Haus der Geschichten
Das Haus der Geschichte(n) ist die neueste und modernste Außenstelle des Nationalmuseums von Litauen. Fußläufig von der Kathedrale und dem Gedimino Turm zu erreichen. Im Erdgeschoss und ersten Stock des Gebäudes sind Ausstellungsräume untergebracht, während das Untergeschoss als Lager dient. Zu sehen sind alte Bilder, Bernstein, Funde von Ausgrabungen und ein paar Bilder über die früheren jüdischen Einwohner von Vilnius. Im Obergeschoss gibt es wechselnde Ausstellungen.

Das Haus der Geschichte(n) Vilnius

Notizen von Kazimierz Sakowicz

Schild am Eingang von Paneriai

Stacheldraht von Paneriai
Besonders interessant waren für mich Ausstellungsstücke aus Paneriai und die Aufzeichnungen von Kazimierz Sakowicz, weil ich just zu diesem Zeitpunkt seine Aufzeichnungen gelesen habe. Der Pole Sakowicz wohnte 1941 neben dem Massakerort Paneriai (Ponary auf Polnisch), wo die Juden von Vilnius, Polen und Kriegsgefangene umgebracht wurden. Er hat alles aufgeschrieben, was er sah.

Ausstellungsstücke, rechts der Hl. Casimir
Die Geschichte dieses Gebäudes reicht bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Aus damaligen Papieren geht hervor, dass das Grundstück in der Kosčiuškos-Straße 3 dem General der Armee des Großherzogtums Litauen, Jonas Antanas Horainis, und später seinem Sohn, dem Vilniuser Gerichtsbeamten Jonas Nepomukas Horainis, gehörte. Diese Besitzer des Geländes besaßen auch eine Gaststätte sowie verschiedene Wohn- und Nebengebäude aus Ziegeln und Holz.

Ausgrabungsstücke
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Litauen noch vom Russischen Reich besetzt war, wurde das Gebiet verstaatlicht; nach dem Aufstand von 1831 wurde es für militärische Verteidigungszwecke umgewidmet.
Als 1878 ein zaristischer Erlass den Abriss der Militärfestung und die Einrichtung eines Gefängnisses für Schwerstarbeit im Slushko-Palast ankündigte, entstand der Bedarf an einer neuen Kaserne. Dieses Gebäude wurde um 1880 errichtet und erhielt den Namen "Kaserne der Heiligen Dreifaltigkeit" (Troickije kazarmy). Die Architektur und die Bedachung des Gebäudes sind typisch für den kaiserlich-russischen Militärstil und haben große Ähnlichkeit mit den Gebäuden der Festung Daugavpils im heutigen Lettland. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gebäude in Vilnius tatsächlich von Militäringenieuren entworfen wurden, die für die Region Daugavpils zuständig waren, zu der Vilnius damals gehörte. Bis etwa 1950 dienten diese Gebäude weiterhin militärischen Zwecken.

Buch des Vilniuser Magistrats von 1738
Es ist nicht genau bekannt, wann diese Gebäudegruppe in die Zuständigkeit des Regierungskomitees von Vilnius überging, aber schließlich wurde beschlossen, hier eine Internatsschule einzurichten; es wurden neobarocke Tore gebaut und das gesamte Gelände mit einer Steinmauer umgeben.

Die ehemalige Büste von Polens Präsident Józef Piłsudski
Pilsudski war im sowjetischen Litauen verpönt. Ein findiger Bildhauer nutzte Pisudskis Ähnlichkeit mit Maxim Gorky, entfernte alle polnischen Symbole, so hat die Büste überlebt.
Irgendwann vor 1990 wurde das Internat verlegt, und es wurde mit der Neuaufteilung der Gebäude begonnen. Die Arbeiten dauerten fünf Jahre. 2021 wurden die vernachlässigten ehemaligen Kasernen und das gesamte Gelände an das Litauische Nationalmuseum übergeben, das an diesem Standort eine neue Zweigstelle - das Haus der Geschichten- eröffnete.
Ich fand es interessant!
Adresse:
Kosciuškos g. 3, Vilnius
Übersicht über alle Museen: https://lnm.lt/
Bastion von Vilnius
Verteidigungsanlagen von Vilnius...das Museum der Bastion von Vilnius

Seitliche Ansicht der Bastion
Eine der einzigartigsten Abteilungen des Litauischen Nationalmuseums ist die Bastei der Vilniuser Verteidigungsmauer, ein Ort, der sowohl durch seine Hufeisenform als auch durch seine Geschichte bemerkenswert ist. Das Museum liegt am Rande der Altstadt und wird leider nicht von jedem Touristen gefunden. Das ist schade. Die Anlage ist von außen sehr imposant und innerhalb der Mauern wunderschön renoviert.

Eingang zum Museum der Bastion
Das Gebiet der Oberen und Unteren Burg von Vilnius war schon in früheren Zeiten gut befestigt. Als Vilnius im 15. Jahrhundert zu wachsen begann, dehnte sich das Stadtgebiet aus, und die Burgen konnten den Bürgern keinen ausreichenden Schutz bieten. Sowohl das wachsende zentralistische Russland als auch die ständigen Angriffe der Tataren stellten eine Bedrohung für Vilnius und das gesamte Großfürstentum Litauen dar.

Für Junge und Junggebliebene: das Probeschwert
Im Jahr 1503 kam der litauische Großherzog Alexander dem Wunsch der Einwohner von Vilnius nach, eine steinerne Schutzmauer um die Stadt zu errichten. Schließlich, wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts, wurde ein Teil der Mauer auch zu einem Verteidigungsbauwerk - einer Bastion, die aus einem Turm, einem hufeisenförmigen Platz für die Artillerie und einem Tunnel, der beide miteinander verbindet, besteht. Es wird angenommen, dass das Gebäude von dem Militäringenieur Fryderyk Getkant entworfen wurde.

Blick vom Museumseingang auf die orthodoxe Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter (Кафедральный собор во имя Успения Пречистой Божией Матери – die auch eine interessante Geschichte hat !) und auf den Gedimino Turm.
Mitte des 17. Jahrhunderts, während des Krieges mit Moskau, wurden die Bastion und die Stadtmauer stark beschädigt. Nachdem die Bastion ihre Verteidigungsfunktion verloren hatte, verfiel sie - ihr Gelände wurde zu einer Müllhalde, und ehemalige Gräben und Steinmauern wurden verschüttet.
Im Jahr 1965 wurde mit einer gründlichen Untersuchung des Geländes begonnen, und in den folgenden zwei Jahrzehnten wurde die Bastion ausgegraben und rekonstruiert. Heute ist die Bastei von Vilnius das einzige Bauwerk dieser Art in Litauen. Das Museum zeigt die Geschichte der Verteidigung Litauens während vieler schwieriger Jahrhunderte.

In den Kasematten. Hier standen die Kanonen.
Zu sehen sind Artilleriewaffen und kleine Salutkanonen, die bei Veranstaltungen eingesetzt wurden, sowie Waffen kleineren Kalibers; eine lange Lanzenkanone, Arkebus genannt, eine Handgranate, eine Pistole und ein Gewehr; Elemente der Rüstungen der Soldaten des Großherzogtums Litauen aus dem 17. bis 18. Jahrhundert - Helme, Brustpanzer, Halbpanzer.
Die Geschichte von Vilnius und seiner Verteidigung wird durch Ausstellungsstücke wie ein Henkersschwert, Schlösser von den Toren der Vilniuser Verteidigungsmauer, Radierungen und Skizzen von Stadtplänen illustriert.

Verteidigungsmauer
Die Anlage war für mich überraschend schön. Vom Eingangsbereich, der ja auf dem Hügel liegt, hat man Zugang zur Terrasse, von der man mit Kanonen das weite Umgebung abdecken konnte. Heute hat der Besucher eine schöne Aussicht.

Durch einen 48 Meter langen, 3 Meter hohen Tunnel erreicht man die tieferliegenden Kasematten Hier sind weitere Kanonen stationiert.
Sehr schöne Anlage!
https://lnm.lt/
Bokšto g. 20, Vilnius
+370 (5) 261 21 49
Extreme Underground Tour
Seit dem 18. Oktober 2019 stehen den Besuchern in den Krypten der Kathedrale von Vilnius neue Routen zur Verfügung. Die Krypten sind einer der historisch und kulturell interessantesten und wertvollsten Orte Litauens (vielleicht ähnlich alt wie der Rathauskeller von Vilnius) und ein Zeugnis der Geschichte des Landes vom 14. Jahrhundert bis heute und ziehen jedes Jahr Zehntausende von Besuchern an. Zuvor war der für Besucher zugängliche Bereich auf etwas mehr als ein Drittel der unterirdischen Grundfläche der Kathedrale begrenzt. Die neu eröffneten Wege - der nördliche Teil der Domkrypten - bieten den Besuchern die Möglichkeit, Räume kennen zu lernen und zu sehen, die jahrelang buchstäblich unzugänglich, zugemauert und verschlossen waren.
Die Wegbeschreibung. Einmal unter der ganzen Kirche durch
Die Führungen werden auf Englisch, Polnisch, Russisch und Litauisch angeboten. Voranmeldung erforderlich.
Besucher, die an der Extremtour teilnehmen, können einige der ältesten Mauerwerke Litauens besichtigen, Reste eines Turms und einer Treppe aus dem 13. und 14. Jahrhundert, unschätzbare historische Mauerwerke der Kathedrale von Jogaila und Vytautas, Krypten und Mausoleen aus dem 16. und 19, Jahrhundert, gotische Ziegelsteine, Keramikfragmente, ein Entwässerungssystem aus dem 18. Jahrhundert, Stahlbetonverstrebungen aus den 1930er Jahren, Proben aus geologischen Studien aus den 1970er und 1980er Jahren und andere wertvolle Gegenstände, die auf einer Fläche von 120 Quadratmetern unter der Kathedrale von Vilnius ausgestellt sind.
Auf Initiative des Museums für das kirchliche Erbe wurden nicht nur die Räume für die Besucher hergerichtet, sondern auch einzelne Überreste, die in den Krypten gefunden wurden, sortiert und von Anthropologen untersucht, neue Funde wurden nach Rücksprache mit Archäologen aufbewahrt, während Historiker und Kunsttheoretiker halfen, die neu gefundenen Artefakte und Räume zu "entschlüsseln". Professionelle Museumsführer und Historiker des Church Heritage Museum, die an der Studie teilgenommen haben, sind bereit, Ihnen alles darüber zu erzählen!
Besucher, die den Extremweg erkunden möchten, sollten ihre körperlichen Fähigkeiten berücksichtigen: Um die Räume so authentisch wie möglich zu erhalten, wurden die Gänge in ihrer ursprünglichen Form belassen, wobei einige Bereiche nur 40 cm breit sind. Die höchste Stufe auf der Extremtour beträgt 42 cm. Der Besucher sollte weder Platzangst haben, noch allzu unsportlich sein. Zu dicke Menschen könnten stecken bleiben ;-)
Die unterirdischen Extremtouren werden nur in Begleitung eines Führers und nach vorheriger Anmeldung für kleine Gruppen (bis zu 10 Personen) angeboten. Die Führung dauert etwa 1,5 Stunden. Die Dauer und die Route der Tour können an die Wünsche der Gruppe angepasst werden.
Weitere Informationen und Voranmeldung unter der Telefonnummer + 3706 00 12080 oder per E-Mail an katedrospozemiai[@]bpmuziejus.lt

Am Eingang der Kathedrale...der gehörnte Moses
Nachdem wir die normale Krypta schon spannend fanden, wollten wir unbedingt die Extended Tunnel Tour mitmachen. Unser Guide Dalia führte uns nicht nur durch das Tunnelsystem, sondern erzählte uns allerlei Kurzweiliges. Tatsächlich haben geführte Touren auch ihre Vorteile. So hat der Moses vor der St. Stanislaus Kathedrale in Vilnius, unter der ja unsere Wanderung stattfindet, Hörner. Ursache dieser eigentlich ungewöhnlichen Teufelshörner für einen Heiligen war ein Übersetzungsfehler des Hieronymus, der die Bibel im 4. Jahrhundert vom Hebräischen und Griechischen ins Lateinische übersetzte. Im Kapitel Exodus machte er aus dem Wort KRN (Keren) statt der eigentlichen Bedeutung "glänzend, mit Strahlen versehen" ein "gehörnt" (Karan). Also meißelte Michelangelo den Moses mit Hörnern.

Reitermonument Großfürst Gediminas. Auch hier gab es beim Bau historisches Unwissen. Wichtige Persönlichkeiten wurden NIE neben dem Pferd dargestellt, das war den Knechten vorbehalten, sondern immer auf dem Pferd. Natürlich fällt uns Touristen so etwas nicht auf.

