Die litauische Sprache

 

Die litauische Sprache war wirklich schön und wert, gesprochen zu werden. Und er kannte nun seine Lebensaufgabe: Sich stolz zu seiner Herkunft zu bekennen und das Litauentum zu Ehren zu bringen.

Vydunas 700 Jahre deutsch-litauischer Beziehungen

 

Dewas dawe dantes, Dewas dos ir dones!     Hat Gott Zähne gegeben, so wird er auch Brot geben!


Die litauische Sprache gehört zum baltischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Sie wird mit den Sprachen der Letten, Kuren, Semgaller, Selen und der alten Preussen [Prussen] zu einer besonderen Gruppe zusammengefasst. Allerdings sind hier Unterschiede zu bemerken. Die lettische Sprache steht zur litauischen im Verhältnis einer jüngeren Schwestersprache, ist durch die nahe Berührung mit dem Deutschen stärker durchsetzt mit fremden Elementen und hat viele Altertümlichkeiten, die das Litauische treulich wahrte, verloren.

Das im grammatischen Bau noch altertümlichere Altpreussische hingegen schien zunächst, soweit man aus den wenigen erhaltenen Resten schliessen konnte, dem Litauischen erheblich näher zu stehen.

 

                    litauisch     lettisch    preussisch
Gott              dievas       dievs       deivs  
Hand            rankas        ruoka      ranko
Kopf             galva         galva       galvo
Eisen            gel(e)zis     dzelzs     gelso
Stahl            plienas       pliens      plainas

 

Ein Vergleich der prussischen Sprache mit der litauischen ist schwierig, weil kaum Aufzeichnungen in prussischer Sprache existieren.

Immerhin dürfen über solchen Ähnlichkeiten auch die grundlegenden Verschiedenheiten zwischen diesen Sprachen nicht vergessen werden, wie sie uns etwa im Wort: Brot- lit. duona, lett. maize und preuss. geitis- entgegentreten.


Sehr häufig findet man daneben den Fall, dass sich das Altpreussische schon in seinem Wortschatz deutlich vom Litauischen und Lettischen abhebt:

                  Litauisch   Lettisch    Altpreussisch

Butter          sviestas    sviests    anktan
Milch           pienas       piens      dadan 

Die moderne Sprachwissenschaft nimmt daher an, dass sich die baltische Ursprache etwa zwischen dem 5. und 3. vorchristlichen Jahrhundert in zwei Äste spaltete-einem westlichen (preussischen) und einen östlichen, dem die Sprachen der Litauer, Letten, Kuren, Semgallen und Selen zuzurechnen wären. Aus dem östlichen Zweige gingen später-vermutlich im elften, zwölften Jahrhundert-die Sprachen der einzelnen Völker hervor.

Die litauische Sprache hat die Eigenart an Substantive ein -as, -is, -us, -a oder -e anzuhängen. So wird ein Bill Clinton zum "Bilas Klintonas" und Brad Pitt zum "Bradas Pittas". Schon ziemlich komisch, aber aus grammatikalischen Gründen scheinbar für die Verständlichkeit unverzichtbar.

Keine slawische Sprache: Es werden lateinische Buchstaben benutzt. Diese wurden mit Sonderzeichen an die litauische Aussprache angepasst.

  • Ą (ą) : Immer ein langes [A] wie in [nach]. Ein [a] ohne Komma wird mal lang und mal kurz gelesen.
  • Ę (ę) Ein langes, offenes [E], also fast schon wie das [ä] in [Ähre]. Ohne Komma wird es mal lang und mal kurz gelesen.
  • C (c) Immer wie das deutsche [Z].
  • Č (č) : Wie das [tsch] in [Matsch].
  • ch Immer kehlig, wie das [ch] in [Bach].
  • Ė (ė) Ein langes, geschlossenes [E], in etwa wie das [ee] in [Meer].
  • Į (į) Langes [i] wie in [Mine]. Das [i] ohne Komma wird immer kurz gelesen (wie in Kinn).
  • Y (y) Auch ein langes [i], also genau wie [ Į ].
  • O (o) Wird zumeist lang und offen wie in [Ohr] gesprochen. Ausnahme: Fremdwörter, in denen es kurz gesprochen wird.
  • Š (š) Wie das [sch] in [Masche].
  • Ų (ų) Immer ein langes [U] wie in [Mut]. Das [u] ohne Komma wird dementsprechend immer kurz gesprochen.
  • Ū (ū) Praktisch identisch mit dem [ ų ].
  • V (v) Entspricht dem deutschen [w].
  • Z (z) Stimmhaft, wie das englische [z].
  • Ž (ž) Wie ein [dsch], also wie das [g] in [Gin].

Allerdings benutzen die Litauer für ihre Monate keine lateinischen Namen, sondern verwenden Bezeichnungen, die noch aus heidnischen Zeiten stammen. Der Monat November z.B. heißt Lapkritis, was "Fallen der Blätter" bedeutet.

 

Nähe zu Sanskrit:

Ähnlichkeiten zwischen Sanskrit und Litauisch

 

Auch in der kroatischen Sprache gibt es einige Worte, die der litauischen Sprache erstaunlich ähneln.

 


Ebenso eine Besonderheit der litauischen Sprache ist die Vielfalt an Diminutiven (Verkleinerungsformen). W.Kalwaitis zählt im "Litauischen Namensschatz" (Tilsit 1910) nicht weniger als 66 Verkleinerungsformen für das Wort "mama"-Mutter auf, darunter sogar ein fünffaches Diminitivum mamaitužužužėlė. Durch die Diminuierung heisst es im Litauischen "varliukštis" (varlé=Frosch), wogegen es im Deutschen einige Wörter mehr braucht (um das Gleiche auszudrücken) nämlich "kleiner armseliger Frosch".

Über die litauische Sprache zur Zeit der Staatsgründung durch Mindaugas ist wenig bekannt. Als Schriftsprache diente das sogenannte Kanzleislawische, eine ostslawische Sprache.

Im 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war litauisch die Sprache des Landvolks. In den Städten und im Bildungsbürgertum wurde Polnisch gesprochen (litauisch- polnische Personalunion).

Als Litauen durch die Dritte Polnische Teilung (1795) unter russische Herrschaft geriet, wurde Russisch die dominierende Sprache und litauische Bücher wegen der Aufstände gegen den Zaren zeitweilig verboten.

Heute verstehen viele Litauer neben ihrer Landessprache noch Russisch, die Gebildeten (und jungen Leute) Englisch und manchmal Deutsch.

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass die litauische Sprache eine slawische Sprache ist. Slawische Sprachen sind z.B. Russisch, Tschechisch und Polnisch. Litauer ohne Russischkenntnisse können sich aber nicht mit diesen Landsleuten verständigen.

 

Lettisch und Litauisch

Für mich hört sich Lettisch im Vergleich zur litauischen Sprache an wie das Holländische zum Deutschen. Meine Frau protestiert aber bei diesem Vergleich und sieht das ganz anders.

Die Letten sagen zum Beispiel "Lab dien (Guten Tag) und die Litauer "Laba diena". Kein grosser Unterschied. 


Litauische Akzente


Im litauischen selber gibt es wieder verschiedene Mundarten, wobei das Hochlitauische (Aukstaitija) und das Niederlitauische (Zemaitija) die wichtigsten sind. Niederlitauisch verhält sich zum Hochlitauischen etwa wie Plattdeutsch zum Hochdeutsch. Aber selbst im Hochlitauischen gibt es natürlich verschiedene Akzente. So kann man z.B. einen Birzaier anhand seiner Sprache seinem Heimatort zuordnen.
Der überraschende Reichtum an litauischen Mundarten auf einem kleinen Territorium wird auf die Abgeschlossenheit der einzelnen Gebiete zurückgeführt.
"Diese war eine Folge jahrhunderterlanger Zurückgebliebenheit und konservativer Beharrung auf ererbter Scholle". (Dr. V. Jungfer).

Quelle: Wikipedia und Dr. Victor Jungfer "Litauen-Antlitz eines Volkes" Nürnberg 1948

 

Von der George Mason Universität aus Virginia gibt es eine Sprachdatenbank, in der Menschen auf der ganzen Welt einen englischen Satz sprechen. Der Satz wird durch den natürlichen Akzent der verschiedenen Sprecher, von Afrikaans bis Zulu verändert. Die litauischen Sprachbeispiele findet man bei Litauen Akzent!

litauen akzent

 Die Datenbank benötigt Apple Quicktime und manchmal fragt der Browser um Erlaubnis

 

Für sehr gründliche Litauen Besucher gibt es sogar die Möglichkeit die litauische Sprache vorab in einer Sprachschule zu erlernen.

Da selten VHS Kurse angeboten werden, ist das Angebot des Rendsburger Nordkollegs umso wichtiger. 

Neben Kursen mit nordeuropäischen Schwerpunkt (Dänisch, Färöisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch und Schwedisch), bietet das Nordkolleg auch die Sprachen des Ostseeraums, also Estnisch, Lettisch, Litauisch, Polnisch und Russisch an. Interessierte haben die Möglichkeit, in den Intensivkursen auch diese Sprachen auf allen Niveaustufen zu lernen und zu vertiefen. 

Die Kurse umfassen 16 bis 40 Unterrichtseinheiten über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen (Montag bis Freitag). Der Autor hat die Kurse nicht selber ausprobiert. Eigene Erfahrungen sind erwünscht. Diese Webseite hat natürlich keinen finanziellen Vorteil durch das Nordkolleg! Die Kurse finden ab einer Teilnehmerzahl von mindestens 4 Personen statt.

Nordkolleg Rendsburg

 

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Deutsche über Litauen (Vydunas)

 

In seinem Buch "700 Jahre Deutsch-Litauischer Beziehungen" aus dem Jahre 1932, hat der Deutsch-Litauische Philosoph und Universalgelehrte Wilhelm Storost, Künstlername Vydunas, einige deutsche Stimmen über Deutschland und über Litauen gesammelt und zum Vergleich hintereinander gestellt. Bei all diesen positiven Meinungen deutscher Geistesgrößen über Litauen, meint er rhetorisch, sei der damals gebräuchliche Ausdruck "Dummer Litauer!" unverständlich. (S.90)

 

Friedrich Förster

(1820)

"Menschen sollen nicht wie Elenthiere, blos um der Rarität willen gehegt werden, sondern übergehen in die höhere Bildung; so werden die Litthauer in Preußen verschwinden."

 

August Schleicher

(1853)

„Viel Mühsal und Entbehrung erleide ich zwar (so sind z. B. meinem jetzigen Wirthe Teller völlig fremd – wir speisen aus gemeinsamer Schüssel) doch ertrage ich alles dies mit Freuden – bald wird es ja überstanden sein, am 15.October gedenke ich in Prag einzutreffen.“

 

Wilhelm Gaigalat

(1904)

„In dem nördlichsten Teil der Provinz Ostpreußen wohnt schon seit fünf Jahrtausenden der nach Sprache und Sitten äußerst merkwürdige Volksstamm der Litauer.“

 

Alexander Brückner

(1916)

„ … Es lohnt sich daher, auf die Vergangenheit einzugehen. Dabei denken wir keinen Augenblick an dasjenige Litauen, das in der Vergangenheit keine Vergangenheit und in der Gegenwart keine Gegenwart besitzt, an das preußische Litauen mit seinen etwas über 100 000 noch litauisch sprechenden Protestanten, die keinerlei Beziehungen zu ihren katholischen Stammesbrüdern jenseits der Grenze unterhalten, ihnen völlig fremd und teilnahmslos gegenüberstehen, nichts mit ihnen außer der (dialektisch) abweichenden Sprache teilen; trotz der jahrzehntelangen Arbeit „Junglitauens“, die notgedrungen auf preußischem Boden, in Tilsit und anderswo, vor sich gehen mußte (stark gehindert durch die allen Petersburger Weisungen eifrigst nachkommende preußische Polizei), sind diese Litauer ohne nationales Bewußtsein geblieben: wir sind anders als die Polen, d. h. das nationale Element spielt bei uns keinerlei Rolle. Also nicht von diesem ehrwürdigen ethnographischen Kuriosum, den Elchen seiner Wälder vergleichbar, sondern wir sprechen hier von demjenigen Litauen, das sich durch Annahme des Katholizismus vor der Überflutung durch die Russen und deren Orthodoxie, sowie durch die Erhaltung seinerSprache vor der Aufsaugung durch das Polentum erhalten hat….“

 

Louis Nast

(1893)

„Wohl wenige nur draussen im Reiche wissen etwas Genaueres von den Litauern und ihren Liedern, den Dainos. Und doch gehören diese zu den blüte- und düftereichsten Blumen im Wundergarten der Volkspoesie, und jene sind vielleicht das sanglustigste und liederreichste Volk der Erde. Der litauische Landbauer singt bei der Feldarbeit, die Mädchen in den Spinnstuben, keine gesellige Zusammenkunft, keine Hochzeit wird gefeiert ohne Gesang, kurz der Litauer - wenigstens wo er sich unvermischt erhalten hat, wie jenseits der Grenze - singt überall, wo irgend Gelegenheit dazu ist.“

 

Adam von Bremen

(1073)

Er schildert die Bewohner unserer Heimat als friedliche; verträgliche Menschen, die stets hilfsbereit sind allen Notleidenden gegenüber, niemals wie andere Völker Schiffbruch Erlittene berauben, sondern ihnen behilflich sind, wieder in ihre Heimat zu gelangen. Besonders rühmt er noch ihre Gastfreundschaft, ihre Religiosität und meint, es könne noch viel Lobenswertes hinsichtlich ihrer Sitten gesagt werden, wenn sie nur den christlichen Glauben annehmen würden.

 

Helmold

(um 1150)

der Chronist des Nordens, sagt genau dasselbe mit diesen lateinischen Worten: Multa poterant dici de hoc populo lau- dabilia in moribus, si haberant solam fidem Christi.

 

Hennenberger

(Erklärung der preußischen größeren Landtafel, 1595.)

Die Litauer seien ein starkes Volk und nach ihrer Art gottesfürchtig, so ihre Pfarrherrn ehren, der Obrigkeit gehorchen und willig tun, was sie pflichtig sein, doch wenn sie über Billigkeil und Pflicht getrieben werden, halten sie ob einander, fallen auf wie Bienen. Und ob sie auch wohl mit dem leidigen Sauflaster, so in diesen Landen sehr gemein ist, beladen sein, auch also, daß sie zu Zeiten vollerweise Junge, Alte, Mann, Weib, Kinder, Magd nicht anders als das Vieh zusammen auf der Streu liegen, dennoch erfährt man nicht Unzucht von ihnen.

 

Theodor Lepner

(Um 1675)

Von ihm ist das Buch mit dem Titel: Der preußische Litauer, verfaßt. Er ist kein Freund der Litauer. Offenbar hat es ihn tief verletzt, daß er in einem Prozeß gegen die litauischen Bauern um 2 Huben Land unterlegen ist. Daß ihm das deutsche Gericht auch Unrecht gegeben hat? Dennoch schreibt er unter anderm:

 Man muß sich aber verwundern über die Einträchtigkeit (Verträglichkeit) dieser Leute. Bei den deutschen Bauern und anderer Gelegenheit Leuten geht solches nicht an. Da kann selten ein Vater mit seinem Sohn in einem Hause leben; dafern der Sohn dem Vater zur Hand geht, so geschieht es doch nicht von der Schwiegertochter. So eine Beschaffenheit hat es nicht, wenn der Litauer einen Schwiegersohn in sein Haus nimmt, unter ihnen blüht die Einträchtigkeit und der Gehorsam.

Es sind zwar alle Bauern ungehobelt und grob, wie denn ein Priester aus Deutschland schreibt:                                              

„Bauern sind zwar Menschen, aber etwas ungehobelter und gröber als die andern... Ihre häuslichen Sitten sind jedermann bekannt sowohl in Reden und Gebärden. »

Wie denn deutsche Bauern in unserm Preußen (als welcher Urankunft meistenteils aus Deutschland ist), so dies- und jenseits Königsbergs wohnen, eben solche groben Sitten an sich haben. Von den litauischen Bauern, so hiesigen Ortes

wohnen, muß man dennoch gestehen, daß sie gleichwohl ziemlich mehr behobelt und nicht so gar grob sind. Denn im Reden weiß der Litauer die ihm Vorgesetzte wie auch andere im Ehrenstande Lebende mit angenehmen Worten zu beehren.

Die Bauern in Großlitauen und Zemaiten sind noch viel sittiger.

Es scheint, daß sie (die Litauer) vor Alters steif (fest) gehalten, was sie zugesagt.

Der gemeine Trank unserer Litauer ist wohl das liebe, klare Wasser, so wie es der liebe Gott gegeben hat. — —

Die Freier gaben genau darauf acht, ob die Dirne gutes Rufes und arbeitsam sei.      

Die Litauer sind alle Komponisten, die ihren Liedern selbsten die Weise geben. Sie sind von Natur zum Singen geneigt und also schöne Musici naturales. Die Stuben werden rein gefegt und alles darin ziemlich sauber gehalten.

Die Litauer halten auch davor, daß das ofte Baden ihnen zur Erhaltung der Gesundheit sonderlich dienlich sei. . . Nach dem heißen Bad und Peitschen, Streichen der Hand mit einem Bündel Birkenzweige mit Laub, springen sie in einen Teich — auch zu kalter Jahreszeit — der gemeiniglich bei ihren Badestuben ausgegraben ist.- Solch eine heftige Veränderung der Hitze und Kälte in ihrem Bade sollte einem andern den Tod bringen. Aber ihnen ist sie gesund. . . Wenn die Männer ausgebadet, gehen die Weiber und Mägde hinein. — Mir und meinesgleichen würde ein solches Baden sehr übel bekommen. — — Wiewohl einige wenige Deutsche auch hineingehen, aber das Springen in das kalte Wasser aus der Hitze wollen sie nicht nachtun.

Sonderlich' sind unsere Litauer sehr fräßige Leute, als die einen rechten Wolfsmagen haben.

 

Mathäus Prätorius

(1635 in Memel geboren, Pfarrer in Niebudßen bei Gumbinnen bis-1685 gewesen,) schrieb 1670 ein Buch: Deliciae Prussicae oder Preußische Schaubühne. Auch er gilt als ein Mann, der die Litauer nicht leiden mag. Dr. William Pierson schreibt ihm ein „gehässiges Pamphlet“ über die Litauer zu.

Doch heißt es unter anderem bei ihm von den Litauern:

„Ein jeder aber, ehe er gegessen, hat sich waschen müssen. Das soll eine uralte Gewohnheit sein gewesen, die auch zur Zeit der Nadraven nicht aufgehört. Sie halten das Bad so hoch, daß kein Gesinde dort dienen will, wo keine Badestube vorhanden, wo wenigstens wöchentlich gebadet aber gern täglich. Sie verhüten wo immer möglich, daß sich in ein nadravisch Dorf kein Deutscher einniste, denn sie bilden sich ein, daß alsbald ihr Ruin dadurch entstehe und durfte an manchem Orte es wohl wahr sein, denn da viele Krüge und Deutsche im Dorf sein, sind die Bauern in Nadraven insgemein weit ärmer, als da sie unter sich allein wohnen.

 

Immanuel Kant

(1724—1804.)

„Daß der preußische Litauer es sehr verdiene, in der Eigentümlichkeit seines Charakters und, da die Sprache ein vorzügliches Leitmittel zur Bildung und Erhaltung desselben ist, auch in der Reinigkeit der letzteren, sowohl in Schul- als Kanzelunterricht erhalten zu werden, ist aus obiger Beschreibung (nämlich in Mielkes deutsch-litauischem Wörterbuch) desselben zu ersehen.

Ich füge zu diesem noch hinzu, daß er (der Litauer), von Kriecherei weiter als die ihm benachbarten Völker entfernt, gewohnt ist, mit seinen Obern im Tone der Gleichheit und vertraulichen Offenherzigkeit zu sprechen, welches diese auch nicht übelnehmen oder das Händedrücken spröde verweigern, weil sie ihn dabei zu allem Billigen willig finden.

