Woher wir stammen

Der Ursprung des Litauischen Volkes

Geschichte Litauens

 

Das 2005 von den drei Historikern, Anthropologen und Sprachwissenschaftlern Zigmas Zinkevicius, Aleksiejus Luchtanas und Gintautas Cesnys veröffentlichte Buch, erklärt dem interessierten Laien den Stand der Forschung nach der Herkunft des litauischen Volkes.

 

Gleich am Anfang des Buches räumen die Autoren mit so genannten Legenden der Herkunftsforschung auf. Sieht Tomas Venclova noch starke Ähnlichkeiten der litauischen Sprache mit dem Lateinischen, verweisen die Autoren dies in den Bereich der Legenden. 

Die Erklärung des Autorentrios ist folgender:

"...So stammen z.B. die litauische, lettische, prussische und andere baltischen Staaten aus einer gemeinsamen rekonstruierten baltischen Ursprache, die wiederum, zusammen mit derjenigen der Germanen, Slawen  u.a. Ursprachen, aus einer gemeinsamen indoeuropäischen Ursprache hervorging."

 

Diese Indoeuropäische Ursprache mit dem entsprechenden Urvolk soll von der nördlichen Küste des Schwarzen Meeres gekommen sein und in Wellen Europa erreicht haben. Diese Ursprache hat sich in verschiedene Zweige verästelt, von russisch bis zu Hindi und Bengali, um nur einige anzudeuten. (Die finno-ugrischen Sprachen ausgeschlossen).

 

Irgendwann erreichten sie auch das Baltenland, was es damals aber noch nicht mit dem Namen gab. Der ist nämlich noch recht neu. Gebräuchlich war der Name Aisten (oder Aestier). In seinem Buch Die Sprache der alten Preussen von 1845, schlug der Königsberger Professor Ferdinand Nesselbaum, ein Erforscher der litauischen Sprache, den Namen "Balten" für das Gebiet vor. 

Ende des 19. Jahrhundert hat sich dann die Bezeichnung Balten durchgesetzt.

Wie kann man heute erforschen, wo die Balten herkamen und wo sie siedelten? Die Autoren unseres Buches erforschten dafür die Namen von Flüssen im möglichen Siedlungsgebiet. Begründet wird das damit, dass sich Namen bei Besiedelung mit einem anderen Volk ändern, aber meistens der Name von den Seen übernommen wird. So fanden die Autoren heraus, dass die Litauer eigentlich so ziemlich überall in Nord- Osteuropa gesiedelt haben, am Oberlauf der Wolga, der Moskwa, Oka und Seim. 

 

Sogar Berlin könnte baltischen Ursprungs sein. Das sei aber nur eine Vermutung.

 

Dadurch, dass die Balten abgeschieden in ihren undurchdringlichen Wäldern lebten und wenig Kontakt mit ihren Nachbarn hatten, konnte sich die ursprüngliche Sprache gut erhalten.

Weiter erklärt uns das Buch den Begriff Pirttis (Sauna), die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht und warum es früher wohl Hunde, aber keine Katzen gab. Die litauischen Burgberge werden ebenso beschrieben wie der litauische Bernstein und seine Handelswege, Handel mit den Wikingern und die bekannten Burgberge als Verteidigung.

Kurenkähne sind uns allen ein Begriff, fahren doch noch heute ein paar auf dem Kurischen Haff herum. Früher waren die Kuren mit ihren Booten auch auf Beutezug, so dass es bei den Wikingern Dänemarks geheissen haben soll: "Allmächtiger Gott, beschütze uns vor den Kuren." Später gingen die Kuren in den Preussen, Letten und Litauern auf. Sie sind ebenso verschwunden, wie die im 18. Jahrhundert ausgestorbenen Prussen, die von den Kreuzrittern besiegt und übelst behandelt wurden. Die Semgalen in Livland haben Ende des 13. Jahrhunderts ihren Widerstand gegen die Deutschritter aufgeben müssen.

 

Bemerkenswert sind die Siedlungsgebiete der verschiedenen Stämme. Werfen die Litauer den Deutschen doch zu Recht vor, die Prussen vertrieben, getötet und gequält zu haben, um deren Siedlungsgebiete zu übernehmen, lebten früher in Merkine und Druskininkai die Jadwinger und am Haff die Kuren. War die Landnahme in diesen Fällen anders?

Auf Seite 101 stellen die Autoren fest:

"Allmählich bürgerte es sich ein, das zum Deutschen Reich gehörende Memelland ... die litauischen Gebiete zu nennen, auch Provinz Litauen, Klein-oder Preußisch-Litauen."

Im Vertrag vom Melnosee aus dem Jahre 1422, unterschrieben Vytautas und der Deutsche Orden, dass der Orden seine Ansprüche an Litauen aufgibt, dafür aber das Memelland bekommt. Die daraus entstandenen Grenzen waren mit die stabilste Grenzziehung in Europa. Sie hielt bis 1923, als Litauer in das nach dem I. Weltkrieg unter Verwaltung der Vereinten Nationen (hier die Franzosen) stehende Memelland einmarschierten. Nun hatte Litauen das Land "zurück", was 500 Jahre zu Deutschland gehörte und davor von Kuren und Schalauern besiedelt war. Ich bin sicherlich kein Revanchist. Aber in Gesprächen und den litauischen Medien, gehört das Memelland wie selbstverständlich schon immer zum litauischen Stammland. Ich finde das verlogen.

Auch im vorliegenden Buch sind die Deutschen die Kolonisten, die Litauer aber die natürlichen Memellandbewohner, obwohl das litauische Stammland gar nicht am Meer lag.

Weiterhin werden die Grenzen Litauens zu ihren Nachbarn untersucht, Jadwinger, Slawen und die Siedlungsgebiete bis nach Kiew. Im 13. Jahrhundert war zum Beispiel Weißrussland komplett von Balten bewohnt. Ruthenisch war neben polnisch die Sprache der Gebildeten. Auf der westlichen Seite drohte der Deutsche Orden, östlich waren die Tatarenhorden eine drohende Gefahr. Deshalb waren die Litauer ab dem 13. Jahrhundert militärisch besser organisiert als ihre baltischen Nachbarn. Trotzdem werden sie als gastfreundschaftlich, tugendhaft und anständig beschrieben. Obszöne Flüche gab es nicht (bis heute werden russische Flüche benutzt   ... j. t. m. bljad).

 

Eine wichtige Rolle spielten die Litauer, die in Preussen lebten. In Königsberg und dem Memelland wurden litauische Bücher gedruckt und nach Litauen geschmuggelt. Die litauische Kultur war hier weiter verbreiteter, als in Litauen selber, das erst von der polnischen Kultur dominiert, später vom russischen Zarenreich besetzt war und wo litauische Bücher verboten wurden.

 

Symptomatisch für "Woher wir stammen" ist der folgende Satz:

" Nach dem I. Weltkrieg wurde der am meisten litauische Teil Kleinlitauens, das sogenannte Memelland, abgetrennt und, mit autonomen Rechten, der litauischen Republik angeschlossen. So konnte das Litauertum gerettet werden, obwohl hier auch weiter Deutsche Parteien und Verbände sich zur Geltung brachten".

Wahrheit geht auch anders!

 

 

 

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