Da die St. Stanislaus Kathedrale während der sowjetischen Besatzung nicht als Kirche genutzt, sondern völlig ausgeplündert wurde, ist sie komplett schmucklos und nüchtern. Nur eine Nische sticht aus dieser Nüchternheit heraus. Die wertvollen Metalldekos und die Fresken wurden irgendwie in der Sowjetzeit versteckt und überdauerten so den "Kommunismus".

Wahrscheinlich sah die Kathedrale früher komplett so schön aus

Foto mit den entdeckten Kirchenschätzen

Teil des Kirchenschatzes von St. Stanislaus
Vor dem Einmarsch der Roten Armee wurde der Kirchenschatz versteckt. Und zwar in einer Nische im Treppenhaus. Die wurde zugemauert und erst nach der Unabhängigkeit wieder geöffnet. Da niemand mehr wusste, wo das Versteck war, fragten die Litauer in Krakau nach. Warum in Krakau? Weil 1940 in Vilnius nur Polen und Juden waren und keine Litauer.

In der Krypta befand sich das Grab von Barbora Radvilaite, auch die schöne Barbora genannt

So hat man Barbora Radvilaite gefunden. Der Schmuck ist auch ausgestellt.

So, hier fängt der eigentliche extreme Tunnel an. Durch dieses Loch muss man krabbeln.

Mal sehen, ob sich in den Gräbern noch was bewegt. Eine Taschenlampe sollte dabei sein.

Lüftungsschächte. Jahrelang musste die Belüftung zu sein. Deshalb war bei der Öffnung der Tunnel alles verschimmelt. Durch die hohe Feuchtigkeit wurden alle Skelette in den Tunneln zerstört. Von den aufbewahrten Skeletten, die vielleicht mal zu Heiligen werden könnten, ist bis auf eins alles vergammelt. Man kann bei einer Heiligsprechung kein Knöchelchen mehr verwenden.

In den Tunneln befindet man sich ca. 3 Meter über der Ebene, an der früher die Kirche von König Jogaila stand. Mit jeder neuen Bebauung ging es höher.
Hier und an vielen anderen Stellen sieht man die verschiedenen Bauweisen. Von Feldsteinen über Brandsteine zu Beton.
Durch die Hochwasser in den 1930er Jahren wurde die Kathedrale beinahe zum Einstürzen gebracht. Damals begann man unter der gesamten Kirche Stützen aus Beton zu gießen. Nur so hat die Kirche bis heute gehalten. Allerdings legte man nicht viel Wert auf Archäologie. So wurde leider sehr viel zerstört.

Dieser seltsam geformte Schuh wurde bei der Freilegung des Tunnelsystems gefunden. Über die Ursache der komischen Form kann man nur spekulieren. Entweder gehörte er einem der Dachdecker, der sich so besser auf dem Dach festkrallen konnte, oder einem Orgelspieler.

Am Anfang des Tunnelsystems gibt es Überschuhe, da es an manchen Stellen schlammig ist.

Vorsichtig auch vor den Pilzen. In der Dunkelheit hatte ich das Gefühl, sie wollten mich beißen.

Das Kanalsystem wurde 1941 zugemauert, da sich viele Juden auf der Flucht im unterirdischen Tunnelsystem versteckten

Zu dick darf man nicht sein. Ich hatte schon Probleme.

Unter den Säulen verlief ein Tunnelgang

Und am Schluss haben wir uns noch etwas gewünscht...auf dem Wunderstein
Ačiū Daliai už labai gražią ekskursiją! Interessante Besichtigung, sehr zu empfehlen!
Kanuverleih Birzai
In der Nähe von Birzai kann man auf dem litauisch- lettischen Grenzfluss Nemunelis (lettisch Memele) von mehreren Abfahrtsorten bis zum Golf von Riga (also "unsere" Oststee) fahren. Durch wilde unberührte Natur, bis vor Bauska immer an der Grenze entlang. Man kann mit den Kanuverleihern ein´Ziel vereinbaren oder sich flexibel abholen lassen.
Uns hat die Tour Loceriai bis Parupe viel Spass gemacht.
Asta Miseviciene vermietet Kanus auf ihrem großen Hof bei Loceriai, etwa 10 km östlich von Nemunelio Radviliskis.
Von ihrem Hof sind wir auch mit den Booten von Sigute Balcuniene abgefahren.
Da das Anwesen nicht nur groß , sondern auch schön ist, folgen unten einige Fotos.
Massengrab in Kedainiai
Anfang 1941 lebten im Kreis Kėdainiai über 4.600 Juden – unter ihnen viele Flüchtlinge aus Polen. In der Stadt selbst lebten etwa 2.500 Juden. Bereits vor Eintreffen der Deutschen in Kėdainiai Ende Juni 1941 organisierten litauische „Aufständische“ (sogenannte Partisanen oder LAF) Übergriffe, Plünderungen und Morde unter der jüdischen Bevölkerung, denen ungefähr 100 Männer zum Opfer fielen. Zum Entsetzen der Juden wirkten bei dieser Jagd viele aus der lokalen Intelligenz mit. Arbeitsfähige wurden zur Zwangsarbeit getrieben.
Unter dem Vorwand eines Arbeitseinsatzes ermordeten litauische Hilfstruppen und Deutsche unter Leitung des Rollkommando Hamann am 23. Juli 1941 125 jüdische Bewohner und Kommunisten in einem nahe gelegenen Wald. Kurz danach ließ der von den Deutschen eingesetzte Bürgermeister ein mit Stacheldraht umzäuntes und von Litauern bewachtes Ghetto bei der Synagoge einrichten, in das ca. 1.000 Menschen – die Juden der Stadt, die dorthin geflohenen Juden der umliegenden Dörfer, eine unbekannte Zahl von Juden aus den Orten Žeimiai und Šėta – eingepfercht wurden. Den unmenschlichen Lebensbedingungen erlagen bereits hier zahlreiche Menschen.

Massengrab ausserhalb von Kedainiai
Am 15. August wurden alle Ghetto-Bewohner im Hof der Synagoge zusammengetrieben. Über 14 Jahre alte Männer wurden in die Scheunen auf dem Gestüt des Grafen Totleben zwei Wochen lang ohne Nahrung eingesperrt. Alte, Frauen und Kinder folgten am 26. August. Am 28. August trieben litauische Hilfspolizisten unter dem Befehl des Rollkommando Hamann zuerst die Männer in Gruppen zu den von sowjetischen Kriegsgefangenen zuvor ausgehobenen Gruben beim Fluss Smilga, danach Frauen und Kinder, die auf brutale Weise ermordet wurden. Der Massenerschießung, die bis zum Abend andauerte, wohnten auch litauische Prominente wie der Bürgermeister, der Rektor der Schule und ein katholischer Priester bei. Um die in den Scheunen eingesperrten Opfer über ihr Schicksal möglichst im Ungewissen zu lassen, ließ man Traktorenmotoren laufen, um die Schreie und Gewehrsalven vom 2km entfernten Ort des Massakers zu übertönen.
Im Jäger Bericht steht zu Kedainiai:
23.7.1941 83 Juden, 12 Jüdinnen, 14 russ. Komm., 15 lit. Komm., 1 russ. O-Politruk.
Einen Monat war man schon abgehärteter:
28.8.1941 710 Juden, 767 Jüdinnen, 599 Judenkinder
Infos aus gedenkorte-europa.eu und dem Jäger Bericht
Fotos alles-ueber-litauen.de
Noch ein kurzes Übersichtsvideo:
Geležinis Vilkas
Artikel ist in Arbeit...
Der Eiserne Wolf (Gelezinis Vilkas) war eine faschistische litauische Organisation in der Zeit von 1927-1934, die zum größten Teil aus Militärangehörigen, aber auch Schüler und Studenten bestand. Sein Name stammt vom litauischen Herrscher (Großfürst) Gediminas, der der Legende nach in einem Traum vom Eisernen Wolf den Auftrag zur Gründung einer Stadt, Vilnius, bekam. Ursprünglich als Sportverein gegründet, wurde der Eiserne Wolf schnell zu einer paramilitärischen Einheit die Jugend und Kampf, Vaterland und Ehre, ähnlich den italienischen Faschisten, verherrlichte. Augustinas Voldemaras nutzte den Eisernen Wolf um seine Macht zu sichern.
1929 wurde Voldemaras als Premierminister von Präsident Smeton wegen seinen faschistischen Forderungen gestürzt und der Eiserne Wolf offiziell aufgelöst. Im Untergrund arbeiteten die Mitglieder aber weiter gegen die Regierung Smetona und wagten 1934 sogar einen Putsch, der aber scheiterte. Zahlreiche Mitglieder organisierten sich in anderen faschistischen Organisationen wie des LAS (Bund Litauischer Aktivisten) und der LAF (Litauische Aktivisten Front). Nicht wenige beteiligten sich am litauischen Aufstand gegen die sowjetischen Besatzer, als Nazi-Deutschland die Sowjetunion angriff. Ist der Aufstand natürlich legitim, disqualifizieren sich diejenigen, die aus Rassenhass dabei Verbrechen begehen. (Siehe als Beispiel das Lietukis Massaker).
"Der Verband (Gelezinis Vilkas) hatte kein politisches Programm, sondern verstand sich als aktive politische Wache des litauischen Volkes, der alle »antivölkischen« und »antistaatlichen« Aktivitäten bekämpfen wollte, um eine neue Ordnung nach italienischem Vorbild zu schaffen. Seine Hauptgegner sah er in Polen und Juden. Er behauptete, seine Ziele seien »die Ehre des Volkes und das Wohlergehen des Staates«. In Kaunas hatte der Gelezinis Vilkas 1930 etwa 1.000 bewaffnete Mitglieder." (Dieckmann "Deutsche Besatzungspolitik")
Mitglieder des Eisernen Wolfes patrouillierten nach den Slobodker Exzessen gemeinsam mit der Polizei nachts durch die Straßen (aus Angst vor Vergeltung der vorher misshandelten Juden, die durch Kaunas gehetzt wurden). Dieckmann Besatzungspolitik S 127
"Die litauische Politik der Urbanisierung und Schaffung einer ethnisch-litauischen Mittelschicht machte die 'Juden' zu »Konkurrenten«. Die akuteste Gefahr ging dabei nicht von der Staatsführung aus, sondern von den stärker werdenen Faschisten, vor allem der Kampfbund »Geležinis Vilkas« (Eiserner Wolf unter Augustinas Voldemaras, und allmählich auch von weiteren größeren Gruppen der litauischen Gesellschaft." Antisemitismus und andere Feindseligkeiten Jahrbuch 2015 S. 88
Zvi Zitelman schrieb 1997 in "Bitter Legacy" über den Eisernen Wolf:
"One can only speculate as to the motivations of the collaborators. In some cases personal greed clearly played a role, the executioners robbing the corpses and property of the victims. In others, especially the adherents of the Iron Wolf, there was an ideological commitment as deep as that of the Nazis to the elimination of the Jews." Bitter Legacy S. 101
Christoph Dieckmann schreibt in "How did it happen":
"In the 1930s,...,Lithuania had its own Fascist movement. This organisation was called Geležinas vilkas (Iron wolf). ...
Geležinas vilkas was founded in 1929 by Voldemaras... The main enemies for them were Poles and Jews. Lithuanians had to be the masters of their own destiny again!"
Geležinas vilkas was ..."a monk-like organisation with strict rules, like the SS for the Nazi Party. For them, anti-Semitism was a tool for fighting Smetona. As radical and extreme nationalists they critizised Smetona because he was too Jew-friendly."
Mitglieder des Eisernen Wolfes, so Dieckmann weiter, waren vor allem junge Christdemokraten, Mitglieder der Streitkräfte, Soldaten, Luftwaffe und der Flugschulen. 1930 wurde der Geležinas vilkas verboten und die Mitglieder verfolgt.
Ein Putsch des GV im Juni 1934 gegen Präsident Smetona wurde von Petras Kubiliūnas angeführt. Kubiliūnas war später 'Erster Generalrat' der litauischen Verwaltung und somit der nächste Verbündete der Deutschen Besatzer.
Christoph Dieckmann schreibt zu den geistigen Umtrieben der Leute des Eisernen Wolfes (die an alle radikalen Bewegungen weltweit erinnern):
"These radicals thought the country was in such a deep crisis that moderate measures would not save the nation."
Dieckmann weist auf ein Dokument in der US Library of Congress hin "Trial of the Major War Criminals before International Military Tribunal, Volume XXXI " in der es um den Eisernen Wolf geht. (S.385-91)
Minarett in Kedainiai
Ein zylinderförmiges, 25 m hohes Gebäude mit 78 Stufen und einer nadelförmigen Kuppel wird von einer Mondsichel, dem Symbol des muslimischen Glaubens, vervollständigt, und der obere Teil ist von einem zarten Balkon umgeben, der mit prismenförmigen, Stalaktiten ähnlichen Ornamenten aus der Fauna verziert ist.