Ein von allem Hochmut oder einer großen benachbarten Nation, wenn jemand unter ihnen vornehmer ist, ganz unterschiedener Stolz oder vielmehr Gefühl seines Wertes, welches Mut andeutet und zugleich für seine Treue die Gewähr leistet.“

(In Mielkes Wörterbuch.)

 

Johann Gottfried Herder

(1744—1803.)

Die Litauer, Kuren und Letten an der Ostsee sind von ungewissem Ursprünge: (aller Wahrscheinlichkeit nach in­dessen auch dahin gedrängt, bis sie nicht weiter gedrängt werden konnten.) Ungeachtet der Mischung ihrer Sprache mit andern hat sie doch einen eigenen Charakter und ist wahr­scheinlich die Tochter einer uralten Mutter, die vielleicht aus fernen Gegenden ist. Zwischen den Deutschen, Slawen und finnischen Völkern konnte sich der friedliche Lettische Stamm nirgend weiter ausbreiten noch verfeinern und war zuletzt nur wie seine Nachbarn, die Preußen, am meisten durch die Gewalttätigkeiten merkwürdig, die allen diesen Küstenbewoh­nern teils von den neubekehrten Polen, teils vom Deutschen Orden und denen, die ihnen zu Hilfe kamen, widerfuhren.

Die Menschheit schaudert vor dem Blut, das hier vergossen ward in langen, wilden Kriegen, bis die alten Preußen gänz­lich ausgerottet, Kuren und Letten hingegen in eine Knecht­schaft gebracht wurden, unter deren Joch sie noch heute schmachten.

Vielleicht verfließen noch Jahrhunderte, ehe es von ihnen genommen wird, und man zum Ersatz der Abscheulichkeiten, mit welchen man diesen Völkern ihr Land und ihre Freiheit raubte, sie aus Menschlichkeit zum Genuß und eigenen Ge­brauch einer bessern Freiheit neubildet.

(Aus Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit.)

 

Im Buch:

Notizen von Preußen, verfaßt vom Geheimen Kriegsrat Gervais, Königsberg 1795, heißt es unter anderem Seite 26:

Der Litauer ist auch lange nicht so prozeßsüchtig wie der deutsche Bauer.

S. 27.

Niemand darf anstehen von der Gastfreiheit des Litauers Gebrauch zu machen, weil er mehr die Reinlichkeit als der Deutsche schätzt und liebt.

S. 29.

Der Litauer handelt vorsichtig und wird sich nicht leicht in Gefahr stürzen, als manchmal der Deutsche blindlings und ohne Überlegung tut.

 S. 55.

Man wird überhaupt selten bei den Litauern so viel von Ausschweifungen wider Zucht und Ehrbarkeit hören als bei den Deutschen und in ganz litauischen Gemeinden verhält sich die Zahl der unehelichen Kinder gegen die in den deut­schen, wie 1 zu 9 oder 10.

S. 183.

In Ansehung der Gutmütigkeit . . . jedem Unglückli­chen ohne Unterschied der Nation zu helfen, gegen jeden dienstfertig zu sein, übertrifft der Litauer den Salzburger. Wenn dieser mit dem Entschluß, einem Fremden aus Not zu helfen, noch lange nicht fertig ist, so hat der Litauer schon die Danksagungen für seine augenblickliche Hilfe geerntet, die er ohne viel Rücksichten, ohne viel Bedenken geleistet hat.

 

Kriegs- und Domänenrat Heilsberg

(Um 1800.)

„Der preußische Litauer ist im Durchschnitt gastfrei, edeldenkend, menschenfreundlich, tapfer.

Er zeichnet sich durch seine Zufriedenheit mit seiner augenblicklichen Lage aus, ist einheimisch und kein Freund von Zusammenkünften. —

Der Litauer ist von Natur dienstfertig: leiht ohne Zinsen und haßt den Geldwucher, Überdem ist er großmütig, nicht streitsüchtig, und ob er gleich für Beleidigungen sich auf der Stelle rächt, so läßt er sich doch auch leicht besänftigen und vergleichen      

Mit Unrecht wirft man ihm vor, daß er mißtrauisch und falsch sei. Eigentlich ist er bloß zurückhaltend gegen andere Nationen, besonders gegen die Deutschen, weil er in dem Wahn steht, daß er von ihnen nichts lernen, durch sie aber manches verlieren könne.

Zu den Angeburten des Litauers gehört die grenzenlose Verehrung des Königs . . . nächstdem die Vaterlandsliebe . . . Aus besonderer Anhänglichkeit an den angeerbten Boden geht der Litauer ungern in die Fremde . . . Diese Anhänglichkeit an seinen Grund und Boden wirkt in ihm einen Gemeinsinn, der sich überall äußert ... Dadurch wird der Litauer ein treuer Staatsbürger und sicherer Soldat.

Die Litauerinnen sind stärker gebaut, aber auch häus­licher, arbeitsamer, reinlicher als das deutsche Frauenzimmer. Sie werden später mannbar wie diese und können nur unter Vorspiegelung der Ehe verführt werden: geben sich auch nicht jedem preis. Venerische und andere Krankheiten sind daher seltener unter ihnen als unter andern Nationen. Die Vorliebe für die Sprache- ist bei den Litauern nicht Starrsinn, sondern Voraussetzung, daß er durch den Wechsel derselben an Sittlichkeit verliere.

Die Litauer sind Liebhaber des Gesanges. Sie singen und sind fröhlich vor und nach der Arbeit und ihre Lieder (Dainos) hauchen die zärtlichsten Gefühle der Liebe und Freundschaft. Ihr Scharfsinn in Beurteilung anderer und die Richtigkeit ihrer Urteile zeichnen sich aus. — —

Wer den' nachteiligen Einfluß der deutschen Sitten und Sprache auf die Litauer, die an der Grenze und nahe an den Städten wohnen, zu bemerken Gelegenheit gehabt hat, der wird überzeugt sein, daß der Litauer mit seiner Sprache seine Nationalität verliere.“          (In Mielkes Wörterbuch.)

 

Prediger Jenisch (Berlin)


(Um 1800.)

„Die vielen der litauischen Sprache eigentümlichen Wurzelwörter, von denen alle ihre Schwestern keine Ähnlichkeiten aufzuzeigen haben, scheinen Überbleibsel der Sprache des Urvolkes an der südlichen Küste der Ostsee zu sein, dessen wir schon in den allerältesten Geschichtsschreibern erwähnt finden, und welches seit der Einwanderung der Deutschen in Preußen, besonders durch die verwüstende Grausamkeit der letzteren verschwunden ist, ohne eine Spur von ihnen zurückzulassen . . .

Der Litauer hat alle Tugenden einfach und abgesondert lebender Völker, und wenige ihrer Fehler.

Schätzenswert ist insbesondere die Vertragsamkeit und Brüderlichkeit, in welcher sie miteinander leben, die tätige Teilnahme für die Unglücklichen, die edle Gastfreundschaft gegen den Fremden; höchst selten sind unter ihnen Beispiele von großen Verbrechen. Rühmlich zeichnen sie sich von ihren Östlichen Nachbarn, den Polen, durch ein an Stolz grenzendes Selbstgefühl aus.

Es verrät eine achtungswürdige, Selbständigkeit des litauischen Nationalcharakters, daß sich jener edle Zug selbstwährend der manche Jahrhunderte durch dauernden Herrschaft der Polen über die Nationen nicht verwischte.

Weiber und Mädchen der Litauer hatten von jeher ein vorzügliches Lob der Keuschheit und es gereicht ihnen zur Ehre, daß die Sprache für das Laster des Ehebruches kein eigentümliches Wort hat.

Nationalstolz, Hang zur Trunkenheit und Aberglauben sind vielleicht die einzigen Fehler, die man dem Litauer vorwerfen könnte.“



Asmus

(Um 1865.)

„Der Mann hat in seiner Jugend etwas Unternehmendes in seinem Äußern, den Greisen ist stets ein sehr ehrwürdiges Ansehen eigen. Das Weib hat zwar in der Jugend etwas Lockendes, Üppiges, verblaßt aber bald und wird dann zur grinsenden Fratze.“



Dr. Albert Zweck

(1898.)

„In ihrem Denken und Fühlen zeigen die Litauer eine bewundernswerte Zartheit und Feinfühligkeit.


Die Litauerinnen sind große Blumenfreundinnen. — —


Wie sich in Kleidung und Wohnung des Litauers eine große Bedürfnislosigkeit kund gibt, so auch in der Auswahl der Nahrungsmittel.


Fleisch kommt beim Litauer nach wie vor selten auf den Tisch.


Die Litauer sind freundlich,- gesellig, gastfrei und ehrerbietig.


Mit der Natur fühlt sich der Litauer innig verwachsen.


Urteile der Litauer über sie selber sind immer zu finden, wenn man sie nicht in sprichwörtlichen Gelegenheitswendungen sehen will wie etwa:

Seht, der Deutsche will schon so klug sein wie der Litauer.“    (Aus seinem Werk: Litauen.)

 

Wilhelm von Humboldt über die Kurische Nehrung:

"Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, daß man sie ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muß, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll".

 

 

Wird fortgesetzt...

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Geld Litauen

 

Unten ein paar Scans von Litas Scheinen. Ganz unten die Talonas der Jahre 1991 bis 1993.  Talonas 500 Litauen

 

 

Die Währung in Litauen hieß von 1918 (dem Jahr der ersten Unabhängigkeit) bis zum russischen Einmarsch 1940 Litas.

Nach der erneuten Unabgängigkeit 1990 gabe es nach der Übergangswährung Talonas  wieder den Litas. Der Wechselkurs war fest an den Euro gebunden (davor bis 2002 an den Dollar) und betrug 1 Euro = 3,45 Litas.

 

Seit Januar 2015 hat Litauen als 19. Land den Euro eingeführt. Die EU Finanzminister haben ihr OK dafür im Sommer 2014 gegeben. Die Litauer selber scheinen mehrheitlich gegen die neue Währung zu sein und führen Lettland als negatives Beispiel an. Die Letten haben den Euro seit Anfang 2014. 

 

Die in Litauen beliebte Symbolik der Eigenstaatlichkeit zeigt sich mit der Euro Einführung nur noch auf den litauischen Euro Münzen Hier ist der litauische Ritter Vytis mit Schwert auf einem Pferd abgebildet.

Litauen Geld Historisch

Historische Entwicklung: Geld in Litauen seit 1900 (© Tomas Baranauskas) grün: "eigenes" litauisches Geld

 

Die Menschen in Litauen haben Angst vor höheren Preisen und sehen den Litas (die litauische Währung der Zwischenkriegszeit und nach der Unabhängigkeit ab 1993) als Zeichen ihrer Unabhängigkeit. Genau wie in geschichtlichen Fragen, gibt es auch hinsichtlich der litauischen Symbolik eine starke, sehr konservative Bewegung, die jegliche Aufgabe nationaler "Identität" bekämpft. So wird die Union von Lublin (Vereinigung Litauens mit Polen 1569) als positives Beispiel angeführt, weil selbst in dieser "Realunion" die Litauer ihr eigenes Geld behielten. Natürlich sagt keiner dieser Konservativen, dass mit der Personalunion Polen/Litauen die damalige Amtssprache Litauens (Ruthenisch, eine russische/ostslavische, oder besser, weissrussische Sprache) durch die polnische Sprache ersetzt wurde. Um 1900 sprachen in Vilnius vielleicht 4 % der Bevölkerung Litauisch, der grosse Rest Jidddisch und Polnisch. Historiker wie T. Venclova, die diese Tatsachen beschreiben, werden als (jüdische) Nestbeschmutzer und Litauenhasser verunglimpft. (Zu diesen litauischen Strömungen gibt es einen schönen Artikel von Saulius Suziedelis).

 

Wie litauische Nationalisten gegen den Euro hetzen und was sie für ein politisches Verständnis haben kann man hier sehen: Litas wird begraben

 

Litauische Euro Münzen

Die litauischen Euro Münzen. Oben die lettischen Euros. Unten schmückt, etwas kriegerisch, der litauische Ritter Vytis die Münzen, oben ist die lettische Stilisierung einer Dame in Landestracht "Milda" zu sehen.

Daneben das lettische Staatswappen.

 

Litauen Litas Münzen

Die alten Litas. Unten eine Sonderprägung: der Litas als Basketball!

 

Neugierig haben wir im Sommer 2014 einige Letten und Litauer befragt, was natürlich nicht repräsentativ ist. Vor der Währungsumstellung wurden die Preise in Lettland so angepasst, dass die Umstellung zum Euro leichter ging. Das Gleiche stellt man in Litauen fest. Eine generelle (exorbitante) Preiserhöhung kann man nicht feststellen. Wir haben auch keine Massen von Letten in litauischen Supermärkten gesehen. Erstens gibt es seit Jahren einen festen Umrechnungskurs Litas/Euro von 3,45 Litas/1 Euro und zweitens gibt es wegen den niedrigen Löhnen auch nicht die nötige Kaufkraft um höhere Preise durchzusetzen.

Die meisten Letten waren auch gegen den Euro. Ältere Leute hatten Probleme mit dem Umrechnen, Junge haben sich aber schnell zurecht gefunden.

 

Das Lohnniveau in Litauen ist sehr niedrig, ein Herrenhaarschnitt, um einen Vergleich zu  nennen, kostet ausserhalb der großen Städte 3 Euro. Dafür sind Lenbensmittel oft teurer als bei uns und Kraftstoff kostet nur etwas weniger als in Deutschland.

Der Durschnittslohn betrug 2010 450 Euro (Netto). Oft wird den Angestellten weniger ausgezahlt. Die hohen Energiepreise machen vielen Städtern zu schaffen.

 

zehn litas von vorne  10 litas von hinten

          Der letzte 10 Litas Schein              klicken zum vergrößern

Steponas Darius und Stasys Girenas waren Litauer mit US-Pass, die mit ihrem Flugzeug Lituanica 1933 nonstop von den USA nach Litauen fliegen wollten.

Etwa 636 km vor ihrem Ziel (die damalige litauische Hauptstadt Kaunas) stürzte das Flugzeug ab. Interessant hier wieder die unterschiedlichen Wikipediaseiten. Während die deutsche berichtet, dass die litauische Kommission, die den Unfall aufklären sollte, von einem technischen Defekt - einem  Pilotenfehler oder dem Wetter als Unglücksursache ausgeht, berichtet die englische Seite über eventuelle deutsche Schüsse auf die Lituanica, weil es für ein Spionageflugzeug gehalten wurde und nahe eines Konzentrationslagers flog (am 17. Juli 1933 war es für viele in Deutschland ungemütlich, aber "auskundschaftswerte" Konzentrationslager gab es erst später).

Bei der Beerdigung in Kaunas nahmen 60.000 Menschen teil.

 

Benzin und Diesel ist etwas billiger als in Deutschland, angesichts der niedrigen Einkommen aber sehr teuer.

Hotelübernachtungen kosten entsprechend dem gewünschten Niveau. Die Spitzenhotels sind hier genauso teuer wie in anderen Ländern.

Auf dem Land und den kleineren Städten sind Übernachtungen und Verpflegung günstig und gut.

 20 Litas Schein vorderansicht  20 litas schein von hinten

Der letzte 20 Litas Schein

 

Gezeigt wird hier der Dichter der Romantik Maironis, der im 19. Jahrhundert gegen die Russifizierung seiner Heimat kämpfte..

Auf der Rückseite ist die Freiheitsstatue in Kaunas abgebildet. Kaunas war wegen der polnischen Besetzung von Vilnius eine Zeitlang Litauens Hauptstadt.

 

Visa und Mastercard werden flächendeckend angenommen. Mit der EC Karte kann man sich Geld besorgen oder auch an der Supermarktkasse bezahlen. Alle gängigen Währungen kann man in Banken gegen den Euro einwechseln.

Geldautomaten gibt es überall.

Während der Wirtschaftskrise 2012 und 2012 sind manche Banken ins Schleudern gekommen.

 50 Litas von vorne Litauen  50 litas von hinten

Der 50 Litas Schein

 

Hier ist Jonas Basanavicius zu sehen. Er unterschrieb 1918 die litauische Unabhängigkeitserklärung und wird als Vater der Nation geehrt.

Schon 1928 war er auf dem Litas Schein abgebildet. Die Rückseite zeigt die Kathedrale des Heiligen Stanislaus und den Glockenturm in Vilnius.

 

 

Erklärtes Ziel der litauischen Politik war die Aufnahme in die Euro Zone. Die Aufnahmekriterien wurden 2007 aber minimal überschritten, die Einführung des Euros in LItauen also gestoppt. Nach unter 3 % Inflation gab es im Jahr 2009 schon 11 % Prozent Inflation und eine Aufnahme in den Euro Raum ist damit in weite Ferne gerückt. 2015 wurde der Euro eingeführt.

 

100 Litas Vorderansicht  100 litas von hinten

Gezeigt wird der Historiker Simonas Daukantas

 

Überall begehrt sind die litauischen Sammlermünzen aus Silber und Gold, die limitiert von der Litauischen Nationalbank herausgegenben werden  und oft eine hohe  Wertsteigerung erfahren. http://www.lb.lt/programmes_of_issue

 

200 litas von vorne  200 litas von hinten

Der 200 Litas Schein

 

Gezeigt wird hier der Phylosoph Vydunas

 

500 Litas  Scan Vorne Litauen   500 Litas Scan Hinten Litauen

Der 500 Litas Schein.

Hier ist der Schriftsteller Vincas Kudirka abgebildet. Die Rückseite zeigt die Freiheitsglocke aus einem bekannten litauischen Gedicht.

Alle hatten grossen Anteil am Enstehen des litauischen Nationalgefühls zum Ende des 19. Jahrhunderts.

 

 

 Ausserdem gab es noch ein, zwei und drei Litas Scheine.

 

Kurz zur Geschichte des Litas:

1922 führte der junge Staat den Litas ein. Er diente als stabile Währung bis 1941, als die Sowjetunion die Litauer überzeugte, daß der Rubel besser sei (Achtung Ironie).

Am 5. August 1991 wurde als Übergangswährung der Talonas (litauisch Gutschein) eingeführt. Das auch als Tiergeld (in schlechter Papierqualität) wegen seiner Tierabbildungen bezeichnete Papiergeld und als vagnorkes ( nach dem damals amtierenden Ministerpräsidenten Gediminas Vagnorius) war bis zum Juni 1993 im Umlauf. Es wurde dann vom Litas abgelöst. Der Wechselkurs 1993 war 100 Talonas zu einem Litas!

Die Talonas wurden später in der Grigiskes Papierfabrik zu Toilettenpapier recycled. 

 

Oben ein paar Scans von heutigen Litas Scheinen. Unten die Talonas der Jahre 1991 bis 1993.

 

 0.1 talonas vorne  0.1 talonas rückseite

        0,1Talonas                      klicken zum vergrößern

 

0.2 talonas hinten  0.5 talonas rückseite

      0,2 und 0,5 Talonas.  Die Vorderseite ist gleich der 0,1 Note (oben links)

 

1 Talonas vorne  1 Talonas

1 Talonas

 

1 Talonas Version 2    1 Talonas 

                  Andere Version von 1 Talonas

 

5 Talonas   5 Talonas

5 Talonas

 

10 Talonas  10 Talonas

10 Talonas Version 1

 

10 Talonas 10 Talonas

10 Talonas Version 2

25 Talonas  25 Talonas

25 Talonas

 

50 Talonas  50 Talonas

50 Talonas

 

100 Talonas   100 Talonas

100 Talonas

 

200 Talonas  200 Talonas

200 Talonas

 

500 Talonas Vorne     500 Talonas Rückseite

500 Talonas. Ob hier der russische Bär abgebildet ist?

 

Da ich in meinem Fundus noch einige lettische, russische und ukrainische Scheine gefunden habe, hier die Scans für Interessierte:

 

lettischer Rubel   1 lettischer Rubel

1 lettischer Rubel von 1992

 

 2 lettische Rubel  2 lettische Rubel

2 lettische Rubel

 

ukraine 1991   ukraine 1991

Ukraine 1991     Ukrainischer Kupon oder Karbowanez genanntes Übergangsgeld

Bei Interesse finden sich weitere Kupons hier

 

 

20 Lat 1992    20 alte lettische Rubel

20 lettische Rubel von 1992

 

 

 

 

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Die beste Reisezeit für Litauen

 

Reisezeit: Die großen Städte Kaunas, Vilnius, Riga und Tallinn kann man das ganze Jahr über besuchen. Da spielt das Wetter keine so große Rolle. Für Fahrradtouren, Reisen mit dem Motorrad oder Wanderungen (oder ein Besuch im Belmontas) empfiehlt sich natürlich der Sommer, der durchaus schöner als bei uns sein kann.

