Franco

Francisko Franco Biografie

General-Diktator-Mythos
Carlos Collado Seidel



In irgendeiner Zeitung wurde diese Biografie über den spanischen Diktator und Langzeitherrscher Francisko Franco erwähnt. Da ich von der spanischen Politik nichts weiß, besorgte ich mir das Buch. Autor ist Professor für Geschichte an der Universität Marburg, Carlos Collado Seidel.
Meine Erwartung war, mehr über die Gründe des spanischen Bürgerkrieges zu erfahren, etwas über Spaniens Engagement in Marokko (das Franco ja sozialisierte), warum Franco auf der Seite von Mussolini und Hitler stand, die Spanier aber mit der “Blauen Division” ein recht kleines Engagement im Russland Krieg zeigten. Und – ganz wichtig – trotz Nähe zu Hitler und scheinbar auch antisemitischen Neigungen, hat sich Francos Spanien nie für den Holocaust eingesetzt. Spanien konnte zwar die Sephardim, die in von Deutschland besetzten Gebieten lebten, nicht schützen, hat aber keine eigene Vernichtungspolitik betrieben und den Transit von flüchtenden Juden geduldet.
Seidel schreibt dazu:
“Zudem kann die Rettungsaktion (für die Sephardim) des Jahres 1943 keinesfalls als humanitär bezeichnet werden, ging es doch um Sepharden, die die spanische Staatsbürgerschaft besaßen, womit die Regierung prinzipiell in der Pflicht stand, sich für diese Landsleute einzusetzen”. Wobei das ja nicht logisch ist, da die Republikaner auch Spanier waren, aber laut Seidel brutalst gemeuchelt wurden.

Carlos Collado Seidel liefert mir in seiner Biografie keine Antworten auf meine Fragen.
Er bezeichnet Franco zwar als äußerst grausam (wegen dessen Dienstzeit in Marokko), beziffert die Toten im spanischen Bürgerkrieg (und danach!!) aber auf 135.000 Menschen (trotz “dem Einsatz von Todesschwadronen ... im rückwärtigen Gebiet ... zum Auslöschen der Inneren Feinde”).. Das sind natürlich 135.000 zu viel. Allerdings sind das im Vergleich zu Hitlers Taten fast “Peanuts”. Angeblich hat der Iran kürzlich 70.000 Demonstranten ermordet, in Ruanda kam es 1994 zu einem Völkermord von fast 1 Millionen Menschen.
Das relativiert, zumindest für mich, den Franco angehängten Habitus des grausamen, blutrünstigen Herrschers. Dazu kommt, Franco ist auch am Ende seiner Herrschaft durchaus beliebt in der Bevölkerung.
Gleichzeitig schreibt Seidel über viele, von der republikanischen Seite getöteten Priester: das “... im republikanischen Herrschaftsgebiet eine rabiate religiöse Verfolgung und die systematische Ermordung von tausenden Geistlichen, darunter 13 Bischöfen, einsetzten”.
Der Primas der Kirche in Spanien schrieb an den Vatikan:
“Es kann ohne weiteres gesagt werden, das sich gegenwärtig Spanien und Anti- Spanien, die Religion und der Atheismus, die christliche Zivilisation und die Barbarei im Krieg miteinander befinden.”

Weiter erwähnt Seidel die Unterstützung der Republikaner durch die Sowjetunion, aber auch die schlechte Lage der Arbeiter. Eine vergleichende Bewertung hätte mir da geholfen.
Extrem störend fand ich auch, dass Seidel quasi seine Argumente aus anderen Biografien nimmt, von denen es sehr viele gibt. Dazu verwendet er viele lange Zitate daraus. Besser wäre eine stringente Schilderung Francos (und dem Spanien seiner Zeit) aus Sicht Seidels, gerne mit Verweis auf die Quellen.
Zum Schluss seines Buches stellt Seidel fest, Spanien ist durch die Erinnerungskultur an Franco wieder in das Narrativ der “Zwei Spanien” verfangen.
Wobei er leider auf seinen 318 Seiten keinen befriedigenden Vergleich dieser Seiten aufzeigen konnte.

Zuletzt zwei Sätze zu seinem Schreibstil:
“Auf diese Weise und unter Bezug auf das in Spanien stark rezipierte Herrschaftsideal bei Carl Schmitt erlangte die Befehlsgewalt Francos den höchsten Grad an Legitimität.”
Und:
“Nach Conde habe Francos Herrschaft mit der Anknüpfung an die Vergangenheit den charismatisch begründeten Ursprung schließlich verlassen und im Sinne der Herrschaftssoziologie von Max Weber eine Verstetigung auf der Grundlage der Tradition erreicht.”
Mir hat das alles nichts gebracht.

 

Tipp:

Das Lastauto Walhöö

Die Franco Zeit wird in Per Wahlöös Buch "Das Lastauto", welches in den 1950 Jahren spielt, thematisiert. Ist natürlich kein geschichtliches Werk, vermittelt aber die damalige Situation (meiner Meinung nach) recht gut, da Wahlöö 1956 aus Spanien ausgewiesen wurde und er die Zustände dort kennen musste.

 

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