Minarett der Moschee von General Totleben
Die Basis des Minaretts ist mit halbrunden Nischen und einer halbrunden Fensterfläche verziert. An der Südfassade ist eine arabische Inschrift auf einer Gipstafel angebracht, die besagt, dass dieser Palast, der mit seiner Schönheit an den Garten Eden erinnert, von Seiner Majestät Sultan Mehmed errichtet wurde. Er schmückte diesen majestätischen Palast auch so aus, dass ein schönerer und prächtigerer Palast nicht einmal im Himmel gefunden werden konnte. Die ursprüngliche Marmortafel mit diesem Eintrag, die das Minarett bis zum Beginn dieses Jahrhunderts schmückte, wurde höchstwahrscheinlich aus einem Palast an der Nordostküste des Schwarzen Meeres mitgebracht.
Das Minarett wurde nach dem russisch-türkischen Krieg von 1877-1878 von General Eduard Totleben errichtet. Die Moschee war ein quadratisches, einstöckiges Gebäude mit einem flachen Dach, das von hölzernen Pfeilern gestützt wurde. Die Moschee war mit dem Minarett durch eine Minbar verbunden, eine Steintreppe, die zum Lesen des Korans diente. Die Moschee war ein quadratisches, einstöckiges Gebäude mit einem Vorbau, der mit einer durchbrochenen Wand und einer hohen Kuppel verziert war. Darüber befand sich ein niedriger Schock, der mit einer vergoldeten Mondsichel abgeschlossen wurde. In der Moschee und im Vogelhaus bewahrte Totleben folgende Gegenstände auf, die seine Vergangenheit würdigen sollten: ein Weinglas, das beim Toast mit dem russischen Zaren Alexander dem Zweiten zerbrochen wurde, ein elegantes Messer, das Kaiserin Alexandra geschenkt hatte, ein Fernrohr des berühmten russischen Admirals Pawel Nachimow, goldene bewährte Waffen, Helme, Gläser und Scharniere.
Das exotische Gebäude diente vor dem Zweiten Weltkrieg als Dekoration des Gutsparks von Kėdainiai und war das einzige Gebäude dieser Art in ganz Litauen. Nach dem Krieg wurde die Moschee abgerissen, und Anfang dieses Jahrhunderts verbrannte das Vogelhaus infolge von Nachlässigkeit.

Gebaut 1877

Leider steht nur noch das Minarett

Kedainiai Minarett
Standseilbahn von Žaliakalnis
Die Standseilbahn von Kaunas ist eines der markantesten und originellsten Zeichen für die Modernisierung der Infrastruktur von Kaunas aus den 1930er Jahren, die den Prozess des schnellen Wachstums der Stadt bezeugt.

Talstation der Standseilbahn Zaliakalnis, rechts Bronius Zalensas Skulptur " Das Mädchen mit der Hirtenflōte"
Viel Aufmerksamkeit wurde der Verbesserung der städtischen Infrastruktur gewidmet - Wasserversorgung, Kanalisation, Verkehr. Beim Bau der Standseilbahn Žaliakalnis wurden deutsche Spezialisten hinzugezogen: Das Leipziger Ingenieurbüro "Curt Rudolph Transportanlagen" erstellte das Projekt und produzierte die Standseilbahn; die elektrische Ausrüstung wurde von der Firma "AEG" geliefert, das Fahrgestell wurde von der Schweizer Firma "Theodor Bell" erworben, die Wagen wurden von der amerikanischen litauischen Firma "Amlit" Kaunas hergestellt. Die Fahrt mit der Standseilbahn dauerte 1 min. 38 Sek. Im Jahr 1931.
Adresse Talstation: V. Putvinskio g. 22, 44212 Kaunas, Litauen
Mein Sohn fragte, warum man die teure Bahn gebaut hat. Man hätte doch auch die danebenliegenden Treppen nehmen können. Gute Frage...Luxus?
Interessant auch die auf der gegenüberliegenden Talseite liegende Standseilbahn Aleksotas. Vielleicht noch etwas schöner und sogar mit Videos, als die Maschinen in Betrieb sind. Der Blick von Aleksotas ist wahrscheinlich der schönste auf die Stadt.

Blick nach unten

Maschinenraum Zaliakalnis Standseilbahn

Leitwarte

Maschinenraum

Maschinenraum Zaliakalnis

Waggon der Standseilbahn

Talstation
Und noch ein kurzes Video von der Fahrt
Kloster Pažaislis
Diese Tour durch Kaunas wurde für uns von der Kaunasser Reiseführerin Diana Valenskaite-Dubatauskiene organisiert. Neben dem Kloster Pažaislis hat sie uns auf unseren speziellen Wunsch hin das V. Fort mit seinen vielen dunklen Gängen gezeigt. Es war für alle Reisenden ein sehr schöner Tag und Diana wirklich zu empfehlen.
Das Kloster Pažaislis liegt am Kaunasser Meer und beherbergt eine der schönsten Barockkirchen Litauens. Durch die Lage in der Natur und am zum "Meer" aufgestauten Nemunas (Memel), hebt es sich von den eingezwängten Sehenswürdigkeiten der Stadt wohltuend ab. Laut booking - com sind die Übernachtungspreise sogar erschwinglich.

Klosteranlage Pažaislis aus der Luft...Foto ©M. Pretzsch
Kloster Pažaislis
Das im ehemaligen Pilgerhaus untergebrachte 4 Sterne Hotel Monte Pacis mit einem eleganten Restaurant lädt nach der Besichtigung zu einer Verschnaufpause ein.
Gegründet wurde das Kloster 1664 durch den litauischen Kanzler Kristupas Pacas (dessen Vetter Mykolas Kazimieras Pacas die Peter und Paul Kirche in Vilnius stiftete).

Kristupas wollte mit der Kirche an seinen einzigen Sohn erinnern, der schon 8 Tage nach seiner Geburt gestorben ist. Vermutet wird aber, dass er sich ein prunkvolles Vermächtnis schaffen (und nach seinem Tod in der Kirche begraben sein wollte). Zudem versuchte er das Bauwerk seines Vetters in Vilnius zu übertreffen.
Man beachte die Internationalität Pacas. Er stammt aus dem litauischen-polnischen Adelsgeschlecht der Pacai. Er studierte in Krakau, Liege und 8 Jahre an der Universität Perugia.
1658 wurde er Kanzler des Großfürstentums Litauen. Pacas erreichte durch ein Gesetz, dass jede dritte Versammlung des Sejms (litauisch-polnisches Parlament) in Grodno, im damaligen litauischen Großfürstentum stattfinden musste. Grodno liegt heute in Weißrussland, zwischen Druskininkai und Bialystok. Verheiratet war er mit Claire Isabelle Eugenie de Mailly-Lespine, einer französischen Adligen. Nach ihrer Heirat war sie in der polnischen Politik engagiert und hielt sich weiter am Hof der polnischen Königin Marie Louise Gonzaga auf.
Die Kuppel ist 54 Meter hoch
Untergebracht waren im Kloster die als streng geltenden Kamaldulenser Mönche, die Pacas in seiner Jugend in Italien kennengelernt hatte. Sie sind die einzigen Mönche, die sich auch heute noch manchmal in Eremitenhäuser einmauern lassen, um besonders eifrig zu beten oder über ihre Sünden zu grübeln, wer weiss.
Anfang der 1990 er Jahre standen noch 3 der früher 13 Eremitenhäuser, die mittlerweile renoviert sind. Seit 1992 wird das Kloster Pažaislis vom Orden "Schwestern des heiligen Kasimir" betreut.
Wie so vieles in Litauen, hat auch das Kloster Pažaislis eine bewegte Vergangenheit. Während der russischen Besatzungszeit wurde der Katholizismus zurückgedrängt und das Kloster russisch-orthodox. Weil der orthodoxe Glaube sich ja in Details stark vom Katholizismus unterscheidet, Ironie, wurden die kompletten Fresken im Kloster übermalt. Den Rest gab den Bildern die hier ab der 2. russischen Besatzung 1940 untergebrachte Wäscherei der nun in Pažaislis eingerichteten Irrenanstalt. Die Wasserdämpfe verursachten starke Schäden. 1812 plünderten Napoleons Truppen das Kloster und im I. Weltkrieg litt das Kloster unter einem deutschen Lazarett.
Mühsam konnte man nach der litauischen Unabhängigkeit einige der alten Bilder renovieren.
Trotz der Schäden sieht man noch viel prachtvolles im Kloster, wie man auf den Bildern sieht.
Kommt man in die Kirche, muss man über eine Marmorplatte laufen, mit der Pacas an die Gleichheit der Menschen erinnert:
Unsere Reiseleiterin Diana erklärt uns die Mahntafel
"Der, der du diese Tafel liest, wisse, hier liegt ein Sünder."
Die Kirche wurde von italienischen und deutschen Meistern geplant und ausgestattet. Ihre Kuppel hat eine Höhe von 54 Metern.
Madonna mit Kind. Wirkt Wunder!
Besonders interessant ist auch das von Kristupas Pacas gestiftete Bild der Jungfrau Maria mit Kind. Pacas hatte das als wundertätig bekannte Bild von Papst Alexander VII. geschenkt bekommen. Im I. Weltkrieg nahmen es die russisch-orthodoxen Mönche mit nach Russland. Das Kloster Pažaislis bekam es erst 2000 zurück, nachdem es seit 1928 im Dom von Kaunas hing.
Etwas geheimnisvoll, wie in vielen alten Krypten, geht es auch im Keller des Klosters Pažaislis zu. Das Ehepaar Pacas ist hier begraben. Leider wurden die Gräber in der wechselhaften Geschichte des Klosters mehrfach von Vandalen heimgesucht und Kristupas und Klara wurden erst 2003 vom Kaunasser Erzbischof neu bestattet.
Gräber in der Krypta
Das Kloster Pažaislis ist ein sehenswertes Ziel für Liebhaber von Achitektur, Geschichte, Natur, sowie wegen der gehobenen Gastronomie, Freund guten Essens!
Webseite Kloster Pazailslis
T. Masiulio g. 31
Kaunas
Anmerkungen sowie Verbesserungen sind immer willkommen!
Litauische Nationalbank in Kaunas
Klassizistisches Gebäude der Litauischen Nationalbank. Besuch nur nach Voranmeldung, die aber online möglich ist.

Das Gebäude der Litauischen Nationalbank in Kaunas
Das historische Gebäude in Kaunas, ein wichtiges Stück neoklassizistischer Architektur in Litauen und in der Geschichte des Bankwesens, wurde Ende der 1928er Jahre erbaut. In dem eigens für die Bank von Litauen errichteten Gebäude können Sie das authentische Interieur des Bankgebäudes und atemberaubende Gemälde von Künstlern der Kaunas School of Art aus der Zwischenkriegszeit bewundern sowie den Konferenzsaal des Rates und des Vorstandes der Bank von Litauen besuchen, wo noch heute Sessel mit Monogrammen der Bank von Litauen stehen, die Wohnung mit der acht Meter hohen Kuppel von Premierminister Augustinas Voldemaras besuchen, einen der ältesten noch funktionierenden Aufzüge in Kaunas und Tresortüren mit einem Gewicht von drei Tonnen besichtigen und die Ausstellung Geldmuseum der Bank von Litauen besuchen.

Der Haupteingang zur Lobby

Der Konferenzsaal
Das historische Gebäude der Bank von Litauen in Kaunas, in dem die Zentralbank in der Zwischenkriegszeit tätig war, beherbergt die Exposition des Geldmuseums der Bank von Litauen. Diese Ausstellung zeigt die lange und reiche Geschichte des Geldes und des Bankwesens in Litauen: das erste litauische Geld, das im 13. Jahrhundert erschien, die Münzen des Großfürstentums Litauen, die Gründung der Bank von Litauen und die Schaffung des nationalen Währungssystems nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates, der 2015 der Eurozone beitrat.

Ausstellung des Geldmuseums

Litauisches Geld im Laufe der Geschichte

Repräsentive Räume in denen Voldemaras residierte

Zimmer der Wohnung von Augustinas Voldemaras

Voldemaras Wohnung

Ähnliches Foto, aber andere Details

Kuppel in Augustinas Voldemaras Wohnung
Adresse:
Maironio g. 25, LT-44250 Kaunas
Text, Idee und Fotos:
Rūta Kupraitienė und Egidijus Mileris, Lietuvos Bankas (Litauische Nationalbank, aciu!)
Führungen kann man buchen unter folgendem Link: https://www.pinigumuziejus.lt/en/
Dort auf "Plan Your Visit" klicken und den Angaben folgen.
Moschee Kaunas
Die recht schmucke Moschee von Kaunas liegt nicht weit vom Sugihara Museum im Ramybes Park.