Achtung: es kann auch Mitte Mai zu Kälteeinbrüchen und Schneefällen kommen. Es kann aber auch wunderbar schön sein. Am 10. Mai 2017 hat mich ein Schneeschauer erwischt. Die Strasse war plötzlich voll Schnee und das Motorrad fahren musste eingestellt werden. Die Fahrrad Fahrer, die eine Tour auf der Kurischen Nehrung machten, werden ihre Reise bei 3 Grad wohl auch nicht vergessen.  

 

Allerdings kann es eben auch wochenlang regnen, wie bei der Motorradreise von Jörg Rittmeister.

 

Auch in der kalten Jahreszeit ist das Baltikum eine Reise wert. Bei Schnee und sehr tiefen Temperaturen hat Litauen einen besonderen Reiz. Einmal hatte es bei einem Besuch minus 27 °C. Unser Flugzeug in Riga bekam seine Tür nicht mehr zu. Da die Luft trockener ist, macht einem die Kälte aber bei entsprechender Kleidung nichts aus. Man kann ohne Probleme nach einem Saunagang durch den Schnee laufen.

 

Wenn im Winter das Kurische Haff zugefroren ist, kann man von Ventes Ragas (Windenburger Ecke) bis zur Kurischen Nehrung laufen.

 

Mein erster Besuch auf den Sanddünen der Kurischen Nehrung war im Winter 1992. Der kalte Wind fegte über die Dünen und mir war klar, hier musst du wieder hin. Da war Litauen noch wilder als heute.  

 

Vermeiden sie die Tauperioden! Außerdem sind die Straßenverhältnisse zu bedenken. Bei den Massen an Schnee kann nicht so gut geräumt werden wie bei uns.

 

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Das polnische Problem - umstrittenes Vilnius

 

Zugegeben, eine provokante Überschrift.

 

Vilnius (1919 bis 1939 poln. Wilno) war immer eine Vielvölkerstadt. Juden, Polen und Litauer waren hier heimisch und das macht den Charakter der Altstadt von Vilnius mit seinen verwinkelten engen Gassen aus (siehe dazu auch die Zitate weiter unten).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die ehemals enge Verbindung zwischen Litauen und Polen leben viele Polen (oder polonisierte Litauer) in der Stadt. Um 1900 lebten in Wilna etwa 30 % Polen, 40 % Juden, 20 % Russen und 2 % Litauer.

Die Stadt wurde von Litauen und Polen beansprucht und noch heute klagen die polnischen Einwohner über Diskriminierungen. In der "Dekade der Gewalt" 1939-1949 wurde die Stadtbevölkerung beinahe komplett, nämlich zu 90 %, ausgetauscht. (Tauber und Tuchtenhagen: Vilnius, kleine Geschichte der Stadt)

 

Warum war Vilnius umkämpft? Ein kurzer Klärungsversuch.


Litauen wurde 300 bis 200 Jahre vor Christus von baltischen Stämmen besiedelt. Der Name Litauen taucht in schriftlichen Quellen

aus dem Jahre 1009 auf. Als offizielle Staatsgründung gilt aber das Jahr 1253.

mindaugas 

Der litauische Großfürst Mindaugas bekämpft die deutschen Kreuzritter, die sich zu dieser Zeit in litauischen Gebieten

ansiedeln und die heidnischen litauischen Stämme christianisieren wollen.

Mindaugas lässt sich taufen, um von der katholischen Kirche anerkannt zu werden. Damit erreicht er den Frieden mit den

Kreuzrittern und erhält den Titel eines Königs des Heiligen Römischen Reiches.

Diese Krönung wird von Historikern als Beginn des Großfürstentums Litauen angesehen. Nach Mindaugas Tod konnte Litauen sich

unter Algirdas und Kestutis bis zum Schwarzen Meer ausbreiten und war damals die beherrschende Kraft Osteuropas.

   

                     Jogaila                                            Hedwig von Anjou

1385 schloss Litauen mit Polen eine Allianz (Vertrag von Krewo) indem sich Jogaila (Sohn des Algirdas) mit Jadwiga Andegawenska

(Hedwig von Anjou, Enkelin des verstorbenen polnischen Königs Kasimir) vermählte und als König Wladyslaw II. Jagiello den

polnischen Thron bestieg.

Lange Rede, kurzer Sinn: das Bündnis zwischen dem kleinen Litauen und dem viel größeren Polen wurde immer enger und mündete im Jahre 1569 (nach Schwächungen Litauens u.a. im Livländischen Krieg) in der Realunion von Lublin. Das einst mächtige Litauen war nun Teil Polens.

Trotz anfänglicher Privilegien wurde der litauische Adel schnell polnisiert. Polnisch wurde immer mehr vom Klerus (meist sowieso aus Polen kommend) und dem Adel gesprochen.


Im 18. Jahrhundert geriet Polen/Litauen auf den Wunschzettel der nun mächtigen europäischen Staaten: Russland, Preußen und Österreich und es erfolgten drei Teilungen von Polen.


1772 erweiterte Russland sich um einen Landstreifen von Daugavpils (Dünaburg) bis fast nach Kiev. Österreich bekam Südpolen, Preußen bekam Land von der Reichsgrenze bis nach Elbing (dort ist die Marienburg, schönes Reiseziel!).

1793 kam es zur zweiten polnischen Teilung. Russland nahm sich Weißrussland und die Ukraine, Preußen ein Stück von Polen

südlich der ersten Beute.

1795 erfolgte die dritte polnische Teilung. Russland bekam Litauen bis Palanga und den Rest von Weißrussland und die Ukraine.

Preußen nahm sich Territorium um Kleinlitauen.


Litauen wurde also komplett (außer Kleinlitauen) Bestandteil des Russischen Reiches und blieb es, trotz einiger Aufstände, bis zum Ende des I. Weltkriegs.


1915 besetzte das Deutsche Reich Litauen und fasste es unter General Ludendorff zum Verwaltungsgebiet "Ober-Ost" zusammen.
Nachdem Deutschland den Krieg verloren hatte, versuchte man Litauen in die Unabhängigkeit zu entlassen, allerdings als Satellit des Deutschen Reiches.

Die Litauer wollten aber nicht so wie die Deutschen. Sie erklärten sich im Dezember 1917 für unabhängig (mit Bindung ans Deutsche Reich) und im Januar, als Deutschland Litauens Anerkennung verzögerte, für komplett unabhängig.

Und das blieben sie auch, meist mit Antanas Smetona als Präsident, bis der unselige Hitler-Stalin Pakt Europa wieder auf die Hölle vorbereitete.

 

Josef Pilsudski


Neben Litauen nahmen auch Finnland, Lettland, Estland, die Tschechoslowakei und auch Polen die Gelegenheit nach dem ersten Weltkrieg wahr und erklärten ihre Unabhängigkeit. Polens Unabhängigkeit mit Grenzverlauf zur Curzon-Linie wurde in den Pariser Vorortverträgen von Deutschland und Österreich anerkannt.

Die Curzon-Linie vermied es zu viele Nichtpolen unter polnische Herrschaft zu stellen. Allerdings blieben Gebiete mit polnischer Bevölkerungsmajorität außerhalb dieser Grenze. In unserem Beispiel das Gebiet von Polen bis nach Vilnius.

 

Anstatt den Frieden zu bewahren, kam Polen unter Jozef Pilsudski (Chef der polnischen Streitkräfte und Staatspräsident, hier ein tabellarischer Lebenslauf von Dikigoros [Anmerkung zu Dikigoros siehe unter Weblinks]) auf die Idee, die schwierige Lage Russlands (Bürgerkrieg zwischen der Weissen Armee (den Zaristen) und den Bolschewiki) auszunutzen und die eigene Position gegenüber Preußen, Österreich und Russland (also den Verantwortlichen für Polens Teilungen) zu stärken.


Als historisches Vorbild schwebte Pilsudski ein Staatengebilde vor, wie die polnische-litauische Realunion, mit Weißrussland und der Ukraine als Puffer gegen ein erstarkendes Russland.

1918 sagte er zu einer litauischen Delegation, dass er auch nichts gegen einen unabhängigen litauischen Staat hätte. Er forderte allerdings, dass die Litauer ihre Ansprüche auf das ethnographische Litauen beschränkten, weil zum historischen Litauen unzweifelhaft polnische Gebiete gehörten. (P.Lossowski Das Wilna Problem, Pilsudksi Gesammelte Werke)

 

Etwas weiter im Osten war man mit dem Verlauf der Geschichte auch nicht zufrieden.


Lenin ahnte, zu Recht, dass Russland als einziges kommunistisches Land nicht überleben konnte und wollte der Weltrevolution nachhelfen, die von Russland aus (über Polen) auf die westlichen Industrienationen übergreifen sollte.

Aus einem Grenzkonflikt (Winston Churchill spottete: " Der Krieg der Giganten ist zu Ende, der Hader der Pygmäen hat begonnen")

polnischer angriff an der memel

entwickelte sich somit der "Polnisch-Sowjetische Krieg" (1919 bis 1921).

Polen und Russland (das weiterhin im Bürgerkrieg mit den Weissen-Armeen war) begannen Kämpfe in der Ukraine und an der Memel. Der Konflikt (Trotzki warnte: "Gegen uns operiert zum ersten Mal eine reguläre Armee, die von guten Technikern geführt wird") kostete beide Seiten ca. 630.000 Tote.


Mal hatten die Polen mehr Glück, mal die Sowjets. Kiev und Wilna wechselten mehrfach die Besitzer.
Am 1. August 1920 eroberte die Rote Armee Brest-Litowsk und standen somit nur noch 100 km vor Warschau. Je weiter die Russen unter General Tuchatschewski ins polnische Kernland eindrangen, umso motivierter waren die Polen ihr Land zu verteidigen.

Außerdem kam die Rote Armee unter Jegorow, die in der Ukraine stand Tuchatschewski nicht zu Hilfe, sondern ihr wurde der Angriff auf Lwow (Westukraine) befohlen.

Pilsudski griff die Russen mit einer Zangenbewegung von zwei Seiten an und fügte der Roten Armee schwere Verluste zu.

Diese Verteidigung der polnischen Hauptstadt ging als "Wunder an der Weichsel" in die Geschichte ein.

Die polnischen Truppen nutzten die Gunst der Stunde und rückten im Oktober 1920 in Minsk und (entgegen vorher geschlossener Verträge durch einen Trick) in Pidulskis Heimatstadt Vilnius ein.

Der Kommandeur der in Vilnius einmarschierenden Einheit, Lucjan Zeligowski, proklamierte einen neuen Staat mit dem Namen Mittellitauen. Dieser wurde dann 1922 nach einer Volksabstimmung an Polen angeschlossen.

Da die Polen sich von einem weiteren Krieg im Winter nichts versprachen und die Sowjets wirtschaftlich am Boden waren, kam es im September 1920 zu Friedensgesprächen in Lettlands Hauptstadt Riga, die im März 1921 als "Friede von Riga" formell besiegelt wurden.


Polen hatte sein Staatsgebiet damit ordentlich nach Osten vergrössert und ist seinem Ziel, die Staatsgrenzen von vor der "Ersten Polnischen Teilung" wieder herzustellen, ein gutes Stück näher gekommen.

Natürlich waren die Litauer, die ihrer historischen Hauptstadt verlustig gegangen sind, das Gegenteil von begeistert. Als Hauptstadt diente nun Kaunas. Der Verlust von Vilnius kann man ebenso wie die Deportationen durch die Sowjets 1941 als "Litauisches Trauma" bezeichnen.

Vilnius kam durch die geheimen Zusatzprotokolle des Molotow-Ribbentrop Vertrages an Litauen

Auch die Sowjetunion konnte die Schmach nicht vergessen und handelte 1939 im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts die Übernahme der 1920 von Polen eroberten Gebiete (u.a. Vilnius) mit Hitler-Deutschland aus. Stalin übergab das Gebiet (immerhin 7.100 Quadratkilometer und 457.500 Menschen) dann im Oktober 1939 großzügig an Litauen und bekam dafür Stützpunkte für die Rote Armee (Bloodlands, T. Snyder S.202). Litauen war happy, bis es von Stalin im Juni 1940 besetzt wurde. 

 

 

Denkmal in Kernave : Hallo Welt! Ohne Vilnius werden wir niemals ruhig sein.


Die gewaltsame Einnahme von Vilnius durch Polen entgegen bestehender Verträge und der hohe polnische Bevölkerungsanteil im Gebiet von Vilnius ist für Litauen das "Polnische Problem".


 

Beide Seiten kann man verstehen. Vilnius Reiz besteht aus der kulturellen Vielfalt - aus der Vergangenheit (die große jüdische Kultur besteht fast nur noch in architektonischer Erinnerung) und Gegenwart - mit Russen, Polen, Weißrussen und Litauern.

Hardliner auf beiden Seiten gönnt man keinen Erfolg, im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens.

 

Als die Litauer in einem Referendum 1991 über ihre Unabhängigkeit abstimmten, machten gleichzeitig viele Polen an einer sowjetischen Abstimmung über das Fortbestehen der UdSSR mit. Als sogar eine Rote Fahne vor einem Rathaus im polnisch besiedelten Salcininkai gehisst wurde (gerade während des Moskauer Putsches in Vilnius), hatten die Litauer den Papp auf und setzten die polnischen Lokalpolitiker ab.

 

Mittlerweile sollen die Polen zugeben, dass sie sich von Warschau haben aufhetzen lassen, in der Hoffnung, die polnisch besiedelten Gebiete Polen zuschlagen zu können.  (Spiegel 8.6.1992) 

 

Ein sehr ausführlicher Bericht über den Minderheitenschutz in Litauen stammt von Carmen Schmidt von der Uni Köln hier

Zu den Spannungen zwischen Warschau und Vilnius hier

Polnisch ist für litauische Politiker eine Phobie hier


Die Vielvölkerstadt Vilnius vor dem Zweiten Weltkrieg

Ausschnitt aus einem Brief von Czeslaw Milosz (litauisch-polnisch-amerikanischer Dichter *1911 im litauischen Sateiniai) an den litauischen Dichter und Literaturkritiker Tomas Venclova (*1937), beide emigriert in die USA. Hier geht es um die Ansichten des polnischen Vilniuser Milosz an den litauischen Vilniuser Venclova.


Lieber Tomas,

Zwei Dichter, Litauer der eine, Pole der andere, sind in der gleichen Stadt aufgewachsen. Das dürfte eigentlich Grund sein, daß sie über ihre Stadt sprechen, und das sogar öffentlich. Zwar gehörte die Stadt, die ich kannte, zu Polen, hieß Wilno, und auf den Schulen und in der Universität wurde polnisch gesprochen: Deine Stadt war die Hauptstadt der Litauischen SSR [A.K.: Sozialistischen Sowjet Republik], hieß Vilnius, und Du hast die Schule und Universität in einer anderen Epoche, nach dem Zweiten Weltkrieg besucht.


Dennoch ist es ein und dieselbe Stadt, und ihre Architektur, die Landschaften ihrer Umgebung und ihr Himmel haben uns beide geformt. Gewisse, sozusagen tellurische [A.K.: die Erde betreffend] Einflüsse sind nicht auszuschließen. Außerdem habe ich den Eindruck, daß Städte ihren Geist und ihre Aura haben, und manchmal, wenn ich die Straßen von Wilna entlanggegangen bin, kam es mir so vor, spürte ich diese Aura auf beinahe sinnliche Weise.
(...)

Im 20. Jahrhundert war das Programm der polnischen Nationalisten für die ethnisch nichtpolnischen Gebiete dumm, da Wilna oder Lemberg [A.K.: heimliche Hauptstadt der Ukraine] Enklaven waren.Ich denke, daß es jungen Leuten heute recht schwer fällt, diesen Enklaven-Charakter des Vorkriegs-Wilna zu verstehen: das war weder Polen noch Nicht-Polen, weder Litauen noch Nicht - Litauen, weder Provinz noch Hauptstadt, obwohl doch vor allem Provinz.
Und natürlich war Wilna, wie ich es aus der Perspektive sehe, absonderlich, eine Stadt mit vermischten, einander überlappenden Gebieten wie Triest oder Czernowitz.


Dort aufgewachsen war nicht das gleiche wie in ethnisch einheitlichen Gebieten aufzuwachsen. Die Sprache selbst wurde anders empfunden. Es gab keinen volkstümlichenstädtischen oder dörflichen Dialekt mit rein polnischen Wurzeln, es gab die "hiesige" lustig wirkende Sprache, die vielleicht dem Geist der weißrussischen näher war als dem der polnischen, obwohl sie freilich viele polnische Worte bewahrt hatte, die im 16. und 17. Jahrhundert üblich, in Polen jedoch aus dem  Sprachgebrauch verschwunden waren. Die Grenze zwischen der "hiesigen" Sprache und der Sprache der adligen Gemeinde (die Mickiewicz sowohl in der Kindheit als auch später in Paris mit dem inneren Ohr hörte) war natürlich fließend, genauso wie die zwischen der Sprache des Kleinadels und der des Hofes oder auch der vom Hof kommenden Intelligenz. All das war jedoch dem polnischen Bauern-Dialekt wirklich fremd.

In der "hiesigen" Sprache sprach das Proletariat von Wilna, sie hatte keine Ähnlichkeit mit der Warschauer Volkssprache, wo sich wahrscheinlich ein gewisses bäuerliches Substrat erhalten hat. Für mich ist zum Beispiel ein Dichter wie Miron

Bialoszewski exotisch. Diese Sprachquellen habe ich nicht. Ich riskiere die Feststellung, daß unsere Sprache empfänglicher war für Korrektheit und auch für rhythmische Prägnanz, deshalb empfinde ich das klare Polnisch der Dichter des 18. Jahrhunderts wie Krasicki oder Trembecki als "das meine". Es ist schwierig, das zu analysieren. Was mich betrifft, so würde ich sagen, meine Sprache wurde davon beeinflußt, daß ich der Versuchung der ostslwischen Sprachen, in erster Linie des Russischen, widerstanden und ein Register gesucht habe, in dem ich - in Bezug auf die rhytmische Modulation - mit den ostslawischen Elementen wetteifern konnte.

 

Ich weiß nicht, wie sich der Widerstand gegen das Russische auf Dein Litauisch ausgewirkt hat. Ich weiß, daß es für mich und für jeden, der ein empfindsames Ohr für das Russische hat, schädlich ist, dem starken Beat des russischen Jambus

nachzugeben, und daß dies nicht die Hauptrichtung des Polnischen ist.


Der Provinzcharakter Wilnas. Er hat mich bedrückt, und ich habe mich danach gesehnt, in die Welt zu entfliehen. Deshalb ist es nicht nötig, einen Mythos von der geliebten Stadt zu schaffen, wenn ich es dort kaum noch aushalten konnte, und - als der damalige Wojewode [A.K.: Chef der Verwaltung], Bocianski, vom Polnischen Rundfunk in Wilna forderte, mich als politisch verdächtigen zu entlassen - die infolgedessen zwangsweise Abreise nach Warschau mit Erleichterung aufnahm.

Denn Wilna war ein Kaff, eine unvorstellbar enge Basis, wenn Du die jiddisch oder russisch sprechenden und lesenden Juden abrechnest und die "hiesige" Bevölkerung, die gar nicht las. Was blieb über? Etwas Intelligenz adliger Herkunft, im allgemeinen ziemlich stupide.

