt der Nemunelis (Memele) mit ihr zusammen.
Oben auf der Plattform
Die Innenstadt von Bauska ist klein aber sehr schön. Eine echte Altstadt eben, wie mal sie auch in (Litauen) Rokiskis und Kedainiai findet.
Früheres jüdisches Schlachthaus aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Markt Bauska
Rathaus und TIC Bauska
Im 17. Jahrhundert war das Rathaus von Bauska das größte in Kurland!
Tipp: wenn man die Burgt in Bauska besichtigt, sollte man sich die Zeit nehmen, den Marktplatz anzuschauen. Hier gibt es neben geschichtsträchtigen Häusern auch ein nettes Cafè.
Rundale
Auf dem Weg von Bauska nach Rundale begegneten mir französische Touristen, die mit Geländewagen eine Tour vom Nordkap nach Paris machten.
Eigentlich wollte ich den Holztransporter fotografieren. Die Jeeps fallen natürlich sofort auf.
Der Transporter vor mir hatte ganze Bäume geladen und fiel bald auseinander.
Später am Parkplatz vor Schloss Rundale konnte ich mir die Wagen dann anschauen.
Diese geführte Tour wird von Nord-Sud-Evasion aus Paris durchgeführt und nennt sich Raid Baltica.#Rundale
Das Schlossensemble ist eines der bedeutendsten Denkmäler der Barockarchitektur und der Kunst des Rokoko in Lettland und entstand 1736. Rundale liegt am Örtchen Pilsrundale , 15 km westlich von Bauskas (also direkt an der litauischen Grenze) und wird deshalb auch hier bei alles-ueber-litauen.de erwähnt. Es diente als Sommerresidenz des kurländischen Herzogs Ernst Johann Biron. Biron war ein Liebling der russischen Zarin Anna Iwanowna. Baumeister war Bartolomeo Francesco Rastrelli, der u.a. auch die Eremitage in St. Petersburg baute.
Schloss Rundale von vorn. Es hat drei Flügel, zwei Stockwerke und 138 Zimmer und Säle.
Der Schlosspark wurde nach Rastrellis Vorgaben nach französischem Vorbild angelegt und mit 328185 Linden bepflanzt.
Mein erster Reiseführer von 1992 (Rainer und Peter Höh) beschreibt noch die Rekonstruktion der Gärten. Heute erstrahlt der Park in alter Pracht.
1812 lagerten hier die Truppen Napoleons, im I. Weltkrieg die deutschen Truppen und nach dem II. Weltkrieg Getreide.
Der Park
Hinter dem Park und rund um das Schloss- Semgallische Landwirtschaft
Löwe im Schloss
Seitenansicht von Schloss Rundale
Blick vom Schloss in die Landschaft
Hinter dem Schloss ist der Park
Hinweisschild
Fazit: Der Abstecher nach Bauska und Rundale ist absolut lohnend. Mir gefällt mehr die Burgruine von Bauska als das Barockschloss von Rundale, aber Geschmäcker sind verschieden. Hinzu kommt die schöne Aussicht vom Turm der Burgruine in Bauska. Da wir die Flüße Memele und Musa von unseren Kanutouren und vom Angeln kennen, ist der Zusammenfluß hier zur Lielupe umso interessanter.
Die Lielupe ist bei Bauska 90 Meter breit und fließt zwischen Riga und Jurmala in das Baltische Meer. Von Nemunelis Radviliskis und Loceriai kann man über den Nemunelis (lettisch Memele) über die Lielupe bis in die Ostsee paddeln.

Schloss Mezotne (Wikipedia)
Etwas nördlich von Bauska und Rundale befindet sich das Schloss Mezotne an den Ufern der Lielupe. Früher gab es hier eine Holzburg, die aber von den einfallenden Deutschen im 13. Jahrhundert zerstört wurde. Im Jahre 1795 hat Zarin Katharina II das Gut der Gouvernante ihrer Enkelkinder, Charlotte von Lieven, geschenkt. 1798 wurde ein Schloss im klassizistischen Stil nach dem Entwurf des russischen Hofarchitekten Quarenghi und Johann Georg Adam Berlitz erbaut.
Minigrenzübergang Lettland / Litauen
Auf dem Rückweg nach Birzai bin ich nicht die Via Baltika gefahren, sondern querfeldein über die grüne Grenze. Und hier in den ländlich geprägten ehemaligen Kolchosgebieten merkt man noch Armut und Perspektivlosigkeit der einfachen Menschen.
Kleine Holzkirche in Litauen
Aufschrift auf der Kirche
Holzkirche Seitenansicht
Kirchturm
Häuser im Dorf
Diese Häuser sieht man oft neben den ehemaligen Kolchosen
Medininkai

Das Dorf Medininkai liegt etwa 30 km östlich von Vilnius direkt an der weissrussischen Grenze.