Moschee von 1930 im Ramybes Park
Sie ist eine von nur vier Moscheen im Baltikum und die einzige aus Ziegelsteinen.
Ihre Geschichte spiegelt auch die Änderungen in Litauen wider. Die ersten Moslems siedelten sich im Großfürstentum Litauen im 15. Jahrhundert an. Wahrscheinlich waren sie Soldaten oder Wachen der Herrschenden. Litauen hatte damals eine Ausdehnung bis zum Schwarzen Meer.
Zuerst gab es eine hölzerne Moschee, die aber von den Soldaten Napoleons im Winter 1812 verbrannt wurde. 1906 wurde eine neue hölzerne Moschee gebaut. Es gab zwar Anfangs des 20. Jahrhunderts nur etwa 100 Moslems in Kaunas, die russische Garnison in den Festungen hatte aber viele muslimische Gläubige, so dass die Freitagsgebete gut besucht waren.

1930 wurde die hölzerne Moschee durch einen Bau aus Backsteinen ersetzt. Geholfen hat hier der Staat Litauen, den es seit 1919 wieder gab. Anlass war der 500. Geburtstag von Vytautas dem Großen, dem man die Ansiedlung von Tataren in Litauen nachsagt. Gebaut und geplant wurde die Moschee von zwei litauischen Architekten. Der Bau mit Minarett und Kuppel wurde 1933 beendet. Das Erdgeschoss ist für die Männer, die Empore für die Frauen.

Gebetsraum
Im 2. Weltkrieg wurde die Moschee ausgeraubt und während der sowjetischen Besatzung diente das Gebäude als Lager und ab 1950 als Zirkus von Valentinus Dikulis. 1980 wurde hier eine Bücherei und das Ciurlionis Museum untergebracht. Während sich das Äußere der Moschee nicht geändert hat, wurde im Inneren alles neugestaltet. 1989 wurde die Moschee den Gläubigen zurück gegeben, 1991 wurde der erste Gottesdienst gehalten.

Der Frauenbereich
Da sich in Kaunas keine verantwortliche Organisation für die Moschee finden ließ, gab es eine Vereinbarung mit der türkischen Religionsbehörde, die auch die Imame nach Kaunas schickt. Die Türkei hat auch 2018 die komplette Renovierung der Mosche übernommen.

Oben der Bereich für Frauen
Wir wurden mit unserer Bitte nach Fotos im Inneren freundlich aufgenommen.
Juden in Birzai
Foto:privat/Historisches Museum Riga
Das "Deutsche Reich" weckte in Litauen, wie bei anderen von Russland besetzten Staaten auch, die Hoffnung auf Unabhängigkeit.
Leider brachten die Deutschen nicht die ersehnte Freiheit, sondern ermordeten mit litauischen Hilfstruppen die gesamte jüdische Bevölkerung.
Salomėja Neris Museum

Salomeja Neris Museum in Kaunas
Salomėja Neris wurde als Salomėja Bačinskaitė-Bučienė am 17. November 1904 in Kiršai, damals Russland, heute wieder Litauen, geboren. Sie studierte litauische und deutsche Sprache, Psychologie, Theologie, Pädagogik und Literatur an der litauischen Universität in Kaunas.
Salomeja Neris in der Rubrik Kultur
Salomeja Neris kontrovers, sollen Straßen umbenannt werden?

Salomeja Neris
Nach ihrem Studium arbeitete sie als Deutschlehrer in Lazdijai, Kaunas und Panevėžys. Sie schrieb schon früh eigene Gedichte (unter den Pseudonymen Liūdytė und Juraitė, ab 1923 unter dem Pseudonym Salomėja Nėris) und veröffentlichte ihre erste Sammlung mit dem Namen „Anksti ryta“ (Am frühen Morgen) 1927.

Reichlich Infos und Bilder

Bilder und Gedichte

Salomeja Neris Arbeitszimmer

Schlafzimmer von Salomeja Neris und Bernardas Bučas
Bis 1931 wurden ihre Gedichte auch in Konservativen und Katholischen Zeitungen verwendet. Bei einem Studienaufenthalt 1929 in Wien traf sie den Medizinstudenten Bronius Zubrickas. Zubrickas machte Neris mit sozialistischen Idealen bekannt
1931 zog sie nach Kaunas, unterrichtete dort und arbeitete als Lyrikerin, Lektorin und Übersetzerin. Ab 1931 erschienen auch Verse mit revolutionären Motiven, die in der (je nach Quelle avantgardistischen oder pro-kommunistischen Zeitung) „Dritte Front“ erschienen.
Ein Versprechen von ihr, für den Kommunismus zu arbeiten, stammt scheinbar aus der Feder von „Dritte Front“ Chef Kostas Korsakas. Neris wird nachgesagt, sie interessierte sich mehr für Gedichte als für Politik.
1938 erschien Nėris „schönster“ Gedichtband „Diemedžiu žydėsiu“ (Löwenzahnblüten), für den ihr der staatliche Literaturpreis verliehen wurde.

Die litauische Delegation in Moskau (von links P. Cvirka, A. Venclova, L. Gira, S. Buciene, K. Korsakas)
Mit dem Einmarsch der Sowjetunion 1940 und ihrem damaligen Verhalten dazu, ist das angespannte Verhältnis von vielen Litauern und der Dichterin zu erklären. So gehörte Neris einer litauischen Delegation an, die nach Moskau reiste, um (natürlich war das alles Show) Stalin um die Aufnahme Litauens in die große (glückliche) kommunistische Volksgemeinschaft zu bitten. Während Antanas Venclova (der Vater von Tomas Venclova), der auch dieser Delegation angehörte und danach in der litauischen Regierung als Minister tätig war, und somit seine Unterstützung für die sowjetische Besatzung zeigte, wurde Salomėja Neris schwer krank und man kann also nicht wissen, wie ihr weiterer politischer Weg ausgesehen hätte.

Bernardas Bučas an Neris Krankenbett
Schön umschrieben steht in der „Klassischen Litauischen Literatur Anthologie“:
„Salomėja Nėris ist die bekannteste Dichterin, die in der Zeit der Unabhängigkeit aufgewachsen ist und künstlerische Höhepunkte erreicht hat. Mit ihrer Reinheit des Gefühls, ihrer Leichtigkeit der Form und ihrem Wohlklang ist sie eine wahre Nachtigall, unkompliziert in den Tiefen ihres Denkens, aber bestechend durch die Offenheit ihres Herzens. Doch die Verstrickung Nėris in die bolschewistische Falle und der Tribut, den sie der kommunistischen Propaganda zollte, beflecken ihre Person und ihr Werk.“
Ihre Werke sind in über 30 verschiedene Sprachen übersetzt worden.
Salomėja Neris wurde um ein Gedicht für Stalin gebeten, für das sie posthum 1947 den Stalin Preis verliehen bekam. Beim Besuch der litauischen Delegation sagte die das „Gedicht für Stalin“ vor dem Obersten Sowjet auf. Natürlich kommt das in einem Land, das unter dem Trauma von einer russischen und zwei sowjetischen Überfällen leidet, nicht so gut an.
Während des II. Weltkriegs war sie in Russland.
Als sie nach dem Krieg nach Kaunas zurückkehrte, diagnostizierte man bei ihr Leberkrebs. Die Litauer sagen, Russland wollte seinen medizinischen Fortschritt zeigen, und man flog Neris in ein Krankenhaus in Moskau. Aber auch dort konnte man ihr nicht mehr helfen.
Sie liegt heute auf dem Friedhof Petrašiūnai, am Meer von Kaunas.
Ihr Künstlername war Neris, der Name des zweitgrößten litauischen Flusses.
Wir können ihre Dichtung nur schwer beurteilen, denken aber, dass sie eine interessante litauische Persönlichkeit war. Und es ist gut, dass Litauen sich hier im Salomėja Neris Museum an sie erinnert.

Bernardas Bučas
Das Museum ist im ehemaligen Wohnhaus von Neris und ihrem Mann, dem Bildhauer Bernardas Bučas, untergebracht. Neris lebte hier von 1937 bis 1941, als sie mit ihrem Sohn vor den Nazis flüchten musste.
Das Ehepaar hat einen Sohn, Saulius.
Bernardas Bučas hat Figuren auf der „Grünen Brücke“ in Vilnius mitgestaltet. Diese Figuren sind im Rahmen der „antisowjetisierung“ abgebaut worden. Kunst reißt man ab, die Plattenbauten lässt man stehen.

Die litauische Delegation in Moskau. Die Jungs bitten Stalin um Aufnahme ihres litauischen Landes ins Paradies. Hier lauschen sie Salomeja Neris Gedichten.
Im Museum gibt es eine Ausstellung mit vielen Bildern von Neris, ihrem und Bučas Arbeitszimmern und das extravagant gebaute Schlafzimmer. Das Museum ist mit dem Bus (der Bus fährt vor dem Busbahnhof Richtung Bahnhof ab) und natürlich mit dem Auto leicht zu erreichen. Die Lage und die Aussicht am Kaunas Mare (das Meer von Kaunas) sind sehr schön!
Salomeja Neris reiste gerne:

Unter anderem mit Balys Sruoga 1930 in Berlin
Wie immer: Anmerkungen und Verbesserungen sind willkommen.
Sugihara Museum
Das Sugihara Museum in Kaunas befindet sich im Haus des ehemaligen japanischen Konsulats in Kaunas. Das in privater Regie geführte Museum (keine Unterstützung vom Staat) erinnert an den japanischen Vizekonsul Chiune Sugihara und den kommissarischen Konsul der Niederlande, Jan Zwartendijk.

Sofort nach der Fertigstellung des Hauses, zog das Japanische Konsulat ein. Hier stellte Konsul Sugihara Visa für Flüchtlinge aus.
Beide arbeiteten 1940 (!) Hand in Hand, um Juden die Flucht aus Litauen zu ermöglichen. Grund war die Aufteilung Polens im Rahmen des Hitler-Stalin Paktes. Die Sowjetunion marschierte infolgedessen in Ostpolen ein. Später erst in Litauen.
Aus Litauen gab es keine legalen Fluchtmöglichkeiten mehr. Deshalb baten niederländische Juden Jan Zwartendijk um Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt flüchteten die Menschen anscheinend noch überwiegend aus Angst vor den Kommunisten (so das Museum).

Kurze Filmvorführung über Leben und Wirken Sugiharas
Zwartendijk händigte Visa für die Niederländischen Antillen und die Insel Curacao aus. Um zumindest in die Richtung zu kommen (natürlich waren diese Orte nie das wahre Ziel der Flüchtenden) bedurfte es noch eines Transitvisas. Die stellte wiederum der japanische Vizekonsul Sugihara aus.
Kurz zu Zwartendijk. Er leitete die Filiale von Philips in Litauen und wurde, als Litauen von Moskau besetzt wurde, niederländischer Konsul. Hilfesuchende nannten ihn einfachhalber „Mr. Philips Radio“.

Sugihara mit Familie und Botschaftsangehörigen in Königsberg, seinem Einsatzort nach Kaunas
Chiune Sugihara erinnert auf den Bildern im Museum an den Sohn von Charly Chan. Alles was man über ihn liest macht in sehr sympathisch und er verhielt sich nicht (achtung Vorurteile) typisch japanisch. Er befolgte die Befehle seiner Vorgesetzten nicht sklavisch, sondern hörte auf seine menschlichen Gefühle, die er auch schon als Diplomat in China gezeigt hatte.
Sugihara besprach die Visavergabe vorher mit seiner Frau. Und stellte dann in der kurzen Zeit, in der das Konsulat noch existierte zwischen 2.000 und 10.000 Visa aus. Etwa 95% der auswandernden Juden sollen überlebt haben. (Die im Juni 1941 einmarschierenden Deutschen brachten fast alle verbliebenen Juden um).
Sugihara stellte an einem Tag so viele Visa aus wie sonst in einem Monat (angeblich 18-20 Stunden täglich). Die Sowjets akzeptierten die Transitvisa, erhöhten aber für die Flüchtlinge die Ticketkosten für die Transsibirische Eisenbahn um das Fünffache. So konnten nur Wohlhabende das Land verlassen.

Da die Nazis ab Juni 1941 fast alle Juden in Litauen umbrachten, hatten die mit Visa ausgestatteten Flüchtlinge riesiges Glück (im Unglück).
Sugihara wurde 1985 gefragt, warum er den Juden geholfen hat (Hitler hat übrigens von den Japanern die Tötung der in Shanghai internierten Juden gefordert). Er antwortete:
Das „… diese Flüchtlinge menschliche Wesen gewesen seien und dass sie einfach Hilfe brauchten.“

Wege der aus Litauen flüchtenden
Zwartendijk wurde von seinen Vorgesetzten für sein eigenmächtiges Vorgehen kritisiert. Erst 2018 entschuldigte sich der niederländische Außenminister für das Verhalten seiner Amtskollegen.
Das Museum liegt in einer früher wohlhabenden Wohngegend östlich der Altstadt. Viele Sehenswürdigkeiten sind fußläufig erreichbar.
Wir fanden den Besuch lohnenswert. Die Erinnerung an diese mutigen Menschen muss aufrechterhalten werden.