Und damit ist die Nationalitätenfrage verbunden. Denn wenn wir uns für Litauer gehalten hätten, wäre Wilna unsere Hauptstadt und unser Zentrum gewesen. Ein sehr schwieriges Problem, wie Du weißt. Logisch wäre die finnische Lösung. Ich kenne diese Probleme nicht näher.  Ich weiß nicht, wie das die Finnen aus schwedischsprechenden Familien gelöst haben, aber Helsinki war wohl ihr Zentrum und nicht Stockholm. Grundsätzlich hätten wir uns für Litauer mit polnischer  Muttersprache halten müssen - und

Mickiewisz  "Litauen, du meine Heimat"                            

 

unter neuen Bedingungen fortsetzen, was bedeutet hätte, litauische Literatur in polnischer Sprache zu schaffen als Parallele zur litauischen Literatur in litauischer Sprache. Doch das wollte niemand - weder die Litauer, die sich fest gegen die

polnische Kultur als eine ihre eigene Kultur gefährdende sträubten, noch all diejenigen, die polnisch sprachen, sich selbst einfach als Polen ansahen und ein verächtliches Verhalten gegenüber den "Klausiuks", dem Volk der Bauern, an den Tag legten.


Es gab nicht viele Kreise, die anders dachten, dafür aber interessante und wertvolle und energische. In meinem Wilno waren es die sogenannten "krajowcy" (Vertreter der Heimatidee), die von der Bewahrung der Traditionen des Großfürstentum Litauen als einzigem Gegengewicht zu Russland träumten, das heißt, von einer Förderation der Völker, die einst zum Großfürstentum gehört hatten. Diese Kreise deckten sich mehr oder weniger mit denen der Freimaurer in Wilna. Die Geschichte dieser eigentümlichen Ideologie müßte irgendwann einmal geschrieben werden, doch wenn ich sage, daß das interessant, ja sogar fszinierend ist, so sage ich das jetzt, ex post, denn als junger Mensch mit allen avantgardistischen Neigungen, der sich mit moderner Poesie, der französischen Intellektuellen-Bewegung usw. beschäftigte, habe ich dem, was in der Stadt vorging, keine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Im übrigen war das eine schon damals verlorene Bewegung, die letzten Nachklänge. Von litauischer Seite konnte sie noch nicht einmal mit einer Spur von Sympathie rechnen, weil sie als Verlängerung der "jagiellonischen Idee" [A.K.: litauisch- polnische Realunion unter Jagiello] empfunden wurde. Und zweifellos verbarg sich bei vielen gebürtigen Krautjunkern [A.K.: Großgrundbesitzer] hinter der sentimentalen Verbundenheit mit der Idee des Großfürstentums der Traum von der Vorherrschaft.

 

Ungeachtet dessen waren Ludwik Abramowicz und ein paar andere Vertreter der Heimatidee tiefgründige und ehrliche Menschen in ihrem Widerstand gegen den polnischen Nationalismus. Das waren die Erben des umfassenden Denkens, in der Art der Aufkärer der einstigen Republik des 18. Jahrhunderts. Ich denke nicht, daß es auf litauischer Seite irgendeine Entsprechung gegeben hat - dort war mehr oder weniger alles ein neuer, zwangsläufig spasmischer Nationalismus. So oder so waren die Vertreter der Heimatidee die einzigen unter den polnischsprechenden Wilnaern, die Wilna als Hauptstadt und nicht als Provinz betrachteten.

Ich denke heute, daß jeder, der es mit dieser Stadt gut meint, ihr den Hauptstadt-Status wünschen soll, was automatisch irgendwelche polnischen Ansprüche an ein "polnisches Wilna" ausschließt. (...)

Wichtig, wenn wir über Wilna sprechen, ist, daß es in beträchtlichem Maße eine jüdische Stadt war. Auf eine völlig andere Weise als Warschau. Das jüdische Viertel in Wilna war ein Labyrinth enger, ganz mittelalterlicher Gässchen, die Häuser durch Arkaden verbunden, das holprige Pflaster zwei, vielleicht drei Meter breit. In Warschau dagegen waren es Straßen mit scheußlichen Mietshäusern aus dem 19. Jahrhundert.

 

Das jüdische Elend fiel in Wilna weniger ins Auge, was nicht heißt, daß es das nicht gegeben hätte. Doch nicht darin besteht der Unterschied.

Gaon von Vilnius


Wilna war ein starkes jüdisches Kulturzentrum mit Traditionen. Ich erinnere daran, daß eben hier an der Basis der jüdischen Arbeiterschaft, die jiddisch sprach, vor dem Ersten Weltkrieg der "Bund" entstand. Seine Führer, Alter und Ehrlich, wurden später von Stalin erschossen. Wilna hatte ein jüdisches Historisches Institut, das dann nach New York verlegt wurde. Und ich denke, daß Wilna besonders zum Wiederaufleben der hebräischen Sprache in Israel beigetragen hat. Als jemand, der in dieser Stadt lebte, hätte ich eine bestimmte Kenntnis von dem erlangen müssen, doch dem standen die Sitten und Gebräuche entgegen.

 

Das jüdische und das nichtjüdische Wilna lebten getrennt voneinander. Beide bedienten sich auch in Wort und Schrift einer anderen Sprache. Als Student war ich sehr international eingestellt, was ziemlich oberflächlich war. Ich wußte nichts über die Geschichte der Juden in Polen und Litauen, über ihr religiöses Gedankengut, den jüdischen Mystizismus, die Kabbala.


Das sollte ich erst viel später, in Amerika, lernen. Das  zeigt das Ausmaß der Trennung der beiden Gemeinschaften, denn was soll man über andere Städte im Vorkriegspolen sagen, wenn ich in einer solchen Nachbarschaft ein Ignorant geblieben bin. Soweit ich weiß, hat sich in Polen niemand gewagt vorzuschlagen, daß Hebräisch in den Schulen als eine der "klassischen" Sprachen unterrichtet wird, daß die intellektuelle Geschichte der polnischen Juden gelehrt oder zumindest das Alte Testament gelesen und kommentiert wird: er wäre gesteinigt worden. Und wenn mich auch der Haß der Juden auf die Polen, bei merkwürdiger Vergebungsbereitschaft gegenüber den Deutschen und Russen, sehr trifft und schmerzt, so muß ich zugeben, daß einem der kleinliche Antisemitismus - auf englisch würde ich petty, auf französisch mesquin sagen - genauso arg zusetzen kann wie ein Verbrechen, weil er etwas tägliches ist.


Quelle: Brief von C.Milosz an T.Venclova  in M.Klecel "Polen zwischen Ost und West" (1995)

 

 

 

 

 Fotos Wikipedia


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Litauische Kultur

  

Litauen ist kulturell durch polnische, russische und deutsche Einflüsse geprägt. Außerdem hat Litauen als letztes europäisches Land die christliche Religion angenommen. Es soll auch heute noch eine grosse Fangemeinde des Paganismus geben.

Die deutschen Einflüsse sind beschränkt auf das Gebiet von Kleinlitauen, dem ehemaligen Memelland. Kommt man aus dem litauischen Kernland an die Küste, so fällt dem Betrachter sofort der andersartige Baustil auf. Es gibt in Kleinlitauen noch viele Gebäude aus der deutschen Zeit, die aus Backsteinen gebaut sind.

Vilnius dagegen ist polnisch und jüdische geprägt. Es gab in Vilnius nie einen großen Einfluss der Deutschen Hanse, anders als in Riga und Tallinn. In den großen Städten, wie etwas Kaunas, gibt es orthodoxe Kirchen, die aus der Zeit der Besetzung durch das Zaristische Russland stammen.

Typisch litauische Kulturmerkmale findet man in den litauischen Gesängen, den Dainos (Volkslieder), die nicht nur mythologische Inhalte haben, sondern oft auch an historische Begebenheiten erinnern. So gibt es neben romantischen Liedern auch Hochzeits- Arbeits- und Kriegslieder. Das berühmte Liederfest, das alle fünf Jahre in Litauen stattfindet, erinnert an diese Kultur der litauischen "Dainos".

 

Die europäische klassische Kultur ist dem "Nationalen Litauischen Oper und Ballett Theater" in Vilnius vorbehalten. Das Haus genießt einen guten Ruf und ein Besuch lohnt sich. Im Sommer finden klassische Open Air Konzerte in der mittelalterlichen Burg von Trakai statt. Ein unvergessliches Erlebnis. In Litauen gibt es 12 Staatstheater sowie viele private Bühnen.

 

Ganz besonders stolz ist Litauen auf den außergewöhnlichen Künstler und Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis.  Čiurlionis ist der bekannteste litauische Musiker (geb. 1875). Er verband die Malerei mit der Musik und schaffte Bilder, die er mit Allegro, Andante, Fuge und Sonate beschrieb, ebenso Musikstücke die wie Gemälde Landschaften darstellen. Interessant ist, dass er zu Beginn der litauischen Nationalstaatsbewegung erst litauisch lernen musste. Seine Muttersprache, nicht ungewöhnlich bei Litauens Intellektuellen, war Polnisch.

 

ciurlionis

                         

                                          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 M.K. Čiurlionis
                                                                                                       

Čiurlionis wird heute in Litauen als Nationalheld verehrt.  

Er schuf in seinem kurzen Leben (er starb 35 jährig) etwa 300 Bilder und komponierte unter anderem Opern, Vokalstücke und Bearbeitungen für Volkslieder.

 

Hier einige Beispiele bei Youtube:

Oper Jura  (Meer)

Miskas       (Wald)

Prelude D-Minor

De Profundis  (Kantate für Chor u. Orgel)

 

Eine umfangreiche Website von Osvaldas Grigas über Čiurlionis (Musik und Bilder) gibt es  hier                                            

In Kaunas gibt es ein Ciurlionis Museum

 

janonis

Der litauische "sozialistische" Poet Julius Janonis  (Statue in Birzai)

 

Julius Janonis wurde von den sowjetischen Besatzern als sozialistischer Poet aufgebaut. Zur Zeit gibt es in Birzai, der Heimatstadt Janonis, eine Diskussion über ihn. Janonis ist nämlich nur 21 Jahre alt geworden und hat nicht viel geschrieben. Und mit 21 eine sozialistische Ikone?

 

Es gibt in Litauen viele einheimische Autoren. Bücher werden gerne und viel gelesen. Der litauisch-polnische Autor Czeslaw Milosz hat 1980 den Literatur Nobelpreis gewonnen.

Hier eine Diskussion zwischen Milosz und und Tomas Venclova über das "polnische Problem". Bekannt sind außerdem der Exillitauer Tomas Venclova, Balys Sruoga, Jonas Avyzius und Marius Ivaskevicius, dessen Bücher und Theaterstücke auch außerhalb Litauens bekannt sind.

 

Als Gründer der weltlichen litauischen Literatur gilt der deutsche Pfarrer aus der Kleinstadt Tollmingkehmen, dem ehemaligen Ostpreußen (heute Kaliningrad) Christian Donalitius. Litauisch Kristijonas Donelaitis. Donalitius (wie er sich selber nannte) sprach und schrieb Gedichte in mehreren Sprachen. Nur wenige Texte sind überliefert, darunter das Gedicht "Metai" (Jahreszeiten). Es beschreibt die litauisch-bäuerliche Kultur. Die "Jahreszeiten" werden in litauischen Schulen gelesen und analysiert.      

Die litauische Malerei besteht nicht nur aus Bildern des berühmten Čiurlionis, sondern es gibt viele Künstler, die auch international ausstellen. Besonders viele Galerien gibt es natürlich in Vilnius. 

 

Die volkstümliche Kultur ist in Litauen sehr weit verbreitet. Überall im Land gibt es Künstler, die die Schätze des Landes zu großen und kleinen Kunstwerken verarbeiten.

 

Holzfiguren auf Nida

Skulpturen auf der Kurischen Nehrung  (D. Bartminn)

Das viele Holz in Litauens Wäldern inspiriert Bildhauer zu Skulpturen meist christlicher Orientierung. Überall im Land, aber auch in der litauischen Diaspora, erinnern teils riesige Holzstatuen an die litauische Kultur, mit christlicher aber auch heidnischer Symbolik. Besonders oft wird auch an die litauischen Großfürsten erinnert, oder an eine der vielen litauischen Sagen (z.B. Sage der Neringa).

Skulpturen auf der Kurischen Nehrung

 Holzskulpturen auf der Kurischen Nehrung- hier die Legende von Neringa (D.Scheliga)

holzfiguren nida  holzfiguren auf der kurischen nehrung

 Figuren auf der Kurischen Nehrung (D.Bartminn)

Balys Sruoga

        Statue vor dem Balys Sruoga Haus

 

Eine sehr schöne Webseite über litauische Holzkunst, Volksmeister, sakrale Holzkunst und heute tätige Bildhauer gibt es als Kooperation der grenznahen Landkreise Lettlands und Litauens  unter www.wood-craft.eu

 

Neben der Verarbeitung von Holz, wird viel aus Ton hergestellt (z.B. Bierkrüge) und in Souvenirläden und auf Festen verkauft. Außerdem wird auch heute noch in Litauen Leinen produziert. Am Astravas Herrenhaus in Bizai gibt es eine Leinenfabrik, aus deren Stoff die traditionelle litauische Kleidung gefertigt wird.

sängerfest in litauen

Liederfest in Litauen 2009   Im Hintergrund der Fernsehturm von Vilnius (Foto Wikipedia)

 

Im ganzen Land finden regelmäßig große und kleine Sängerfeste statt. An den größten nehmen bis zu 30.000 Menschen aus aller Welt teil. Mein erstes Sängerfest war 1993 in Palanga. Dort traten Künstler aus vielen Ländern auf und ich registrierte mit Erleichterung, dass die russischen Künstler genauso gefeiert wurden, wie die aus Irland, Indien und Amerika. (Erst im August 1993 sind die letzten verhassten russischen Truppen aus Litauen abgezogen).

Litauen Trachten

 Oft wird noch die Tradition hochgehalten, so wie hier von der Birzaier Folkloregruppe Siaudele

 

Folkloregruppe Siaudele im Schloss von Birzai Sommer 2012

 

Dank der Ostsee (und den Abbaugebieten in Kaliningrad) gibt es sehr viel Bernstein, der zu Schmuck und Bildern verarbeitet wird. Besonders groß ist das Angebot an Bernstein in Klaipeda auf dem Marktplatz (neben dem Ännchen von Tharau Brunnen), in Kaunas und Vilnius.

 

Das Bernsteinmuseum in Palanga ist übrigens immer einen Besuch wert).

 litauische trachten und bernstein  Litauische Trachten und Bernsteinschmuck

 

Baumkuchen Litauen

Baumkuchen

 

Sprichwörtlich in aller Munde ist in Litauen der Baumkuchen. In jedem Supermarkt wird er angeboten.

Im Aukstaitija Nationalpark kann man ihn in der Firma Romnesa unter Anleitung selber herstellen. Unser Tipp!!

 

In Litauen wird häufig Leinen verarbeitet. Einige Nähereien arbeiten für westliche Firmen.

 

Bekannt sind die baltischen Länder natürlich auch für ihren Reichtum an Bernstein.

litauischer bernstein   inklusien    

Litauischer Bernstein vor der Verarbeitung    Inklusien: Bernstein mit Einschlüssen

 

Bernsteinschmuck in Litauen

Wunderschöner Bernsteinschmuck

 

Die litauischen Künstler machen aus dem in der Ostsee gefundenen Bernstein Ketten, Anhänger, Ringe, Ohrringe, aber auch Bilder und viele andere Sachen.

Besonders selten und entsprechend teuer sind sogenannte "Inklusien", Bernsteinstücke mit eingeschlossenen Tieren. In den Geschäften ist wirklich guter Bernsteinschmuck ziemlich teuer. Billiger ist es bei den " freien" Händlern (z.B. in Klaipeda am Markt). Nur kann ein Laie Bernstein von Kunststoff nicht unterscheiden.

Es gibt einige Tricks um Bernsteinfälschungen zu erkennen. Da aber nicht jeder Aceton oder Salzwasser zum Shoppen mitnimmt, bleibt nur der gesunde Menschenverstand, eine gute Nase zum riechen und diese Seite zum durchlesen: http://www.ambertop.de/

Viele Litauen Besucherinnen erkennt man später an ihrem Bersteinschmuck. Produziert wird vom Babyarmband als Zahnungshilfe für 2 Euro bis zur Luxuskette mit sehr großen Bernsteinen für mehrere tausend Euro alles was das Herz begehrt.

balys sruoga sodyba

 Gartenhaus von Balys Sruoga

 

Überall im Land erinnern Wegweiser an lokale litauische Künstler und weisen auf kleine Museen und Geburtshäuser hin.

Einen Überblick über die vielen Museen, privat und staatlich, gibt es auf der Website der Litauischen Museen. Dort unter Litauen und z.B. private Museen schauen.

künstler in birzai   künstler in birzai 2 klick mich

Künstler in Birzai, der seine Kunstwerke auch gleich im eigenen Garten ausstellt.

 

Viele Litauer haben eine künstlerische Ader. 

 

Basketball Shirt Birzai

Basketballfest in Biržai am 15. Juni 2012- heute ist das T-Shirt in Houston USA  Foto: A.Seibutis

 

In einer Kunst sind die Litauer auch besonders gut: Basketball.  Zu Recht (international spielt das kleine Land im Basketball ziemlich weit oben mit) sind sie auch sehr stolz darauf.

"Litauen hat nur drei Millionen Einwohner aber unter dem Korb sind sie eine kleine Großmacht" Bericht der FAZ

 

Nicht verschweigen wollen wir am Schluss, dass auch in Litauen die traditionelle Kultur immer weniger aktive Anhänger hat. Zwar wird sie von der älteren Bevölkerung (als Beispiel nenne ich die Bewahrung der Wirkstätten von vielen lokalen Künstlern) hochgehalten, aber die Jugend ist in Litauen eben genauso wie in allen anderen europäischen Ländern an anderen Dingen interessiert. Aber auch bei uns ist nicht jeder im Trachtenverein.

 

Zusätzlich blutet das Land aus, weil viele junge Menschen aus wirtschaftlichen Gründen im Ausland arbeiten (müssen).

 

Eine sehr interessante Seite über litauische Dichter mit deutscher Übersetzung und im Originalton gibt es bei litauischer Lyrik !

Fotos: Wikipedia, Dieter Scheliga, Daiva Bartminn, A.Kuck

 

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Litauen

Flagge Litauen
 

Die litauische Nationalflagge hat die Farben gelb/grün/rot. Gelb könnte  für die Getreidefelder stehen, das Grün für die endlosen Wälder und das Rot für das für die Freiheit vergossene Blut.

 

Alles Balten.....oder?

Der Begriff Baltikum, der heute weltweit für die drei Länder Litauen, Lettland und Estland verwendet wird, kam erst im 18. Jahrhundert auf, als Russland Mühe hatte die Region "Pribaltika" zu erobern.

 

Abgeleitet von der lateinischen Bezeichnung der Ostsee als "Weißes Meer", "Mare Balticum".

 

Gerne wird der Begriff "Balte" hier nicht überall gehört, weil er die kulturellen Unterschiede in Kultur, Geschichte und Sprache der Länder verwischt. Andererseits wächst das Bewusstsein, als "Baltikum" eher wahrgenommen zu werden.

Alle drei Länder haben unterschiedliche Sprachen. Die Sprachen von Litauen und Lettland ähneln sich (etwa wie Deutschland und Holland) und haben indogermanische Wurzeln.

Estnisch dagegen gehört zu den finno-ugrischen Sprachen und ähnelt dem finnischen (und ungarischem). Esten und Finnen können sich gut verständigen.

 

Entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil, sind die baltischen Sprachen keine slawischen Sprachen. Sie benutzen alle das lateinische Alphabet.

Litauen wird kulturell aufgeteilt in die Regionen:

 

Aukstaitija (Zentral und Nordost Litauen, hier liegt auch Birzai und der Aukstaitija Nationalpark bei Ignalina) 

Dzukija (Südost Litauen, hier liegt Druskininkai und der größte Nationalpark Litauens)

Suvalkija (Südwest Litauen, hier liegt Marijampole und die Grenzübergänge Polen-Litauen (Kalvarija und Ladzidai)

Zemaitija (Nordwest Litauen, hier liegt der Zemaitija Nationalpark)

Mazoji Lietuva (West Litauen, auch Kleinlitauen genannt, hier liegt Klaipeda, die Nehrung, Silute und gehörte früher zu Deutschland)

 

 

Das größte Land der drei baltischen Staaten hat dem Besucher viel zu bieten. Städte mit alter Architektur, Burgen und Schlösser, ein naturbelassener See nach dem anderen, die Ostsee und die Kurische Nehrung. Das Kurische Haff mit Nida, Ventes Ragas, Rusne und Silute, dem ehemaligen Heydekrug, laden zu Exkursionen in die deutsche Geschichte ein.