Früher führte hier die Strasse nach Minsk, Kiev und Moskau her. Dementsprechend gross dimensioniert und befestigt ist auch die riesige Befestigungsanlage, die erstmalig 1387 in einer Chronik der Kreuzritter erwähnt wird.
Der litauische Großfürst Vytautas war einige Male hier.
Vier bis zu 30 Meter hohe Wehrtürme, von denen nur noch einer erhalten ist, 590 Meter lange und 14 Meter hohe Mauern aus Stein und Ziegel bildeten eine der größten Wehranlagen der damaligen Zeit im Baltikum.
Verteidigen mussten die damaligen Litauer sich gegen Tataren und Kreuzritter, die überall an der litauischen Grenze sehr lästig waren.
Durch das Aufkommen von Kanonen wurden die Burgen aus Stein überflüssig. Wehranlagen wurden nun aus Erdwällen gebaut, wie z.B. die Burg in Birzai. Im Übergang des 15. und 16. Jahrhunderts brannte die Burg aus. Sie wurde zwar weiter bewohnt, hatte aber keine Verteidigungsaufgaben mehr. Die Napoleonischen Krieger und danach die Deutschen, die von Bonaparte nichts gelernt hatten (1914 und 1941), gaben der Burg den Rest.
Medininkai diente dann noch mehreren Oligarchenfamilien als Wohnstätte, verfiel aber immer mehr.

Als ich 1995 das erste Mal die Burg besuchte, standen nur Reste der Mauer. Es gab zwar schon Holzgerüste, aber der heutige Zustand war nicht zu erahnen. Nun sind alle Mauern wieder errichtet, der Turm wieder aufgebaut, ein Museum eingerichtet und es gibt ein Kassenhäuschen.
Es gibt nun auch ein Museumsverwaltungsgebäude mit Wächter.

Zwangsläufig kommt mir der Gedanke, dass wieder eine Menge Fixkosten auf den litauischen Staat zukommen.

Wenn man genug Zeit hat, lohnt sich der Abstecher nach Medininkai durchaus. Die Größe der Anlage ist imposant (die Burg ist im Gegensatz zu den meisten litauischen Burgen nicht auf einem "Berg" gebaut und besteht aus Stein und nicht aus Holz), man beginnt beim Nachdenken die Bedeutung der Richtung "Medininkai-Minsk" = Ost für das damalige Litauen zu verstehen. Litauen beherrschte damals ja das Gebiet Minsk, Kiev bis zum Schwarzen Meer.
Neben der Burg gibt es die 1931 gebaute Holzkirche der Heiligen Dreifaltigkeit und St. Kazimir, die genau an der Stelle der ersten christlichen Kirchen Litauens von 1387 steht. Eine hölzerne Schule mit dem Namen "Marschall Pilsudski" wurde 1943 bei den Neujahrsfeiern von deutschen Soldaten abgefackelt.

Pilsudski, später polnischer Präsident und selber in der Region Vilnius geboren, eroberte Vilnius und die Umgebung, also auch Medininkai, 1920 für Polen.
Ein Geschichtsträchtiger Ort.
Montag und Dienstag geschlossen, bitte beachten.
Die zwei höchsten "Berge" Litauens Juozapines und Aukstasis kalnas befinden sich auch in der Region Medininkai.
Auch interessant: 95 % der Einwohner sind Polen.
Unrühmlich für Russland ist der Angriff der damaligen sowjetischen Spezialeinheit "Omon" auf den litauischen Grenzposten in Medininkai. Dabei starben sieben litauische Grenzposten. Wahrscheinlich halten viele russische Verantwortliche diesen Angriff immer noch für richtig. Das sollte man bei der Bewertung des Nato Engagements im Baltikum bedenken.