Einer der Ausstellungsräume

Raum der Ausstellung

Geschichte der Flüchtenden
Adresse:
Vaižganto st. 30
Kaunas
https://www.sugiharahouse.com/

Nachdem das Konsulat auf Druck der Sowjets geschlossen wurde, wohnte Sugihara bis zur Ausreise aus Litauen im Hotel Metropolis und stellte dort weitere Visa aus.
Kirche Christi Auferstehung
Kristaus prisikėlimo bažnyčia

Die imposante weiße Christi Auferstehungskirche in Kaunas bemerkt der Besucher von Kaunas Altstadt immer aus dem Augenwinkel und unbewusst denkt man, was ist das wohl für eine riesige Kirche, so untypisch für Litauen.
Tatsächlich ist die Auferstehungskirche im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen in Litauen (in Vilnius wird es wohl nur polnische Kirchen geben) eine echte litauische Kirche und die größte in den baltischen Staaten. Entstanden ist sie aus der Idee, die litauische Unabhängigkeit zu betonen und vielleicht auch den Polen, die die eigentliche litauische Hauptstadt Vilnius besetzt hielten, den eigenen Machtanspruch zu demonstrieren.
Es gab 1922 einen Wettbewerb um die besten Ideen für die geplante Kirche und es gewann nicht der kühne Entwurf des Ingenieurs Karolis Reisonis. Der wurde nur Dritter, hat aber trotzdem den Auftrag bekommen. Wegen Finanzierungsproblemen dauerte es bis 1934, bis mit dem Bau begonnen werden konnte. Vorher wurde weltweit, besonders in den USA um Spenden geworben. In den USA gibt es eine riesige litauische Diaspora.

70 Meter hoch ist der Turm
Die Maße der Kirche sind beeindruckend: der Turm ist 70 Meter, das Mittelschiff 26 Meter hoch. Auf dem riesigen Dach der Kirche befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Blick auf Kaunas hat. Allerdings ist die Aussicht nicht so romantisch. Vom Aleksoto Kalnas (einem Hügelchen, auf den einer der Schrägaufzüge fährt), ist der Blick viel schöner.

Blick auf Kaunas
Die 186 Treppen zur Dachterrasse muss niemand steigen, es gibt einen Fahrstuhl.
Für einen Eckstein der Kirche wurde ein Stein vom Ölberg in Jerusalem besorgt. Dieser Stein wurde am 29.Juni 1934 geweiht und mit der Grundsteinlegung begonnen. Diese Arbeiten kosteten 160.000 Litas, womit das Grundkapital erschöpft war und die Arbeiten erstmal einige Jahre eingestellt werden mussten. 1938 konnten die Wände gemauert und das Dach betoniert werden.

Nüchtern, ohne viel Deko
Das Gebäude besteht aus einem Stahlbetonrahmen und Ziegelwänden. Die 1.500.000 verwendeten Ziegel stammen aus heimischen Ziegeleien. Sockel, Portale und Treppen bestehen aus litauischem Granit. Der Innenraum hat das gigantische Maß von 69x26 Meter bei einer Höhe von 18-26 Metern.
1940 waren die Wände verputzt und die Rahmen für die Fenster eingebaut und provisorisch verglast, als die Kirche im Rahmen der sowjetischen Besetzung Litauens konfisziert wurde. (Außenputz, Turmtreppe, Decke und die Inneneinrichtung fehlte noch).

Die Besatzer nutzten die Kirche nach dem Krieg für eine Radiofabrik (Radio Banga), die Nazis, die die Sowjets 1941-1944 kurz ablösten) nutzten die Kirche als Papierlagerraum.
Während des „Nationalen Erwachens“ forderten die Litauer die Rückgabe des Gebäudes an die Kirche, die 1989 erfolgte. Wegen erneuter finanzieller Schwierigkeiten zogen sich Renovierungen in die Länge. 2004 konnte sie dann geweiht werden und 2015 verlieh Papst Franziskus ihr den Titel „Basilica minor“.

Kapelle der Maria von Siluva
Auf dem 28 Meter hohem Dach der Kirche befindet sich die Kapelle „der Jungfrau Maria von Šiluva“. Hier finden Gottesdienste in kleineren Gruppen statt.
Es wurde festgestellt, dass die Akustik der Kirche ziemlich schlecht war. Deshalb wurde zur Verbesserung der Schallabsorption ein spezieller Putz von Knauf verwendet (mindestens fünf Schichten). Unter den Fenstern und an unauffälligen Stellen installierte man Schalldämpfer.
Adresse:
Zemaiciu gatve 31
Kaunas
Und noch ein Blick von der Dachterrasse auf Kaunas:
Mehr Infos gibt es hier auf einem Info Flyer der Kirche:

Besichtigung Kernkraftwerk Ignalina

Außenansicht mit den Schornsteinen der zwei Kraftwerkblöcke

Vier Säulen als Symbol für die geplanten vier Blöcke
„Lenin, die Macht der Partei und die Kraft des Volkes sichern den Sieg des Kommunismus“
Offizielle Parole beim Kraftwerksbau.
Wir haben das Kernkraftwerk Ignalina im Jahr 2022 besucht. Touren werden von der Firma Praeities Zvalgas angeboten, können aber auch direkt beim Kernkraftwerk Ignalina angefragt werden.
Unsere Besuchergruppe auf einem der zwei Reaktoren
Lohnt sich die Besichtigung, die ja nicht ganz billig ist? Die einzige Dame bei unserer Besichtigung war sich nicht ganz sicher. Alle Männer waren aber begeistert.
Das Kernkraftwerk Ignalina liegt im Osten Litauens, etwa 100 Kilometer von Vilnius entfernt. Vom Typ her ist es gleich dem Tschernobyl Reaktor und war bei der Inbetriebnahme 1983 das leistungsfähigste Kraftwerk der Welt. Über 5000 Mitarbeiter arbeiteten hier. Geplant waren einmal vier Reaktoren, der dritte Block wurde aber kurz nach Baubeginn 1988 gestoppt und der vierte Block wegen der Unabhängigkeit Litauens von Russland gar nicht mehr begonnen.

Wo der Pfeil hinzeigt, standen wir auf dem Reaktor
Technik, Brennstäbe und Betriebspersonal kam vollständig aus Russland, Litauen war ja Teil der Sowjetunion.
Auch heute noch ist die Sprache im Leitstand Russisch. Keine einzige Textstelle Litauisch.

Beschriftungen im Leitstand des AKWs sind alle auf Russisch
Beim Anfahren des ersten Blocks kam es zu Problemen. Das Politbüro hatte den Befehl zum Anfahren gegeben und das Leitstandpersonal hätte sich weigern können, wäre aber bestraft worden.
Beim Zerfall der Sowjetunion wollte Russland nicht mehr mit dem abtrünnigen Litauen kooperieren. Zwar blieb die russische Bedienmannschaft bestehen, die Kontrolle und Wartung des Kraftwerks übernahm aber Vattenfall. Da Litauen von Ignalinas Stromproduktion zu 88 % abhängig war, sollte das Kraftwerk technisch nachgerüstet werden und erstmal weiterlaufen.
Anfang 1996 wurde das Kraftwerk inspiziert (zufällig saß ich damals im Flugzeug neben einem der Inspektoren). Nach seiner Aussage war das Kernkraftwerk in einem guten Zustand. Das war auch die Aussagen der Angestellten in Ignalina bei unserer Besichtigung 2022. Da herrschte Unverständnis, warum man ein Kraftwerk, das locker bis 2040 hätte laufen können, einfach abschaltet.
Der erfahrene Leitstandfahrer zeigt den Notfallknopf
Meine Meinung nach der Kraftwerksbesichtigung ist eine andere.
Bei der Inbetriebnahme 1983 wurden viele Rohre und Kabel nur provisorisch verlegt. Ein großer Teil der Räume hatte noch keine Beleuchtung und Inspektionen mussten mit Taschenlampen durchgeführt werden.
Für die Wartung der Anlagenteile fehlten viele Kräne, so dass der Zustand der Rohre im Block 1 nicht bekannt war.
Im Hintergrund die Druckmessungen der Reaktoren auf denen wir vorher gestanden haben
Für die Dampferzeugung hatten die Sowjets einen französischen Dampfüberhitzer nachgebaut. Die hätten für Wartungen alle drei Jahre ausgebaut werden müssen, wofür aber die Kräne fehlten. Eine mangelnde Wartung hätte zum Austreten von Wasserstoff und somit zu einer Explosion führen können. Ein Austausch aller sicherheitsrelevanter Teile hätte 100 Millionen Dollar gekostet.
1994 drohte der Vater des im Lukishkes Gefängnis zum Tode verurteilten Boris Dekanidse das Kraftwerk in die Luft zu jagen. Danach wurde mehr in die Sicherheit der Anlage investiert. Auch heute wird jeder der das Gelände betritt strengstens überprüft und das Gepäck durchleuchtet (1990 verschwand nämlich mal ein Brennstab, der wohl recht teuer war).
Die riesige Turbinenhalle. Hier standen die Stromturbinen.
Von den ehemals mehr als 5.000 Mitarbeitern arbeiten heute noch 1.800 Menschen bei der Demontage der Anlage. Die Kosten werden von der EU bezahlt, die die Stilllegung vom Kernkraftwerk Ignalina bei den EU-Beitrittsverhandlungen als Voraussetzung eines Beitritts gefordert hatte.
Geplant soll der Abbau 2038 abgeschlossen sein. Allerdings haben die Leute so lange einen sicheren Job, solange an der Anlage gearbeitet wird. Also vielleicht dauert es auch etwas länger.
Dieser Bericht kann natürlich nicht den Eindruck eines Besuches vermitteln. Viele Details waren interessant, zum Beispiel die mit zusammengeklebtem Gummi ausgelegten Fußböden und Treppenhäuser.
Damit sich kein radioaktiver Dreck ansammeln konnte, waren alle Böden gummiert.
Unendliche Flure, schier endlose Lagerräume
Schlecht zu sehen: auf den riesigen Fluren hängen in regelmäßigen Abständen diese Töpfe. Sie dienten der Entsorgung des eventuell radioaktiven Putzwassers. Ob dieses Abwasser später wieder auf "normales" Abwasser trifft, konnten wir nicht überprüfen ;-)

Im Falle einer Störung ging es bestimmt nicht so relaxt zu

Die Leitwarte hier ist ein originalgetreuer Nachbau des eigentlichen Leitstands. Sie befindet sich etwas außerhalb des Geländes vom Atomkraftwerk Ignalina und kann auch besichtigt werden. Nur hier darf man Fotos machen. Im Atomkraftwerk muss man sich nach der Sicherheitskontrolle ausziehen bis auf die Unterwäsche. Man bekommt frische Schutzwäsche, Schuhe, Überschuhe, Hauben und Helme sowie Staubmasken. Natürlich auch Handschuhe, wenn man etwas verbotenerweise anfasst.
Hier im Leitwartenbau wurden Leitstandfahrer aus der ganzen Sowjetunion geschult. Auch die aus Tschernobyl. Der Film Tschernobyl wurde hier gedreht.