Auf den vielen Flüssen lassen sich Kanutouren durch unberührte Landschaften bis ins Baltische Meer bei Riga machen.

 

Die Strassen sind gut ausgebaut, ideal für Autos und Motorräder. Leider gibt es kaum Fahrradwege. Radtouren sollte man also auf den Seitenstrassen planen (z.B. die Parallelstrasse der Via Baltica von Kaunas nach Birzai ).

 

Im Baltikum ist die Natur noch ziemlich unberührt, auch wenn die Mitgliedschaft in der Europäischen Union Großbauern schafft und die Felder intensiver bewirtschaftet werden.   

Die Landschaft ist flach, es gibt kaum größere Hügel ( der höchste Berg ist der Aukstojas Kalnis mit  293 m nahe der weißrussischen Grenze).

Es gibt 2830 Seen ( größer als 0,5 ha) und die Memel (also der Nemunas) ist mit 937 km der längste Fluss (in Litauen 475 km)

 

Litauen ist bekannt für seine Störche. Selbst der seltene Schwarzstorch ist hier noch zu sehen. Frösche, Pilze, Blaubeeren, Biber- die Natur ist noch recht unberührt.

Hirsche, Rehe, natürlich Wildschweine, aber auch Wölfe und Elche (auch auf der Kurischen Nehrung) gibt es hier. Im Februar 2012 habe ich in wenigen Tagen drei Füchse gesehen. In Birzai wurde 2018 ein grosses Rudel Wölfe fotografiert.

 

Das Nationalgetränk der Litauen ist Bier. In Litauen gibt es viele, auch kleine, Brauereien. Besonders in der Birzaier Region machen noch viele Dorfbewohner ihr Bier selbst.

Bei Touristen beliebt ist deshalb auch der litauische Bierweg, bei dem im ganzen Land Brauereien besichtigt und die verschiedenen Biere probiert werden.

(Die Beschreibung des Bierfestes im Schloss von Birzai ist unter Bierfest beschrieben) 

 

In Birzaier Schloss werden zu dieser Bierprobe das Birzu Alus und Sauerteigbrot mit Kümmel  sowie Landkäse gereicht. Die Folkloregruppe Siaudele singt Lieder, erläutert die Biergeschichte und gibt den Besuchern Gelegenheit auf alten litauischen Instrumenten zu spielen.

 

 

"Wir, Litauen, stehen wie Erbsen am Wege, die wie die Bauern sagen, jeder der vorbeigeht gerne pflücken und kosten möchte" - so schildert der litauische Staatspräsident Antanas Smetona die geopolitische Lage seines Landes in einer Rede aus dem Jahr 1934.

  

Antanas Smetona Bild:Lit. Nat. Mus. /Wikipedia Brun von Querfurt

Antanas Smetona                                                                     Brun von Querfurt

 

Nationalhymne Litauen

 

Litauen, unser Vaterland,
Land der Heldengrößen,
Dass aus den vergang’nen Tagen
Kraft den Söhnen sprösse.

Mögen deine Kinder immer
Tugendwege wandeln,
Mögen sie zu deinem Heile,
Dem des Volkes handeln.

Möge die Sonne Litauens
Finsternis verscheuchen,
Hell und klar, recht und wahr
Unsre Schritte lenken.

Möge die Liebe zu dir heiß
Uns im Herzen brennen,
Dein Bestand, Vaterland,
Eintracht allen schenken!

 

 

Ein Gedicht von Pranas Vaicaitis verdeutlicht die Begeisterung für Litauen:

 

Es gibt ein Land wo Flüsse rauschen

 

 

Es gibt ein Land wo Flüsse rauschen

Vergnügt durch Felder, Wald und Moor

Und freundlich miteinander plauschen,

Umrahmt vom hellen Lerchenchor.

Schweiß siehst du von den Stirnen rinnen,

Wenn Menschen auf den Feldern sind,

Die Kleidung ist aus schlichtem Linnen

Und schützt vor Sonne sie und Wind.

Doch liebevoll wirst du empfangen,

Bist du zu Gast bei ihnen dann,

Du wirst gebeten zuzulangen,

Man gibt dir gern, soviel man kann.
Die jungen Mädchen dieses Landes

Sind schöner als an jedem Ort.

Litauen- mir zutiefst Verwandtes,

Ach, viel zu lang war ich nicht dort.

Ich weiß noch: Wenn die Abendstunde

Die Sonne bittet auszuruhn,

Erklingt ein Lied aus aller Munde:

Beendet ist die Arbeit nun.

Die Mädchen tauchen ihre jungen

Gesichter in der Raute Hauch,

Beim Blumengießen wird gesungen,

Und manche Lilie pflückt man auch.

Ich weiß noch, wie der warme Abend

Verglüht nach einem Sommertag.

Das Wetter ist so sanft und labend,

Dass jeder gerne singen mag.

Von fern erklingt der Glocken Reigen,

Zu hören sind sie meilenweit.....

Die Vögel schlummern in den Zweigen,

Du aber kannst nicht schlafen heut......

Es strömt der Gedanken Flüsse,

Die jäh in deinem Kopf entstehn,

Als ob Natur dich strahlend grüße:

Ja, unser Litauen ist schön!

Und doch bin ich ferngeblieben,

Der Heimat, meinem lieben Land.

Das steht in keinem Buch geschrieben,

Das ist der Seele nur bekannt.

 

Es erinnert mich an Schillers: Mädchen aus der Fremde

 

Die erste Erwähnung von Litauen war in den Quedlinburger Annalen 1009, als der Mönch Brun von Querfurt die Litauer bekehren wollte. Dabei wurde er allerdings erschlagen. ;-)

 

 

Im 13. Jahrhundert, deutlich später als in den Nachbarländern, kam es zur Gründung des Staates Litauen unter Fürst Mindaugas.

 

Gediminas

Im 14. Jahrhundert herrschte Litauen, unter Großherzog Algirdas, als Großmacht große Teile Osteuropas, von Kiew bis an die Grenzen Moskaus.

(Die ganzen Fürsten sind bis heute in Litauen beliebte Jungennamen. Ausser Jogaila, dem viele Litauen die litauische Vereinigung mit Polen verübeln. Jogaila wurde König von Polen.).

Algirdas

 

1323 gründete Gediminas die heutige Hauptstadt Vilnius.

 

Das Großherzogtum Litauen, später in der Personalunion Litauen - Polen, sah sich als Erbe der Rus und konkurrierte mit dem Großfürstentum Moskau.

Jogaila, Großfürst von Litauen, heiratet die polnische Königin Hedwig von Anjou und teilt sich mit seinem Cousin Vytautas die Macht (Jogaila in Polen, Vytautas in Litauen).

Jogaila

Vytautas der Grosse dehnte das Herrschaftsgebiet Litauens bis an das Schwarze Meer aus. 2010 wurde mit einer Reise zu Pferd an die 600 Jahre alte Legende von Vytautas Reise ans Schwarze Meer erinnert.

Später herrschen polnische Könige über Polen - Litauen und die litauische Kultur wird vernachlässigt.

 

Litauen wurde zu einem der Zentren der jüdischen Kultur. Ein berühmter litauischer Jude war Rabbi Eliyahu (der Gaon von Vilnius).

 

Gaon

Gaon von Vilnius

 

Vilnius wurde bekannt als Jerusalem des Ostens

 

1795 kam Litauen durch die dritte Teilung Polens unter russische Herrschaft.

1830 kam es zum Novemberaufstand der Polen und Litauer gegen die russische Besatzung. (Emilia Pliateryte).

Emilija Pliateryte

Emilija Pliateryte

 

1863 schlug die Armee des Zaren den Januaraufstand nieder. Russland begann nun eine Politik der vollständigen Russifizierung.

 

 

Im 19. Jahrhundert verstärkte sich das litauische Nationalbewusstsein und Bücher und Zeitschriften werden von Tilsit nach Litauen geschmuggelt.

(Druckschriften auf litauisch waren verboten). Um den Schmuggel zu stoppen, baute man in Taurogge (Taurage) eine im 19. Jahrhundert errichtete Zollstation mit angeschlossenem Gefängnis, in dem die geschnappten Schmuggler eingesperrt wurden.

 

Die Zollstation ist das schönste Gebäude von Taurogge.

 

1905 versammelte sich der "Große Vilniuser Landtag" und erklärte die litauische Autonomie innerhalb des russischen Reiches. Litauisch wurde wieder in den Schulen eingeführt.

 

1915 besetzte Deuschland die litauischen Gebiete.

 

1918 erklärte sich Litauen für unabhängig.

 

1920 besetzten polnische Truppen die mehrheitlich von Polen besiedelten Gebiete rund um Vilnius.

(Polnisch-Litauischer Krieg) Kaunas wurde zur Hauptstadt Litauens.

 

1923 annektierte Litauen seinerseits das seit der deutschen Niederlage im I. Weltkrieg unter Verwaltung

des Völkerbund stehende Memelland.

 

1926 kam Antanas Smetona durch einen Putsch an die Macht. Litauen erlebte eine Blütezeit.

Die Großmutter meiner Frau erzählte von Butterhandel mit England (dort gab es Probleme mit den Kühen).

Litauen war im Aufschwung.

 

1939 musste Litauen auf deutschen Druck das Memelland wieder an Deutschland abgeben.

 

1940 "ersuchten" moskautreue Politiker die Aufnahme Litauens in die UdSSR

( der Molotow - Ribbentrop - Pakt machte das möglich).

 

Snieckus

Antanas Snieckus, 34 Jahre Chef der KPL

Das litauische Trauma begann mit der Deportation von 35.000 Litauern nach Sibirien 1940.

 

1941 marschierte in Folge des II. Weltkrieges die "Wehrmacht" ein.

Von einem Teil der Litauer wurde die "Wehrmacht" als Rettung vor den "Bolschewisten" begrüßt.

 

Es wurde sofort mit der Ermordung der jüdischen Litauer begonnen.

 

1944 eroberte die "Rote Armee" Litauen und die Wohltaten des real existierenden Bolschewismus, Kommunismus und Sozialismus wüteten dort bis 1990. Am Vilniusser Blutsonntag 1991 versuchten die Sowjets einen Putsch um an der Macht zu bleiben. 14 Menschen starben.

Kampf gegen Panzer 1991 Wiki

Nun weg von den Fakten.

 

Wie in anderen ehemaligen sozialistischen Ländern gibt es auch in Litauen Unzufriedene, die mit der neuen Freiheit und der damit verbundenen Eigeninitiative nichts anfangen können. Das Westauto ist prima, die Sorge um den Arbeitsplatz und die heute gefragte Leistung ist nicht prima.

 

Kann sich noch jemand an die lustlosen Verkäufer/innen Anfang der 1990' er Jahre erinnern? Da war der Kunde fast ein Störenfried.

 

Heute ist der Verdienst für Handwerker und Arbeiter mickrig. Die Renten sind viel zu niedrig, für den Staat aber schwer aufzubringen.

(Wenn man ehrlich ist, in welchem Land ist das anders?)

Es gibt aber auch gut bezahlte Jobs. Vilnius hat sich zu einer europäischen Hauptstadt gemausert. Am Gedimino Prospekt gibt es viele Luxusgeschäfte.

 

Es gibt ALLES zu kaufen. In der Wendezeit gab es eine große Folklorebewegung. Viele Litauer trugen ihre Trachten, sangen Lieder und die Mädchen hatten geflochtene Zöpfe. Heute geht die Jugend studieren, oder spielt am Computer oder mit der Wii.

 

Heute kann man die Menschen in Litauens Städten nicht von denen in Prag, Wien oder Berlin unterscheiden.

 

So fällt man als Tourist in den Hauptstädten auch gar nicht mehr auf. Klaipeda, Kaunas und Vilnius haben das ganze Jahr über Besucher. Und nicht nur Menschen, die in der Vergangenheit familiäre Verbindungen ins Baltikum hatten, sondern vermehrt auch Naturliebhaber, Städtereisende und Kulturinteressierte.

 

Während Palanga ein Garant für Strandurlaub und Trubel ist, geht es an allen anderen Orten wesentlich ruhiger zu. Zwar ist Nida im Sommer meist voll, der Tourismus unterscheidet sich trotzdem stark von Palanga.

 Polizei Litauen

Dein Freund und Helfer.

Polizei ist kaum noch zu sehen in Litauen. Früher gab es überall Verkehrskontrollen. Da war man wegen der Knöllchen erfinderisch. Durch die Sparpolitik werden Stellen nicht mehr besetzt. Dieser freundliche Polizist begleitete einen Wahlkampfauftritt von Ministerpräsident Kubilius in Anykščiai.

Wenn man sich an grundlegende Regeln hält, Geschwindigkeitsbeschränkungen beachtet (zumindest in und um die Städte) und die Menschen respektiert , sollte man keine schlechten Erfahrungen mit der Polizei machen.

Autofahren unterscheidet sich nicht von anderen europäischen Ländern. Mit gesundem Menschenverstand sollte auch von der Räuberfront kein Ungemach drohen. Ich fühle mich jedenfalls in Vilnius (oder Birzai) genauso sicher, wie in meiner Heimatstadt Marl (NRW- das ist jetzt etwas unglücklich formuliert, da hier die Einbrüche und Überfälle stark ansteigen (Achtung: Ironie)).

 

Aber im Ernst: ein Urlaub im Baltikum ist kein Abendteuerurlaub!

 

Während der sowjetischen Besatzung, also seit 1940 ( die Nationalsozialisten hatten die russischen Kollektivierungen 1941 im Gegensatz zu den Hoffnungen der Litauer nicht rückgängig gemacht) gab es eine recht intensive Bewirtschaftung des Bodens.

 

Durch die sozialistische Ineffizienz hatte die Natur (Frösche und Störche) genug Freiraum. Großwild hatte dagegen nichts zu lachen. Gefühlt hatten viele Dorfbewohner ein Gewehr und Rehe waren lange Zeit sehr scheu und nur nachts zu sehen. Das ändert sich aber langsam.

In der Wendezeit um 1992 lagen viele Felder brach und man sah entlang der Landstrassen Wiesen bis zu den Wäldern, das normale litauische Landschaftsbild. Oft hatten die Kleinbauern eine oder zwei Kühe, ein Pferd und vielleicht eine Ziege.

angepflockte Kühe

Das Vieh war auf den Wiesen angepflockt und die Kühe wurden dort von Hand gemolken.

 

Heute nähert sich die Landwirtschaft der westeuropäischen intensiven Landwirtschaft an. Man sieht Bauern die mit Maschinen arbeiten, da werden unsere Bauern neidisch.

 

Ein Beispiel gibt es hier Made in Germany - Litauens größter Bauer

 

Ob die europäische Agrarsubventionierung wirklich Sinn macht??

 

 

  Bild anklicken

Die Übersetzung

 

Wie in ganz Europa gibt es auch in Litauen Parolen gegen die Gemeinschaft, wie hier dieser Stammtischvergleich bei Facebook.

Es ist unglaublich, aber es gibt Leute, die sowas gut finden...

 

 

 

 

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Preise in Litauen

 

Der litauische Durchschnittslohn stieg laut der litauischen Statistikbehörde von 714 Euro im Januar 2015 auf 895 im März 2018 erhöht. Der Mindestlohn liegt laut Angaben der Statistikbehörde bei 400 Euro, aber bei weitem nicht jeder Arbeitgeber hält sich daran. Mein Schwiegervater verdient als Monteur ca. 350 Euro im Monat bei ziemlich harter Arbeit. Umso interessanter ist es da, die Preise in Deutschland und Litauen zu vergleichen. Irgendwie müssen die Litauer mit ihrem Gehalt ja auch überleben können. Zwischen den großen Städten wie Vilnius und Kleinstädten wie Birzai gibt es natürlich ein Einkommensgefälle. Mit dem litauischen Mindestlohn kann man in Vilnius nicht einmal eine Wohnung mieten. Bei den Durchschnittseinkommen ist zu bedenken, dass Gutverdiener wie die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite mit 86.130 Euro (Quelle wageindicator.co.uk), die Bandbreite natürlich stark vergrößert.

 

Du bist ein echter Litauer...

 

Echter Litauer Flagge

 

- wenn Basketball deine erste Religion ist

- wenn dein Leibgericht Zeppelinas, Kugelis und Rote Beete Suppe sind

- wenn du über die langsamen Esten lästerst (stammt noch aus der Sowjetzeit. Esten haben langsamer russisch gelernt)

- wenn du jedem erzählst, dass Litauen mal Länder bis zum schwarzen Meer beherrschte!

- wenn du überzeugt bist, dass das Memelland immer zu Litauen gehörte!

- wenn etwas falsch läuft, schiebt man es auf die Russen, Polen oder auf die EU!

- wenn grosse Blondinen mit kurzen Röcken nichts besonderes für dich sind

- wenn du dir Ketchup und Mayonnaise auf deine Pizza schüttest und denkst: das ist echt italienisch

- wenn du glaubst, dass Vilnius eine rein litauische Stadt ist

- wenn du empört bist, wenn jemand etwas schlechtes über Litauen sagt (Autodiebstahl, Klauen, Schmuggel)

- wenn du dich in der Sauna mit einem Birkenbusch verprügeln lässt (etwas litauisch bin ich also auch schon ;-) )

- wenn du deine Fahrzeugpapiere, Portemonnaie  usw. in einem Umhängetäschchen trägst

- wenn du stolz bist auf eine der ältesten Sprachen Europas (1)

- wenn du unbedingt ein Haus haben möchtest. Und das möglichst größer als dein Nachbar

  Keinesfalls ein Mietshaus oder Wohnung (1)

- wenn du in Litauen lebst, beschimpfst du die Emigranten als Vaterlandsverräter, als Menschen ohne Ideale (1)

- bist du Emigrant, schmähst du die Daheimgebliebenen als Zurückgeblieben (in Hinsicht auf Vermögen, Ausbildung und Mentalität) (1)

- du magst keine Beamten und schon garnicht die Armee. Ein Mensch mit Gewehr kam bisher immer aus dem Ausland und wird leicht mit Okkupanten assoziiert (1)

- du stehst auf deutsche und amerikanische Autos. Französische fährst du zwar, betrachtest sie aber eigentlich nicht als Auto, sondern mehr als Anekdote (1)

-du stehst auf Premiumautos, kannst dir aber nur ein 20 Jahre altes Auto leisten und hälst so den Monteur deines Vertrauens auf Trab (3)

- wenn dein Auto und Haus (ob klein oder gross) immer eine Alarmanlage hat (2)

- emigrierte Litauer kennen meistens andere Litauer in der Nachbarschaft. Was sie aber selten interessiert (das war übrigens nach der Unabhängigkeit anders!) (3)

Wird fortgesetzt...

(1) Dank an Raimundas

(2) Dank an Markus

(3) Dank an Evaldas 

 

Zu diesem Thema passt folgendes Video:

10. Fakten über Litauen (auf Englisch)

 

Video: Fakten über Litauen

 

Gruende Litauen nicht zu besuchen

Dieser ältere Text stammt von Darius Baltusis©

 

Der Text erregte Proteste bei Facebook. Ich finde ihn trotzdem interessant und der tiefgründige Humor lässt schmunzeln.

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Gesundheit Litauen

 

Litauen ist ein recht armes Land. Dementsprechend sehen die einfachen Krankenhäuser aus.

Auch wenn die Litauer das nicht gerne hören, das litauische Krankenhaussystem ist nur in den grossen Städten auf deutschem Niveau.

Da die meisten Litauer nicht viel einzahlen, gibt man für größere Eingriffe oft unter der Hand etwas. Je größer die Operation / Behandlung, desto mehr.

 

Eine Leserin schreibt:

"Jedoch etwas anderes kann ich auch aus meiner Sicht mitteilen. In den Jahren, die ich jetzt in Litauen verbringe, habe ich kein einziges Mal irgend jemandem Geld gegeben. Keinem Arzt und keinem Beamten. Die Krankenhäuser sind wirklich nicht so toll und das Essen auch nicht ausreichend. Auch wenn man nicht so sterbends krank ist, bei der Verpflegung im Krankenhaus nimmt man ganz schnell einige Kilos ab. Also muss man zusehen, dass man öfters Besuch bekommt, die etwas Essbares mitbringen:) Was das Bezahlen fürs operieren oder andere Behandlungen angeht, ist es so, geben die, die Wunder erwarten. Jedoch auch ohne das du dem Arzt was in die Tasche steckst, wird man genau so gut behandelt und operiert wie alle anderen. Das kann ich ruhig aus eigener Erfahrung sagen, da meine Mutti im vergangenen Jahr eine neue Knieprothese bekommen hat und vor ein paar Monaten an der Wirbelsäule operiert wurde. Laut ihren Worten, am Anfang war ihr gar nicht wohl, so nichts zu geben.Aber sie hat auch verstanden, dass man ohne zusätzliche Bezahlung nicht weggestoßen wird . Jetzt wird auch in den Zeitungen immer wieder hingewiesen, dass die meisten Leistungen beim Arzt oder im Krankenhaus von der Krankenkasse bezahlt werden. Also, wer gibt ist selbst Schuld!"

Nicht das die litauischen Ärzte schlecht sind: es ist einfach zu wenig Geld da. Im privaten Sektor (besonders in Vilnius, Klaipeda und Kaunas etc.) gibt es Kliniken und Privatärzte die einen Vergleich mit Deutschland nicht scheuen müssen. Augen- Zahn-  und Herzkliniken buhlen um betuchte Kundschaft auch aus dem Ausland.

 

Touristen müssen also keine Angst haben, sie müssen mit der Standardversorgung nicht vorlieb nehmen.

Klingt irgendwie nach Privatpatient.

 

Apotheken (Vaistine) gibt es an jeder Ecke. Schliessen sie auf jeden Fall eine Auslandskrankenversicherung ab.

 

Die Telefonnummer des Notrufes ist: 112

 

Meist wird die deutsche Krankenversicherungskarte akzeptiert (das ist heute in der Regel die EHIC- Europäische Krankenversicherungskarte mit dem Euro Symbol hintern drauf).

Da das EHIC Verfahren aber noch nicht überall bekannt ist und Privatärzte sowieso sofort abrechnen, denken sie an die Auslandskrankenversicherung

 

Wir wurden bisher entweder umsonst behandelt oder die Abrechnung erfolgte über die Auslandskrankenversicherung gegen Vorkasse. Lassen sie sich auf jeden Fall eine unterschriebene Quittung geben.

 

Für die Sommermonate ist eine Impfung gegen die von Zecken übertragene FSME empfohlen.

Infos auch vom Auswärtigen Amt

 

 

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Deutsch Litauische Beziehungen

 

Teresa Golovenkova ist eine engagierte Fremdenführerin in Vilnius. Geboren in Vilnius mit polnischem Familienhintergrund, Studium der deutschen Sprache in Polen, lebt sie heute wieder mit ihrer Familie in Vilnius und läßt uns an ihrer litauischen Heimat teilhaben.

Besichtigungen von Vilnius, aber auch Paneriai, Trakai, Kaunas und anderen interessanten Orten in Litauen werden angeboten. Sie spricht perfekt Deutsch (und Litauisch, Polnisch, Russisch und Englisch). Ihre Website:  VILNIUSGUIDE

 

 

Deutsch-litauische Beziehungen von Teresa Golovenkova

 

“Das Litauertum braucht einen schweren und tief gegründeten seelischen Ausdruck als sein Gegenüber. Nur ein solches kann es zu einer Kraftentfaltung in Verbindung mit den Wirklichkeiten der Sinneswelt anregen. Und dazu ist wahrscheinlich unter den Völkern am ehesten das deutsche geeignet”
                                                                                                     Wilhelm Storost – Vydunas

 

 

 

Deutschland und Litauen: das Spektrum der Beziehungen und gegenseitigen Wahrnehmung umfasst viele Aspekte, die hier nur ganz kurz angedeutet werden können. Der Deutsche Orden als kriegerischer Nachbar des heidnischen Litauens; die Reformation; die Ereignisse des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte der deutsch- litauischen Beziehungen währt schon fast 800 Jahre. Die ersten Kontakte arteten  am Ende des 13. Jahrhunderts in einen regelrechten Krieg aus.  Die Litauer nahmen unter den Nachbarn des deutschen Volkes eine Sonderstellung ein. Diese Nachbarschaft war zeitlich und räumlich eng begrenzt. Als im 13. Jahrhundert die Deutschen das erste Mal mit den baltischen Völkern zusammentrafen, war das für sie eine fremdartige, gefährliche Welt. Die deutschen Kreuzritter sahen in ihnen nicht nur Fremde, deren Sprache sie nicht verstanden, sondern Heiden, die man bekämpfen und bekehren musste.

 

ordensritter  tannenberg litauen

Schlacht bei Tannenberg  Deutscher Orden gegen Polen/Litauen


Zwischen Preußen und Livland lag das litauische Samaiten (Zemaitija), zwei Jahrhunderte lang Gegenstand der Angriffe des Ordens. Ziel dieser Angriffe war die Errichtung einer Landbrücke zwischen  Preußen und Livland. Die Litauerkriege des Deutschen Ordens waren ein europäisches Phänomen. Nicht nur aus dem Deutschen Reich, sondern aus fast allen europäischen Ländern zogen nun Fürsten und Adlige nach Preußen, um ihr Rittertum im Kampf gegen die Heiden zu bewähren und um an den ritterlichen Festen teilzunehmen, die im Zuge dieser Kreuzzüge veranstaltet wurden. Der Zweck der Kriegsreisen der Deutschen war auch die Erstürmung von feindlichen Festungen und Erbauung von Burgen auf feindlichem Gebiet zur Sicherung ihrer Operationslinie und Gewinnung eines strategisch wichtigen Punktes. Dieser Krieg wurde mit Überlegung geführt. Der Orden bemühte sich um solche Deutsche, die den Boden bebauen wollten. So entstanden die Niederlassungen der Kaufleute, aus denen sich schließlich Städte entwickelten.
In der unfriedlichen ersten Epoche der deutsch-litauischen Beziehungen gibt es en interessantes Zwischenspiel: die Zeit des litauischen Königs Mindowe (Mindaugas). Der litauische König bot die Taufe als Gegenleistung für die Unterstützung des Ordens bei seinen innerlitauischen Kämpfen an. Er wurde von Christian, einem Priester des Deutschen Ordens, der im Jahre 1253 der erste Bischof von Litauen wurde, zum Christentum bekehrt. Mindowe übertrug dem Orden wahrscheinlich die Herrschaft über das litauische Stammland Samaiten. (Die Echtheit von Urkunden Mindowes für den Deutschen Orden ist umstritten.)  Natürlich blieb eine Reaktion des "Heidentums" nicht aus. Es sammelte sich, und brachte dem Deutschen Orden im Jahre 1260 eine erschütternde Niederlage bei.

 

Gediminas Litauen

Gediminas  Großfürst von Litauen ab 1316


 Die Zeit nach 1263 war  für Litauen eine Epoche der Zerrissenheit, in der jegliche zentrale Gewalt fehlte. Klug und erfolgreich schuf das litauische Großreich Gediminas (1316- 1341). Er holte  deutsche Kaufleute, Handwerker, Bauern und auch Geistliche ins Land. Mit der Hanse und den nordbaltischen Städten pflegte Gediminas rege Handelskontakte.  Das alles hinderte den Deutschen Orden aber nicht daran, nahezu jährlich einen ergebnislosen Feldzug gegen Litauen zu führen. Es ist dem Deutschen Orden nicht gelungen, Litauen zu missionieren. Litauen übernahm das Christentum aus Polen. Im Jahre 1386 wurde Jagiello getauft. Der Deutsche Orden war jedoch der Meinung, die Taufe sei nur eine Täuschung und es müsse weiterhin der Heidenkrieg gegen die Litauer geführt werden. Ein besonders bemerkenswerter  Erfolg gelang dem Orden 1398 mit dem Vertrag von Sallinwerder. Einen Erfolg für den Orden stellten die territorialen Bestimmungen des Vertrages dar. Witold (Vytautas) trat dem Orden Samaiten ab. Die Abtretung von Samaiten war der Preis für die Unterstützung Witolds durch den Deutschen Orden. Auch der Orden verzichtete auf bestimmte Gebiete. Beide Seiten einigten sich in Bezug auf ihre Interessensgebiete.

 

Vytautas

Vytautas    Großfürst von Litauen ab 1392

So wurde schon bald nach 1386 aus Litauen, dem Feind von gestern, ein Verbündeter Preußens gegen die polnische, später auch in Livland (mit dem Deutschen Orden) gegen die Moskauer Expansion. 
Im Jahre 1399 hat der Orden am Krieg gegen die Tataren teilgenommen, erlitt aber eine Niederlage. Die Schlacht an der Worskla am 12. August 1399 änderte auch die Situation des Ordens. Polen und Litauen rückten wieder zusammen. Samaiten ließ sich nicht halten. Im Zuge eines Aufstandes wurde der Orden aus dem Lande vertrieben.


 1409 führte der Deutsche Orden einen erfolgreichen Präventivkrieg gegen Polen und Litauen. Ein Jahr später jedoch, bereiteten Witold und Wladyslaw II. dem Deutschen Orden bei Tannenberg eine katastrophale Niederlage, die als ein zentrales Ereignis in der Geschichte, nicht nur Preußens, sondern auch noch Polens und Litauens angesehen wird. Die Wirkung dieses Schlachtausganges war ungeheuer. Von 1419 bis 1422 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Union und dem Orden, bis mit dem Frieden vom Melnoer See die Grenze des Ordenslandes im Osten und Norden gezogen wurde, wie sie bis in das 20. Jahrhundert Bestand hatte. Sie war somit eine der beständigsten Grenzen Europas.


 Noch um 1400 spürt man in Litauen einen starken deutschen Kultureinfluss. In keinem nichtdeutschen Land (ausgenommen den skandinavischen Ländern) war die deutsche Sprache im externen Schriftverkehr so verbreitet wie in Litauen. Aber der Deutsche Orden galt als der Träger einer sehr beschränkten, einseitigen Kultur. Dr. W. Pierson bemerkte: “Der einzige, freilich sehr dunkle Flecken an der Regierung des Ordens war das Unrecht, welches er durch gänzliche Vernachlässigung der geistigen Interessen seiner preußisch redenden Untertanen beging. Er sorgte väterlich nur für die Deutschen” (die Ansiedler). Nach dem Willen der Ordensbrüder sollte die Eigenart des Lebens der alten Bewohner von Litauen also untergehen.

 


2.1.2. Der neue Charakter der deutsch-litauischen Beziehungen


Der Frieden vom Melnoer See von 1422 veränderte den Charakter der deutsch- litauischen Beziehungen. Damit wurde die erste Etappe dieser Beziehungen beendet und es begann eine neue.  Erst nach diesem Friedenschluss entstand eine wirkliche Nachbarschaft zwischen beiden Völkern. Wohl wurde in früherer Zeit schon etwas gehandelt: der Memelstrom war eine wichtige Handelsstrasse. Die Stadt Kauen, durch Witold 1408 gegründet, war das Haupttor für den litauischen Außenhandel. Hier entstand ein Kontor der deutschen Hanse, das im 15. und bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts einen Mittelpunkt des deutschen Handels in Litauen bildete.
    In die politische Auseinandersetzung zwischen Litauen und Deutschland mischte sich nach 1422 das mittelalterliche Kaisertum. Der deutsche König Sigismund verfolgte das Ziel, Litauen und Polen zu trennen und Witold zum König von Litauen unabhängig zu machen. (Da der achtzigjährige Witold 1430 gestorben ist, ist es zur Krönung allerdings nicht mehr gekommen.) Bald änderte sich die politische Lage des Ordens gegenüber Polen. Der preußische Bund bot schon 1435 dem König des vereinten Litauen- Polen, Kasimir, die Herrschaft über Preußen an. So hatte der Orden gar im Innern einen Feind. Es kam zwischen dem Orden und Polen zum erneuten Krieg 1454- 1466, der mit dem II. Thorner Frieden vom 19.10.1466 endete. Litauen wollte sich an diesem Krieg nicht beteiligen, es blieb neutral. Der Orden verlor weitere seiner Gebiete (Pomerellen, das Kulmer Land, Ermland, sowie die Städte Danzig, Elbing und Marienburg).  Der Sitz des Hochmeisters wurde nach Königsberg verlegt. Der Orden war jetzt finanziell ruiniert, das Land war im großen Maße zerstört. Es war nötig, das Land neu zu bevölkern und zu kultivieren. Das verwilderte Land wurde mit der Zeit wieder urbar. Hier wurde preußisch- litauische Heimat geschaffen (in neuer Zeit  “Klein – Litauen” genannt).
    Dem Litauertum gegenüber befand sich das Deutschtum in einer ganz anderen Lage als  gegenüber den anderen Nachbarvölker. Das Großfürstentum Litauen war kulturell keine Einheit, sondern ein Vielvölkerstaat, in dem Litauer in der Minderheit waren. Die Kultur- und Bildungspolitik bezüglich der litauischen Bevölkerung war eine schwierige Aufgabe für die preußische Regierung. Sie musste auf unterster Ebene mit dem Aufbau eines Bildungswesens beginnen. So wurde die litauische Sprache in die kirchliche Literatur eingeführt, später dann Schulen gebaut. Das Ergebnis dieser Politik liegt noch heute vor. Einerseits haben die Schulen zur Eindeutschung der Litauer beigetragen, andererseits haben sie Ihnen den Zugang zu einer höheren Bildung geöffnet. Es gab bis zum 18. Jahrhundert nicht viele Schulen, die Bevölkerung auf dem Lande bestand meistens aus Analphabeten
  
2.1.3. Die Reformation und die Veränderungen, die sie mit sich brachte


Da die Meinung vorherrschte, man lebe im Ordensland Preußen besser als in Litauen, zogen viele Litauer nach Preußen. Auch Deutsche zog es vereinzelt in die großen litauischen Städte, was zur Entstehung eines zahlenmäßig geringen deutschen Bürgertums geführt hat. In dessen Kreisen fand die aus Deutschland kommende Reformation schnell ihre Anhänger und beeinflusste die weitere Entwicklung des Deutschtums in Litauen. So gehören z.B. im Jahre 1552 zu einer evangelisch – lutherischen Kirchengemeinde in Kaunas 124 Familien. Im Jahre 1547 hat Martin Mosvidus, an der Universität Königsberg den “Kleinen Katechismus” Luthers übersetzt. Herzog Albrecht vergab Stipendien an junge Adlige aus Litauen und hat damit zur Reformation in diesem Land beigetragen. Um das Jahr 1550 hatte die Reformation im ganzen litauischen Volk Aufnahme gefunden. Die Litauer zeichnete religiöse Toleranz aus; anfangs lebten Christen und Heiden problemlos nebeneinander, später Lateiner und Orthodoxe, jetzt Katholiken und Protestanten. Bemerkenswert ist die damalige große Zahl von Litauern in Königsberg. In den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die Lehre Martin Luthers in vielen katholischen Kirchen Litauens verkündet.
    1558 konnte der deutsche Orden dem Angriff der Moskowiter nicht standhalten und so stellte er sich unter den Schutz der litauisch- polnische Union.  Litauische Truppen übernahmen die Ordensburgen. Das rief einen Krieg mit Moskau hervor. Litauen suchte Hilfe bei dem polnischen Unionspartner (am 01.07.1569- Union von Lublin). Somit hatten Litauen und der deutsche Orden einen gemeinsamen Herrscher, eine einheitliche Währung und übten die gleiche Außenpolitik aus. Damit hat die Rekatholisierung Litauens begonnen.
    Die seit 1568 durch den Jesuitenorden betriebene Gegenreformation führte den größten Teil des litauischen Volkes zur katholischen Kirche zurück. Das hat dazu geführt, dass schon bald die Stellung der Deutschen in den Städten erschüttert wurde. Jetzt fanden die Deutschen ihren Weg in die Kleinstädte und aufs Land. (1567 wurde in Tauroggen eine deutsche Gemeinde gegründet; 1572 siedelte Johann Chotkiewcz (Chodkiewicz ) auf seinem Gut Skudy Deutsche an; 1587 entstand der Ort Birsen)
    Man sollte hier auch betonen, wie groß die Rolle der deutschen Gelehrten an der Wilnaer Universität war. Katholische Mönche aus Preußen waren die ersten deutschen Gelehrten an der Hochschule. (Z.B. Simon Behrendt, Thomas Klage, Andreas Rosenwald). Insgesamt sind die Namen von 34 deutschen Gelehrten bekannt, die in Wilna tätig waren: z.B. Georg Forster, Ferdinand Spitznagel, Peter Albricht, Benjamin Haustein, Johann Heinrich Abicht, Ernst Gottfried Groddeck u.A. Ihr  Wirken war nicht nur für die Universität bedeutsam, sondern für das ganze Land.



2.1.4. Das schwache Litauen


Schon in der Lubliner Union von 1569 bekam das erheblich verkleinerte litauische Großfürstentum nur die Rolle des Juniorpartners in Doppelreich Polen- Litauen zugewiesen. Litauische Geschichte ist demzufolge in diesem Zeitraum weitgehend polnische Geschichte, was sich auch auf das Verhältnis Preußens zu Litauen auswirkt.
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Litauen immer wieder von Konflikten erschüttert und geschwächt. Am 8. August 1655 wurde Vilnius von russischen Truppen eingenommen und sechs Jahre lang besetzt gehalten. Gleichzeitig, im Sommer 1655, wurden Polen und Litauen von Schweden überfallen. Schweden wurde schließlich 1660 besiegt; mit  Moskau wurde 1686 Frieden geschlossen, jedoch nur unter schweren territorialen Verlusten. Aber die schlimmeren Folgen der Kriege sollten erst noch kommen: Die dadurch hervorgerufene Zerstörung brachte Hunger und Plagen mit sich. In der Zeit 1648 – 67 verlor das Großfürstentum Litauen 46% seiner Bevölkerung. Dazu noch folgte bald, durch die Anarchie und Sippenherrschaft des konservativen Adels bedingt, ein Bürgerkrieg zwischen den regierenden Magnaten und dem übrigen Adel, der das Land noch mehr schwächte und zu einer bürgerkriegsähnlichen Situation führte, die Österreich, Russland und Preußen nutzten, um Polen 1772, 1793 und 1795 zu teilen.

 

Polnische Teilung

Polen wurde durch Preussen/Russland und Hohenzollern dreimal geteilt

 

 

Nur die dritte Teilung Polens von 1795 berührte das litauische Stammland unmittelbar. Während der Hauptteil des litauischen Siedlungsgebietes an Russland fiel, gelangten der größte Teil der Woiwodschaft Trakai und ein kleiner der Woiwodschaft Samogitien an Preußen und wurde dem Departement Neupreußen zugeschlagen.
    Auch während die baltischen Gebiete unter dem Einfluss Polens, Schwedens und Russlands lagen, spielten die Baltendeutschen in der Oberschicht der Städte und als adelige Großgrundbesitzer weiterhin eine wichtige Rolle. Die Deutschen blieben zwar immer eine Minderheit, stellten jedoch weitgehend die Oberschicht der Gesellschaft.   
    Die private Kolonialisierungspolitik der litauischen und polnischen Magnatenfamilien führte auch noch im 18. Jahrhundert Deutsche nach Litauen. 1790 rief  Fürst Nestor Kasimir Sapieha deutsche Handwerkerfamilien in das Städtchen Prenen. Weitere deutsche Siedlungen entstanden damals in Janow, Schaulen, Zvyren, Kedahnen und Godlewo.
    Dr.Wilhelm Storost Vydunas beschreibt sehr interessant in seinem Buch “Sieben Hundert Jahre deutsch – litauischer Beziehungen” das Verhältnis zwischen Deutschen und Litauern: Jahrhunderte hindurch vermieden die Angehörigen beider Seiten, Verbindungen miteinander einzugehen, nicht nur weil die Landesherren sich das nicht wünschten. Selbst die Litauer waren durchaus nicht geneigt, Verwandtschaftsverhältnisse zu den Deutschen zu schaffen. Sie hatten eben eine ganz eigene stolze Selbsteinschätzung. Es war nicht immer möglich, die Litauer und die Eingewanderten von einander zu trennen. Deswegen kam es doch zu Verbindungen zwischen ihnen. Der Prozess, bis die meisten Deutschen mit den Litauern verwandt waren, vollzog sich zuerst im Süden, und langsamer im Norden. Die litauische Bevölkerung erscheint nach dem Geblüt litauisch zu sein, anders aber sieht es aus, wenn man auf die Anwendung in Namen und Bezeichnungen der deutschen Sprache achtet. (Z.B. wurde der Name Tevelis zu Thewellies u.s.w.)