Bedienpult

Aufzeichnungen der Ausbilder im Übungsleitstand

Kyrillisch beschriftete Bedienknöpfe

Brennstäbe in der Ausstellung
Kosten der Besichtigung:
Die Buchung über Praeitis Zvalgas kostet mit Transfer von Kaunas und Fahrt zur Leitwarte in Visaginas (das AKW steht im Ort Visaginas) 160Euro
Die Besichtigung gebucht direkt über die Webseite des Kernkraftwerks kostet 60 Euro. Man muss dann selbst zum Leitstand fahren, nachdem die AKW Besichtigung vorbei ist. Die Führung ist von der Buchung unabhängig...die Guides werden vom Kraftwerk gestellt, die auch die Fotos machen.
Ignalina Atomkraftwerk
Elektrinės str. 4
Drūkšinių vil.
31152 Visagino (Der Ort ist Visaginas, nicht Ignalina!)
Litauen
Und der Reiseveranstalter
Ein Besuch ist empfehlenswert!
Mutter von Pirčiupis
Pirčiupiai ist ein Dorf zwischen Druskininkai und Vilnius. Man sieht die Statue der Mutter von Pirčiupis und das Hinweisschild, wenn man die Stelle passiert.
Interessant ist hier der Text auf einer Tafel an der Gedenkstätte. Frei übersetzt aus dem Englischen:
"Während des II. Weltkriegs, am 3. Juni 1944, verbrannten hier die Nazi Besatzer 119 Einwohner von Pirciupiai.
Das Massaker wurde provoziert durch das 14. Kommando unter dem Befehl der Nachrichtenabteilung der Roten Armee.
Am Morgen des 3. Juni griff das 14. Kommando einen motorisierten Konvoi des 16. SS Polizei Regiments auf der Straße Eidiskes-Vilnius an. 6 Nazis starben, 8 sind vermisst. Die Nazi Besatzer reagierten bekanntermaßen auf Überfälle mit Morden an der Zivilbevölkerung um die Partisanen von Angriffen abzuhalten..."
Mir stößt die Intention des Verfassers etwas auf. Vielleicht ist es auch nicht so gemeint, wie ich es verstehe. Mir sind von litauischer Seite jedenfalls keine Aktionen gegen die Deutschen bekannt. Eher im Gegenteil, siehe Geschichte.
„Pirčiupiu Motina“, also die Mutter von Pirčiupis, ist ein Denkmal für die im Dorf Pirčiupis von der SS ermordeten Einwohner. Am 3. Juni 1944 griffen sowjetische Partisanen eine Wehrmachtskolonne in der Nähe von Pirčiupis an und töteten dabei fünf Deutsche.
Als Abschreckung rückte die SS mit 400 Mann im Dorf Pirčiupiai an, sperrte die anwesenden Einwohner in die Dorfkirche ein und zündete sie an. 119 Menschen - Kinder (49), Frauen (61), Männer und Alte verbrannten. Knapp einen Monat, bevor Vilnius von der Roten Armee „befreit wurde“.
In Litauen zerstörten die Deutschen so 15 Dörfer, in Weißrussland dagegen wurden 9.200 Dörfer verbrannt. In Litauen wurde dabei noch versucht möglichst nur polnische oder russische Dörfer zu bestrafen, um die Gunst der Litauer nicht zu verlieren.
Die Sowjets begannen 1958 ein Denkmal zu planen, das an die heldenmütigen Bürger von Pirčiupiai und deren Unterstützung der sowjetischen Partisanen erinnern sollte. Natürlich auch an die Gräueltaten der Nazis. Der litauische Bildhauer Gediminas Jokubonis gewann die Ausschreibung zum Bau eines Denkmals. Allerdings hatten die kommunistischen Machthaber noch einiges an Jokubonis Entwurf auszusetzen. So sagte Justas Paleckis über die Entwurfsskizze „Dieses Weib gefällt mir nicht!“ und die Kulturministerin der Sowjetunion, Ekaterina Furceva soll „skythisches Weib“ zum Denkmal gesagt haben.
Nachdem Jokubonis einige Änderungen an der Figur vornahm, geballte Faust, ernsthafteres Gesicht, konnte die Statue gebaut werden. Auf einer Granitwand hinter der Statue sollten die Namen der Ermordeten eingemeißelt werden. Nicht ohne vorher gründlich auf ihren Hintergrund (besuche in den USA oder Kollaboration mit den Deutschen) untersucht worden zu sein.
Am 24. Juli 1960 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Snieckus, Paleckis sowie der Redakteur der Zeitung „Tiesa“ (Wahrheit ;-) ) Genrikas Zimanas waren mit 20.000 Menschen zugegen. Zimanas war 1944 einer der Partisanen, die auf sowjetischer Seite in den Wäldern von Pirčiupiai kämpften.
1961 bekam Jokubonis für seine Statue den „Preis der litauischen Sowjetrepublik“ und 1993 den Leninpreis (die höchste Auszeichnung der Sowjetunion).
1960 wurde auch ein Museum eröffnet. An diesem kann man die Änderung in der litauischen Geschichtsauffassung gut beobachten. Ausgestellt waren Bilder der ermordeten Dorfbewohner, ihre vom Feuer verschonten persönlichen Sachen (darunter ein durchschossenes Gebetsbuch). Es gab eine Urne mit Knochen und Asche der Opfer.
In einem anderen Raum wurde das traditionelle Dorfleben der Dzukija ausgestellt. Vielleicht um mehr Publikum aus dem ländlichen Raum ins Museum zu bekommen. 1985 kam ein Raum für die „Roten Partisanen“ dazu. Allerdings waren die Litauer die roten Partisanen leid.
Mit der politischen Wende um 1990 nahm für Litauen die Bedeutung und das Bewusstsein für die „Mutter von Pirčiupiai“ ab. Nicht mehr die Verbrechen der Wehrmacht standen im Mittelpunkt, sondern die der Sowjetunion gegen die litauischen Menschen. Das äußerte sich auch an den Besucherzahlen vom Museum: kamen 1985 noch 125.000 Besucher, waren es 1990 nur noch 9.000!
1991 wurde aus dem Revolutionsmuseum Pirčiupiai das Landeskundliche Museum. Statt die sowjetischen Partisanen zu heroisieren, wurde nun nur noch darauf hingewiesen, dass sie trotz ihrer Nähe zum Massakerort nicht zur Hilfe eilten. Der Mitarbeiterstab des Museums wurde von 16 auf 3 ausgedünnt. Im Winter wurde nicht mehr geheizt (was um 1990 aber viele Gebäude in Litauen betraf) und das Museum dann 2000 endgültig geschlossen.
Laut Ekaterina Makhotina beschäftigten sich die litauischen Zeitungen nicht mehr mit den lange vorherrschenden Themen der Sowjetunion, sondern mit den bisher verbotenen Themen wie sowjetische Repression und Lagerverbannung. Nicht mehr die deutschen Verbrechen wurden thematisiert, sondern die sowjetische Schuld.
Verschwörungstheorien kamen auf. Es gab plötzlich Gerüchte über eine sowjetische Planung des Massakers. So seien jüdische Partisanen in Wehrmachtsuniformen die Täter gewesen (in Litauen wurden von den Nazis 95 % der litauischen Juden ermordet). Als weitere Täter wurden die polnische Nationalarmee Armia Krajowa, sowie weißrussische Partisanen genannt.
Durch ihre Angriffe seien die sowjetischen Partisanen mit Schuld an der Strafaktion der Deutschen gewesen. Immerhin hätten sie provoziert.
Heute hat sich die litauische Opferhierarchie verschoben. Es stehen nun nicht mehr die Opfer des Nationalsozialismus im Vordergrund, sondern die Opfer der Sowjets. In der Opferhierarchie stehen die Litauer nun fast vor den jüdischen Opfern der Nazis.
Eine interessante Arbeit über Pirciupiai (aus der die meisten Infos dieses Textes stammen) gibt es von Ekaterina Makhotina.
„Abgebaute Erinnerungen“: Der Wandel des Kriegsgedenkens in Litauen am Beispiel der Gedenkstätte Pirčiupis
Lukiškės Gefängnis Vilnius
Das Lukiskes Gefängnis liegt direkt neben dem Parlament am Gedimino Prospekt am Rand der Vilniuser Altstadt.
Es wurde in der Zarenzeit 1904 an Stelle eines kleineren Gefängnisses gebaut und bis 2019 benutzt. Das russische System der Bestrafung sah weniger den Aufenthalt im Gefängnis vor, als die Deportation in entlegene russische Gebiete oder sofort den Galgen. Die meisten russischen Bürger waren sowieso Leibeigene und wurden direkt von ihrem Herrn bestraft.
Lukiskes Gefängnis Eingangsbereich. Rechts sieht man die St. Nikolaus Kirche
Angeblich hat Norwegen den Bau eines neuen Gefängnisses gefördert. Die 1000 Gefangenen wurden von 250 Wärtern überwacht. Die Gefangenen saßen zu zweit in den Zellen (außer Kurzzeitgefangene) und hatten keinerlei Kontakt zu anderen Gefangenen (außer Morsezeichen durch die Klos und Rohrleitungen, sowie Zettel an Schnüren aus dem Fenster).
Heute dient es als Ort für Kulturveranstaltungen, viele Räume sind an Künstler vermietet und man kann das Gefängnis mit einer Führung besichtigen. Die Führungen gibt es auf Litauisch und Englisch.
Das im Gefängnis untergebrachte Café kann man kostenlos besichtigen
Das Gefängnis hatte von 1904 an viel zu tun. Die Stoßzeiten waren während der ersten sowjetischen Besatzung 1940 bis 41, als es zu Massenerschießungen durch das NKWD kam. 1941 übernahm die Gestapo das nahe NKWD Hauptquartier (heute das Genozid Museum, oder auch KGB Museum genannt) und nutzte das nahe Lukishkes Gefängnis für ihren Völkermord an den litauischen Juden. Diese wurde auf dem Weg zu den Erschießungen in Paneriai hier zwischengeparkt.
Kurzzeitzellen bevor die Häftlinge verurteilt wurden. Maximaler Aufenthalt 6 Stunden
Einige berühmte Insassen hat das Gefängnis zu verzeichnen. Unter anderem ein französischer Sänger Bertrand Cantat, Menachem Begin (der spätere israelische Premierminister), Felix Dzerzhinsky (späterer Gründer der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka. Dzerzhinsky war im gleichen Gymnasium wie Józef Piłsudski) sowie Boris Dekanidze, ein Mafia Boss der frühen 1990 er Jahre. Boris Dekanidze steht seltsamerweise nicht in der Liste der Insassen bei Wikipedia.
Er wurde 1994 als letzter Gefangene in Litauen erschossen, obwohl das Parlament (Auflage der EU) schon über die Abschaffung der Todesstrafe debattierte.
Die Zelle (ein Duschraum) kann man während der Führung besichtigen. Obwohl eigentlich unklar ist, wo Dekanidze tatsächlich erschossen wurde. Die sowjetische Methode war den Gefangenen zu transportieren, anzuhalten und dann zu erschießen. Genaues weiß man nicht, jedenfalls hat man von Boris Dekanidze nichts mehr gehört.
Achtung: hier wird scharf geschossen!
Zur Zeit der Erbauung 1904 war das Gefängnis sehr modern. Die Zellen verfügten über Klos (ein Loch im Boden) und Ventilation, es gab Duschräume, Bewegungsräume auf dem Hof (Zugang auch nur für die beiden Zelleninsassen), Hundezwinger sowie Gebetsräume. Wahrscheinlich war Lukiskes das einzige Gefängnis, in dem es Gebetsräume für Russisch-Orthodoxe, Juden und Katholiken gab. Die orthodoxe St. Nicholas Kirche gilt als schönste Russisch-Orthodoxe Kirche in Vilnius. Die meisten Insassen waren aber Katholiken und Juden. Weshalb die Katholiken sogar Gottesdienste in litauischer, lettischer, polnischer und schemaitischer Sprache hatten.
Zellen für Kurzzeitgefangene
Das ganze Gefängnis ist umgeben von Stacheldraht. Innen um die Gefängnismauern gibt es einen Bereich mit stromführendem Stacheldraht, in dem die Gefängnishunde ihre Runden drehten. Der Strom wurde 1990 abgeschaltet, als Litauen unabhängig wurde. Ziemlich unbehagliches Gefühl. Angeblich waren nicht wenige Litauer froh, im Ausland, Norwegen, England und Deutschland eingesperrt zu sein, statt an ihre Heimat ausgeliefert zu werden. Litauen hat übrigens nicht nur die höchste Suizidrate in Europa, sondern leider auch die meisten Gefangenen pro 100.000 Einwohner. 233 im Vergleich zu 69 in Deutschland.
Angeblich wurde Gangsterboss Dekanidze 1994 hier erschossen
Die litauische Verbindung mit Westeuropa (EU) hat den Gefangenen einen besseren Mindeststandart gebracht. Im Vergleich zu den östlichen Nachbarn gab es auch keine politischen Gefangenen und seit 1994 keine Todesstrafe.
Die Besichtigung kostet zwischen 15 und 20 Euro (litauisch/englisch) und ist sehr interessant. Tickets online.
Sehr schöne Säulen an der St. Nikolaus Kirche
Die Webseite der Besichtigungstouren:
https://www.lukiskiukalejimas.lt/pasivaiksciojimai/
Lukiškių skg. 5, Vilnius
Auf dem folgenden Video sieht man den katholischen Gebetsraum. Unten ist das heutige Cafe.
Auf den folgenden Fotos sieht man die Kuppel des Veranstaltungssaales, die Laufgehege der Hunde, die Belüftungssysteme, Klos, etc.
Rundwanderweg Dukštos und Musninkai
Text, Fotos und Idee: ©Lukas Handschin Labanoras,Vilnius und Zürich
Lohnt den Umweg – vaut le détour (würde im «Guide Michelin» stehen).
Wer Kernavė, die historische Hauptstadt des heidnischen Litauens besucht, sollte es nicht versäumen, einen Abstecher zu dem nur knapp zehn Autominuten entfernten Dūkštos pažintinis pėsčiųjų takas, einem Rundwanderweg im Neries Regioninis Parkas (Neries Regionalpark) in der Nähe von Dukštos (mit schöner Kirche) zu unternehmen.
Rundwanderweg im Neries Nationalpark bei Kernave

Auf der Infotafel steht:
"Heute nennen sich etwa 4 Millionen Menschen, die in Litauen und in verschiedenen Teilen der Welt leben, Litauer. Vor tausend Jahren waren die Litauer jedoch nur einer der baltischen Stämme. Die Litauer erlitten nicht das Schicksal der Kuren, Preußen oder Jatwinger. Die Litauer, bekannt als Wikinger vom Land, berühmt für ihre Wildheit und ihre militärischen Heldentaten, waren die einzigen Balten, die im Mittelalter einen eigenen Staat gründeten".
Die Zufahrt ist etwas versteckt: Auf der Straße 116 von Kernavė nach Dukštos biegt man unmittelbar (40 Meter) nach dem Hinweisschild zum Eichen-Naturlehrpfad (Dūkštų ąžuolyno pažintinis takas) nach rechts ab und erreicht nach 500 Meter einen Parkplatz (mit Toilette). Dort muss man sich entscheiden, in welcher Richtung man den Wanderweg abschreiten will. Ob nach rechts, entlang des Taleinschnitts der Dukšta, oder nach links, wo man zuerst auf die beiden Burghügel Bradeliškių piliakalnis und Buivydų piliakalnis trifft, die meiner Meinung nach noch eindrücklicher sind, als jene von Kernavė.