 


Im Folgenden werde ich kurz die Geschichte Litauens im 19. Jahrhundert beschreiben.

 

1807 gründete Napoleon das Großfürstentum  Warschau, auf dessen Gebiet die Leibeigenschaft aufgehoben und alle Bürger gleichgestellt wurden. 1812 kam Napoleon auch nach Vilnius und berief dort eine provisorische Regierung. Doch schon der gescheiterte Marsch auf Moskau beendete die halbjährige Existenz des Großfürstentums Litauen. Es folgten Massenverhaftungen und Verfolgungen der patriotischen  Studentenschaft.

Im Namen Gottes für unsere und eure Freiheit      Fahne vom Novemberaufstand

 

Ein Anstoß zu weiteren Repressionen wurde der gescheiterte Novemberaufstand in Polen, der sich 1831 auf Litauen übertrug und auch dort scheiterte. Auch der zweite polnische Aufstand von 1863/64 wurde brutal niederschlagen.  Es folgten Druckverbote für Publikationen in litauischer Sprache bzw. sie mussten in russischer Schrift, der so genannten grashdanka verfasst werden. Tausende von litauischen Büchern wurden deshalb bis 1904 in Ostpreußen gedruckt. Dafür entfaltete die Untergrundopposition eine rege Tätigkeit. Sie führte zur Entstehung der litauischen Nationalbewegung, die sich 1883 aus den losen Organisationen herauskristallisierte. In diesem Jahr erschien im ostpreußischen Tilsit das erste Mal eine litauische Zeitschrift die “Aušra”. Wirtschaftliche und soziale Fragen gewannen an Bedeutung. Königsberg war zu dieser Zeit eine Zentrale für die Ausbildung litauischer Führungskräfte.


Zur Zeit der Jahreswende 1904/05 herrschte in Russland Revolutionsstimmung, begünstigt durch den russisch- japanischen Krieg. 1904 erhoben die Sozialisten in aller Öffentlichkeit die Forderung nach einer unabhängigen litauischen Republik. Im Oktober 1905 wurde diese Forderung durch ein Memorandum litauischer Nationalisten nochmals verstärkt. Anfang Dezember 1905 traten 2000 Delegierte in Wilna zum “Großen Litauischen Landtag” zusammen. Die russische Regierung hielt sich zurück.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte das Traumziel eines souveränen litauischen Staates bereits tiefe Wurzeln geschlagen.



2.1.5. Das Erste Weltkrieg und seine Auswirkungen


Wird fortgesetzt..



Bilder: Wikipedia

 

 

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Litauen, Nationalismus und die EU    

 

Tomas Venclova   "Ich ersticke"

 

Litauen ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und hat 2015 (mit starken Ängsten in der Bevölkerung) erfolgreich den Euro eingeführt.

Die Einwohnerzahl ist vom Höchststand 1992 (3,7 Millionen) auf 2,9 Millionen gefallen, was auf die starke Auswanderung und einen erhöhten Sterbeüberschuss zurückzuführen ist.

Bei 25 % Jugendarbeitslosigkeit suchen viele junge Litauer Arbeit in der Europäischen Union, besonders in Irland, England aber auch Deutschland und Norwegen. Besonders in den englischsprachigen Ländern gibt es eine grosse litauische Gemeinschaft.

 

Viele, für mich gefühlt alle (Achtung: dies ist keine wissenschaftliche Abhandlung) neuen Projekte in Litauen werden von der EU finanziert. Ob es das Schokoladenmuseum der Ruta Schokoladenfabrik in Siauliai ist oder das Bison Museum nahe Panevezys,  dass Kosmologische Museum in Moletai, Strassen, Trinkwasser oder Abwasserleitungen, überall steht ein Schild und verkündet, wer die Projekte bezahlt hat- natürlich die EU.

 

Um die Auswanderung von qualifizierten jungen Litauern zu stoppen, gibt es das Projekt "Practica", das litauische Startups finanziell unterstützt. Geldgeber (100 Millionen Euro) für Practica ist wiederum das EU-Programm JEREMIE.

 

Zydrunas Gaudiesius (Leiter der Kommunikationsagentur United Agencies) kritisiert, dass es zu viele Universitätsabsolventen gibt. Tatsächlich beginnen sechs von zehn jungen Litauern ein Studium, wobei ihnen Diplome für allgemeine Pädagogik oder Sport in der realen Wirtschaft nichts bringen (in Deutschland nicht anders). Tatsächlich scheinen fast alle unserer Bekannten studiert zu haben, auch wenn sie sich nach dem Sportstudium für 250 Euro im Monat als Sekretärin oder ähnliches durchschlagen müssen.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: trotzdem die Litauer ihre Heimat verlassen um ihr Glück in Europa zu suchen und die Europäische Union alle möglichen Projekte in Litauen unterstützt, scheint die Europäische Union in Litauen äusserst misstrauisch gesehen zu werden. Europäisches Geld ist gerne gesehen, europäische Mitsprache, gar Forderung nach Vereinheitlichung von Rechten und Gesetzen werden abgelehnt.

Interessante Argumente kommen da zusammen: Europa verbietet Litauen die Todesstrafe, Litauen darf keine Gesetze machen, die von denen der EU abweichen. Die EU ist ein Block, genauso wie die Sowjetunion. 

Diesen Eindruck von Litauen (ich weiss, es gibt nicht die Litauer), bestätigte sich durch meinen litauischen Bekanntenkreis und durch diverse Internetforen.

Dieser, natürlich nicht repräsentive, populistische Vergleich wurde bei Facebook gepostet.

 

Bild anklicken

Die Übersetzung

 

 

In einer Buchbesprechung von Christina Parnell über Marius Ivaskevicius las ich dann, dass nicht nur ich diesen Eindruck einer zwiespältigen litauischen Haltung gegenüber Europa habe. Frau Parnell erwähnte nämlich den Aufsatz "Ich ersticke" von Tomas Venclova, der in der Zeitung Osteuropa (61. Jahrgang 1/2011) auf Deutsch erschien.

Tomas vencloca Litauen

Tomas Venclova

 

Tomas Venclovas Text (er bekam 2014 den Petrarca Preis der Burda Stiftung verliehen) "Ich ersticke" (aus dem englischen von Andrea Huterer, litauisch Aš dustu) beginnt mit:

 

"Litauen auf nationalistischen Abwegen

Wir leben in einer Zeit des Skeptizismus, des freien, kritischen Denkens und des globalen Denkens. In Litauen beklagt die geistige Führungsriege Euro-Kollaboration und Indoktrination im Zeichen der Globalisierung. Sie predigt Intoleranz gegen Minderheiten und verschanzt sich hinter einer Mauer aus Fremdenhass und vermeintlichem Nationalstolz. Polen, Juden, Russen und neuerdings auch die USA gelten als feindliche Mächte. Diese Haltung ist auch ein Erbe der Sowjetzeit, als den Menschen eine primitive Mentalität eingeimpft wurde, die Xenophobie und Hass auf "Kosmopoliten" beinhaltete."

 

Venclova entwickelt einen geschichtlichen Vergleich mit der griechischen Antike, der sehr schön zu lesen ist.

Venclovas Empfinden über das heutige Litauen gipfelt in Sokrates Worte: "Hilfe ich ersticke".

Fast alle litauischen Intellektuellen hätten sich von Sokrates weltoffenen, immer fragenden Philosophie entfernt. Heute ist die Rede von traditionellen litauischen Werten als Gegenstück zu den dubiosen Werten Europas und der Globalisierung.

"Globalisierung ist vermeintlich ein bloßes Deckmäntelchen und Pseudonym für skrupellosen Raubkapitalismus und die einzigen, die von diesem Raubkapitalismus profitieren, sind dunkle internationale Mächte.

In der Regel wird das nicht laut ausgesprochen, aber man gibt doch recht deutlich zu verstehen, dass damit die Juden (etwa Georges Soros [A.K.: ein US Milliardär, der mit der OSF (Open Soros Foundation) viel für Litauen getan hat] gemeint sind."

"Für viele unterscheidet sich diese Euro-Kollaboration nicht von der Kollaboration mit den Sowjets, nur dass sie vielleicht noch schlimmer ist, weil die Nation nun in schnellerem Tempo verschwindet.

...

Ein echter Litauer ist ausschliesslich der, der Russen, Polen, Juden und auch Leute aus dem Westen nicht mag, ja besser noch hasst. Die einzigen, die er vielleicht mag, sind Palästinenser...

...

Das Parlament macht sich zum Gespött Europas - löst aber ebenso häufig Horrorgefühle in Europa aus, indem es ein Gesetz verabschiedet, das den Buchstaben W aus den Pässen verbannt und einen Bann über Informationen über Sex verhängt, während Personen, die sich selber als Freiheitskämpfer betrachten, Steine auf Teilnehmer einer "Schwulenparade" werfen (aber Gott behüte niemals auf solche eines Aufmarsches von Neonazis)."

Venclova berichtet von einem Interview mit einer jungen Frau (nicht in der litauischen Presse), die auf die Frage nach dem Unterschied zwischen der politischen Szene in Ost und Westeuropa antwortete: "Sehen Sie, ihr habt keine Linke. Diejenigen, die ihr Linke nennt, nennen wir Rechte. Und die, die ihre Rechte nennt, nennen wir Bekloppte."

Venclova schreibt, dass ein primitiver, unreflektierter Nationalismus ans Ruder gekommen ist und es ein Verlangen gibt, Isolation und Provinzialität zu verewigen.

"Die Tatsache, dass Litauen die längste Zeit seiner Geschichte eine Agrargesellschaft von Kleinbauern war, verleiht dieser Art von Nationalismus Rückhalt und Stärke."

"Heutzutage legitimieren Staaten ihr Existenzrecht nicht mit den heroischen Taten und Leiden ihrer Urahnen, sondern mit einer funktionierenden Wirtschaft, Justiz, Administration und Selbstverwaltung."

Venclova spricht vom gefährlichen litauischen Bermudadreieck, über die Konflikte mit Russen, Polen und Juden bzw. mit Russland, Polen und Israel. Weiter zeigt er die Entwicklung einer Theorie des "Doppelten Genozids" auf, die Aufwiegung der Verbrechen gegen die litauischen Juden mit den Verbrechen der sowjetischen Besatzer (mit denen Teile der litauischen Juden sympathisierten).

[A.K.: ähnliche Tendenzen gibt es in Deutschland: "Die Haltung der Deutschen und ihr seelischer Platz ist seit 1945 unter der Bombe und nicht im Bomber" Reinhard Mohr]

"Zweifellos sind die Litauer keine Nation von Judenmördern. Doch unglücklicherweise hat es in jüngster Zeit Aktionen gegeben, die Argumente dafür liefern, die Litauer eine Nation von Fürsprechern von Judenmördern zu nennen. Was immer man über Efraim Zuroff denken mag, er hat Recht, wenn er sagt, dass die Litauer, anders als die Kroaten, keinen einzigen Judenmörder verurteilt haben. Im Gegenteil gibt es, auch wenn dies in der Öffentlichkeit und von den Gerichten so nicht artikuliert wird, eine deutlich wahrnehmbare Haltung, dass es vollkommen richtig sei solche Verfahren stillschweigend zu sabotieren. Wir sind nicht reif genug zu verstehen, dass es unzulässig ist, einen Schwerverbrecher zu rechtfertigen oder zu unterstützen, nur weil er ein ethnischer Litauer ist (der sich selbst als Patrioten betrachtet) und seine Opfer oder Ankläger keine Litauer sind."

 

Seine Einschätzung zur Provisorischen Regierung (PG) des Jahres 1941 ist sicherlich für manchen Litauer harter Tobak aber in meinen Augen die bittere Wahrheit.

 

Ein überaus lesenswerter Artikel, den man sich beim Leserdienst der Zeitschrift Osteuropa auf Deutsch bestellen kann.

 

Am Schluss ein Wort in eigener Sache:

Meine Frau fragte mich, nachdem sie diesen Text gelesen hatte, ob ich Litauen etwas böses wolle. Natürlich ist dem nicht so. Wer über ein Land nur Gutes schreibt und so tut als ob es keine Probleme gibt, der erweist diesem Land einen Bärendienst.

 

Den Originaltext "As dustu" (Ich ersticke) lesen Sie mit freundlicher Genehmigung des Autors hier  "As dustu"

Die sehr gute Übersetzung von Andrea Huterer von der Deutschen Gesellschaft Osteuropa unter "Ich ersticke"

Mehr zu Tomas Venclovas politischem Werdegang findet man bei "Lituanus"

Einige seiner Gedichte findet man in Text und Ton, sogar mit optionaler deutscher Übersetzung bei der bemerkenswerten Website Lyrikline.

Ein Gespräch von Venclova mit dem litauisch-polnischen Dichter Czeslaw Milosz kann man unter "Das polnische Problem" lesen.

Sehr empfehlen können wir seine philosofische Betrachtung von Vilnius:  Vilnius-eine Stadt in Europa

 

 

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Litauen baut Terminal für Flüssiggasimport in Klaipeda

Regasifizierungsschiff Independence Klaipeda

Regasifizierungsschiff Independence mit Flüssiggasschiff an der Schweinerückeninsel vor Klaipeda   Fotomontage © HoeghLNG  

Dank an Klaipedos Nafta

 

 

In Klaipeda laufen die Bauarbeiten für ein Flüssiggasterminal auf Hochtouren. An der so genannten Schweinerückeninsel (neben dem Fähranleger der DFDS Schiffe aus Kiel) wird ein Terminal für die Übernahme von Importflüssiggas gebaut. Dort wird das litauische FSRU Schiff "Independence" (Gasrückgewinnungsschiff) liegen und Flüssiggaslieferungen aus aller Welt übernehmen.

 

Mit Norwegen sind zwar Abnahmeverträge für die nächsten zehn Jahre unterschrieben, theoretisch kann das Gas aber überall auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Sinn der nicht ganz billigen Aktion ist die litauische Abhängigkeit vom russischen Erdgas. Die bisher einzige Leitung nach Litauen führt über das Territorium von Weißrussland. Litauen zahlt zur Zeit die weltweit höchsten Preise für Erdgas (was an den nicht so guten Beziehungen zu Russland liegt).

 

Das Prinzip der LNG (Liquid Natural Gas) Anlage ist es, Erdgas an den Lagerstätten durch Druck und Kälte zu verflüssigen und mit speziellen Schiffen in die Verbraucherländer zu transportieren. Wie hier in Klaipeda wird das Flüssiggas dann abgeladen, im litauischen FSRU wieder zu Gas (regasify) umgewandelt und durch Pipelines an die nationale Gasverteilung geleitet.

Das Verhältnis von Flüssiggas zum gasförmigen Erdgas ist 1:600. Mit der geplanten Anlage läßt sich (theoretisch) der gesamte litauische Gasverbrauch abwickeln. Zur Regasifizierung muss dem Flüssiggas Energie (Wärme) zugefügt werden. Dies soll in den Sommermonaten mit dem Wasser der Nehrung passieren. In den kalten Monaten stehen gasbetriebene Wärmetauscher zur Verfügung. Das FSRU Schiff wurde in Korea gebaut, für 10 Jahre geleast und soll im Herbst 2014 in Klaipeda ankommen.

 

Der Schiffsname "Independence" (Unabhängigkeit) kommt nicht von ungefähr, sondern verdeutlicht den Wunsch der Litauer sich vom russischen Monopol der Energieversorgung zu emanzipieren. Hoffentlich funktioniert das Projekt wie geplant und wird von einer breiten Mehrheit unterstützt. Mit ein bischen Fantasie kann man sich das Echo der Öffentlichkeit ausmalen, wenn die Russen plötzlich den Gaspreis reduzieren und das Regasifizierungsprojekt plötzlich unrentabel wird.

 

Die europäischen Regasifizierungsanlagen sind nicht ausgelastet, eine geplante Anlage in Wilhelmshaven (initiiert von EON) wurde nicht gebaut. Wahrscheinlich müssen sich die Beziehungen zu Russland noch deutlich verschlechtern, bevor hier der Bau vorangetrieben wird. Wenn es dann nicht zu spät ist.

 

Wer nähere Informationen möchte, der wird auf der Seite von Klaipda Nafta fündig: Klaipeda Nafta

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Jonas Basanavičius

Jonas Basanavičius wurde am 23.11.1851 im Gebiet von Vilkaviškis geboren (damals Kongresspolen in Personalunion mit Russland, also eigentlich Russland) und gilt als der einflussreichste Litauer des 20. Jahrhunderts, auch und besonders, weil er ein Protagonist der Nationalen Wiedergeburt Litauens war.

Jonas Basanavičius

Jonas Basanavičius (Wikipedia)

"Patriarch der Nation"

Ieva Simonaitytė

 Ieva Simonaitytė

Ieva Simonaitytė war eine bedeutende litauische Schriftstellerin. Geboren wurde sie am 23. Januar 1897 in Vanagai, dem damaligen Ostpreußen als Tochter der Magd Etmė Simonaitytė. Vater war der litauische Hofbesitzer Jurgis Stubra, bei der Ievas Mutter gearbeitet hat. Besondere Verdienste hat sie für die Schilderung des Lebens in Kleinlitauen (Ostpreußen).

Grigory Kanovich

 Grigori Kanovich

© Grigory Kanovich

Bei jüdischen Litauern ist die richtige Schreibweise des Namens häufig sehr schwer. Nimmt man die litauische Schreibweise des Namens, die jüdische, russische oder gar, wie es hier nahe liegen würde: die Deutsche? Kanovich selber benutzt auf seiner Webseite alle Schreibweisen. Er hat im unabhängigen Litauen gelebt, in Russland, im besetzten Litauen und seit 1993 lebt er in Israel. Ein Weltbürger.

Adolfas Ramanauskas


Adolfas Ramanauskas Vanagas F



Adolfas Ramanauskas war ein wichtiger litauischer Partisanenführer mit dem Codenamen "Vanagas". Deshalb wird sein Name auch oft Ramanauskas-Vanagas geschrieben.
Er wurde am 6. März 1918 in den USA geboren. Seine Familie kehrte 1921 in das nun unabhängige Litauen zurück und kaufte etwas Land südlich von Vilnius. Er besuchte 1939-40 die Kriegsschule von Kaunas und schloss als II. Lieutenant der Reservekräfte ab. Seine Klasse von 1940 war der letzte Jahrgang des unabhängigen Litauens vor der sowjetischen Besetzung.

Antanas Sniečkus

 Antanas Snieckus

Antanas Sniečkus (*25.12.1902-22.1.1974) war ein litauischer Politiker und Chef der Litauischen Kommunistischen Partei (LKP) von 1940 bis zu seinem Tode 1974.

Vladas Putvinskis

Vladas Putvinskis Taurage

Denkmal für Vladas Putvinskis in Taurage

 

Vytautas Putna

Vytautas Putna

Vytautas Putna  Bild: Wikipedia

 

Vytautas Putna war ein litauischer Aktivist, der während seines Studiums an der Rigaer Handelsschule eine Marxistische Gruppe leitete.

Bekannte Litauer 

Dieser Artikel wurde angeregt durch die vielen Monumente von Litauern im Grutas Park. Alle Statuen haben einen geschichtlichen Hintergrund. Die meisten Litauer dort kennt fast keiner mehr. Wir wollen hier die weniger bekannten und auch die sehr bekannten (nicht nur aus dem Gruta Park) vorstellen.

Die Auswahl ist völlig zufällig und hat mit den derzeitigen Interessen des Autors zu tun.

Kennen Sie sich mit Ciurlionis oder Baranauskas aus?  Schreiben Sie einen eigenen Artikel!  

 

 

Augustinas Voldemaras

 Augustinas Voldemaras

Augustinas Voldemaras    Foto: Wiki

 

Augustinas Voldemaras (1883-1942) war ein litauischer Philologe (Soziologische Studien, Römische Geschichte, Sprachen), Historiker und Politiker.

Maryte Melnikaite

Marija Melnikaite Partisan Litauen

Partisanin Marija Melnikaitė

 

Marytė Melnikaitė wurde 1923 in Zarasai geboren und schloss sich 1940 der Union der kommunistischen Jugend 'Komsomol' an, als Litauen von der Sowjetunion besetzt wurde. Bei Kriegsbeginn flüchtete sie (oder sie wurde evakuiert) im Juni 1941 in den Osten. Im Juni 1942 schloss sie sich der 16. Litauischen Division der "Roten Armee" an. Ein Jahr später wurde sie zur Partisaneneinheit Kestutis nach Litauen geschickt. Nach nur 1,5 Monaten wurde sie nahe Ignalina gefangen genommen und wegen Partisanentätigkeit erschossen.

Nachman Dushanski

 Nachman Dushanski

 

Nachman Dushanski, oder litauisch Nachmanas Dušanskis, wurde am 29.12.1919 in Siauliai geboren.

Kugelis

Kugelis ist eine litauische Spezialität aus Kartoffeln, Speck, Milch, Eiern und Zwiebeln.

Kugelis im Backofen

 

Zeppelinas

 

Zeppellinas (Kartoffelklöße) sind nicht eine, sondern die litauische Spezialität.

Eigentlich sind sie wie unsere Klöße, werden aber mit einer Quark oder Fleischmasse gefüllt und zu einem Zeppelin geformt. Der Name Zeppelinas entstand im ersten Weltkrieg, als die Deutsche Luftaufklärung in Zokniai Wartungshallen für ihre Zeppeline baute. Die Form erinnerte die Litauer an ihre Klöße und so adaptierte man den Namen.

 

Gegessen werden die Zepellinas entweder mit einer Butter-Sahne Sauce oder mit zerlassenem Speck mit ausgelassenen Zwiebeln.

Karäische Kibinai

Kibinai sind Teigtaschen, die mit Fleisch (und anderen Zutaten, je nach Geschmack) gefüllt sind. Sie sind die typische Speise der in Trakai lebenden Karäer und werden in Trakai überall verkauft. Wenn man den Ansturm in Trakai selber erlebt hat, bekommt man einen Eindruck von ihrer Beliebtheit, auch bei nicht- Karaiten.

 

 

 

Kiewer Kotelett

Eigentlich ein russisches Gericht, hat sich das Kiewer Kotelett auch in der litauischen Küche etabliert. In den Supermärkten werden fertig zubereitete "Koteletts" angeboten. Aber man kann sie auch recht leicht selber machen.

kiewer koteletas

Typisch litauische Rezepte

 

Angeblich ist die litauische Küche die Beste im Baltikum. Wir wollen das gar nicht beurteilen, können aber schon sagen, dass alle unsere ausländischen Gäste von der litauischen Küche sehr angetan waren.

Auch unsere Kinder und die unserer Freunde waren immer zufrieden.

Ähnlich wie die litauische Kultur, ändern sich mit der europäischen Öffnung auch die litauischen Essgewohnheiten. Pizza, Sushi, McDonalds oder auch "deutsches Essen" gibt es nicht nur in den großen Städten.

In den litauischen Familien bleibt man aber oft beim Bewährten. Nicht ohne Grund. 

 

Zum ausprobieren werden deshalb hier einige der wichtigsten Kochrezepte folgen. Geras apetitas!

 

Knoblauchbrot  

 

Česnakas kepta duona

cesnakas kepta duona  knoblauchbrot

Hier mit hellem Brot zubereitet. Käse und Oliven sind dem Zeitgeist und dem Auge gewidmet.

 

Erstmals eine richtig litauische Spezialität: Knoblauchbrot. Passt super zum Bier!

Dafür nimmt man dunkles oder helles Brot (je nach Vorliebe, das dunkle Sauerteigbrot, wie in Litauen üblich, gibt es bei uns sowieso nicht), brät die Scheiben in Öl in einer Pfanne knusprig, salzt nach Belieben und reibt die knusprigen Brotscheiben anschließend kräftig mit einer Knoblauchzehe ab.

Dann werden die Scheiben in Streifen geschnitten und frisch verzehrt.

Luftdicht verpackt, halten sie sich auch einige Zeit. Werden sie weich, schmecken sie nicht mehr so gut.

Für alle Knoblauchfans schmeckt das besser als Chips und fehlt zu keinem Saunagang und zu keiner Party!

Fertige Portionen gibt es auch in den Supermärkten. Auch auf den Fähren nach Litauen kann man es kaufen.

Guten Appetit

Birzu Alus "Birzaier Bier"

Die Brauerei "Birzu Alus", also "Birzai Bier", ist eine der ältesten Brauereien in Litauen und wurde 1686 von Louise Caroline Radvilaite gegründet. Da war die Alleinerbin der calvinistisch-litauischen Linie der Radvilas Familie gerade mal 19 Jahre alt. Sie hat allerdings auch schon mit 14 Jahren geheiratet.

Birzu Alus

Als Birzai 1704 von den Schweden besetzt wurde, verbrannten Schloss und die Häuser der Stadt. Nach Abzug der Schweden wurde diskutiert, ob zuerst das Rathaus oder andere Gebäude neu aufgebaut werden sollten. Man hat sich dann für die Brauerei entschieden.

Birzu Alus Birzai LItauen

Rotuses Gatve 22    hier bekommt man das Bier der Brauerei Birzu Alus

Frisch gezapft. Mein Favorit ist das Sirvenos Bier. 6%, unfiltriert und nicht pasteurisiert. Sehr verträglich!

Links in der Hand 5 Liter, rechts 2 Liter. Probieren Sie! (5 Liter gibts nicht mehr).

 

In der Zapfstelle der Birzai Bierbrauerei. Mein Tipp: Sirvenos unfiltriert und nicht pasteurisiert.

 

Chef der Brauerei Birzai

BA Chef J.Narinkevicius mit Vida Kuginiene

 

Stolz der Birzaier Brauerei: Jubiläumsbier

 

Stolz der Brauerei: Jubiläumsbier 1686

 

Die Produktion  Birzu Alus

Führung durch die Brauerei

 

Der Probierkeller Birzu Alus

Probierkeller von 1882

Die Probierstube Birzu Alus

Vida und Astra führen uns durch den 1882 gebauten Probierkeller

 

Wir wurden bei "Birzu Alus" sehr freundlich aufgenommen. Die Brauerei gehört zum Litauischen Bierweg. Gruppen können nach Anmeldung eine Bierprobe machen.

Gereicht werden 5 verschiedene Biere. Dazu wird die Geschichte der Brauerei erzählt. Gruppen ab 15 Personen , 15 Litas pro Person.

 

 

Degustationskeller Birzai Alus

Der "Degustationskeller" wurde 2004 renoviert

 

Mauer von 1686 Birzu Alus

 Orginalmauer aus dem Jahre 1686

 

 

1973 wurde "Birzu Alus" mit der "Kalnapilis" ("Bergschlößchen") Brauerei fusioniert. Seit 1996 arbeitet sie wieder unabhängig.

 

Während Renovierungsarbeiten der Brauerei wurde ein alter Keller aus dem Jahr 1882 entdeckt. 2004 wurde dieser Keller sehr schön renoviert und dient nun als Probierraum für Besuchergruppen.

 

Das Birzaier Bier, auch das "Hausgemachte", hat nicht immer 5% Alkohol. Besonders wenn das Bier in Krügen ausgeschenkt wird wird man manchmal schneller müder als einem lieb ist.

"Birzu Alus" liegt direkt in der Innernstadt an der Rotuses Gatve.

 

"Birzu Alus" produziert neben dem Jubiläumsbier 1686

Leicht und Starkbier. Mein persönlicher Favorit ist das Sirvenos Bier. Bekömmlich und lecker!

 

   Miezinis     

    Wobei mir das "Miezinis"

   Senovinis

und das "Senovinis" am besten schmeckt.

 

Bierfest Birzai Alus Svente

Birzu Alus liefert das Bier für die Bierfeier ("Alus Svente") im Sela Museum

Bierfest im Museum Birzai

Brot von Birzu Duona (dunkles Sauerteigbrot mit (viel) Kümmel, Käse und Birzu Alus werden gereicht

 

Prost oder i sveikata !! Mehr zum Bierfest gibts hier

 

 

 Bierpreise in Birzai Litauen

 Hier die Preise 2015 nach der Euro Einführung in Litauen. Man beachte die Kosten für einen Liter in Relation zum litauischen Durchschnittseinkommen.

 

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Astravo Pils Birzai

 

Die vierte Brauerei in Birzai war die Astravo Brauerei. Sie liegt an der Plentu Gatve am südlichen Rand Birzais und hieß bis vor kurzem "Ponoras".

 

Ponoras

Beim Besuch im April 2011 verweigerte der Verkaufsdirektor jede Auskunft. Eine Führung durch die Brauerei war nicht möglich.

 

Einen Bierverkauf an der Brauerei gibt es nicht.

 

Zum Geschmack des Ponoras Bieres kann ich leider nichts sagen.

Weder Ponoras noch das jetzige Astravos Biere sind in den Läden zu sehen. Allerdings gibt es in Birzai ein Geschäft von Astravos.

 

Angeblich wurde Ponoras an eine tschechische Gesellschaft verkauft. Bei den Birzaier Biertrinkern ist das Astravo Bier unbekannt.

 

Update Sommer 2014: es gibt jetzt Astravo Bier zu kaufen und das Etikett der Flaschen war auch vielversprechend.

Astravo Bier in neuer Aufmachung, hier Pils mit 4,2 % Alkohol

 

Unser Nachbar brachte mehrere Sorten mit. Ich habe das Pils mit 4,2 % probiert und es schmeckte wie sauer Wasser. Leider.

Kein Vergleich mit Rinkuskiai oder gar mit dem Sirvenos von Birzu Alus!

 

Update 2020: seit einiger Zeit arbeitet die Astravo Brauerei nicht mehr.

 

 

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Butautu Bier Litauen

Birzai ist in ganz Litauen für seine Bierbraukunst berühmt.

In dem kleinen Ort von gerade mal 14000 Einwohnern und liebenswerten dörflichen Charme, gibt es ganze 4 Brauereien, wobei die Butautu Brauerei etwas ausserhalb Birzais (nämlich hier), schon als Liebhaber Brauerei gelten kann.

Butautu Brauerei

 

Rinkuskiai Brauerei Litauen

 

In Birzai gibt es vier Brauereien in denen man das lokale Bier probieren kann.

Früher brauten viele Birzaier ihr Landbier selber, manchmal noch heute, und es schmeckt sogar gut. Falls Sie die Gelegenheit haben dieses Bier zu probieren: machen Sie es.

Im Birzaier Schloss wird mit dem Zaldoka Bierfest an die lange Birzaier Biertradition erinnert.

Zu litauischer Volksmusik, Birzaier Bier, dunklem Brot und Landkäse wird die litauische Biertradition erklärt.

 

Viele Touristen reisen wegen dem Bierfest nach Birzai.

Die modernste Brauerei ist Rinkuskiai, die mit der größten Tradition Birzu Alus.

 

Verkauf ab Fabrik Rinkuskiai

Lange war mein litauisches Lieblingsbier das frisch gezapfte Progrinis "ne filtruotas"(5,2%), also unfiltriertes Bier- von der "Rinkuskiai" Brauerei in Birzai. Allerdings bekomme ich nach selbst massvollen Genuss des Progrinis immer starke Bauchschmerzen.

Ich bin leider mit diesen Befindlichkeiten nicht alleine. Mit Svyturys oder den Bieren der Birzu Alus Brauerei habe ich diese Probleme nicht.

Man bekommt das Progrinis, wie alle anderen Biere der Rinkuskiai Brauerei ( gegründet 1991), frisch abgefüllt in Flaschen im Verkaufsladen in der Alyvu Gatve, westlich vom Sirvena See. Daneben ist das Restaurant "Alus Kelia".

Der Verkauf direkt neben der Fabrik wurde komplett neu gebaut.

2011 hat die Brauerei ein neues Restaurant eröffnet.

Rinkuskiai Shop innen

Verkaufsraum

 

Manch ein Biertrinker wird Bier in Plastikflaschen als Sakrileg ansehen. Das "Proginis nefiltruotas" schmeckte mir aber besser als ein "Svyturys".

Nebenbei benutzt Svyturys Reis zum brauen.

Proginis unfiltriert. Lecker- aber besser nicht zuviel davon trinken!

 

Rinkuskiai hat einen Marktanteil von 3,5 % in Litauen. 

Rinkuskiai innen

 

Die litauischen Biere schmecken oft leicht und süß, manche haben aber einen hohen Alkoholgehalt und die Party kann dann schneller vorbei sein als einem lieb ist.

Rinkuskiai

 

Probierpakete

 

Rinkuskiai Brauerei Birzai

In Litauen wird häufig im Sixpack oder in Kartons verkauft. Es gibt zwar Kästen, die werden aber nicht gerne rausgegeben. Bei Rinkuskiai werden Literflaschen abgefüllt, bei Birzu Alus (gab) es sogar 5 Liter Gebinde.

Ein Pfandsystem für Glasflaschen gibt es genau wie hier. Plastikflaschen werden an Sammelstellen gesammelt (mittlerweile auch mit Pfand).

frisch gezapftes Bier

Man bezahlt die Plastikflasche und bekommt ein Bier nach Wahl gezapft. Natürlich gibt es im Supermarkt und auch hier im Verkauf alle Rinkuskiai Biersorten, die in ganz Litauen verkauft werden.

Frisch gezapft schmeckts aber besser. Das Bier ist dann vier Tage haltbar.

Die Plastikflasche ist für uns etwas ungewöhnlich. Aber man trinkt das Bier ja dann auch nicht aus der Flasche.

Tip: trinken Sie vom unfiltrierten Bier, so gut es auch schmeckt, nicht zu viel. Sonst kann es durchschlagen!

 

Hier der Anfahrtsplan:

Anfahrt Rinkuskiai Brauerei Birzai Litauen

 

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"Der Ju­gend gehört die Zukunft"

 

, ist ebenfalls unfassbare Heuche­lei, eine unschlagbar hohle Phrase!

Dieser Leserbrief aus der Marler Zeitung vom 12.12.2019 beschäftigt sich mit der aktuellen deutschen Bildungspolitik. Ich kann das nicht besser schreiben.

 

Zeit für einen Schlussstrich! Nein! Doch! Warum?

 

Diese interessante Diskussion über deutsche Befindlichkeiten führte der "Reisende Reporter" Andreas Moser auf seinem Reiseblog https://andreas-moser.blog/ . Wir verwenden diesen herausragenden Text mit freundlicher Erlaubnis von Andreas Moser.

Leider werden diesen Text die Leute, die sich mit dem Inhalt auseinandersetzen sollten, nicht lesen. Für alle anderen ist er ein Lesegenuss!

 

Victor Nikitin singt in Berlin 1948

Wunderschönes Volkslied gesungen vom russischen Sänger Victor Ivanovich Nikitin bei einer Friedensfeier im August 1948 in Berlin.

 

 

 

 

Der Blinddarm - das unbekannte Wesen 

 

www.alles-ueber-litauen.de ist eine private Seite, mit der ich Interesse für das schöne Land Litauen wecken möchte. Ich selbst bin mit dem schönsten Mädchen aus Birzai verheiratet, deshalb auch die Verbundenheit mit dem südlichsten Baltenland.

In diesem Beitrag möchte ich beschreiben, mit welchem Horror das Jahr 2013 für uns zu Ende gegangen ist - Gott sei Dank, bisher mit einem glimpflichen Ausgang.

Blinddarmdurchbruch

 

Florence Foster Jenkins

Florence Foster Jenkins wurde am 19. Juli 1868 in den USA geboren und galt als schlechteste Sängerin ihrer Zeit.

Humor

 

Der Steuerberater

Steuerberater Goldgrube

Goldgrube für wen, den Berater oder seinen Kunden?

 

Wirtschaftskrise Deutschland

Beerdigungsinstitut Marl

Die Wirtschaftskrise macht erfinderisch! 

(Links Schuldnerberatung rechts ein Beerdigungsinstitut, Marl) Das Fingernagelstudio und der Handyladen sind nicht auf dem Foto..

 

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Moral in Russland

 

Putins Russland kämpft gegen die Unmoral: Dessous, High Heels und Apoll auf dem 100 Rubel Schein sind den russischen Moralisten ein Dorn im Auge.

Apollo Russland Moral

Der 2 mm Penis des Gottes Apoll ist so manchem russischen Moralapostel ein Dorn im Auge

Maren Eggert

Für die Fans von Maren Eggert ( sie spielte die Frieda Jung im Kieler Tatort) hier ein Video der Band Erdmöbel.

Ist lange her...etwas Nostalgie

 

Zurueck

 

Weil die Deutschen alles, alles sehen, nur eins nicht. Nur das Einfache nicht.

 

Kurt Tucholsky

NPD, Ukraine und Syrien bei Birzai.de

 

 

 

Holodomor


Holodomor ist ein ukrainisches Wort und bedeutet: Massensterben durch Hunger.
Es beschreibt die durch Stalins Aushungerungspolitik gegen die ukrainische Landbevölkerung 1932/33 entstandene humanitäre Katastrophe, als es keinerlei Essen mehr gab, das Saatgut aufgegessen, alle wilden Tiere verschwunden und die Ernte von Obst und Gemüse noch in weiter Ferne lag.
Einigermaßen exakte Schätzungen darüber, wie viele Opfer der Holodomor forderte, sind schwierig. Offizielle sowjetische Statistiken aus der Zeit sind meistens gefälscht oder wurden überhaupt erfunden, um ihre ideologische Rolle zu erfüllen, und Bevölkerungsstatistiken aus der Ukraine waren nur selten akkurat und zeitnah.

Verhungerte 1933 in Charkiw Ukraine

Verhungerte Bauern in Charkiw 1933 (Wikipedia)

 

Schätzungen über die Opfer der Stalinistischen Politik in der Ukraine belaufen sich auf 2,5 bis 5,0 Millionen Tote.

 

Javier Cercas  Europa!

Plädoyer für Europa. Mal eine andere Sicht auf die heutige Krise in Europa. Von Javier Cercas, Journalist und Professor für spanische Literatur an der Universität Girona.

Verwendung mit freundlicher Genehmigung vom  Author und der FAZ (Erschienen am 1.Juli 2012 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

 

Die Walküre

Javier Cercas, Spanien   

Was war das erste Buch in litauischer Sprache?

Was kann man aus Litauen mitbringen?

Botanische Gärten in Litauen. Gibt es die?

Gibt es in Litauen Werwölfe?

Wo liegt der Mittelpunkt Europas?

Kann man verschiedene Grenzübergänge nach Kaliningrad nutzen?

Baumkuchen..wo kann man ihn in Litauen selber machen?

Lohnt sich eine Fahrradtour in Vilnius?

Was ist das E-Visum für Kaliningrad?

Braucht man in Litauen einen Reisepass?

Reisen mit Tieren in Litauen

Wo kann man in Vilnius sicher parken?

Wo in Litauen ist der Berg der Kreuze?

Wer kennt ein gutes Hotel in Vilnius / Kaunas?

Für was ist Litauen bekannt?

Wie begruessen sich junge Leute in Litauen?

Wie kann ich mein Fahrrad von Riga zurück nach Vilnius transportieren, wenn ich die Tour nur in eine Richtung fahren möchte (und vise versa)?

Was gibt es besonderes in Litauen?

Wann ist die beste Reisezeit für Litauen?

Wie geht der Transfer vom Flughafen Vilnius ins Zentrum?

Wie viele Einwohner hat Litauen?

Wann wurde Litauen unabhängig?

Wie heißt das litauische Geld?

Wie heißt die "heimliche" Hauptstadt von Litauen?

Wie heißt die Hauptstadt von Litauen?

Kategorie in der litauische Persönlichkeiten vorgstellt werden sollen