Burgberg Bradeliskiu
Sie erheben sich aus zerklüftetem Gelände, dass man sich ihre Verteidigungsfunktion lebhaft vorstellen kann. Wer den ganzen Weg bis nach Karmazinai am Fluss Neris und wieder zurück unter die Füße nehmen will, ist gut beraten, dafür rund drei Stunden einzuberechnen. Der Erlebnispfad führt teilweise über lange, steile Treppen durch den Wald. Da kann einem schon mal der Schnauf ausgehen. Und zu sehen oder beobachten gibt es auch immer wieder etwas.

Es gibt unterwegs einige gut ausgestattete Rastplätze. Nach der Wanderung fährt man am besten in einer knappen Viertelstunde nach Musninkai, um sich mit einem hausgemachten kruasan (Croissant) und kava oder einer anderen Köstlichkeit im Café Musé (richtig, mit einem falschen «accent aigu» geschrieben) zu stärken.

Charmant serviert von Kristina Zaveckienė und Vincent Degeorge (lit. Vincentas Degeorgas) aus der Gegend von Lyon mit seinem unüberhörbar französischen Akzent. Die beiden hatten es 2019 gewagt, in der Provinz in einem ehemaligen jüdischen Ladengeschäft ein Café mit traditionellen französischen und litauischen Spezialitäten zu eröffnen. Geöffnet von Donnerstag bis Sonntag. Nachbildungen des Gebäudes gibt es übrigens im Freilichtmuseum in Rumšiškės (Lietuvos Liaudies Buities Muziejus) und in der Rekonstruktion eines litauischen jüdischen Schtetl im South African Jewish Museum bei Kapstadt.

Öffnungszeiten Cafe Muse
Dreifaltigkeitskirche Musninkai
Ganz in der Nähe, links um die neogotische Kirche herum nach ca. einem Kilometer auf der Straße nach Čiobiškis, befindet sich noch eine weitere Sehenswürdigkeit – die Barboros Radvilaitės koplytėlė (Kapelle von Barbara Radziwiłł), Königin von Polen. Die Legende besagt, dass Barbara Radziwiłł, als sie im 16. Jahrhundert unterwegs war durch ihre Besitzungen, den Lauf der Musė überqueren musste, die gerade Hochwasser führte. Als sie unbeschadet das vom kleinen Bach zum reissenden, gefährlichen Strom angeschwollene Gewässer überquert und das rettende Ufer erreicht hatte, gelobte sie, zum Dank eine Kapelle zu errichten.

Barbara Radvilaite Kapelle
Die Gegend um Kernavė und Musninkai gilt als die Wiege des litauisch-polnischen Adelsgeschlechts der Radziwiłł (lit. Radvila). Die Radvila waren eines der ältesten und herausragenden litauischen Fürstengeschlechter mit riesigen Ländereien in Polen, Litauen, Belarus, der Ukraine sowie im früheren Preussen.
Choral Synagoge Kaunas
Die Choral Synagoge von Kaunas seitlich
Die „Ohel Jaakov“ Choral Synagoge (Choral, denn über dem “aron kodesh“ (Toraschrein) war Platz für den Chor, der den Gottesdienst begleitete) ist die bekannteste der ehemals 25 Synagogen und Bethäuser in Kaunas.
Gebaut wurde sie 1871/72 im neubarocken Stil. Zu dieser Zeit war mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Kaunas Juden.
Sie ist neben der Choral Synagoge in Vilnius die einzige praktizierende Choral Synagoge in Litauen.
Die Choral Synagoge soll einen der schönsten Toraschreine in der jüdischen Welt haben.
Im zweiten Stock der Synagoge ist das Jüdische Museum Kaunas untergebracht, in dem eine einzigartige Sammlung von Rabbinerporträts ausgestellt ist. Leider wusste ich bei meinem Besuch davon nichts, habe es also auch nicht gesehen. Falls jemand das Museum besucht, würde ich mich über einen Bericht und Fotos freuen!
Ansicht seitlich von der Altstadt
Hinter der Synagoge erinnert ein Denkmal an die etwa 50.000 jüdischen Kinder, die in Litauen im Holocaust starben.
Von außen ist die Synagoge gut zu sehen, denn sie steht am Savanoriu Prospekt (einer Hauptstraße), am nördlichen Rand der Kaunaser Altstadt, etwa da, wo die Laisves aleja beginnt. Außerdem ist sie sehr groß und ihr neo-barocker Stil springt dem geneigten Besucher sofort ins Auge.
Im II. Weltkrieg wurde die Synagoge zerstört, während der Sowjetzeit vernachlässigt und erst 2001 wurde die beschädigte Kuppel restauriert.
Falls die Synagoge geschlossen sein sollte, kann man eine Telefonnummer, die an der Tür hängt, anrufen. Ein freundlicher Mann (Mauša Bairak) kommt dann nach kurzer Zeit und öffnet nicht nur die Tür, sondern beantwortet auch Fragen zur Synagoge. Es wird nach einer kleinen Spende gefragt.
Ansicht von vorne
Innenraum mit Toraschrein und Chor
Toraschrein
Oberlicht und Gallerie
Mauša Bairak (links) begrüßt seine Gäste

Blick von der Balustrade
Es gibt auch ein kleines Museum, das für eine Spende besichtigt werden kann. Es befindet sich oben auf dem Balkon und ermöglicht einen schönen Blick von oben auf den Gebetsraum. Die Ausstellungsstücke sind übersichtlich. Heraus sticht ein Bild von Esther Lurie, die mehrere Arbeitslager überstand.

Esther Lurie "Mädchen mit dem gelben Abzeichen"

Kaunas Synagoge Museum

Synagoge Kaunas Museum Zeichen auf eine frühere Verwendung als Sporthalle

Kaunas Synagoge Mueum Bilder

Kaunas Synagoge Blick auf den Gebetsraum

Die Geschichte überlebt...
Adresse:
E. Ožeškienės g. 13, Kaunas 44254, Litauen
Kauno Alus
Neben der Synagoge befindet sich die Brauerei Kauno Alus mit Fabrikverkauf. Schmeckte mir aber nicht.
Johannes der Täufer Kirche

Johannes der Täufer Kirche
Die katholische Kirche von Birzai wurde vom Grafen Tiškevičius gestiftet und 1857 bis 1861 gebaut. Für die Kleinstadt Birzai völlig überdimensioniert, schienen sich die polnisch-litauischen Großgrundbesitzer mit der Größe ihrer Anwesen, Herrenhäuser und Kirchen miteinander zu messen.
Noch krasser ist die Dreifaltigkeitsirche in Pabirze, einem Dorf vor Birzai. Pabirze ist wirklich ein Dorf und die Kirche ziemlich groß.
Die erste Kirche in Biržai wurde von Mikalojus II Radvila (1398 - 1509) erbaut. Sie könnte um 1500 fertiggestellt worden sein. Später, um 1515, wurde eine zweite Kirche zwischen den Flüssen Agluona und Apachia von Bischof Albert Radvila (1478 - 1519) errichtet. Sie war ebenfalls aus Holz und stand in der Nähe der heutigen Festung.
Im Jahr 1564, als Nikolaus Radvila der Rote (1512-1584) zum Calvinismus konvertierte, begann die Verfolgung der Katholiken im Herzogtum Biržai. Im Jahr 1580 wurde die katholische Gemeinde aufgelöst. Die erste Kirche verfiel und die zweite Kirche wurde 1589 von Christoph I. Radvila (1547-1603) abgerissen.
1674 schrieb Bischof Stephan Pacas von Vilnius ein offizielles Schreiben an die Ökonomen des Herzogtums Biržai, in dem er sich darüber beklagte, dass die Katholiken von Biržai keine Gottesdienste hätten, und sie aufforderte, eine katholische Kirche an der gleichen Stelle wie zuvor zu bauen. Im Jahr 1692 ließ Ludvika Karolina Radvilaitė (1667 - 1695, der Familie Radvila gehörte Birzai bis die Gegend vom Grafen Tiškevičius aufgekauft wurde) die Kirche auf eigene Kosten bauen. Es war eine kleine Holzkirche mit einem Altar. Sie hatte ihren eigenen Priester.

Johannes der Täufer Kirche Innenraum
Eine neue Kirche wurde in den Jahren 1739 - 1742 mit den Bemühungen und Mitteln von Oona Sanguškaitė - Radvilienė gebaut. Sie war aus Holz und hatte fünf Altäre. Die Kirche erhielt den Namen des Heiligen Hieronymus. Diese Kirche bestand bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Als sie einzustürzen drohte, baute der Pfarrer von Biržai, Kazimieras Pikturna, 1811 eine neue Holzkirche. Sie bestand bis 1861.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fiel Biržai an den Grafen von Tiškevičius. Seine Familie galt als Förderer der Kirche von Biržai, und zwischen 1857 und 1861 baute Jonas Tiškevičius (1801-1860) die Steinkirche des Heiligen Johannes dem Täufer, die heute noch steht. Im Jahr 1860 wurde die Kirche vom Bischof von Samogitia M. Valančius geweiht.
Das Mittelschiff der Kirche ist 15 m breit, die Seitenschiffe sind jeweils 4,3 m breit. Die Höhe des Mittelschiffs beträgt 15 m, die der Seitenschiffe 13,2 m. Die Höhe der Türme mit Kreuzen erreicht 43 m. Die Altarbilder sind im klassischen Stil gehalten und zeigen den Heiligen Johannes den Täufer. Die Skulpturen und Gipsarbeiten wurden von dem Bildhauer Pranciškus Andriolis geschaffen. Die Kirche zeichnet sich durch die Einheit ihrer inneren und äußeren Formen aus.
Es ist bekannt, dass im Jahr 1940 7196 Personen zur Gemeinde Biržai gehörten. Im Jahr 1999 wurde eine Umfrage unter den Einwohnern der Gemeinde Biržai durchgeführt. Nach dieser Erhebung zählt die katholische Gemeinde von Biržai derzeit fast 4100 Mitglieder. Den Volkszählungsdaten zufolge bezeichneten sich mehr als 10.000 Menschen in Biržai als katholisch.

Der Altar. Der Administrator dieser Seiten hat vor langer Zeit hier geheiratet.

Johannes der Täufer Kirche, Eingang und Orgel

Johannes der Täufer Kirche, Decke

Johannes der Täufer Kirche, Orgel

Seitenschiff
Neben der Kirche gibt es einen Eingang zur Gruft des Grafen Tiškevičius, in der auch seine Freundin und ein unbekanntes Kind liegt.

Gruft des Grafen Tiškevičius . Die beiden Gräber sind links und rechts des Altars in der Wand.

Linke Seite: hier ist der Graf bestattet

Rechte Gruft, Marya
Die Inschriften auf den Grabplatten lauten (man beachte: die Sprache ist polnisch!):
Linke Seite:
JAN HRABIA TYSZKIEWICZ
FUNDATOR KOSCIOLA I ZALOZYCIEL ORDYNACYI
BIRZANSKIEJ
(Jan Graf Tyszkiewicz, Kirchenstifter und Gründer des Anwesens von Birzai, 1802-1862)
Rechte Seite:
MARYA
CORKA MARYI I MICHALA TYSZKIEWICZOW
1/1855-2/1855
(Marya, Tochter von Maryi und Michala Tyszkiewiczow)
Auf der tollen Webseite: http://dworypogranicza.pl finden sich nähere Informationen. (Danke Vilija).
Die Gegend von Birzai gehörte einem Dominik Hieronim (1786-1813). Der beteiligte sich an den Kämpfen Napoleons gegen Russland. Bekanntermassen verlor Napoleon den Krieg und als Dank entzog Zar Alexander I. unter dem Vorwand der Nichtzahlung von Krediten Hieronims Ländereien.
Ein Gäubiger des Vorbesitzers konnte die Ländereien billig kaufen. Józef Ignacy Graf Tyszkiewicz (1724-1815), Oberst in der litauischen Armee, war somit der erste Tyszkiewicz in Birzai.
Sein einziger Sohn (die Tyszkiewiczs hatten noch drei Töchter), Michał (1761-1839) erbte das Gut Birżai, das wiederum auf seinen Sohn Jan überging.
Jan Konstanty Graf Tyszkiewicz (1802-1862) gründete das Familiengut Birżai in Astravas und wurde der erste der Tyszkiewiczs, der Ordinarius von Birżai wurde. Zu dieser Zeit umfasste das Landgut Birżai 17 Schlüssel, 36 Gutshöfe, 77 Hinterhöfe sowie rund 80.000 Hektar Ackerland und 31.000 Hektar Wiesen und Weiden.
Kein Wunder also, womit der Adel seinen Lebenswandel bestreiten konnte. Land und Leibeigene.
Jan Konstanty Tyszkiewicz heiratete nicht und hatte keine Kinder, womit Birzai an seinen jüngeren Bruder Michał Tyszkiewicz (1828-1897), verheiratet mit Maria Radziwiłłówna (1830-1902), überging. Und damit sind wir wieder in der Gruft angekommen, denn auf der linken Seite liegt Jan Konstanty Tyszkiewicz und auf der rechten Seite die Tochter seines Bruders Michal und dessen Frau Maria (Maryi), Marya. Michal Tyszkiewicz war ein Antiqiutätensammler und Hobby Ägyptologe. Er besuchte Birzai selten und lebte in Rom.

Seitliche Türen. Ich durfte leider nicht schauen, wohin sie führen.
Zapyskis - Jüdischer Friedhof
Wenn man aus Kaunas zur alten Kirche in Zapyskis fährt, kommt man am jüdischen Friedhof vorbei. Ein Denk und Mahnmal an unsere Vergangenheit. Die Bilder sind in einem Youtube Video untergebracht:
Salomėja Nėris
Salomėja Nėris (das Pseudonym ist eine Reminiszenz auf den Fluss Neris in Vilnius) ihr bürgerlicher Name ist Salomėja Bačinskaitė - Bučienė) war eine litauische Dichterin.
Geboren am 17.11.1904 in Kiršai bei Vilkaviškis, gestorben am 7.7.1945 in einem Krankenhaus in Moskau. Bericht über das Salomeja Neris Museum in Kaunas.
Salomeja Neris kontrovers, sollen Straßen umbenannt werden?

Salomeja Neris
Nachdem sie 1928 an der Universität Kaunas litauische und deutsche Sprache und Literatur studiert hat, arbeitete sie als Deutschlehrerin in Lazdijai, Kaunas und Panevezys.
Schon 1927 publizierte sie ihr ersten Gedichte "Anksti ryta" (Am frühen Morgen). Zu dieser Zeit wurden ihre Gedichte noch in nationalen und katholischen Publikationen veröffentlicht.
Bei einem Studienaufenthalt 1929 in Wien begegnet sie dem linken Medizinstudenten Bronius Zubrickas, verliebte sich in ihn und beginnt sich für seine sozialistischen Ideen zu interessieren.

Salomeja Neris in Wien
1931 zieht Salomėja nach Kaunas, unterrichtet und schreibt Volksmärchen (Spuren im Sand). Ihre Texte werden nun im kommunistischen Journal "Trečias Frontas" publiziert.
Trecias Frontas, (Die dritte Front) war ein "rotes" Unternehmen, herausgegeben von Tomas Venclovas Vater Antanas Venclova und dem Schriftsteller Petras Cvirka. Es wurde von der Zensur nach der 5. Ausgabe verboten.
1938 bekam sie den litauischen Staatspreis für Literatur.
Sie wurde zum Mitglied der Volks-Seimas (litauisches Parlament unter den Bolschewisten) ernannt und nahm mit der litauischen Delegation in Moskau 1940 teil, die theatralisch um Aufnahme Litauens in die Sowjetunion bat. Am 3. August 1940 trug sie am Obersten Sowjet ihr Lobgedicht "Gedicht an Stalin" vor. "Von da an galt und gilt sie vielen [Litauern] als Verräterin der schlimmsten Sorte."
Venvlova, Der magnetische Norden S. 119

Gedicht für Stalin 1940
Dafür hat sie posthum 1947 den Stalin Preis der Sowjetunion bekommen.
Interessant wäre die wahren Gedanken von Salomėja Nėris in diesen Tagen zu kennen. Interessant auch, ihre persönliche "Schuld" mit der von Bewunderern Hitlers, wie zum Beispiel Luise Rinser, zu vergleichen.
Das könnte in "Litauische Kollaboration" verarbeitet werden. Wer da eine Meinung hat, bitte melden.
P. Cvirka, Antanas Venclova, K.Korsaka sowie Salomeja Neris in Moskau 1940
Während des II. Weltkriegs flüchtete sie mit ihrem Sohn in die Sowjetunion, kam nach Rückzug der Deutschen 1944 kurz in ihr Haus nach Kaunas zurück, verstarb aber 1945 in einem Moskauer Krankenhaus an Krebs. Ihr Mann blieb während des Krieges in Kaunas.
Salomeja wurde erst in Kaunas vor dem Museum für Kultur begraben, später aber umgebettet auf den Friedhof in Petrašiūnai.
Tomas Venvlova erwähnt Salomėja Nėris in seinem Buch "Der magnetische Norden" mehrfach. Er beschreibt sie als begabte junge Frau, die ihre Leser verblüfft hatte, als sie 1931 von einer katholischen Autorengruppe zur radikalen Linken wechselte (der Grund wurde ja weiter oben angesprochen).
Bis zu ihrem Tode schrieb sie schöne Gedichte (Venclova), die auch ins russische übersetzt wurden.
"Ungeachtet ihres widersprüchlichen Ansehens bleibt Nėris eine Klassikerin der litauischen Kultur. Ich bin ihr einmal begegnet, als ich sieben Jahre alt war, und habe ihr, auf Drängen meines Vaters, eines ihrer populären Gedichte vorgetragen. Sie war eine Dame von kleinem Wuchs, zurückhaltend und schüchtern. ... " (Venclova, Der magnetische Norden).

Salomeja Neris in Palanga 1928
Wind, o Du Wind
Wind, o Du Wind!
Wind und überall Wind!
Er löst mir mein Haar, nimmt mich in die Arme,
er küsst mein Gesicht, meine Brust.
Eine rote Mohnblume vom Feld,
ein gelbes Blatt vom Baum
hat er mir in das Haar gebracht, -
eine herbstliche Liebe in meinem Herzen entfacht.
Fliegen, ach fliegen!
Und niemals erreichen ...
Ich schließe die Augen, ich lache, -
ich lasse mich tragen von Dir, Du mein Wind!

Salomeja Neris Statue Vilnius
Und noch einige Gedichte auf Englisch
Homeland (Übersetzt von Lionginas Pažūsis)
Despoiled and blood-drenched by the foe
You rise before my eyes.
Many a hundred miles I'll go
To see your stirring skies.
When blossom from your apple-trees
Or leaves in autumn fall,
I'll go to you, though on my knees
Through rain and cold I'll crawl.
Today the heavy clouds of war
Enshroud your lovely face...
How are your towns I see no more?
Grim ruins take their place.
You wring your hands in grief and pain:
Where are my sons, my loyal guards?
In empty homesteads chill winds reign
And moles dig up the yards.
Over the Nieman night drags on
But it shall not last long.
I'll come to you one day at dawn
To soothe you with my song.
Grandma's Tale (Übersetzt von Vyt Bakaitis)
Our winters are hoary,
White on white wherever you look.
Long tales they tell us toddlers,
Evenings, in the parlor.
About a blizzard that gets you lost
And braids the sun clipped off.
The swan pumpkin
Bound for desert lands.
About wolf and white bear
And spells that devils come up with.
Waters splashing
Up from silver wells.
About the third son Jonas,
The proud horseman he is.
And Eglė, the watersnake's wife,
Whose children changed into trees.
And how the grieving orphan girl
Came empty-handed back,
How the pines wading big drifts
Found no way to climb out.
Thumbkins sleep in the drifts.
There are goldfish under the ice.
A witch will run across the snow
Without leaving tracks.
Good-natured as the orphan girl is,
Her stepmother stays mean ...
As Grandma nods off, so
The story stops short.
Dandelion (Übersetzt von Clark Mills)
Dandelion, dandelion, flower miracle,
why do you lean on wind at the field's edge?
Where, where will you lay your white head down?
And where drowse, as the late evening darkens?
Wind rises, blows, tousles the locks
and tears the white locks from the snowy head:
over the faultless earth, autumnal field,
carries the dandelion's fluffed white seedlets.
Dandelion, dandelion – oh, my own flower!
I grieve now for your little head bleached white
as I grieve for my new youth, so scattered
by time and wind, at the field's edge.
Could I but change into the field's gray sand,
could I but settle slowly, cold as stone,
the Nemunas above me flowing, flowing...
In Kaunas gibt es ein Museum im Hause von Salomėja Nėris:
S. Nėries g. 7, Kaunas
+370 37 373606
ina.aleksaitiene[@]maironiomuziejus.lt
http://maironiomuziejus.lt
Weitere Gedichte von Salomėja Nėris auf Englisch gibt es bei allpoetry.com
Ein alter litauischer Film über Salomja Neris mit seltenen Aufnahmen aus Moskau:
Salomeja Neris, Film aus dem litauischen Fernsehen.
Kupiškis
Kupiškis ist eine kleine Stadt im Nord-Osten von Litauen, benannt nach dem Flüssschen Kupa, der mitten durch das Städtchen fließt. Es hat etwa 8.000 Einwohner. 1941 war der jüdische Bevölkerungsanteil 42%. Noch heute kann man diesen Bevölkerungsmix erahnen, wenn man die Architektur der Innenstadt betrachtet. 
Christi Himmelfahrt Kirche
Fährt man nach Kupiškis , kann man von jeder Straße als erstes die Christi-Himmelfahrt Kirche sehen, eine aus roten Backsteinen gebaute Neogotische Kirche, gebaut 1900 bis 1914. Sie ist eine der größten Kirchen Litauens.
1984 wurde der Fluss Levuo (litauisch/lettisch heißt das sowas wie Sumpf) zu einem künstlichen See aufgestaut, von den Kupiskiern Lagune von Kupiškis genannt.
Der künstliche See ist der drittgrößte von Litauen. Es gibt zwei Inseln sowie zwei Halbinseln. Die erste Insel, genannt "Schwiegermutter Insel", liegt durch den Kupiškio piliakalnis getrennt, nahe am Stadtzentrum.
Auf dem Kupiškio Burgberg soll es schon im 8. Jahrhundert eine komplexe hölzerne Festung gegeben haben. Das Verteidigungssystem bestand aus zwei Hauptelementen: der Hügelstandort mit seiner Holzbefestigung und die umgebenden Deiche, Gräben und Sümpfe. Der Hügel ist oval, ca. 110 x 40 Meter und es gab eine 5 ha große ehemalige Siedlung.
Die Befestigungsanlage wurde schnell zerstört, als die ersten Ritter vom Deutschen Orden die Gegend unsicher machten (1240 a.D.). Im I. Weltkrieg gruben die Deutschen hier Schützengräben, die aber mittlerweile erodiert sind.
Auf dem Burgberg erinnert heute noch ein alt aussehender Opferstein (ist aber ein Duplikat) an die baltischen Stämme, die hier früher lebten und ihre Opfergaben brachten.
Heute werden hier jährlich Feiertage wie der Nationalfeiertag, Jonines (Mittsommertag) und der Tag der Baltischen Einheit gefeiert.
Zwischen Schiegermutterinsel und Stadtzentrum: Der Burgberg
Ein Spaziergang auf die Schwiegermutterinsel ist ganz nett. Neben der Brücke zur Insel gibt es den "Wake Park", eigentlich ein kleiner Track zum Wasserski fahren.
Für Touristen in der Nähe von Kupiškis ist die Wasserskistrecke durchaus ein Spaß. Der Schwierigkeitsgrad ist auch nicht zu unterschätzen.

Weitere Attraktionen in Kupiškis ist die jährliche Regatta und das winterliche Eisfischen ;-)
Wasserski-Wake Park
Wir haben in der Stadt ein nettes kleines Restaurant gesucht...aber erst bei der Abreise gefunden. Also nicht ausprobiert. Das "Upės kepyklėlė" sahen wir bei der Fahrt aus der Stadt und es sah von außen super aus (Gedimino g. 33).
Vor dem Restaurant steht eine der vielen Figuren des Künstlers Henriko Orakausko "Svecia".

Upės kepyklėlė

Sieht aus wie ein Strauß Der Künstler heißt Henriko Orakausko

Akmenyte Quelle, entstanden aus Tiefbohrungen in den 1950er Jahren.
Kleine Impressionen vom Handy gefilmt: die Lagune, Hüpfburg und Wasserski (Wake Park)
Im Museum von Kupiskis (siehe Bilder unten) gibt es eine Tafel mit den Namen der ermordeten litauischen Juden.
Die Webseite von Kupiskis: infokupiskis





